Nachhaltigkeit

Henkels Verpackungsstrategie

Ort des Geschehens war die Unternehmenskantine, wo Henkel sozusagen als Mini-Inhouse-Messe einen Stand aufgebaut hatte, der die unterschiedlichen Maßnahmen des Konzerns zur Müllvermeidung darstellt. Der Stand selbst hatte im Übrigen nur ein Gastspiel in Düsseldorf, für gewöhnlich reist dieser als Unternehmensbotschafter zu verschiedenen Veranstaltungen, um dort die Anstrengungen des Unternehmens zu visualisieren. Ende Januar wurde die Ausstellung nun für eine Woche den eigenen Mitarbeitern gezeigt, die sich in den Pausen informieren und das Gespräch mit Experten suchen konnten.

Plastik: raus aus der Umwelt, rein in den Kreislauf

Im Grunde, das war die Quintessenz, geht es nicht darum, künftig keinen Kunststoff mehr als Verpackungsmaterial zu benutzen. Sondern den entsprechenden Stoffkreislauf zu schließen. Denn „Kunststoffe“, so argumentiert Dr. Thomas Müller-Kirschbaum, Vorsitzender des Sustainability Councils von Henkel und Leiter der internationalen Forschung & Entwicklung im Unternehmensbereich Laundry & Home Care, „sind Rohstoffe wie Stahl oder Eisen und müssen ebenso wiederverwertet werden.“ Das Umweltproblem gründe weniger drauf, dass sich die Kunststoffproduktion in den vergangenen 50 Jahren verzwanzigfacht hat, sondern vielmehr darauf, dass Stand heute nur rund 14 Prozent der anfallenden Verpackungen recycelt würden. Geht dies so weiter, dann schwimmt bis zum Jahr 2050 mehr Plastik in den Weltmeeren als Fische – so eine vielzitierte Studie der Ellen MacArthur Stiftung. Entscheidend ist es also, das Thema Recycling künftig zu forcieren. Oder wie es Müller-Kirschbaum formuliert: „Wer Fortschritt will, muss sich im Kreis drehen.“

Dass Kunststoff generell ein gutes Verpackungsmaterial ist, steht für Henkel außer Frage. Schließlich seien solche Verpackungen leicht und weitgehend chemisch resistent – gerade Letzteres ist für viele Produkte aus dem Unternehmensportfolio natürlich entscheidendes Kriterium.

Die selbstgesetzten Ziele, die Henkel bis zum Jahr 2025 umsetzen will. (Grafik: Henkel)

Ziele für 2025

Um den Kunststoff in eine nachhaltige Zukunft zu führen, hat sich Henkel bis zum Jahr 2025 verschiedene Ziele gesetzt. Das Unternehmen strebt an, bis zum Zieljahr alle Konsumgüter-Verpackungen innerhalb Europas aus 35 Prozent recyceltem Kunststoff herzustellen. Aktuell kommt der Konzern hier auf eine Quote von circa zehn Prozent. Außerdem sollen bis zum Jahr 2025 nicht weniger als 100 Prozent der Verpackungen recycelbar, wiederverwendbar oder kompostierbar sein. „Dies wird wahrscheinlich so aussehen, dass rund 95 Prozent der Verpackungen recycelbar sein werden. Denn bei vielen Produkten ist eine Wiederverwendung nicht möglich. Und bei einer Kompostierung entziehen wir den Kunststoff dem Stoffkreislauf – was aus unserer Sicht nicht sinnvoll ist“, kommentiert Müller-Kirschbaum.

Mit dem Recycling von Kunststoff ist es aber nun so eine Sache: Zwar lassen sich zwar beispielsweise PET-Flaschen in einem „Closed-loop“ zu circa 50 Prozent wiederverwerten. Doch anders als beispielsweise Metall verändert sich Kunststoff chemisch beim Recycling. So ist typischerweise nach 20 Loops Schluss. Wobei es bereits Additive gibt, die bis zu 50 Loops ermöglichen.

