Umfrage des BMEL gestartet

Nährwertkennzeichnung: Was wäre Ihr Favorit?

Welches der vier zur Auswahl stehenden Modelle zur Nährwertkennzeichnung wäre Ihr Favorit?

(Bild: Mikhail Mishchenko – Fotolia)

Verbraucherforschung ist EU-rechtlich die Grundvoraussetzung, um ein System durch den notwendigen Notifizierungsprozess steuern zu können. Das EU-Recht gibt zudem vor, dass ein erweitertes Nährwertkennzeichnungssystem national nicht verpflichtend für Lebensmittelunternehmen sein kann. So wie es beispielsweise in Frankreich auch nicht der Fall ist.

Bundesministerin Julia Klöckner hatte gemeinsam mit den Koalitionsfraktionen, dem Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft und der Verbraucherzentrale Bundesverband entschieden, mit vier Modellen in die Umfrage zu gehen:

  • Keyhole-System
  • Nutri-Score aus Frankreich
  • System der Lebensmittelwirtschaft
  • System des Max-Rubner-Institutes

Die Befragung wird von einem unabhängigen Markt- und Meinungsforschungsinstitut, der Info GmbH durchgeführt. Die Teilnehmer der insgesamt zehn Fokusgruppen werden nach festgelegten Kriterien zusammengestellt, beispielsweise Alter, Geschlecht, Region, Stadt und Land, höherer bzw. geringerer Bildungs- und Einkommensstatus. Auch ernährungsmitbedingt Erkrankte werden befragt. In rund zweistündigen moderierten Fokusgruppen werden die Teilnehmer die vier zur Wahl stehenden Modelle hinsichtlich ihrer Wahrnehmung, Verständlichkeit sowie hinsichtlich des Verbraucherverständnisses diskutieren.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Diskussionen in den Fokusgruppen wird im August und Anfang September 2019 eine quantitative Analyse stattfinden, die für die Bevölkerung in Deutschland repräsentative Ergebnisse erbringen wird. In verschiedenen Interviewformaten werden circa 1.600 Verbraucher befragt.

Informationen zur Umfrage

  • Meinungsforschungsinstitut: Info GmbH
  • Zeitraum und Befragte: Juli bis September 2019
  • Repräsentative Befragung: circa 1.600 Personen
  • Durchmischung von Alter, Geschlecht, Regionen, Stadt und Land
  • Gruppen mit höherem und geringerem Bildungs- und Einkommensstatus
  • auch Gruppen mit Teilnehmern, die ernährungsbedingt erkrankt sind

Studiendesign

  • Juli/August: Qualitative Befragung in Gruppendiskussionen (zehn Fokusgruppen)
  • August/September: Quantitative Befragung (Online- und face-to-face-Interviews)

Studienziel

Welches Modell bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Alltag?

Info GmbH untersucht:

o Wahrnehmung verschiedener Systeme

o Verständlichkeit

  • Ist ein bestehendes System auch objektiv verständlich, ohne dass das System erklärt werden müsste?

o Verständnis der Verbraucherinnen und Verbraucher

  • Verstehen Verbraucher das vorliegende Modell tatsächlich?
Leserumfrage
Nährwertkennzeichnungs-Modelle: Welches würden Sie wählen?

Derzeit stehen verschiedene Modelle zur Nährwertkennzeichung zur Diskussion. Uns interessiert: Welches wäre Ihr Favorit?

Keyhole

Hintergrund: Das Keyhole wurde 1989 von der schwedischen Lebensmittelbehörde „Livs-medelsverket“ entwickelt und wird derzeit in mehreren nordeuropäischen Ländern (u. a. Nor-wegen, Dänemark, Schweden und Island) auf freiwilliger Basis als Modell einer erweiterten Nährwertkennzeichnung genutzt.

Design: Das Keyhole stellt graphisch ein weißes Schlüsselloch auf grünem Grund dar. In Ausnahmefällen kann es auch auf schwarzem Grund dargestellt werden. Es ist monochrom und enthält keine Zahlen oder Fakten.

Nährwertangaben: Das Keyhole stellt eine Positivkennzeichnung dar. Mit dieser Kenn-zeichnung werden diejenigen Produkte markiert, die innerhalb einer bestimmten Produktgrup-pe anhand von verschiedenen ausgewählten Nährstoffen zusammenfassend als positiv bewer-tet wurden. Als Entscheidungsgrundlage der Bewertung, ob ein Produkt mit dem Keyhole® gekennzeichnet werden darf oder nicht, werden je Produktgruppe spezifische Grenzwerte für Nährstoffgehalte bezogen auf 100 g des Produktes herangezogen. Die Grenzwerte orientieren sich dabei an den Nordic Nutrition Recommendations (NNR). Produktgruppen, die insgesamt als nicht positiv bewertet werden, z. B. Desserts oder Süßigkeiten, dürfen die Positivkenn-zeichnung grundsätzlich nicht tragen.

Modell-Entwurf des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.

