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Verpackungsmaschinen

Interview mit Stefan Runkel und Andreas Dietrich, Weber Maschinenbau

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neue verpackung: Im Januar 2019 ist das neue Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Ihre Kunden aus den Bereichen Fleischverarbeitung und Käseherstellung sind direkt betroffen. Wie hoch ist die Unsicherheit?
Stefan Runkel: Die Hersteller, mit denen ich gesprochen habe, waren recht entspannt, denn die Vorgaben kommen von den großen Supermarktketten und sprechen grob eine Sprache: erstens Reduzierungen der Foliendicken, zweitens Einsatz von recyclinggerechten Materialien. Das ist zwar stark auf Deutschland bezogen, aber auch im europäischen Ausland gibt es ähnliche Bemühungen, den Kunststoffanteil zu reduzieren.

Andreas Dietrich: Das Wissen zu Recycling und Anforderungen neuer Verpackungssysteme an die Technik ist häufig nicht ausreichend vorhanden. Manche Hersteller produzieren ihre Produkte unter verschiedenen Markennamen, zum Beispiel auch als Eigenmarken der Discounter, mit jeweils anderen Ansprüchen an die Verpackungslösung. Das kann schwierig sein, da verschiedene Verpackungssysteme unterschiedliche Anforderungen an die Technik stellen. Unsere Kunden suchen daher nach fachlicher Beratung und Unterstützung.

neue verpackung: Welche Empfehlungen geben Sie einem Kunden, der auf der IFFA zu Ihnen kommt und unsicher ist, auf welches Pferd er setzen soll, das heißt in welche Maschine er investieren soll?
Stefan Runkel: Die Vorgaben kommen meist vom LEH. Dennoch stehen wir unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite. Herr Dietrich wird während der IFFA als Berater für diese Themen fungieren und mit unseren Kunden ganz individuell über Vor- und Nachteile der Recyclingkonzepte sprechen sowie darüber, ob oder was an den Thermoformern geändert werden muss, um die Materialien der Zukunft zu verarbeiten.

Andreas Dietrich: Die Lösung hängt stark vom Einzelhandel ab. Besonders schwer wird es bei Herstellern, die in verschiedene europäische Märkte liefern, da die Vorgaben von Land zu Land unterschiedlich sind. In Deutschland ist hohe Wiederverwertung der Kunststoffe für gleichwertige Produkte gefragt, in Benelux steht man mit einer Packung, die aus mindestens 85 Prozent Papier besteht, gut da und in Schweden soll es eine Folie rein biologischen Ursprungs sein.

neue verpackung: Hersteller sollen höhere Lizenzent­gelte für schlecht recycelbare Verpackungen für die Entsorgung ihrer Verpackungen an duale Systeme zahlen müssen. Was kommt auf Ihre Kunden zu? Müssen sie ihre Verpackungen umstellen?
Andreas Dietrich: Laut EU ist ab 2021 eine Abgabe von bis zu 0,80 Euro/kg für nicht beziehungsweise schlecht recycelbare Verpackungen geplant. Besonders wenn es weh tut beziehungsweise Geld kostet, werden Innovationen vorangetrieben, die allen über kurz oder lang zugutekommen. Letztlich hängt es von Entsorgern und Recyclern ab, ob sie Verpackungen für die Wiederverwendung zertifizieren. Bei Verpackungen für leicht verderbliche Waren, wie sie auf unseren Maschinen hergestellt werden, ist das besonders schwer, da die Folien immer aus verschiedenen, fest miteinander verbundenen Kunststofflagen bestehen. Lebensmittelproduzenten müssen sich also umstellen. In Deutschland stehen Verpackungen aus Polyolefinen, also Polypropylen und Polyethylen, am besten da. Noch besser ist es, wenn man nur einen der beiden Kunststoffe einsetzt, kombiniert mit einer Barriere. Verpackungen werden sich aber nicht von heute auf morgen komplett ändern. Und Kunststoffe werden nach wie vor ein wichtiger Bestandteil bleiben, bieten sie doch ungeschlagenen Produktschutz zu wirtschaftlichen Preisen.

Experten im Bereich Verpackungstechnik: Stefan Runkel und Andreas Dietrich beraten ihre Kunden über die neuen Anforderungen an Verpackungssysteme.
(Bild: Weber)

neue verpackung: Verpackungen sollen mehr Rezyklate enthalten. Allerdings reicht das von der Verpackungsindustrie geforderte Qualitätsniveau oft nicht aus. Und der Kontakt mit Lebensmitteln ist gesetzlich streng geregelt. Was bedeutet das für Ihre Kunden?
Andreas Dietrich: Bei aus Recycling gewonnenen Kunststoffen besteht die Gefahr, dass diese mit gefährlichen Stoffen belastet sind. Denken Sie an den Heimwerker, der seine Farben oder Lösemittel in PET-Flaschen aufbewahrt und sie irgendwann wieder dem Recycling zuführt. Bei Verwendung solcher Rezyklate ist ein geschickter Aufbau der Folie gefragt. Zum Lebensmittel hin benötigen wir eine zugelassene Barriere, die es vor möglichen Kontaminationen schützt.

