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Seit 18 Jahren entwickelt der deutsche Mehrkopfwagen-Hersteller im hessischen Wetzlar Wiegesysteme, die sich mit hohen Spitzengeschwindigkeiten und geringen Ausfallzeiten auf Anwenderseite einen guten Ruf erarbeiten konnten. Nun ist das Unternehmen den nächsten konsequenten Schritt in seiner Entwicklung gegangen.

Ob nun IOT, Industrie 4.0 oder Digitalisierung – für den Wandel, den die produzierende Industrie derzeit durchläuft, gibt es viele Namen. Dazu gesellen sich Faktoren, wie immer kleinere Chargen und damit immer häufigere Produktwechsel. Die Konsequenzen sind in jedem Fall umfassend, manch einer spricht von „Disruption“. Das heißt natürlich auch, dass sich Lösungsanbieter anpassen müssen, um den modernen Ansprüchen ihrer Kunden gerecht werden zu können. Die HD Wiegetechnik und die B + M Elektronik, langjähriger Lieferant für elektronische Bauteile und Software, haben sich aus diesem Grund nun zusammengeschlossen. Das neue Unternehmen residiert unter dem Namen Multiweigh, Geschäftsführer ist Frank Schmehl. Für Schmehl war dieser Schritt naheliegend: „Wir haben Kompetenzen gebündelt und optimiert. Dadurch können wir noch schneller und präziser auf die individuellen Kundenwünsche eingehen.“ Konkret sind nun Planung und Konstruktion einerseits, Elektronik und Software andererseits, sowie der After Sales Service sehr eng miteinander verzahnt. „Hierdurch können wir praktisch auf Zuruf Technologiesprünge realisieren und Anforderungen bearbeiten“, erklärt Schmehl. Das kommt der Philosophie des Unternehmens zugute. Neben konfektionierten Mehrkopfwaagen stehen Lösungen für individuelle Anforderungen oder die Umsetzung kundenspezifischer Linien im Fokus – alles „Made in Germany“.

Bei Multiweigh entstehen die größten Mehrkopfwaagen der Welt – alles Made in Germany. (Bild: Multiweigh)

Bei Multiweigh entstehen die größten Mehrkopfwaagen der Welt – alles Made in Germany. (Bild: Multiweigh)

Auch für das Team von Multiweigh hat die neue Struktur eine besondere Bedeutung: Der strukturelle Fortschritt macht das Unternehmen auch langfristig zu einem attraktiven und sicheren Arbeitsplatz. „Wir gehen gut miteinander um, fördern die Mitarbeiter, schaffen gute Arbeitsbedingungen. Das macht uns seit Jahren zu einem gefragten Arbeitgeber in der Technologieregion Mittelhessen“, weiß Geschäftsführer Frank Schmehl.

Wohin die Reise geht, weiß Schmehl genau: „Wir wollen wachsen. In Deutschland, in Europa und weltweit. Wir werden weiterhin erstklassiger Ansprechpartner für Kunden, Systemintegratoren und Planungsbüros sein, aber auch für bestehende und zukünftige Mitarbeiter. Unsere Philosophie ist es, offen und auf Augenhöhe die Themen so zu lösen, dass alle Beteiligten mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein können“, erklärt Schmehl.

Der Einsatz FDA-zugelassener Edelstähle ist obligatorisch. (Bild: Multiweigh)
Frank Schmehl führt das mittelhessische Unternehmen. Bild: Multiweigh)

Die größte Mehrkopfwaage der Welt

Wie so oft in der Firmengeschichte, war auch im Jahr 2011 die Aufgabenstellung eines Kunden der Anstoß einer Neuentwicklung: Es ging darum, Tiefkühlkost in Faltschachteln zu dosieren. Erst einmal keine ungewöhnliche Aufgabe. Die geforderte Leistung von 480 Takten/min stellte die Ingenieure hingegen vor eine Herausforderung, an deren Ende die größte Mehrkopfwaage der Welt stand. Denn herkömmliche Technik wurde rasch als nicht ausreichend verworfen, der Einsatz von mehreren Waagen mangels Platz und zu komplexer Produktübergabe in die Schachteln abgelehnt. So entwickelten die Verantwortlichen binnen sechs Monaten die Multiweigh-48-Kopf-Waage – und nahmen sie erfolgreich in Betrieb. Statt „nur“ einer Sonderlösung entstand daraus ein komplettes neues Marktsegment, welches bislang mit Mehrkopfwaagen nicht bedient werden konnte: die Befüllung von mehrbahnigen Verpackungsmaschinen, welche bis zu 16 Gebinde – Beutel, Becher, Kartons – pro Takt produzieren und in der Summe bis zu 920 Produkte/min fertigen.

