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Zur gemeinsamen Strategie von MK und Heidelberg

„Unseren Anwendern den kompletten Workflow liefern“

Li Li, President Masterwork Group und Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung, vor dem Interviewtermin.
Li Li, President Masterwork Group und Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung, vor dem Interviewtermin.
(Bild: MK)

neue verpackung: Die chinesische Strategie „Made in China 2025“ aus dem Jahr 2015 sei, so liest man, inspiriert von der deutschen Industrie 4.0. War die Beteiligung an Heidelberger Druckmaschinen vielleicht auch deshalb reizvoll für Masterwork, da  beide Unternehmen das Thema Digitalisierung stark fokussieren?

Li Li: Völlig richtig. Das Thema Digitalisierung, aber auch im weitesten  Sinne Automatisierung, stehen im Fokus unserer Entwicklungsanstrengungen. Zusammen mit Heidelberger Druckmaschinen wollen wir unseren Kunden hierzu künftig ganzheitliche und vernetzte Lösungen über die gesamte Wertschöpfung vom Druck bis in den Postpress-Bereich anbieten können.

Michael Neugart: In Kooperation mit MK haben wir die Chance, unseren Anwendern im Verpackungssegment künftig Lösungen für deren kompletten Workflow zu liefern. Wichtig zu bemerken ist: Schon jetzt gibt es hier in China Beispiele, bei denen wir mit unseren beiden Portfolios erfolgreich Projekte umsetzen konnten.

neue verpackung: Das baut im Grunde auch gleich auf meine nächste Frage auf: Die von Ihren beiden Unternehmen angebotenen Lösungen komplimentieren sich auf Maschinenseite. Gibt es aber vielleicht noch „weiße Flecken“, die Sie künftig durch Eigenentwicklungen, Kooperationen oder auch Aufkäufe abdecken möchten?

Michael Neugart: Die eine oder andere Neuentwicklung haben Sie bereits heute auf unserer Werksführung gesehen, beispielsweise den neuen Laser-Cutter, mit dem sich eine ganze Reihe neuer Applikationen erschließen.

Li Li: Unsere beiden Unternehmen haben gemeinsam, dass wir Forschung und Entwicklung sehr ernst nehmen. Sie können also davon ausgehen, dass es hier auch künftig die eine oder andere in direkter Kooperation entstandene Neuheit geben wird. Was wir hier bei MK natürlich bereits umgesetzt haben, ist die Übertragung der Quali-tätsstandards von Heidelberg in unsere Produktion.

Hierfür hatten wir in den vergangenen Jahren mehrere Audits, bei denen sich unsere Mitarbeiter unter Anleitung der Heidelberger Kollegen in allen Details mit deren Maschinen auseinandersetzten. So konnten wir von der Expertise aus Deutschland profitieren und auf unsere eigenen Werke übertragen. Das betrifft alle Aspekte, von Sicherheitsstandards bis zum Service.

Michael Neugart: Das war natürlich keine Einbahnstraße. So konnten wir ebenfalls auf Applikationsseite bei unseren chinesischen Kollegen viel von deren Anwendungsexpertise lernen, beispielsweise im Zigarettenmarkt: Verzierung, Folierung – hier konnten wir profitieren.

Der neu entwickelte MK Laser-Label Cutter im Einsatz.
Der neu entwickelte MK Laser-Label Cutter im Einsatz.
(Bild: Redaktion)

neue verpackung: Mit den gewachsenen Qualitätsstandards sollten sich für MK sicherlich ein paar neue Türen öffnen. Und wie wir heute erfahren haben, baut MK im nahegelegenen Industriepark einen neuen Standort, der dreimal so groß ist wie das Werk, in dem wir dieses Interview führen – Sie haben also ambitionierte Pläne für die Zukunft. Gibt es bestimmte Zielmärkte, die hier aus Ihrer Sicht bestimmend sein werden?

