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Push-Pack-Technik zur Produktion von Vierrandsiegelstreifen

Nachhaltige Verpackungstechnik „Made in Germany“

Leicht zu öffnen: Push Packs von Romaco Siebler.
Leicht zu öffnen: Push Packs von Romaco Siebler.
(Bild: Romaco)

Romaco Siebler ist derzeit der einzige Maschinenanbieter am Markt, der die neuen, extrem dünnen und PVC-freien Huhtamaki-Folien zu sicheren und dichten Arzneimittelverpackungen verarbeiten kann.

Mit den durchdrückbaren Streifenverpackungen der Push-Pack-Produktfamilie bringen Romaco und Huhtamaki eine Alternative zu den gängigen Blisterverpackungen auf den Markt. Push Packs bieten äquivalente Barriereeigenschaften wie Blister und lassen sich auf die gleiche Weise öffnen: Ganz, wie es der Anwender von einem Blister gewohnt ist, kann bei einem Push Pack das darin enthaltene Arzneimittel einfach mit dem Daumen herausgedrückt werden. Und auch optisch orientieren sich die Push Packs an den marktüblichen Blisterverpackungen: So kann auch bei den Standard-Push-Packs transparente Folie verarbeitet werden, die einen Blick auf den verpackten Inhalt ermöglicht. Da bei einem Push Pack zwei Folien umlaufend versiegelt werden, kann im Vergleich zu einem kaltgeformten Blister die Barriereschicht aus Aluminium sehr dünn ausfallen – sie liegt je nach den an die Primärverpackung gestellten Barriereanforderungen zwischen 9 und 25 μm. Bei einem Alu-Alu-Blister hingegen erfordert das Tiefziehen des Aluminiums sehr hohe Foliendicken. Ein kaltgeformter Alu-Alu-Blister wiegt deswegen mehr als doppelt so viel wie ein auf einer Streifenverpackungsmaschine von Siebler produzierter High-Barrier-Push-Pack.

Mit Push Packs Material und Kosten sparen.
Mit Push Packs Material und Kosten sparen.
(Bild: Romaco)

Kostenersparnis von bis zu 60 Prozent

Dieser deutlich geringere Materialeinsatz geht mit einer erheblichen Kostenersparnis einher: Gegenüber einem Standard-Alu-Alu-Blister liegt das Einsparpotenzial bei bis zu 60 Prozent. „Push Packs bieten Pharmaunternehmen damit nicht nur die Möglichkeit, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, sondern auch noch deutlich günstiger zu produzieren“, erklärt Rolf Izsak, für die Entwicklung der Push Packs verantwortlicher Produktmanager bei der Romaco Pharmatechnik GmbH.

Für die Herstellung der Push Packs wird in der Standard- und Barriereausführung eine fünflagige Verbundfolie aus PE oder Surlyn, Aluminium und PET von Huhtamaki eingesetzt. Die Durchdrückfunktion der Folie wird dabei durch eine Perforation der PET-Deckschicht ermöglicht. Bei der Standardausführung der Push Packs ist die Barriereschicht aus Aluminium wahlweise 9 oder 12 μm dünn. Bei den High-Barrier-Push-Packs, die sehr hohe Dichtigkeitsanforderungen gegenüber Licht, Luft und Feuchtigkeit erfüllen, wird eine 25 μm dünne Aluminiumschicht verwendet. Aufgrund des reißfesten PET-Films sind Push Packs von Kindern nur sehr schwer zu öffnen, während die darin enthaltenen Arzneimittel von älteren Menschen problemlos herausgedrückt werden können. Die geringen Lufteinschlüsse in den vergleichsweise kleinen Kavitäten der Push Packs sorgen für eine längere Haltbarkeit der Medikamente. Außerdem kommen Push Packs im Gegensatz zu vielen Blisterformfolien ganz ohne PVC aus.

