Track & Trace

Warum die Rückverfolgbarkeit bei Agrochemikalien so wichtig ist

Eine überwachte Supply Chain ist immer dann besonders wichtig, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass alles, was zum Endprodukt gehört, sicher ist. Im Fall der Agrochemikalien bedeutet dies, dass alles essbare Material aus Materialien hergestellt wird, die keinem gesundheitsgefährdenden Stoff ausgesetzt waren. Dies reicht vom Weizen im Brot bis zu den Pestiziden, die auf den Weizen im Brot gesprüht werden.

Solche Agrochemikalien sind bereits streng reguliert, um nicht nur die Sicherheit des Endprodukts zu gewährleisten, sondern auch die Umwelt selbst vor den schädlichen Auswirkungen solcher chemischen Pestizide zu schützen. Mit der Entdeckung eines neuen Verständnisses der Auswirkungen auf die Umwelt werden alte Methoden und Verbindungen zugunsten der umweltfreundlicheren Methoden verworfen. Dies würde jedoch nicht zwangsläufig den Verkauf der alten Verbindungen stoppen, es sei denn, es gäbe eine Möglichkeit, diese schnell und einfach auf Authentizität und Rechtmäßigkeit dieser Chemikalien zu überprüfen. Nicht nur das, es gibt auch einen blühenden grauen Markt, auf dem gefälschte Chemikalien verkauft werden – was, wie sich herausstellt, entweder ältere, gefährlichere Verbindungen oder völlig ineffektive Chemikalien sind. Dieser graue Markt ist nicht nur frustrierend für Landwirte, die sich mit zerstörten Kulturen zurechtfinden müssen, sondern setzt auch die Verbraucher einem unannehmbaren Risiko aus und könnte sogar Markeninhaber in rechtliche Schwierigkeiten bringen.

Die European Crop Protection Agency (ECPA) entwickelte die Cristal (Communicating Reliable Information and Standards für Agriculture and Logistics) als eine Initiative, die auf die vollständige Transparenz der Lieferkette in der gesamten europäischen Agrochemie-Industrie abzielt. Cristal verwendet bereits vorhandene Technologien und Codierungsformate, um die Transparenz der Lieferkette kostengünstig zu gestalten. Dies bedeutet auch, dass diese Technologien auf der ganzen Welt bereits weit verbreitet sind, was bedeutet, dass Nicht-EU-Länder die Kennzeichnungen von Cristal in ihre eigenen Rückverfolgbarkeitssysteme integrieren können. Dies ist natürlich das ultimative Ziel des Systems – eine weltweite Sicherung der agrochemischen Industrie. Zwar besteht für die Hersteller keine formale Verpflichtung zur Einhaltung der in Cristal festgelegten Standards, der Druck der Industrie hat jedoch den Zweck erfüllt: Markeninhaber erwarten natürlich von ihren Vertragsherstellern (CMOs) oder Contract Packagers (CPOs), dass sie den Standards folgen, um sicherzustellen, dass ihre Marken sicher sind.

Auf welchen Standards beruht die Richtlinie?

In den Richtlinien sind drei zentrale, zur Unterstützung des E-Commerce jeweils notwendige Technologien festgelegt:

  • Elektronischer Datenaustausch für Verwaltung, Wirtschaft und Transport (Electronic Data Interchange for Administration Commerce and Transport, EDIFACT), der den Datenaustausch zwischen Körperschaften erleichtert
  • Identifikationscodes, die verwendet werden, um die ausgetauschten Daten mit den Produkten im System zu verknüpfen
  • Barcodes, um die physischen Produkte mit den Identifikationscodes zu verknüpfen


Insbesondere beim Festlegen der Standards für den Einsatz von Barcodes und das Kennzeichnen von Produkten nutzt Cristal die vom GS1-System vorgegebenen Barcode- und Produktkennzeichnungs-Standards. Die Cristal-Standards empfehlen den EDIFACT-Standard für die vom United Nations Center for Trade Facilitation and Electronic Business entwickelten EDI-Nachrichten.

Mit Cristal soll die Supply Chain von Agrochemikalien transparent werden. (Bild: Redaktion + Creative Hawk – Adobe Stock)

Die GS1 Standards

Als größter Teil von Cristal ist es sinnvoll, die GS1 Standards tiefer zu erklären. GS1 deckt verschiedene Services ab, die alle helfen das große Ziel zu erreichen, den Firmen die Rückverfolgbarkeit von Items innerhalb der Supply Chain zu ermöglichen. Dazu zählen Identifikationsnummern, Barcodes und E-Messaging.

