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Digitalisierung

Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum eStandards und Maag mit gemeinsamer Entwicklung

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Wie lässt sich im Falle eines Falles beispielsweise eine Verpackungsfolie zurückverfolgen? Wie können wir dem Hersteller oder Abpacker von Lebensmitteln die relevanten Daten bereitstellen? Wie lassen sich Verpackungen auf Chargenebene identifizieren und eindeutig der richtigen Lebensmittelcharge zuordnen? Ansgar Schonlau, Managing Director von Maag, fasst hier nur einige der zunächst offenen Fragen zusammen.

Sichere und jederzeit zurückverfolgbare Produkte sind für die Lebensmittelbranche ein Must-have. Die Prozesse sind hierfür schon seit Jahren standardisiert. Den Rahmen geben Gesetze vor. Doch nicht nur für die Lebensmittel selbst, sondern auch für deren Verpackungen gelten diese Anforderungen. Wer Ware im Falle einer kontaminierten Lebensmittelfolie zurückverfolgen und möglichst kleine Mengen an Lebensmitteln aus den Regalen des Handels zurückrufen können will, der muss Produkte auf Ebene von Chargen identifizieren können. Um dies zu erreichen, ist der Einsatz von Standards sinnvoll. Die notwendigen Informationen sollen auf elektronischem Weg über Standardformate an die Kunden übermittelt werden. Damit standardisierte, elektronische Nachrichten versendet werden können, ist es auch notwendig, alle Verpackungsfolien eindeutig mit Standards zu identifizieren.

Mit Standards Waren auf Knopfdruck zurückverfolgen

Gemeinsam mit dem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum eStandards hat der Iserlohner Verpackungsspezialist Lösungen entwickelt. Der Schlüssel dazu sind digitale Technologien und Standards. Maag kennzeichnet seine Folien mit standardisierten Artikelnummern und verschlüsselt sie zusammen mit der Charge in einem Barcode. Standardisierte Identnummern und Barcodes stellen sicher, dass die Lebensmittelfolien eindeutig einem Hersteller zugeordnet und die Barcodes universell von allen Beteiligten gelesen werden können. Im Gegensatz dazu erlauben unternehmenseigene Artikelnummern keine eindeutige Zuordnung, was eine automatisierte und schnelle Rückverfolgbarkeit erschwert. Bei der Auslieferung der Produkte übermittelt Maag die Daten zum Produkt in einem elektronischen Lieferavis. So kann der Kunde die relevanten Daten einfach per Knopfdruck im Wareneingangsprozess in die eigenen Systeme einfließen lassen und sie stehen ihm schnell zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. „Auch Bestellungen und Rechnungen können wir künftig elektronisch empfangen und versenden, da die Produkte darin eindeutig identifiziert werden“, ergänzt Schonlau.

Die Digitalisierung ermöglicht eine durchgängige Belegkette mit standardisierten Nachrichtenarten.
(Bild: GS1 Germany)

Die richtige Folie zum richtigen Salat

„Die Einführung von Standards ist ein wichtiges Kriterium für die Rückverfolgbarkeit von Produkten. Für unsere Kunden können wir daraus zusätzlich einen Mehrwert generieren und ihre Prozesssicherheit erhöhen“, sagt Schonlau. „Das Beispiel eines Kunden, der unsere Folien für frische Salatmischungen für die Kühltheke verwendet, macht das deutlich.“

Neben den Vorteilen des nahtlosen Informationsflusses von Maag in das System der Kunden lassen sich die im Barcode der Folie verschlüsselten Informationen mit dessen Abpack-Maschinen koppeln. Soll beispielsweise Wildkräutersalat abgepackt werden, wird hierfür eine andere Folie benötigt als für Salatmischungen, die auch Möhren und Trockenfrüchte enthalten. Die Folien unterscheiden sich im Material oder durch die Perforation – also Größe und Anzahl von Luftlöchern zum „Atmen“. Die Perforation entscheidet maßgeblich über die Haltbarkeit des Salats. Ist der Prozess digitalisiert, ist an den Maschinen des Abpackers sichergestellt, dass die richtige Folie zum richtigen Produkt verwendet wird. Soll Wildkräutersalat verpackt werden, versehentlich kommt aber Folie für Möhrensalat zum Einsatz, erkennt die Maschine den Irrtum und stoppt den Prozess, wenn der Barcode der falschen Folie gescannt wird.

Maag produziert flexible Verpackungen unter anderem für die Lebensmittelbranche. Die Verpackungsfolien erhalten eine eindeutige Kennzeichnung als Grundlage für Rückverfolgbarkeit und sichere Prozesse.
(Bild: Maag)

„Die Daten sind beim Kunden so hinterlegt, dass Produkt und Verpackung zusammenpassen müssen. Wird die falsche Folie gescannt, stoppt das Abpackband automatisch. Verwechslungen sind so ausgeschlossen. Das ist ein elementarer Bestandteil. Denn nur mit der richtigen Folie sinkt die Menge des Verderbs, Salate bleiben so länger frisch“, erläutert Bernd Hecking, Technical Director und Leiter des Digitalisierungsprojekts bei Maag. „Intern haben wir für uns diese Prozesssicherheit schon umgesetzt, jetzt ermöglichen wir das auch unseren Kunden. Bisher haben alle in der Wertschöpfungskette auf ihrer eigenen Insel gearbeitet. Mit Standards können wir diese nun verknüpfen.“

Der Einsatz von Standards für Artikelnummern oder von elektronischem Datenaustausch (EDI) ist zwischen der Konsumgüterindustrie und dem Einzelhandel schon lange etabliert (Downstream). Vorlieferanten der Lebensmittelhersteller waren in dieser Informationskette (Upstream) aber bisher kaum eingebunden. „Handgeschriebene Lieferscheine sind hier noch immer gang und gäbe. Wir haben diese Ära für uns nun beendet“, erklärt Hecking.

Neue Gesprächsebene mit Kunden dank Know-how in Digitalisierung

Für Maag hat sich die Umstellung auf Standards schon mehr als ausgezahlt. Schonlau ist von der Unternehmensstrategie überzeugt: „Digitalisierung hilft uns und unseren Kunden, Fehler zu vermeiden, Prozesse zu beschleunigen, Kosten zu reduzieren und nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen. Viele Aufträge unserer Kunden werden jedes Mal neu ausgeschrieben. Früher ging es ausschließlich um den Einkaufspreis. Doch die Digitalisierung hat uns auf eine höherwertige Gesprächsebene gehoben. Indem wir digitalisiert haben, verbessern sich die Prozesse unserer Kunden, Ressourcen werden gespart oder Verderb minimiert. Heute sprechen wir bei Verhandlungen zwar auch noch über Preise, aber immer häufiger über Themen wie Digitalisierung oder Circular Economy. Das hat uns ganz andere Potenziale erschlossen.“

Über den Autor
Autorenbild
Tobias Wolff, Referent Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum eStandards

Über die Firma
maag GmbH
Iserlohn
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