Recycelbare Push Packs aus Polyolefin-Laminat.
Recycelbare Push Packs aus Polyolefin-Laminat.
(Bild: Romaco)

Weltweit erste recycelbare Einzelverpackung für pharmazeutische Solidaprodukte

Während bereits die Standard- und High-Barrier-Push-Packs aufgrund des Verzichts auf PVC und des geringeren Materialverbrauchs eine erheblich bessere Ökobilanz als Blisterverpackungen aufweisen, gehen Romaco und Huhtamaki seit Kurzem sogar noch einen Schritt weiter: mit der weltweit ersten recycelbaren Streifenverpackung für pharmazeutische Feststoffe. Die Ökoausführung der Push Packs besteht aus recycelbarem Polyolefin-Laminat, das als Wertstoff entsorgt und mit einer Recyclingquote von über 70 Prozent in den Materialkreislauf zurückgeführt werden kann. Möglich macht dies die einzigartige Struktur der Huhtamaki-Folie: Recyclingfähige Push Packs bestehen zu über 90 Prozent aus den Werkstoffen Polyethylen und Polypropylen, die derselben Materialklasse angehören.

Umfangreiche Versuchsreihen im Romaco-Testzentrum

Im Pac-Tech, dem Romaco-Labor in Karlsruhe (Deutschland), haben Romaco und Huhtamaki die neuen Spezialfolien des finnischen Packmittelherstellers auf einer Streifenverpackungsmaschine des Typs HM 1-230 von Romaco Siebler intensiv getestet. Dabei wurden in zahlreichen Versuchsreihen die optimalen Siegelbedingungen hinsichtlich der Faktoren Temperatur, Druck und Zeit für die Verarbeitung der ultradünnen Huhtamaki-Folien ermittelt und verschiedene Dichtigkeitsprüfungen wie etwa Blaubadtests durchgeführt. „Wir haben uns bei der Entwicklung unserer neuen durchdrückbaren Folien für eine Partnerschaft mit Romaco entschieden, weil wir bereits zuvor sehr gut und eng zusammengearbeitet haben und sich Romaco und Huhtamaki mit ihrer Expertise sehr gut ergänzen“, berichtet Fabio Daidone, Senior Sales Manager bei Huhtamaki. „Es macht einfach Spaß, unsere Folien gemeinsam mit Romaco weiterzuentwickeln, weil beide Seiten an einem Strang ziehen und die beteiligten Personen bei Romaco mit Herzblut bei der Sache sind.“

Push Packs werden auf vertikalen Heißsiegelmaschinen der Baureihe HM 1 von Romaco Siebler hergestellt.
Push Packs werden auf vertikalen Heißsiegelmaschinen der Baureihe HM 1 von Romaco Siebler hergestellt.
(Bild: Romaco)

Streifenverpackungsmaschinen mit Heißsiegeltechnologie

Streifenverpackungsmaschinen von Romaco Siebler können eine sehr große Bandbreite an heißsiegelfähigen Materialien – ob nun Papier-Alu-Folien, Kunststofffolien oder Polyesterfolien – verarbeiten. Um aus den neu entwickelten Huhtamaki-Folien sichere und dichte Pharmaverpackungen herstellen zu können, wurde die Heißsiegeltechnologie von Siebler speziell für das Handling von Verbundfolien mit einer Aluminiumschichtdicke von 9 bis 25 μm ausgelegt. „Derzeit verfügen wir über die einzigen Heißsiegelmaschinen am Markt, die in der Lage sind, aus den extrem dünnen Folien von Huhtamaki eine sichere und dichte Primärverpackung für den pharmazeutischen Einsatz herzustellen und dabei sogar recycelbare Materialien einzusetzen“, erklärt Romaco-Produktmanager Rolf Izsak. „Möglich macht dies unser einzigartiges Heißsiegelverfahren mit einer hochpräzisen Temperaturverteilung, das es uns erlaubt, alle Parameter des Siegelvorgangs optimal aufeinander abzustimmen und die Nähte der Vierrandsiegelstreifen luft-, licht- und feuchtigkeitsdicht auszubilden.“

Hergestellt werden die Push Packs auf vertikalen Heißsiegelmaschinen der Baureihe Romaco Siebler HM 1, die bis zu 7.000 Tabletten in der Minute verpacken können. Neben Maschinen des Typs HM 1-230 mit einer maximalen Folienbreite von 230 mm können auch die Maschinen HM 1-350 und HM 1-600 (mit maximalen Folienbreiten von 350 beziehungsweise 600 mm) genutzt werden. Bei Heißsiegelmaschinen der Baureihe HM 1 wird das Produkt vertikal zugeführt, läuft zwischen den Foliensträngen durch die Siegelwalzen und wird dadurch umlaufend versiegelt. Anschließend wird der Produktstrang je nach Kundenwunsch mit Schneidmessern längs und quer perforiert und zugeschnitten.

