Home Themen Nahrungsmittel Fleischproduzent setzt auf faserbasierte MAP-Verpackung

Flache Packung, hohe Aufmerksamkeit

Fleischproduzent setzt auf faserbasierte MAP-Verpackung

Mit guten Wiederverschlusseigenschaften, die den Verpackungsinhalt länger frisch halten, trägt Flatmap zu weniger Foodwaste bei.
Mit guten Wiederverschlusseigenschaften, die den Verpackungsinhalt länger frisch halten, trägt Flatmap zu weniger Foodwaste bei.
(Bild: Sealpac)

In dem Schweizer Familienunternehmen Bigler fanden das Maschinenbauunternehmen Sealpac und die beiden Verpackungsanbieter Buergofol und Van Genechten Packaging den geeigneten Partner für ein neues Verpackungskonzept. Der Fleischproduzent mit mehr als 700 Mitarbeitern, Stammsitz in Büren an der Aare und insgesamt sechs Werken an drei Standorten, steht seit 75 Jahren für Metzgerhandwerk. Unter dem Motto „Ä Portion Tradition“ beliefert der Fleischproduzent den Detailhandel und Metzgereien in der Schweiz mit Eigenmarken und der Marke Bigler. Seine Aufgeschlossenheit für neue Ideen bewies das Unternehmen unter anderem im Jahr 2017, als es als Vorreiter mit einer Flatskin-Verpackung erstmals geskinnte Produkte auf einem Kartonträger auf den Markt brachte. Damit gab Bigler dem Schweizer Markt die nötigen Impulse und bereitete den Weg für Skinlösungen, die seither vielfacher Marktstandard sind.

Nun entstand in einem Kooperationsprojekt eine weitere Neuheit im Kühlregal: Flatmap ist eine wiederverschließbare, zu einem großen Teil faserbasierte, recyclingfähige Verpackung für aufgeschnittene Fleischprodukte. Am POS ermöglicht sie eine attraktive Warenpräsentation: Die vollkommen flache Verpackung besteht aus einem FSC-Produktträger, laminiert mit einer dünnen Kunststoffschicht, auf dem die Aufschnittware ohne Entnahme einladend serviert werden kann. Der Träger ist mit einer hochtransparenten Oberfolie versiegelt, die den Blick auf das gesamte Produkt freigibt. Vor dem Verzehr lässt sich die Oberfolie vollständig von der Verpackung abziehen. Später wird die Folie wieder glatt über das Produkt gestrichen und verschließt die Verpackung zur weiteren Aufbewahrung zuverlässig. Die eng anliegende Folie lässt weniger Sauerstoff in die Verpackung als eine herkömmliche wiederverschließbare Tiefziehverpackung. Dadurch verfärbt sich das Produkt weniger, und der Verpackungsinhalt bleibt während der gesamten Restlagerdauer frisch und appetitlich. Das Besondere dieser MAP-Verpackung, neben der Wiederverschlussqualität: Nach der Entleerung lassen sich Kunststoff und Karton sauber voneinander trennen und in den entsprechenden Wertstoffsammlungen zur Wiederverwertung entsorgen.

Die Flatmap-Verpackungen lassen sich auf allen Sealpac-Anlagen der Reihe A6 bis A10 herstellen. Im Bild der Sealpac Traysealer A7 von Bigler.
Die Flatmap-Verpackungen lassen sich auf allen Sealpac-Anlagen der Reihe A6 bis A10 herstellen. Im Bild der Sealpac Traysealer A7 von Bigler.
(Bild: Sealpac)