Stefan Runkel: Rezyklate werden mehr und mehr Einzug in unsere Verpackungen finden, es sind aber noch einige Hürden zu überwinden. Ein Thema hat Herr Dietrich bereits erwähnt, ein anderes ist die Transparenz. Momentan ist es technisch leider weitestgehend nicht möglich, beim Recycling nach Farben zu sortieren. Was passiert also? Verschiedene Farben werden zusammen weiterverarbeitet. Solche Kunststoffe lassen sich zwar bleichen oder einfärben, was allerdings nicht geht: die Transparenz wiederherzustellen. Zumindest ist mir kein System bekannt.

In Deutschland ist hohe Wiederverwertung der Kunststoffe für gleichwertige Produkte gefragt, in Benelux steht man mit einer Packung, die aus mindestens 85 Prozent Papier besteht, gut da und in Schweden soll es eine Folie rein biologischen Ursprungs sein.
(Bild: Weber)

neue verpackung: Neue Verpackungskonzepte müssen vergleichbare Vorteile wie herkömmliche Lösungen bieten. Sie müssen das Produkt schützen, für Haltbarkeit sorgen. Müssen die Verbraucher und insbesondere der Handel in Kauf nehmen, dass Produkte beispielsweise weniger lange haltbar sind?
Andreas Dietrich: Nein, es gibt bereits Verpackungskonzepte auf Basis von Polyolefinen mit EVOH Barriere, die keinerlei Nachteil in der zu erwartenden Haltbarkeit haben. Bei Mono PET beziehungsweise echten Mono Folien allerdings sind die Barriereeigenschaften speziell für empfindliche Wurstprodukte meist nicht ausreichend. Hier kann sich die Haltbarkeit deutlich reduzieren und Produkte können vergrauen. Auf die gesamte Verpackung betrachtet, Produkt, Folie und Etikett, stecken im Durchschnitt etwa 90 Prozent der aufgewendeten Ressourcen im Lebensmittel und nur etwa 10 Prozent in der Verpackung. Spart man Ressourcen an der Packung, werden mehr Lebensmittel weggeworfen und das verschlechtert die Umweltbilanz sogar.

Stefan Runkel: Circa 50 Prozent des Haltbarkeitszeitraums verbringt eine Verpackung im Supermarktregal, denn der Konsument erwartet, dass ein Produkt immer vorrätig ist. Ist es das nicht, greift er gegebenenfalls zu einem anderen Produkt oder wechselt sogar den Supermarkt – Hersteller und Supermarkt wollen das natürlich nicht. Eine Lösung: kleinere Lieferungen in kürzeren Abständen. So könnte man zwar das MHD einschränken und Folie reduzieren, allerdings würden dadurch die Logistikkosten steigen und weitere LKW die Luft verschmutzen. Was ich damit sagen will: die Wertschöpfungskette muss sich grundsätzlich ändern. Zu einer Verbesserung kann jeder Konsument selbst beitragen. Laut einer Forsa-Umfrage von 2011 werfen 19-33 Prozent der Konsumenten Lebensmittel weg, weil das MHD abgelaufen ist. Hier sei deutlich gesagt: ein MHD zeigt an „Mindestens haltbar bis“ und nicht „tödlich ab“.

Vom gewichtsgenauen Schneiden bis zum präzisen Einlegen und Verpacken von Wurst, Fleisch und Käse: Weber Maschinenbau ist Komplettlösungsanbieter für Aufschnittanwendungen.
(Bild: Weber)

neue verpackung: Wie sind recyclingfähige Verpackungen für den Verbraucher erkennbar, muss er sich darauf einstellen, die Bestandteile einer Verpackung voneinander zu trennen, um sie sortenrein zu sammeln?
Stefan Runkel: Recyclingfähige Verpackungen sehen nicht unbedingt anders aus als herkömmliche Verpackungen. Ich gehe aber davon aus, dass Hersteller vermehrt mit Recyclingfähigkeit werben, trifft es doch genau den aktuellen Umwelttrend. Schon heute gibt es Packungen, die man sortenrein trennen kann. Hier sehe ich großes Potenzial, kann man doch die Barriereeigenschaften von Kunststoffen sehr gut mit biologischen Rohstoffen kombinieren. Ein Beispiel sind Joghurtbecher, bei denen man den Papierrand abziehen kann. Man hat die Barriereeigenschaften des Kunststoffes, kann allerdings die Dicke reduzieren und auf den Druck verzichten. Die Stabilität wird durch das Papier gegeben. Geniales Konzept, welches wir auch in unserem Marktsegment für möglich halten. Allerdings muss der Endverbraucher hier noch seine Gewohnheiten ändern. Damit solche Packungen ordentlich recycelt werden können, MUSS er die verschiedenen Packstoffe voneinander trennen. Ansonsten kann es passieren, dass der Joghurtbecher von der Recyclinganlage entweder als Kunststoff oder Papier erkannt wird.