Darüber hinaus wird künftig auch eine Push-Pack-Produktion mit Heißsiegelmaschinen der Baureihe HM 2 von Romaco Siebler möglich sein. Maschinen der Baureihe HM 2 werden für die Verpackung von Medizinprodukten wie etwa Fertigspritzen oder Augentropfen-Einzeldosen eingesetzt, die aufgrund ihrer Geometrie horizontal zugeführt werden müssen.

Über die Romaco Group

Romaco ist nach eigenen Angaben ein weltweit führender Anbieter von Verfahrens- und Verpackungstechnik, der sich auf die Verarbeitung von pharmazeutischen Solida spezialisiert hat. Die Anlagen und schlüsselfertigen Lösungen des Herstellers werden zur Produktion und Verpackung von Pulvern, Granulaten, Pellets, Tabletten, Kapseln, Spritzen und Medizinprodukten eingesetzt. Daneben bedient Romaco auch die Lebensmittel- und chemische Industrie. Die Romaco Group mit Hauptsitz in Karlsruhe (Deutschland) gehört zur Unternehmensgruppe Truking, einem global operierenden Technologie­konzern mit Firmenzentrale in Changsha (China). Kernkompetenz von Truking ist das Handling und die Abfüllung von pharmazeutischen Liquida. Romaco ist mit vier europäischen Standorten und sechs etablierten Produktmarken breit aufgestellt.

 

Noack und Siebler (Karlsruhe, Deutschland) liefern Blister-, Heißsiegel- und Röhrchenfüllmaschinen. Das Portfolio von Macofar und Promatic (Bologna, Italien) umfasst Technologien zur sterilen und nicht-sterilen Pulver- und Flüssigkeitsabfüllung sowie Kartonierer, Track-&-Trace-Systeme und Sammelpacker. Kilian (Köln, Deutschland) bietet verfahrenstechnische Lösungen für die Tablettierung und Innojet (Steinen, Deutschland) ist Innovationsführer für die Bereiche Granulation und Coating. Über 650 Mitarbeiter von Romaco arbeiten an der Entwicklung zukünftiger Technologien. Die markenübergreifenden Systemlösungen von Romaco werden von sechs Sales & Service Gesellschaften und einem dichten Agentennetzwerk weltweit vertrieben. Derzeit sind mehr als 12.000 Maschinen von Romaco in über 180 Ländern im Einsatz.

Auch formgestanzte Verpackungslayouts sind möglich

Mit Streifenverpackungsmaschinen von Romaco Siebler lassen sich neben Standardstreifen auch frei wählbare Verpackungslayouts – sogenannte Designstreifen – realisieren. Auf Kundenwunsch wird dafür die Anlage mit einer kontinuierlich arbeitenden Stanzstation ausgestattet. Zwei mitlaufende Stanzen mit Servoantrieb schneiden dann die Formstreifen mit ziehendem Schnitt aus dem Folienteppich. „Ob als Kreis- oder Sternform, als stilisierte Hand oder in einer ‚Daumen hoch‘-Optik – jede denkbare Kontur kann auf unseren Maschinen umgesetzt werden“, erläutert Rolf Izsak. „Pharma- und Healthcare-Unternehmen können mit einer solchen individuellen Formgebung ihren Primärverpackungen ein attraktives, einzigartiges Aussehen mit hohem Wiedererkennungswert verleihen und sich dadurch zusätzlich differenzieren.“ Aus Marketingsicht bringen Push Packs darüber hinaus noch weitere Pluspunkte mit sich: Die neuen Romaco-Verpackungen können beidseitig bedruckt werden und bieten aufgrund ihrer größeren Oberfläche mehr Raum für individuelle Marketing-Botschaften, als dies bei Blisterverpackungen möglich ist.

