Paletten

Mehr Sicherheit bei Transport und Lagerung mit zertifizierten Paletten

Paletten mit dem Zertifikat „HPE Certified Pallets“ bringen den Nutzern von Paletten unter anderem einen Nachweis darüber, dass der Palettenhersteller die Palette nach bestimmten Vorgaben entwickelt hat und sie mit dauerhaft hoher Qualität fertigt.
(Bild: HPE)

Entwickelt und aufgebaut hat dieses Zertifizierungsverfahren der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung, kurz HPE, aus Bad Honnef oder genauer gesagt seine Fachgruppe „HPE Certified Pallets“. Die Auditierung der Palettenhersteller wird allerdings nicht vom HPE durchgeführt, sondern von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle, der Bundes-Gütegemeinschaft Montagebau und Fertighäuser (BMF). Die anerkannte Gütegemeinschaft kennt sich mit Holz, Holzkonstruktion und Statik gut aus. So verleiht sie unter anderem die RAL-Gütezeichen für Holzhausbau, Holzrohelementherstellung und Mobile Raumsysteme. Die Zertifizierungsstelle ist wiederum bei der Deutschen Akkreditierungsstelle akkreditiert. 

Geprüfte Qualität gibt zusätzliche Sicherheit

Sicherheit und Qualität stehen bei der Planung und Fertigung von Holzpaletten für den Warenverkehr an erster Stelle. „Sicherheit bedeutet weniger Arbeitsunfälle, geringere Kosten und Verlässlichkeit bei Transport und Lagerung, Bestellung und Lieferung durch kontinuierlich gleichbleibende Qualität“, erläutert Jürgen Rademacher, Leiter der Fachgruppe HPE Certified Pallets. Um die Palettenqualität sicherstellen zu können, hat der Verband eine Palettenrichtlinie erarbeitet und 2017 vorgestellt. Sie gilt für Standard- und Sonderpaletten. Die HPE-Richtlinie enthält detaillierte Vorgaben für die Herstellung und Verwendung von Paletten. Sie beleuchtet unter anderem die Bereiche Beschaffung, Produktion und Verpacken, Lager und Transport, Versand sowie Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. 

Auf Basis der Richtlinie kann jeder Nutzer von Paletten den Einsatz einer technisch optimalen Palette aus Holz für den jeweiligen Einsatzzweck sicherstellen. Die HPE-Palettenrichtlinie ist auch das von Kunden der Palettenhersteller nachgefragte Standardwerk für Paletten aus Holz und beschreibt ausführlich die Anforderungen für deren Herstellung und Verwendung. Der Qualitätsstandard wird in der Richtlinie definiert, um die geeignete Palettenqualität für die Kunden sicherzustellen. Dabei geht es nicht darum, einmalig eine tolle Palette zu bauen. Vielmehr geht es um Wiederholgenauigkeit bei jedem Stück, bei jeder Charge, in all den Jahren, in denen ein Palettentyp hergestellt wird. 

So sieht Joachim Hasdenteufel, Geschäftsführer der Hapack Packmittel und langjähriger HPE-Vorsitzender, in der Gründung der Fachgruppe und der Erstellung der Paletten-Richtlinie „eine überfällige und wichtige Antwort auf die oft beklagte Verschlechterung der Palettenqualität im Markt“. Joachim Hasdenteufel weiter: „Jeder Kunde, der eine qualitätsgesicherte Palette kaufen möchte – ob Standard- oder Sonderpalette – hat in Zukunft die Möglichkeit, dies bei den zertifizierten Mitgliedern der Fachgruppe zu tun und somit sicher sein zu können, dass er das, was er benötigt, auch verlässlich bekommt. Von der belastungsgerechten Konstruktion über die Papierseite bis hin zur adäquaten Ausführung ist der gesamte Prozess transparent und nachvollziehbar.“

Erkennbar sind HPE Certified Pallets durch ihre Kennzeichnung mit dem HPE-Fachgruppenlogo und einer Hersteller- und Palettentypnummer.
(Bild: Ludwig Paletten)