Und noch eine weitere Einschränkung gibt es: Bisher ist es noch nicht möglich, Recyclat vollständig von etwaigen Fehlgerüchen zu befreien. Weshalb Verpackungen für Premiumprodukte wie Perwoll aktuell aus nicht mehr als 20 Prozent Recyclat bestehen. Neue, bessere Verfahren sind aber laut Henkel bereits in der Testphase.

Dr. Thorsten Leopold, Head of International Packaging Development Home Care, stellte die bereits realisierten Lösungen vor. (Bild: Redaktion)

Design und Nachhaltigkeit

Die Form der Verpackung spielt im Übrigen ebenfalls eine tragende Rolle beim Reduzieren von Plastikmüll. Durch intelligentes Verpackungsdesign konnte Henkel den Materialeinsatz reduzieren und Gewichtseinsparungen bis zu 40 Prozent realisieren –als Beispiel hierfür zeigte Müller-Kirschbaum in Düsseldorf eine Duo-Caps-Verpackung, die aus dünnwandigem Kunststoff besteht aber trotzdem formstabil bleibt. Der Trick: Eine Kartonummantelung, die nach Gebrauch einfach zu entfernen ist, gibt den nötigen Halt. Und auch mit seinen neuen Flüssigwaschmittel-Flaschen verbraucht das Unternehmen schon heute jedes Jahr rund 3.500 t weniger Plastik.

Auch an anderer Stelle schafft Design Abhilfe. Für die Tatsache, dass recycelter Kunststoff in aller Regel gräulich-trüb erscheint, was vom Konsumenten häufig negativ aufgenommen wird, gibt es eine simple Lösung: Ein ebenfalls einfach zu entfernendes Sleeve, das die rPET-Verpackung verdeckt.

Der menschliche Faktor

Drittes und nicht weniger wichtiges Ziel bis 2025 ist es für Henkel, mehr als eine Milliarde Verbraucher durch gezielte Informationen zum Thema Recycling zu erreichen. Dazu gehören Kooperationen mit Städten, vor allem in Asien, in denen Henkel die Einführung von Recyclingkonzepten unterstützt. Noch aktiver wird das Unternehmen mit der Plastic Bank: Hier wurde in Haiti ein System geschaffen, bei dem die Menschen Plastik am Strand einsammeln und an einem von bisher drei Collection Center (zwei weitere sind bereits geplant) abgeben. Im Gegenzug erhalten sie keine Geld- sondern Sachleistungen. Das kann eine Handyladung sein oder ein Voucher für die dort bezahlpflichtigen Schulen. Der Kunststoff wird dann vor Ort geschreddert und ans Festland geschifft, wo er weiterverarbeitet wird. Die ersten auf diese Art entstandenen Flaschen wurden im Übrigen bereits in Europa in Umlauf gebracht.

Projekte wie die Plastic Bank lösen gleich zwei Probleme: Zum einen wird der Kunststoffabfall aus der Natur entfernt, zum anderen steht den Unternehmen wieder mehr Alt-Plastik zur Verfügung. Denn die Tatsache, dass immer mehr Hersteller auf Recyklat setzen, macht sich langsam auch an anderer Stelle bemerkbar: Gutes Recyklat ist aufgrund der Nachfrage derzeit teurer als Neuware.

Dr. Christian Detrois, Corporate Packaging Manager, Nestlé Deutschland, ist Referent auf dem 2. Packaging Summit.

(Bild: Nestlé)

Nachhaltigkeit auf dem 2. Packaging Summit

Wie der Lebensmittelkonzern Nestlé das Thema Nachhaltigkeit angeht, darüber berichtet Dr. Christian Detrois, Corporate Packaging Manager, Nestlé Deutschland, am 4. April in München auf dem 2. Packaging Summit, einer Veranstaltung von Werben & Verkaufen und neue verpackung. Über zwei Tage und vier Themenblöcke – Marketing, Digitalisierung, Design und Nachhaltigkeit – berichten Top-Referenten, unter anderem von Nestlé, Werner & Mertz, Katjes, Der Grüne Punkt, Mondi und Heidelberger Druckmaschinen, über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aus der Welt der Verpackung.

Alle Informationen finden Sie unter www.packagingsummit.de.

Über den Autor
Autorenbild
Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung

Über die Firma
Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf
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