Push Packs sind in verschiedenen Größen und Packungslayouts erhältlich.
Push Packs sind in verschiedenen Größen und Packungslayouts erhältlich.
(Bild: Romaco)

Auch für empfindliche Brausetabletten

Mit den Heißsiegelmaschinen von Romaco Siebler lassen sich Tabletten und Kapseln verschiedenster Größen und Ausführungen in Push Packs verpacken – selbst große Brausetabletten, die aufgrund ihrer hygroskopischen Eigenschaften sehr empfindlich auf Luftfeuchtigkeit reagieren und deswegen einen spezifischen Linienaufbau erfordern, können auf diese Weise verarbeitet werden.

Für die Produktion von Brausetabletten wird der Heißsiegelmaschine eine Tablettenpresse vorgeschaltet. Nach dem Pressvorgang werden die Tabletten über Transportbänder der Siebler HM 1 zugeführt und direkt in Push Packs verpackt. „Bei der Produktion von Brausetabletten empfehlen wir unseren Kunden den Einsatz einer Tablettenpresse von Romaco Kilian, da diese Pressen perfekt auf die Streifenverpackungsmaschinen von Romaco Siebler abgestimmt sind“, so Rolf Izsak.

Der Transfer der Streifenverpackungen zu den downstream positionierten Folgemodulen lässt sich über zwei verschiedene Transferlösungen von Romaco Siebler realisieren: Der Bandtransfer mit Siebler-Fix-Trans eignet sich insbesondere für große Chargen mit identischen Packmaßbreiten und überzeugt durch eine hohe Transfergeschwindigkeit, Prozesssicherheit und Kosteneffizienz. Das Pick-and-Place-System der robotischen Transferlösung Siebler-Flex-Trans wurde für die Verarbeitung kleinerer Chargen mit unterschiedlichen Verpackungsgrößen entwickelt und ermöglicht ein hohes Maß an Flexibilität im Umgang mit verschiedenen Streifenlayouts und Stapelhöhen. Die daran anschließende Sekundär- und Endverpackung kann mit Kartonierern und Sammelpackern von Romaco Promatic umgesetzt werden. Romaco kann damit seinen Kunden komplette Fertigungslinien aus einer Hand anbieten.

Erste Push-Pack-Produkttests

Derzeit laufen im Romaco-Testzentrum Pac-Tech in Karlsruhe (Deutschland) bereits erste Produkttests mit Standard- und High-Barrier-Push-Packs für mehrere namhafte Pharmaunternehmen – und auch erste Projektanfragen für die brandneuen recycelbaren Push Packs sind schon bei Romaco eingegangen. Auf der Fachmesse CPhI Anfang November in Frankfurt am Main (Deutschland) wurden die recyclingfähigen Push Packs erstmals einem breiteren Publikum präsentiert. Hier konnten interessierte Fachbesucher live erleben, wie die recyclingfähigen Huhtamaki-Folien auf einer HM 1-230 von Romaco Siebler zu Push Packs verarbeitet werden. „Das große Interesse der Messebesucher an unserer Push-Pack-Produktfamilie und insbesondere an den recyclingfähigen Streifenverpackungen hat gezeigt, dass das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ in der Pharmabranche auch bei der Herstellung von Primärverpackungen angekommen ist“, erklärt Rolf Izsak. „Wir werden deswegen unsere Push-Pack-Technologie künftig noch weiterentwickeln und auch die Nachhaltigkeitsinitiativen in anderen Produktbereichen unseres Unternehmens entschieden vorantreiben.“

Über Huhtamaki

Huhtamaki ist ein Hersteller von Verpackungsmaterialien und Verpackungen mit Hauptsitz im finnischen Espoo. Die Produktpalette des Unternehmens umfasst Hartpapier, starre Kunststoffe, flexible Packstoffe und Formfaserstoffe. Das Unternehmen verfügt über 77 Produktions- und 24 Verkaufsstätten in 34 Ländern und erzielte 2018 mit circa 17.700 Mitarbeitern einen Nettoumsatz von 3,1 Milliarden Euro.

Über den Autor
Autorenbild
Andreas Detmers

Head of Technical Solutions, Romaco Pharmatechnik GmbH

Über die Firma
Romaco Pharmatechnik GmbH
Karlsruhe
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