Mehr Sicherheit durch statische Berechnung

Um die Sicherheit eines Palettentyps in der gesamten logistischen Kette nachzuweisen, sollten Paletten heute statisch berechnet werden. Den HPE-Mitgliedsunternehmen steht hierbei die verbandseigene Software „Pallet-Express“ zur Verfügung. Mit ihr können Holzpaletten exakt konstruiert und auch gemäß dem jeweiligen Einsatz statisch berechnet werden. Auf diese Weise kann der Kunde einen nachvollziehbaren Nachweis darüber erhalten, mit welchen Lasten die Paletten maximal beladen werden dürfen. „Die Nutzung der Software und der Nachweis einer entsprechenden Schulung sind übrigens zwei der wesentlichen Voraussetzungen, um Mitglied der Fachgruppe HPE Certified Pallets zu werden“, erklärt der HPE-Verbandsgeschäftsführer Marcus Kirschner. Drei Aspekte sind dabei aus seiner Sicht eng miteinander verwoben: Sicherheit, Statik und Holzqualität. „Nur wenn dieser Dreiklang harmoniert, garantieren Paletten mit der Kennzeichnung HPE Certified Pallets, die von auditierten Mitgliedern der Fachgruppe Paletten produziert werden, die Einhaltung des Versprechens von höchster Qualität sowie ein Maximum an Zuverlässigkeit und Haltbarkeit für die jeweilige angedachte Verwendungssituation“, führt er aus. 

 

Zertifizierte Sonderpalette für einen Hersteller von Stahldraht von Bropack: Die Palette ist bereits seit mehreren Jahren ohne einen Vorfall im Einsatz; mit den früher verwendeten Paletten hatte es einen schweren Unfall gegeben.
(Bild: Bropack)

Mit Pallet-Express können Paletten nach dem Stand der Technik dreidimensional konstruiert und berechnet werden. Die Software basiert auf sehr umfangreichen Prüfungen von Paletten und Palettenbrettern. Unter unabhängiger wissenschaftlicher Begleitung des BFSV Verpackungsinstituts wurden rund 4.000 Bruchtests mit unterschiedlichen Holzarten durchgeführt. Basierend auf den Ergebnissen wurden die Berechnungsverfahren gemäß DIN EN 1995 – des Eurocode für den Baubereich – unter Berücksichtigung der Belastungsfälle nach DIN EN ISO 8611 übernommen. Der Rechenkern führt die Berechnungen nach der Finite-Elemente-Methode durch. Die statische Berechnung der Paletten mit dieser Software liefert nicht nur praxisgerechte Ergebnisse für die Tragfähigkeit von Holzpaletten, sondern auch einen Nachweis, dass die Palette exakt auf die spätere Verwendung hin abgestimmt wurde. 

Welche Palettenhersteller können das Zertifikat erwerben?

Nur die Mitglieder der Fachgruppe HPE Certified Pallets können das Zertifikat erwerben. Sie verpflichten sich durch ihre Mitgliedschaft in der Fachgruppe zur Anwendung der HPE-Palettenrichtlinie. Mitglied dieser Fachgruppe können wiederum nur Betriebe werden, die im HPE organisiert sind und über langjährige Erfahrung der Herstellung von Holzpaletten verfügen. Diese Betriebe stellen im Rahmen einer Selbstverpflichtung und externen Auditierung die Einhaltung der Palettenrichtlinie sicher und garantieren damit den Palettenverwendern eine abgesicherte und geprüfte Qualität. 

Die HPE-Fachgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Leistungsstandards für die Entwicklung, Kons­truktion, Herstellung und Handel von Paletten zu ermitteln, festzulegen, ständig dem neuesten Stand des technischen Wissens anzupassen und dafür Sorge zu tragen, dass diese von den Fachgruppenmitgliedern nicht unterschritten werden, sofern sie sich auf diese Leistungsstandards beziehen. Voraussetzungen für die Mitgliedschaft sind insbesondere die Einhaltung der HPE-Palettenrichtlinie und der Einsatz von Pallet-Express.

Weltweite Identifizierbarkeit

Erkennbar sind die zertifizierten Paletten durch ihre Kennzeichnung mit Fachgruppenlogo und einer Hersteller- und Palettentypnummer. Die Herstellernummer wird einmalig durch die HPE-Geschäftsstelle nach bestandenem Erstaudit vergeben. Die Palettentypnummer wird per Zufallsgenerator beim Hochladen des Datenblatts erzeugt und bei einem Hersteller nicht doppelt vergeben. Dies führt zu einer eindeutigen Kennzeichnung des Palettentyps. Entweder über das Internetportal www.hpe-pallets.com oder mithilfe einer eigens entwickelten App führt die individuelle Nummer der Palette automatisch zum Datenblatt in der Datenbank (Cloud). Es steht dauerhaft zur Verfügung und enthält Angaben zu Hersteller/Lieferant, zur Konstruktion der Palette und zu maximalen Traglasten für unterschiedliche Verwendungszwecke. Das Produktdatenblatt dient der Identifizierung der Kennzeichnung von Paletten mit dem Logo der Fachgruppe zur Lieferung von Paletten nach HPE-Standard mit vereinbarten Eigenschaften. Der jeweilige Einsatzzweck der Palette und die zugehörige Belastbarkeit sind somit genau dokumentiert. Ohne viel technischen Aufwand, wie zum Beispiel mit RFID-Gates, kann mit der aktuellen technischen Ausstattung in der Praxis jeder Teilnehmer der Logistikkette ohne viel Aufwand weltweit die Daten zu einer Fachgruppenpalette abrufen, auch der Staplerfahrer vor Ort oder der Lagerist in der Halle. 