neue verpackung: Verpackungen müssen am Point of Sale punkten, wirtschaftlich herzustellen sein, Folien müssen maschinengängig sein. Wie ist der Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie möglich?
Andreas Dietrich: Es ist zu erwarten, dass gerade Hochleistungsmaschinen durch den Einsatz neuer Folien in ihrer Leistung gebremst werden, was sich zunächst in einem höheren Verpackungspreis niederschlagen wird. Steuernde Eingriffe über Abgaben werden dieses Pro­blem hoffentlich lösen, sodass sich Materialien, die sich für eine Kreislaufwirtschaft eignen, auch wirtschaftlich einsetzen lassen oder Herstellern sogar einen wirtschaftlichen Vorteil bringen. Aber Vorsicht, nicht alles was danach aussieht, zum Beispiel Papier, ist auch gut für die Umwelt. Um es für Lebensmittel einzusetzen, muss nach wie vor eine Kunststoffschicht auf dem Papier sein.

neue verpackung: Welche Herausforderungen kommen auf Sie als Verpackungsmaschinenhersteller zu, wenn die Maschinen sowohl Mono- als auch papierbasierte, konventionelle und unter Umständen bioabbaubare Materialien verarbeiten müssen?
Stefan Runkel: Die Herausforderung wird nicht bei den Maschinenherstellern liegen, sondern bei den Rohstofflieferanten und Folienherstellern. Es gibt weltweit tausende Maschinen, die mit den herkömmlichen Herstellungsprozessen arbeiten. Die kann man nicht von heute auf morgen austauschen. Daher werden sich vermutlich nur Details ändern, um das Maximum aus der Folie herauszuholen und so wenig Abfall wie möglich zu produzieren.

neue verpackung: Wie muss sich die Zusammenarbeit mit dem Packstofflieferanten intensivieren? Gibt es eine exklusive Zusammenarbeit zwischen Weber Maschinenbau und einem Packstofflieferanten?
Andreas Dietrich: Ganz klar nein. Es gibt gemeinsame Projekte mit einzelnen Lieferanten, das beschränkt sich aber auf das konkrete Projekt. Wir bleiben neutral, sind offen für eine Zusammenarbeit zur Entwicklung neuer Prozesse und Materialen und pflegen zu allen Packstofflieferanten ein freundschaftliches Verhältnis.

neue verpackung: Wie arbeiten Sie mit dem Handel zusammen, der ja auch ganz spezielle Anforderungen an Ihre Kunden, die produzierenden Unternehmen, hat?
Stefan Runkel: Bisher leider gar nicht – der Handel spricht mit den Herstellern und die Hersteller mit den Maschinenbauern. Ich hoffe, das ändert sich in Zukunft. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, die Umwelt zu entlasten. Das geht nur zusammen.

neue verpackung: Wir sind gespannt, was Sie auf der IFFA an Neuheiten zeigen werden. Was erwartet uns?
Stefan Runkel: Neben nachhaltigen Verpackungskonzepten werden wir die neue Generation unserer Tiefziehverpackungsmaschine vorstellen. Wir setzten zum Beispiel vermehrt auf elektrische Antriebe, um unsere Maschinen noch energieeffizienter zu machen und teure Druckluft zu vermeiden. Außerdem präsentieren wir unser umfassendes After-Sales-Produkt „Weber Guardian“, welches hält, was der Name verspricht: Es schützt unsere Kunden vor ungewollten Störungen und macht die Zukunft planbar. Aber das sind nur einige der Projekte, die wir auf der IFFA vorstellen. Das eigentliche Highlight wird unsere einzigartige Linienkompetenz für komplette Aufschnittlinien aus einer Hand sein. Das werden wir auf der IFFA in Perfektion zeigen.

Die Fragen stellte Eva Middendorf, Redaktion neue verpackung

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Über unsere Gesprächspartner

Seit 18 Jahren dreht sich für Stefan Runkel, Produktmanager Verpackung, beruflich alles um Tiefziehverpackungsmaschinen. Vor seiner Tätigkeit als Produktmanager bei Weber sammelte er Erfahrung in den Bereichen Konstruktion, Projektmanagement und technischer Vertrieb. Neben dem Beruf absolviert er ein Studium zum Wirtschaftsingenieur.

Andreas Dietrich, Anwendungstechnik Verpackung, ist seit 31 Jahren in wechselnden Positionen in der lebensmittelverarbeitenden Industrie tätig, unter anderem in den Bereichen Kundendienst, Anwendungstechnik, Folientechnologie sowie als Schulungsleiter für alle Thermoformer-Themen. Schon immer steht er im direkten und engen Kundenkontakt – und das in den unterschiedlichsten Märkten im In- und Ausland.

Über die Firma
Weber Maschinenbau GmbH
Breidenbach
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