-

Die IPT Pergande ist eines der großen deutschen Lohnherstellungs- und Verpackungsunternehmen in der Agrarchemie. Dort wählte man die B + B Automations- und Steuerungstechnik in Beerfelden als Partner für die Dokumentation des Produktflusses: Track & Trace von der Produktion über den kompletten Vertriebskanal bis hin zum Endverbraucher. Eine Serialisierung der Produkte und aggregierten Verpackungen ermöglicht zudem die Ermittlung von Produktfälschungen. Alle Aufträge wurden Anfang 2017 erteilt und im Dezember des gleichen Jahres abgeschlossen.

Anzeige

Die Dokumentation des Produktflusses bei IPT Pergande entspricht den Cristal-Richtlinien. Bei Cristal (Communication Reliable Information and Standards to Agriculture and Logistics) handelt es sich um eine Initiative der European Crop Protection Association (ECPA). Als Interessenverband der europäischen Pflanzenschutzindustrie vertritt sie zahlreiche Unternehmen wie zum Beispiel BASF, Bayer Crop-Science, Dow Agro-Sciences, Dupont, Monsanto, Syngenta und diverse nationale Industrieverbände.

Die Anwendung der Cristal-Richtlinien ermöglicht eine klare Dokumentation des Produktflusses: Track & Trace von der Produktion über den kompletten Vertriebskanal bis hin zum Endverbraucher. Eine Serialisierung der Produkte und aggregierten Verpackungen ermöglicht zudem die Ermittlung von Produktfälschungen. Gearbeitet nach den Codierstandards der GS1, die auch für FMD im Pharmabereich weltweit verbreitet sind.

Einige der oben erwähnten Branchenführer haben inzwischen mit der Umsetzung begonnen und veranlassen ihre Zulieferer (Lohnhersteller und -verpacker), entsprechende Hard- und Software zu in­stallieren.

Lösungen aus einer Hand

Bei IPT Pergande verteilt sich jetzt eine Vielzahl von neuen Hardwarekomponenten auf mehrere Gebäude des Unternehmens. Im Bereich der Vorkonfektionierung wird beispielsweise eine Umspulanlage eingesetzt, um Etiketten von Rolle zu Rolle mit variablen Serialisierungsdaten zu bedrucken. Diese Etiketten werden dann mit bereits vorhandenen Spendegeräten an verschiedenen Produktionslinien verarbeitet. Jede Umspulanlage ist ausgestattet mit drei Antrieben, Bahnkantensteuerung, Thermotransferdrucker und Hochleistungskamera zur Kontrolle und Erfassung der gedruckten Daten.

Verteilt auf weitere Produktionshallen sind außerdem fünf mobile Aggregations-Arbeitsplätze für Paletten, die mit Thermotransfer-Tischdruckern und 2-D-Handscannern ausgestattet sind. Dort werden Produktgebinde manuell in Kartons aggregiert, und ein Drucker erzeugt dazu für jede Verpackungseinheit das entsprechende Serialisierungsetikett mit Data-Matrix-Code. Der Bediener erfasst den Code mit einem stationären 2-D-Codescanner, und nach Erreichen der hinterlegten Sollmenge wird automatisch ein SSCC-Palettenetikett erzeugt. Auch dieses wird nach dem Aufbringen per Handscanner erfasst.

An zwei neuen Verpackungslinien werden vollautomatische Etikettierer eingesetzt, um Gebinde beidseitig beziehungsweise rundum und auf der Oberseite mit Etiketten zu versehen. Integriert sind Thermotransferdrucker und Hochleistungskameras zur Kontrolle der gedruckten Daten. Vor jedem Gebinde-Etikettierer befindet sich eine geeichte Waage zur Gewichtskontrolle.

Multipack-Aggregationssystem erfasst unterschiedliche Produkte

Die Neuentwicklung der nachfolgend beschriebenen Arbeitsstation war eine Herausforderung für die Techniker von B + B. Auf Wunsch der ITP Pergande sollte vor der automatischen Kartonetikettierung eine Aggregation aus mehreren Produktzuführungen erfolgen, deren (gleiche oder unterschiedliche) Produkte in jeweils einem Umkarton zu vereinen sind.