Hygienestandards und Weiterentwicklung

Der Anspruch an moderne Mehrkopfwaagen für den Einsatz mit Lebensmitteln ist hoch. Bei der Konstruktion der aktuellen Multiweigh-MW-XV-Generation wurde darum besonderes Augenmerk auf Reinigung, Hygiene und Food-safety-Aspekte gelegt.

Runde Kanten und schräge Flächen vermeiden Produktanhaftung und lassen Reinigungswasser abfließen. Mechanische Elemente in den aus Sicht von „Food Safety“ gefährdeten Zonen, dort wo Produkt fließt, sind auf ein Minimum reduziert. Auf federbelastete Elemente hat der Hersteller aus gleichen Gründen komplett verzichtet.

Beides führt zu besserer Reinigbarkeit und einer kürzeren Reinigungsdauer. Für Betreiber, die ihren Stillstand bei der Reinigung noch zusätzlich reduzieren möchten, bietet Multiweigh komplette Systeme, bestehend aus Reinigungsmaschine und darauf abgestimmten Carrier Systemen zum Transport der produktberührenden Teile, an.

Der Einsatz hochwertiger Edelstähle mit FDA-Zulassung ist obligatorisch. Die aktuellen Waagen sind zusätzlich noch komplett elektrolytisch poliert, wodurch hochverdichtete, hygienische Oberflächen entstehen.

Modular, wartungsfrei, geringe Betriebskosten

Moderne Produktionsmaschinen sollen keine ungeplanten Stillstandszeiten verursachen. Dies ist in der Praxis nur mit redundanten Systemen zu erreichen. Multiweigh-Mehrkopfwaagen sind daher modular aufgebaut. Das Betätigungsmodul beinhaltet die Wiegezelle und die Steppermotoren zur Betätigung der Behälterklappen. Zudem ist es mit einer eigenen Intelligenz ausgerüstet, welche über einen CAN-Bus mit dem Industrie-PC kommuniziert.

Ungeplante Stillstandszeiten werden mittels schnellen Austauschs von Modulen minimiert, Kosten für einen Servicetechniker können Betreiber so häufig vermeiden. Dies führt zu sehr geringen Kosten für den Betrieb einer Multiweigh-Mehrkopfwaage – und damit zu einem raschen Return-of-Investment.

Wiegen 4.0

Die aktuelle Multiweigh-Linux-Steuerung verfügt über viele Möglichkeiten der Datenübertragung an übergeordnete Netzwerke. So können die Systeme alle üblichen Datenformate unterstützen, von LAN-Netzwerken bis zu OPC-Server-Lösungen. Auch die komplette Fernsteuerung einer Waage ist möglich, hierzu stellt das Unternehmen das Softwareprogramm „ Remote Control „ zur Verfügung. Zudem werden von der hauseignen Softwareentwicklung auch kundenspezifische Lösungen angeboten.

Zu Servicezwecken kann der Kunde auch virtuell Hilfe erhalten. Hierzu wird eine VPN-Internetverbindung zwischen dem Service-Center in Wetzlar und der Waage beim Kunden hergestellt, mit dem das Service-Center Einstellungen am Display der Waage aus der Ferne vornehmen kann, um Probleme zu lösen oder eine Optimierung der Waagensteuerung beziehungsweise Produktionsprogramm vorzunehmen. Auch Softwareupdates können bequem via Internetverbindung aufgespielt werden.

Komplette Verpackungskonzepte

Neben den technischen Features steht auch die Kundenbetreuung im besonderen Fokus des Mittelständlers: Individuelle Wünsche hinsichtlich Software, Engineering und mechanischer Konstruktion können maßgeschneidert erfüllt werden. Schon in der Projektphase arbeiten die Ingenieure und Techniker eng mit dem Kunden zusammen. Von der Produktzuführung, über Bühnenbau mit Mehrkopfwaage bis hin zur Verpackungsmaschine können gesamte Verpackungslinien konzipiert werden. Oftmals führen diese speziellen Kundenanforderungen zu innovativen Lösungen, wie das Beispiel der Mehrkopfwaage zeigt.

Autor

Jessica Schmehl, Multiweigh

Unternehmen

MultiWeigh HD Wiegetechnik und Sondermaschinenbau GmbH

Altenberger Straße 43
35576 Wetzlar
Deutschland

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