Erste HPE-zertifizierten Paletten auf dem Markt

„Ein Hersteller von Stahldraht hatte einfache Paletten in Sondermaß im Einsatz“, berichtet Andreas Bronner, Geschäftsführer der Bropack Bronner Packmittel in Dornhan-Leinstetten. Nachdem sich ein schwerer Unfall ereignet hatte, nahm sich der Sicherheitsbeauftragte des Drahtherstellers der Sache an und fragte bei uns an. „Wir haben die Daten für die Tragfähigkeitsberechnungen aufgenommen“, fährt Andreas Bronner fort. Klar war dann, dass diese Paletten für die Belastungen bei Weitem nicht ausgereicht haben. „Entsprechend der Neukonstruktion liefern wir jetzt die berechneten Paletten. Das ist rund fünf Jahre her. Die Paletten funktionieren einwandfrei. Es gab keinen Schaden mehr“, sagte Andreas Bronner abschließend. Jetzt sind diese Paletten zusätzlich zertifiziert. 

Die Gebrüder Robers aus Südlohn haben die Zertifizierung ebenfalls mit einer kundenspezifischen Palette durchlaufen. Ein Kunde beauftragte den Hersteller mit der Konstruktion einer Palette, die in erster Linie für den internen Warentransport dienen sollte; es kann dabei aber nicht ausgeschlossen werden, dass sie in den externen Versand gelangt. Auf der Palette werden unterschiedlichste Produkte eingelagert beziehungsweise transportiert. Zudem musste die Palette für Hochregallager geeignet sein und den Transport über verschiedene Fördertechniken wie Kettenbänder und Rollengänge aushalten.

„An uns ist ein neuer Kunde aus dem Chemiebereich herangetreten“, erklärt Josef Winkelheide, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Unternehmens aus Senden. Seine besondere Anforderung war, auf Basis der Außenabmessungen eines bestehenden Chemiepaletten-Formats eine deutlich höhere Tragfähigkeit zu erhalten. „Weil die Maße wegen der innerbetrieblichen Förder- und Lagersysteme kaum verändert werden durften, haben wir durch eine explizite Holzauswahl und spezielle Dimensionierungen einzelner Bauteile der Palette die Aufgabenstellung zur vollsten Zufriedenheit unseres Kunden gelöst“, sagt Josef Winkelheide. Vorausgegangen war die statische Analyse der Standardkonstruktion und Optimierung verschiedener Elemente und Verbindungen. So hat der Palettenhersteller seine ersten kundenspezifischen Paletten mit HPE-Zertifikat für die chemische Industrie entwickelt und gefertigt.

Bei dem Palettenhersteller Schlesselmann aus Asendorf hatte der Auftraggeber besondere Statikanforderungen und hohe Ansprüche an die Holzsortierung über die Norm hinaus. „Mit dieser HPE-zertifizierten Palette bieten wir unserem Kunden die Sicherheit, dass er nachhaltig und qualitätsgesichert mit seinen Paletten zufrieden sein wird“, betont der Geschäftsführer Ralf Schlesselmann.

„Unsere erste Certified Pallet ist eine hochwertige, technisch getrocknete Sonderpalette der Größe 1.050 auf 1.700 Millimeter für einen Gewebehersteller, der großen Wert auf Auditierung und Einhaltung der Spezifikationen legt, da er auch in den Automobilbereich liefert“, betont Katja Link, Geschäftsführerin von Ludwig Paletten aus Baden-Baden. Wegen der Lastverteilung der beladenen Palette auf den Staplergabeln ist eine genaue Platzierung der Klötze und Unterzüge wichtig, um eine zu große Durchbiegung zu vermeiden. Weil sich das Ladegut in die Fugen hineindrücken kann, ist der vorgeschriebene kleine Deckbrettabstand einzuhalten.

Über die Autorin
Autorenbild
Kirsten Werner

Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE)

Über die Firma
Bundesverband (HPE) e.V. Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackungen
Bad Honnef
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