Daraus entstanden ist ein sogenanntes Multipack-Aggregationssystem. Von vier Linien kommende Produkte werden durch Kamerasensoren erfasst, die in einem Erfassungswinkel von 360° kreisförmig um das Laufband herum angeordnet sind. Mit ihnen werden die auf den Produkten vorhandenen Data-Matrix-Codes erfasst und verbucht. Die Produkte werden danach in Sammelkartons gepackt, automatisch etikettiert und anschließend über weitere Kontrollwaagen geführt. Im letzten Schritt erfolgt die Vorbereitung der Kartons zur Palettenetikettierung an mobilen Aggregations-Arbeitsplätzen.

Parallel zur Integration der Hardwarekomponenten  war eine umfassende Erweiterung der IT-Infrastruktur erforderlich, um mit geeigneter Software das Handling der Informationen und deren Steuerung an die einzelnen Anlagen übernehmen zu können. 
(Bild: B + B)

Parallel zur Integration der Hardwarekomponenten war eine umfassende Erweiterung der IT-Infrastruktur erforderlich, um mit geeigneter Software das Handling der Informationen und deren Steuerung an die einzelnen Anlagen übernehmen zu können. (Bild: B + B)

Modulare Softwarestruktur zur zentralen Steuerung aller Abläufe

Parallel zur Integration dieser Hardwarekomponenten war eine umfassende Erweiterung der IT-Infrastruktur erforderlich, um mit geeigneter Software das Handling der Informationen und deren Steuerung/Zuteilung an die einzelnen Anlagen übernehmen zu können. Wichtig war auch, dass alle Hard- und Softwarekomponenten modular aufgebaut sind, damit bei neuen Anforderungen jederzeit nachgerüstet werden kann.

Der B + B Site Server dient als zentrale Datenbank und Schaltzentrale der weiteren Softwaremodule. Es werden Datenbank-Daten und Nutzerberechtigungen verwaltet. Von hier aus erfolgt auch die Kommunikation mit den Produktionslinien und externen Systemen sowie der Daten- und Meldungsaustausch mit externen Repository-Datenbanken (zum Beispiel EU-Hub) auf XML-Basis.

Die zentrale Verwaltungssoftware für die Datenbank des B + B Site Servers ist der B + B Site Manager. Er verwaltet die Benutzeroberfläche zur Verwaltung aller Fertigungsaufträge und beschickt die Produktionslinien mit den Produktionsdaten. Nach Chargenende werden die gesammelten Daten, unter anderem auch die Listen der Seriennummern, automatisch von den Linien an den Site Manager zurückgemeldet. Wichtig zu erwähnen ist auch das B + B Aggregation Module. Es realisiert Druck, Prüfung und Erfassung der Aggregations- und Seriennummern aller Primär-, Sekundär- und Tertiäretiketten. Das Modul greift dafür auf die in der Datenbank des Site Servers enthaltenen Auftrags-, Chargen- und Artikeldaten zu, die mit der Site-Manager-Software verwaltet werden.

Als Druck-Engine wird die Etikettensoftware „Labels Platform 4“ (LP4) eingesetzt. Sie nutzt für den Etikettendruck die LP4 Druckbibliotheken und Druckeranbindungen. Mit dem LP4 Etiketteneditor werden die Layout-Vorlagen (*.LP4 Dateien) erzeugt und in einem zentralen Etikettenverzeichnis abgelegt.

Durch die Integration der beschriebenen Technik und deren Datenanbindung auf allen Ebenen ist die IPT Pergande jetzt dazu in der Lage, Kundenprodukte eindeutig zu serialisieren und zu aggregieren. Das ermöglicht eine durchgängige Nachverfolgbarkeit (Traceability) auf allen Verpackungsebenen (Einzel- und Sammelpackung, Versandkarton, Palette).

Track & Trace & More in München

Am 11. Oktober veranstalten die Redaktionen von Pharma+Food und neue verpackung die Praxistagung Serialisierung. Bei der branchenübergreifende Veranstaltung rund um das Thema Track & Trace lernen Sie nicht nur, wie die technische Umsetzung funktioniert. Sondern auch, wie Sie mit den erhaltenen Daten echten Mehrwert generieren.

Alle Informationen zur Veranstaltung – und natürlich die Möglichkeit zur Anmeldung – finden Sie hier.

Unternehmen

b+b Automations- und Steuerungstechnik GmbH

Dieselstraße 18
64760 Oberzent
Deutschland

Zum Firmenprofil