Automatisierung

Kommissionieren mit Datenbrillen

Durch den Einsatz von Wearables haben die Mitarbeiter beide Hände frei. Das erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die Arbeitssicherheit. (Bild: jenausmax + valerybrozhinsky – Adobe Stock)

Egal ob Amazon, Zalando oder Otto: Jedes Jahr vermelden Versandhändler neue Rekordumsätze. Um den ansteigenden Bedarf der Konsumenten bedienen zu können, sind logistische Drahtseilakte erforderlich, damit die einzelnen Produkte rechtzeitig und in der gewünschten Qualität beim Endkunden ankommen. Dazu gehört auch das Zusammenstellen verschiedener Waren für den Versand. Klassischerweise denkt man hierbei an einen Arbeiter, der im Lager von Regal zu Regal geht, um verschiedene Posten einzusammeln. Jedes Produkt erfasst der Mitarbeiter dann einzeln per Scan. Kann der Scanner den Barcode nicht auslesen, muss das Personal die Seriennummer manuell in den Scanner eintippen. Genau an dieser Stelle entstehen aber Fehler und Zeitverluste. Der Einsatz von Augmented Reality und Wearables, wie etwa Datenbrillen, hilft bei der Vermeidung dieser Probleme.

Mithilfe der AR-Technologie werden dem Kommissionierer per Datenbrille alle kontextrelevanten Informationen direkt ins Sichtfeld des Anwenders projiziert. Diese dynamische Anzeige ersetzt klassische Papierlisten und den Umweg über einen stationären PC. Die Aufträge werden mit den Datenbrillen so an den Arbeiter ausgeliefert, dass der Mitarbeiter möglichst zeit- und laufwegoptimiert agieren kann. Wird eine AR-Lösung per Wi-Fi oder Bluetooth mit einem RFID-Armband kombiniert, lassen sich in den Bereichen Effizienz und Fehlerreduktion weitere Erfolge generieren. Hierbei kommt das automatische Scannen der RFID-Tags zum Tragen. Bereits beim Griff in die Entnahme- bzw. Ablagebox wird anhand der Tags erkannt, ob das richtige Objekt gesammelt wurde. Zum Bestätigen sendet das Gerät ein akustisches oder haptisches Signal. Im Falle eines Fehlers weist es den Arbeiter ebenfalls darauf hin. Das Armband lässt sich dabei benutzerfreundlich am Handgelenk tragen, wodurch der Scanner überflüssig ist.

Die Vision-Picking-Technologie hilft dabei, Prozessabläufe reibungsloser und unkomplizierter zu gestalten, was etwa die bedarfs- bzw. reihenfolgesynchrone Produktion unterstützt. Mit der Möglichkeit der kurzfristigen Lieferung und Verwendung von Teilen, nur dann, wenn sie benötigt werden, können Unternehmen Ersparnisse im Bereich der Lagerkosten erreichen. Begeistert zeigt sich Martin Drüke, Head of Factory Logistics bei John Deere in Mannheim: „Der gewünschte Produktionstakt, die Produktivitätssteigerung und vor allem die Qualitätsziele wurden nach zwei Wochen im Einsatz dauerhaft erreicht.“ Auch in anderen Anwendungsfällen konnten Betreiber in kurzer Zeit enorme Vorteile generieren. Im südafrikanischen Logistikzentrum des Automobilzulieferers Schnellecke Logistics wurde eine Produktivitätssteigerung von 20 Prozent erzielt, im Intel-Verteilungszentrum Arizona waren es sogar 29 Prozent. Insgesamt können Unternehmen mit den Vorteilen der AR- und RFID-Technik besser auf Kundenwünsche eingehen. Dies umfasst einerseits die bedarfsgerechte Lieferung wichtiger Teile im B2B-Bereich, aber auch das Zusammenstellen von Waren anhand multipler Bestelllisten.