Li Li: Den sicherlich stärksten Wachstumsmarkt haben wir sozusagen direkt vor unserer Haustür: China. Hier ist das Wachstum im Bereich Packaging weiterhin ungebrochen, da immer mehr Menschen den Sprung in die Mittelschicht schaffen – und damit auch mehr konsumieren. Wir sprechen hier nach wie vor von einem jährlichen zweistelligen prozentuellen Wachstum. Auf unserer Kundenseite wächst hierdurch auch gleichzeitig der Bedarf an hochautomatisierten und damit effizienten Lösungen. Hierfür bringen wir uns mit unseren aktuellen und kommenden Entwicklungen ein.

Aber auch in westlichen Ländern stehen die Zeichen im Packaging-Bereich auf Wachstum – nicht zuletzt durch unsere Kooperation mit Heidelberg erhoffen wir uns stärkeren Zugang zu diesen Märkten.

Michael Neugart: Dem kann ich nur zustimmen: In China ist jede Menge Wachstum zu verzeichnen. Hier ist MK allerdings auch bereits Marktführer. Das sieht im Ausland noch ganz anders aus, weshalb es dort nicht nur um das dort stattfindende Wachstum, sondern ganz grundsätzlich um Marktanteile geht. Und es sind nicht nur die bereits bestehenden Lösungen, sondern die künftig angedachten, von denen wir uns Großes erwarten – natürlich auch für uns.

neue verpackung: Dann bleiben wir vielleicht gleich bei Heidelberger Druckmaschinen und dem Thema Wachstum: Was bedeutet der Markt China für Sie?

Michael Neugart: Das muss man differenziert betrachten. China ist für uns der größte Markt für Bogenoffsetdruckmaschinen. Zudem produzieren wir bereits heute zwischen 25 und 30 Prozent unserer Druckwerke hier in China – das sind also keine Exporte mehr, sondern in China gefertigte Heidelberg-Maschinen. Für China, aber auch für andere Märkte. Das heißt, dass China kein reiner Exportmarkt für uns ist, sondern wir mittlerweile auch aus China heraus exportieren.

Im Bereich der Falzmaschinen gehen derzeit zehn Prozent aller Einheiten nach China. Und diese Zahl soll natürlich steigen. Denn China ist nicht ein, sondern der Markt schlechthin, für den uns MK künftig noch die eine oder andere Tür öffnen kann – beispielsweise im bereits erwähnten Markt für Tabakprodukte.

Li Li: Wenn Sie sich den chinesischen Markt ansehen, dann haben dort bereits viele Kunden Maschinen von Heidelberg und MK. Bei diesen Betrieben wollen wir vor allem mit unseren automatisierten Lösungen rund um die Kernprozesse punkten, beispielsweise mit Roboterlösungen.

neue verpackung: Um noch einmal auf das Thema Digitalisierung zu kommen: Hier geht es ja nicht nur um neue Maschinenlösungen, sondern auch gänzlich neue Geschäftsmodelle. Heidelberg beispielsweise hat im Printbereich bereits erfolgreich das sogenannte Subscription-Modell eingeführt. Gibt es Überlegungen, solche neuen Geschäftsmodelle auch auf die gemeinsamen Gesamtlösungen zu übertragen?

Li Li: Wir betrachten diese Entwicklungen natürlich sehr aufmerksam, auch das Heidelberg-Subscription-Modell und hatten hierzu bereits Gespräche. Weiterhin hat MK bereits ein eigenes Unternehmen für das Leasing unse-rer Maschinen gegründet, ein Modell, das bereits sehr gut angenommen wird. Und so könnten künftig auch Modelle wie ein Pay-per-unit oder Subscription-Modell bei MK entstehen.

Michael Neugart: Noch einmal zur korrekten Einordnung: Unser Subscription-Modell ist eine output-basierte Idee. Logisch betrachtet, sollte dies aber nicht beim Druck enden, sondern idealerweise den gesamten Prozess beim Kunden betrachten. Also natürlich auch die Weiterverarbeitung. 

Über den Autor
Autorenbild
Philip Bittermann

Chefredakteur neue verpackung

Über die Firma
Heidelberger Druckmaschinen AG
Wiesloch
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