Ein GS1-Identifikationsschlüssel dient dem Zugang zu den zu einem bestimmten Produkt in einer Computerdatei hinterlegten Informationen. Jede Nummer gibt es natürlich weltweit nur einmal und ermöglicht die Referenzierung von:

  • Handelsartikeln
  • Logistischen Einheiten
  • Standorten
  • Wirtschaftsgütern
  • Sendungen
  • Lieferungen
  • Dokumenten
  • Servicebeziehungen

Diese Identifikationsschlüssel dienen als globale Artikelnummer (Global Trade Item Number, GTIN) und können, je nach Bedarf, einem einzelnen Artikel oder einer Artikelgruppe zugewiesen werden. GTINs sind 14-stellig und, je nach Anwendung, empfiehlt Cristal unterschiedliche GTIN-Standards, wobei im Wesentlichen die Menge der zu übermittelnden Informationen für das GTIN-Format maßgeblich ist: GTIN-81, GTIN-122, GTIN-13 oder GTIN-14.

Mit GS1 ist sowohl der Einsatz von 1D-Barcodes als auch von 2D-Barcodes zum Übertragen von GS1-Identifikationsschlüsseln in ein leicht lesbares Format möglich. Dies trägt zur Gewährleistung eines reibungslosen Informationsflusses zwischen verschiedenen Stellen der Lieferkette bei – der GS1-Identifikationsschlüssel wird kodiert und als Barcode dargestellt, der ganz einfach in ein größeres E-Messaging-System eingelesen werden kann. Die zulässigen Barcode-Standards sind:

  • EAN/UPC
  • ITF-14
  • GS1 Data Bar
  • GS1 Data Matrix
  • EPC/RFID
  • GS1-128

Barcodes werden allgemein während des Produktionsprozesses angebracht und können, je nach Prozess, vorab zusammen mit anderen wichtigen Packstück-Informationen auf ein anschließend auf dem Packstück anzubringendes Etikett oder aber direkt auf die Verpackung gedruckt werden.

Die E-Messaging-Komponente ist das letzte Glied in der von den GS1-Standards geschaffenen Kette. Es handelt sich um eine Reihe vereinbarter Nachrichtenprotokolle zum Übertragen der als Barcodes verschlüsselten Informationen zwischen Computeranwendungen. Die E-Messaging-Komponente macht sich das globale Daten-Synchronisations-Netzwerk GS1 (Global Data Synchronization Network, GDSN) zunutze, ein internetbasiertes, weltweites Register, das Unternehmen die Möglichkeit zur Synchronisation von Lieferkettendaten mit ihren Kunden und Partnern in der Lieferkette bietet.

Unternehmen, die sich anstelle einer Barcode-basierten Rückverfolgung für eine auf Radiofrequenz-Identifikation (RFID) basierende Rückverfolgung entscheiden, empfiehlt Cristal, elektronischen Produktcodes (EPCs) RFIDs zuzuweisen. Durch das EPC Global-System, das RFID-Technologie und EPCs vereint, können eine RFID und ihr zugehöriger EPC als eindeutige Identifikationsnummer dienen, die zusammen mit der GTIN einem bestimmten Artikel zugewiesen wird. Dieses System ermöglicht ein schnelleres Scannen und Rückverfolgen von Artikeln entlang der kompletten Lieferkette.

Über den grauen Markt drohen wirkungslose oder sogar gefährliche Verbindungen in den Verkauf zu geraten. Tracke & Trace soll dies verhindern. (Bild: Drobot Dean – Adobe Stock)

Gestaltung von Logistiketiketten

Wenngleich ein vollautomatisches Track & Trace-System oberstes Ziel von Cristal ist, liegt dies doch noch in ferner Zukunft. Das bedeutet, dass die einschlägigen Informationen auch für Unternehmen ohne vollautomatische Kommunikationskanäle sichtbar gemacht werden müssen. Dafür sorgt das GS1-Logistiketikett, das klare und kompakte Informationen in einer für Mensch und Maschine lesbaren Form enthält. Ein Logistiketikett muss die folgenden Informationen enthalten:

  • Absender- und Zieladresse, kurze Beschreibung des Inhalts – Informationen, die sowohl als Text als auch als Grafik dargestellt werden können
  • Barcodes, die dieselben Informationen in einem maschinenlesbaren Format enthalten

Während die Informationen auf dem Etikett variieren können, muss die NVE sowohl in Textform als auch als Barcode dargestellt werden, damit sie als Bezugspunkt für entsprechende Informationen dienen kann. Um sicherzustellen, dass die Etiketten leicht lesbar sind, sollte das Etikett in drei Abschnitte untergliedert sein:

  • Abschnitt Lieferanteninformationen: In diesem Etikett-Abschnitt finden sich die NVE und die GTIN sowie produktspezifische Informationen wie Chargen-/Losnummer, Ablaufdatum und Produktvariante oder Behälterinhalt.
  • Abschnitt Kundeninformationen: Dieser Abschnitt beinhaltet kundenspezifische Informationen wie Bestimmungsort, Auftragsnummer sowie Informationen zu Routing und Handhabung.
  • Abschnitt Frachtführerinformationen: Dieser letzte Abschnitt beinhaltet Informationen zum Transport der Sendung.