Integration der Wearable-Lösungen ins Warehouse Management System. Als Schnittstelle dient im Falle des Unternehmens Ubimax der Frontline Server. (Bild: Ubimax)

Auswahl bei Hardware und Software

Um sich individualisiert an kundenspezifische Forderungen anzupassen, muss die Vision-Picking-Technologie mit einer hohen Flexibilität aufwarten. So ist es wichtig, dass sich die Software mit einer Vielzahl von Hardware kombinieren lässt. Für den robusten Einsatz eignet sich etwa die Real Wear HMT-1, die sich nicht nur durch ihre Kälte- als auch Hitzebeständigkeit auszeichnet, sondern auch wasserdicht ist. Ein anderes oft eingesetztes Modell ist die Glass Enterprise Edition. Diese wird von einem Schwesterunternehmen von Google entwickelt und hat nur ein geringes Gewicht: Mit 43 g ist sie nur geringfügig schwerer als eine normale Brille und lässt sich so bequem über eine ganze Arbeitsschicht tragen. Zudem spielt die Flexibilität der Lösung bei der Bedienung eine Rolle. Viele Modelle verfügen über eine präzise Spracherkennung, lassen sich aber auch durch Gesten oder per Sensor an der Brille selbst steuern, etwa um einen reibungslosen Ablauf in lauten Umgebungen zu ermöglichen. Auch das Anbinden an eine bestehende IT-Infrastruktur und an wichtige Systeme wie Warehouse Management Systeme stellt kein Hindernis dar. Je nach Anforderung können Unternehmen zwischen Android- oder Windows-basierten Geräten wählen.

Ergonomische Vorteile

Ein weiteres Feld, in dem AR- und RFID-Technologien positive Effekte bringen, ist die Ergonomie. Ohne den Scanner hat der Arbeiter beide Hände zum Picken frei und kann sich voll auf seine Arbeit konzentrieren. Durch das Multi-Order-Picking (listenübergreifendes Kommissionieren) lassen sich zudem unnötige Laufwege zusammenfassen. Außerdem verringert sich die Belastung im Arm- und Handbereich sowie in der Nacken- und Kopfregion, da der Griff zum Scanner zum Erfassen der Ware entfällt und die Informationsaufnahme nicht mehr über einen Blick auf eine separate Liste erfolgt. Darüber hinaus haben die AR-Lösungen Einfluss auf die Arbeitssicherheit. Die Datenbrillen können sicherheitsrelevante Hinweise, beispielsweise Regularien bezüglich notwendiger Schutzausrüstung oder Warnungen vor schweren und unhandlichen Teilen, anzeigen. Im Bereich der Lagerkommissionierung ist zudem ein wichtiger Faktor, dass sich das Picken von Waren in höheren Positionen wesentlich sicherer gestaltet: Der Arbeiter kann beide Hände nutzen, um eine Leiter hochzusteigen. Und auch das Erfassen des Produkts erfolgt automatisch und freihändig.

Das RFID-Armband X-Band lässt sich intuitiv und benutzerfreundlich Verwenden. (Bild: Ubimax)

Erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit

Wie sich der Einsatz von AR-Lösungen positiv auf potenzielle Bewerber auswirkt, zeigt eine Studie des Marktforschungsunternehmens PSB. Dabei gaben 82 Prozent der befragten Millenials an, dass eine fortschrittliche technische Ausstattung einen positiven Einfluss auf die Wahl des Arbeitsplatzes habe. Durch den Einsatz von Wearables erhält das Unternehmen ein innovatives und attraktives Image, vor allem bei jungen Fachkräften. Vorteile wie die verbesserte Ergonomie und die gesteigerte Sicherheit erhöhen abermals die Attraktivität für Arbeitnehmer. Mitarbeiter bei Firmen, die die innovativen Vision-Picking-Lösungen bereits einsetzen, äußern sich positiv gegenüber der Technologie und sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und der unkomplizierten Handhabung der Geräte.
Warum der Umstieg jetzt erfolgen sollte
AR-basierte Wearables kommen bereits heute in einer Vielzahl von Logistikzentren und Warenhäusern weltweit zum Einsatz. In den Anwendungsfällen stechen trotz des jungen Alters der Technologie die Verbesserungen in wichtigen Bereichen, wie der Effizienz und der Fehlerreduktion, hervor. Dies hilft, Prozesse unternehmensweit flüssiger zu gestalten. Um nicht im Konkurrenzkampf mit den Wettbewerbern zurückzufallen, sollten Unternehmen – unabhängig der Branche – evaluieren, welche Lösung am besten zu ihren Anforderungen passt. Dies kommt nicht nur der gesamten Wertschöpfungskette zugute, sondern hilft auch, in Zukunft qualifizierte Kräfte akquirieren zu können.

Über die Firma
Ubimax GmbH Schuppen 2
Bremen
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