Hintergrund: Im Rahmen der Diskussion um eine erweiterte Nährwertkennzeichnung für verpackte Lebensmittel in Deutschland hat der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmit-telkunde e.V. (BLL; bald Lebensmittelverband Deutschland) einen eigenen Entwurf vorgelegt.

Design: Der Entwurf des BLL sieht eine größtenteils monochrome Gestaltung vor und besteht aus beschreibenden Wörtern, Zahlen sowie farblich hervorgehobenen Kreisdiagrammen, durch die die prozentualen Anteile an den Referenzmengen für Energie und die jeweiligen Nährstoffe dargestellt werden.

Nährwertangaben: Die Gehalte an Energie und den einzelnen Nährstoffen werden pro 100 g bzw. 100 ml des jeweiligen Lebensmittels angegeben. Zusätzlich dazu wird der Energiegehalt als prozentualer Anteil an der in der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) festgeleg-ten Referenzmenge in Form eines Tortendiagramms dargestellt. Bei Lebensmitteln in Por-tionsverpackungen, die zum Einzelverzehr bestimmt sind und deren Portionsgröße kleiner 100 g bzw. 100 ml ist (z. B. bei Schokoladenriegeln), ist alternativ auch die Bezugsgröße „pro Packung“ möglich.

Modell-Entwurf des Max Rubner-Instituts

Hintergrund: Im Rahmen der Diskussion um eine erweiterte Nährwertkennzeichnung für verpackte Lebensmittel in Deutschland hat das Max Rubner-Instituts (MRI) einen eigenen Modell-Entwurf präsentiert. Dieser setzt sich inhaltlich aus unterschiedlichen Aspekten be-stehender Nährwertkennzeichnungs-Modelle zusammen.

Design: Die Sterne bewerten zusammenfassend das Lebensmittel. Mehr Sterne bzw. mehr farblich ausgefüllte Felder zeigen eine günstigere Bewertung des Lebensmittels an. Die petrolfarbene Füllung bei den einzelnen Gehalten indizieren, ob die im Produkt enthaltenen Mengen als nie-drig und damit günstig angesehen werden können. Dies wird über eine erläuternde Fußnote mit Hinweis auf die hierfür geltende Bewertungsgrundlage (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel (Health-Claims-Verord-nung, HCVO)) verdeutlicht.

Nährwertangaben: Der Modell-Entwurf des MRI bewertet zusammenfassend den Energiegehalt sowie den Ge-halt an ausgewählten Nährstoffen eines Lebensmittels. Zusätzlich werden bei der Bewertung die Anteile ausgewählter Lebensmittelgruppen (z. B. Obst, Gemüse, Ballaststoffe und Nüsse), deren alimentäre Zufuhr für eine ausgewogene Ernährung anzustreben ist, berücksichtigt. Hierzu werden Grenzwerte, bezogen auf 100 g bzw. 100 ml des Produktes, herangezogen, um Punkte zu vergeben. Die Summe der Punkte (Basis-Punkte für Inhaltsstoffe, deren übermä-ßige Zufuhr mit einem erhöhten Risiko für ernährungsmitbedingte Erkrankungen verbunden ist und modifizierende Punkte für Inhaltsstoffe, für die ein gesundheitlicher Nutzen belegt ist) wird in Kategorien übersetzt und durch die unterschiedliche Anzahl an farblich hinterlegten Sternen deutlich.

Nutri-Score

Hintergrund: Der Nutri-Score wird von den Regierungen in Frankreich (seit 2017) und Belgien (seit 2018) als bevorzugtes Modell einer erweiterten Nährwertkennzeichnung auf freiwilliger Basis empfohlen.

Design: Der Nutri-Score ist eine Kombination aus Buchstaben und den an eine Ampel an-gelehnten Farben Grün, Gelb, Orange und Rot, wobei jeder Buchstabe einer festen Farbe zu-geordnet ist (A = dunkles Grün, E = Rot). Es werden weder Zahlen noch Fakten dargestellt.

Nährwertangaben: Der Nutri-Score bewertet zusammenfassend über eine Farb-Buchsta-ben-Kombination den Gehalt an Energie und ausgewählten Nährstoffen. Zusätzlich werden bei der Bewertung die Anteile ausgewählter Lebensmittelgruppen (z. B. Obst, Gemüse, Bal-laststoffe und Nüsse), deren alimentäre Zufuhr für eine ausgewogene Ernährung anzustreben ist, berücksichtigt. Hierzu werden Grenzwerte bezogen auf 100 g bzw. 100 ml des Produktes herangezogen, um Punkte zu vergeben (Positivpunkte für Inhaltsstoffe, für die ein gesundheit-licher Nutzen belegt ist, und Negativpunkte für Inhaltsstoffe, deren übermäßige Zufuhr mit ei-nem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden ist). Die Summe der Punkte wird in die verwen-deten Kategorien übersetzt: Je günstiger die zusammenfassende Bewertung ausfällt, desto mehr tendiert die Bewertung zur Farbe Grün bzw. zum Buchstaben A.

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