Verpackungsdruck

IML-Technologie versus Letterset

Beginnen wir mit dem moderneren Verfahren IML. IML steht für „In Mould Labeling“, das heißt, dass bedruckte Folien – sogenannte Labels – in einem automatisierten Vorgang in die Kontur eines Spritzgießwerkzeugs eingelegt und beim Einspritzen des flüssigen Kunststoffs mit diesem verbunden werden. Das dann fertige Produkt wird aus dem Werkzeug entnommen, von einem Kamerasystem hinsichtlich verschiedener Parameter kontrolliert und verpackt – alles voll automatisiert. Der gesamte Herstell- und Verpackungsprozess findet in einer einzigen Anlage statt. Diese besteht aus einer Kombination von Spritzgießmaschine, Werkzeug und Automatisierung.

Mit den IML-Labels hat der Kunde umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten, seine Anforderungen und Wünsche umzusetzen. Das betrifft sowohl die Wahl des Materials als auch die Materialstärke, ganz besonders aber betrifft dies optische Effekte – von glänzend, matt und transparent über Metallic-Effekte bis hin zu „abziehbar“ und spülmaschinenfest. Auch haptische Effekte wie Soft-Touch und Orangenhaut lassen sich mittels IML-Technologie realisieren. Und selbst Sicherheitsmerkmale sind mit diesem Verfahren umsetzbar. Durch die hohe Druckauflösung ist der Druck fotorealistisch.

Grundsätzlichen gibt es zwei Verfahren für das Bedrucken von Kunststoffröhren. Nur welches eignet sich wann?
(Bild: Jaco)

Letterset: mehr Freiheit bei Farben

Dem gegenüber steht das schon viel länger eingesetzte Letterset-Verfahren – ein indirektes Hochdruckverfahren, das sich hinsichtlich des Aufbaus von Druckplatten und Druckbildern wesentlich von Tiefdruckverfahren unterscheidet, wie dies beispielsweise im Buchdruck realisiert wird. Im Letterset-Verfahren werden spritzgegossene Artikel gleichmäßig einer Druckmaschine zugeführt, auf der sie dann ihre Dekoration erhalten. Unmittelbar vor dem Druck werden die Artikel mittels Hochspannung auf eventuelle Beschädigungen kontrolliert und gegebenenfalls ausgeschleust. Bedruckt wird mit UV-Sonderfarben und UV-Lack; getrocknet wird mittels UV-Licht. Das Verfahren wird als indirektes Verfahren bezeichnet, weil die Farbe zunächst von bis zu acht Farbkästen auf Druckplatten gelangt und dann vor dem eigentlichen Druck auf sogenannte Gummitücher aufgetragen wird. Nach dem Druckprozess werden die Artikel je nach Kundenwunsch entweder lose in Transportbehälter geschüttet oder über eine separate Verpackungsmaschine geordnet verpackt.

Beim Letterset sind zwar keine fotorealistischen Drucke möglich, dafür ist der kostengünstige Einsatz von Sonderfarben möglich.
(Bild: Jaco)

Beim Letterset-Verfahren werden die Farben vor Ort gemischt. Damit ist der Anwender nicht auf Grundfarben angewiesen und kann den gesamten Druck in Sonderfarben gestalten. Im Gegensatz zum IML-Verfahren ist eine Regulierung der Farbtöne an der Druckmaschine möglich, weil Voll- und Halbtöne auf den Druckplatten abgebildet werden können und weil mehrere Farbwerke zum Einsatz kommen.

Soweit zu den beiden Verfahren an sich. Nach welchen Kriterien aber soll sich ein Kunde entscheiden, ob er sein bedrucktes beziehungsweise dekoriertes Produkt lieber in diesem oder besser in jenem Verfahren herstellen lässt?

Welches Verfahren soll ein Kunde wählen?

Pro IML

  • fotorealistische Druckqualität
  • verschiedene Veredelungsmöglichkeiten (beispielsweise Mattlack, Glanzlack, Metallicfolie usw.)
  • zahlreiche Möglichkeiten, durch Einsatz von CMYK-Farbpalette Druckbilder zu gestalten
  • verschiedenste Sicherheitsmerkmale möglich
  • verschiedene Folientypen möglich: Papier, Metallic, Barriere usw.

Contra IML

  • Kosten sind stark von den Labels bestimmt und damit nicht in der Hand des Herstellers, sondern in der Hand von dessen Lieferanten
  • bei Reklamationen großer Zeitverlust, weil Labels erst vom Label-Lieferanten nachgedruckt werden müssen, bevor sie beim Hersteller verarbeitet werden können
  • Druck mit Sonderfarben ist tendenziell sehr teuer
  • begrenzte Flexibilität der Hersteller hinsichtlich der Artikel, weil die Anlagen meist artikelspezifisch konzipiert sind
  • Labels, die vom Kunden abgenommen wurden, können während des Produktionsprozesses nicht mehr hinsichtlich Farben nachgebessert werden

Pro Letterset

  • alles aus einer Hand: Keine Abhängigkeit von Lieferanten des Herstellers
  • hohe Liefergeschwindigkeit
  • Anlagen sind auf andere Formate umrüstbar
  • individuelle Nachjustierung der Farben möglich
  • bis zu acht Sonderfarben kostengünstig umsetzbar

Contra Letterset

  • Kleinserien sind wegen der Umrüstzeiten an den Maschinen vergleichsweise teuer
  • kein fotorealistischer Druck
  • keine Sondereffekte möglich
  • Anzahl der Farben ist auf acht begrenzt, da CMYK nicht in Letterset umsetz­bar ist
Beim IML-Verfahren werden bereits bedruckte Folien mit Kunststoff umschlossen.
(Bild: Jaco)

Damit richtet sich die Wahl des Verfahrens und des Herstellers nach den individuellen Bedürfnissen. Ist der Kunde auf der Suche nach fotorealistischer Druckqualität mit ausgefallenen Veredelungsmöglichkeiten, wird er sich vermutlich für einen Hersteller entscheiden, der Produkte anbietet, die im IML-Verfahren gefertigt werden. Legt er hingegen viel Wert auf die Unabhängigkeit von Unterlieferanten sowie auf hohe Liefergeschwindigkeit, die Möglichkeit, dass Farben noch während des Herstellungsprozesses optimiert oder angepasst werden können und auf größere Flexibilität bei der Auswahl der Formate des Produkts, dann ist wahrscheinlich das Letterset-Verfahren der Favorit.

Über die Autorin
Autorenbild
Verena Multhaupt, Geschäftsführerin, Jaco

Über die Firma
Jaco – Dr. Jaeniche GmbH & Co. KG
Kehl-Leutesheim
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