Die einzelnen Abschnitte können jeweils zu dem Zeitpunkt hinzugefügt werden, zu dem die Informationen für den jeweiligen Abschnitt zur Verfügung stehen. Die Informationen jedes Abschnitts sollten sowohl als Barcode als auch in einem für den Menschen lesbaren Format dargestellt werden. Der Barcode sollte unter den für den Menschen lesbaren Informationen mit genügend Abstand zwischen den beiden Formaten platziert werden, um die automatische Datenerfassung zu ermöglichen.

Die Zukunft von Kulturpflanzenforschung und Rückverfolgbarkeit

Die Cristal-Standards stehen für weit mehr als die Rückverfolgbarkeit von Pflanzenschutzmitteln allein. Dieselben Standards können als Blaupause für die Umsetzung eines Rückverfolgungssystems entlang der gesamten Lieferkette in der Landwirtschaft dienen. Die Kulturpflanzenforschung macht bei der Technologie immer mehr Fortschritte, sodass es immer wichtiger wird, für mehr Transparenz in der Lieferkette zu sorgen. Die wachsende Sorge der Verbraucher hinsichtlich sogenannter genetisch veränderter Organismen (GVO) hat dazu geführt, dass EU-Verordnungen erlassen wurden, die den zulässigen, nicht kennzeichnungspflichtigen GVO-Anteil auf lediglich 0,9 Prozent begrenzen, weshalb die Identifikation von GVO in der Lebensmittel-/Futtermittel-Lieferkette noch wichtiger ist. Denn dies trägt nicht nur dazu bei, Kreuzkontaminationen zu verhindern, sondern hilft auch, die Quelle ausfindig zu machen, sollte es zu einer Kreuzkontaminationen kommen.

Andere Initiativen zur Verhinderung des sogenannten Lebensmittelbetrugs laufen ebenfalls, und Unternehmen setzen zur Lösung dieser Probleme unter anderem auch auf mehr Sicherheit in der Lieferkette. Es ist sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Branchen und Regierungsorganisationen Empfehlungen für die Umsetzung ähnlicher Rückverfolgungsstandards im gesamten Agrarsektor aussprechen werden.

Gleichzeitig sind die Anbieter von Rückverfolgungssystemen stets auf der Suche nach Möglichkeiten zur Sicherstellung von noch mehr Detailgenauigkeit, wenn es um die Rückverfolgung von Produkten und Materialien entlang der Lieferkette geht, und nach noch effizienteren Lösungen, wenn es um die Sichtbarmachung von Produktinformationen geht. Das Streben nach globaler Konnektivität spielt bei der Verbesserung der Rückverfolgbarkeit auch weiterhin eine wichtige Rolle und so ist die Kulturpflanzenforschung längst nicht die einzige Branche, die ein Interesse an der Rückverfolgbarkeit hat: Der branchenübergreifende Einsatz gemeinsamer Standards, beispielsweise der GS1-Standards, ermöglicht es auch Unternehmen mit einem breiter gefächerten Produktportfolio, Track & Trace-Verfahren in ihre gesamten Geschäftsprozesse einzubinden. Ebenso bieten Anbieter von Track & Trace-Technologien Lösungen mit der erforderlichen Flexibilität, um eine Einbindung so leicht wie möglich zu machen.

Automatische optische Inspektionssysteme können dazu beitragen, das Vorhandensein und die Lesbarkeit der erforderlichen Codes zu gewährleisten, während Track & Trace-Software die für ein erfolgreiches Serialisierungsprogramm nötige Druck- und Datenbank-Konnektivität bieten kann. Die optischen Inspektionssysteme und Track & Trace-Systeme von Mettler Toledo wurden von Experten im Bereich Serialisierung und optische Inspektionstechnologie entwickelt und eignen sich für genau die Art von Anwendungen, die für die Umsetzung der Cristal-Standards sowie künftiger Standards erforderlich sind.

Da Agrochemikalien häufig direkt oder indirekt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, ist die Sicherheit von der Supply Chain wichtig. (Bild: Dar1930 – Adobe Stock)

Kostenloses Webinar über moderne Kennzeichnungstechnik

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Über den Autor
Autorenbild
Romulo Leon, Head of Global Sales & Market Management, Mettler-Toledo Vision Inspection - PCE

Über die Firma
Mettler-Toledo Vision Inspection - PCE
Heppenheim
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