Entwicklung als Gemeinschafts­projekt

Die Idee zu Flatmap stammte von der Sealpac GmbH. Unter dem Unternehmensmotto „Forming Innovations“ entwickelt und produziert das familiengeführte mittelständische Maschinenbauunternehmen nicht nur Traysealer und -Thermoformer, sondern ist an der Kreation vieler zeitgemäßer Verpackungslösungen beteiligt, jeweils abgestimmt auf die Sealpac Anlagentechnik. In seiner Entwicklungsarbeit orientiert sich der Maschinenbauer vorausschauend am Bedarf seiner Kunden. Im Zuge der neuen EU-Verpackungsverordnung, die bis 2030 eine komplette Recyclingfähigkeit von Verpackungen innerhalb der EU fordert, kam die von Sealpac entwickelte Flatskin-Lösung für Skinprodukte auf den Markt. Aus Projektgesprächen und im engen Austausch mit Kunden wurde klar, dass auch für unter MAP-verpackte Produkte nach derartigen Lösungen gesucht wurde. Zusammen mit dem bewährten Partner Van Genechten Packaging entstand die Grundidee zu Flatmap. Buergofol stieß als passender Folienpartner dazu. Das gemeinsame Ziel lautete: Faktoren wie Produktschutz und Barriereeigenschaften, Verpackungsgewicht, Recyclingeigenschaften und den gewünschten Wiederverschluss in einer der nachhaltigsten Verpackungen am Markt zu vereinen.

Besondere Herausforderungen

Mit dem Produktträger aus FSC-Karton bringt Flatmap eine echte Novität ins Kühlregal der unter MAP-verpackten Aufschnittware. Die Herausforderung besteht darin, das Board aus Faserstoffen für die gekühlten Produkte in Form zu halten, denn das Material reagiert besonders empfindlich auf Feuchtigkeit. Kartonspezialist Van Genechten Packaging konnte hier seine Expertise einbringen, die unter anderem aus dem vorangegangenen Flatskin-Projekt stammt. Das für Flatmap gewählte Material zeichnet sich durch Stabilität und Beständigkeit während der gesamten Prozesskette aus. Um mikrobielle Risiken auszuschließen, wurde nur unbedenkliches, frischfaserbasiertes Material eingesetzt. Der Karton wird im qualitativ hochwertigen Offsetdruck mit Low-Migration-Farben und -Lacken bedruckt. Das lässt Anwendern wie Bigler großen gestalterischen Spielraum für eine attraktive Präsentation, um das zu verpackende Produkt ansprechend zur Geltung zu bringen. Da für den Verpackungsprozess und die Präsentation im Handel ein absolut planes Board erforderlich ist, entwickelte Van Genechten Packaging für seine Partner Guidelines zum optimalen Umgang mit dem Kartonträger.

Nach der Bedruckung wird das Kartonboard mit einer dünnen Barrierefolie überzogen. Folien-Partner Buergofol stand hier vor der Aufgabe, einen Liner zu entwickeln, der einerseits gut am Karton haftet, sich aber später zu Recyclingzwecken auch wieder leicht davon trennen lässt. Gewählt wurde ein Polyolefin-basierendes und somit recycelbares Material. Für den Fleischproduzenten Bigler war eine zuverlässige Reclose-Funktion der Verpackung ein absolutes Muss. Die Entwicklungsarbeit des Folienprofis Buergofol brachte eine Oberfolie hervor, die sich durch ein verbraucherfreundliches Öffnungsverhalten auszeichnet und gleichzeitig die nötige Wiederverschlusskraft aufweist. Außerdem musste sichergestellt werden, dass sich der Liner des Kartonboards beim Öffnen der Verpackung nicht mit der Oberfolie vom Trägermaterial löst, sondern erst dann, wenn er mit der Recycling-Lasche abgezogen wird. Für diese vielseitigen Folieneigenschaften waren ebenfalls eine Reihe von Verpackungstests nötig. Schließlich wurde für einen nachhaltigen Materialeinsatz außerdem die Stärke der beiden Folien auf ein Minimum reduziert: Der für die Aufschnittware eingesetzte Liner hat aktuell eine Stärke von 40 µm, die Oberfolie von 70 µm. Seitens des Kartonlieferanten Van Genechten Packaging bestand der Knackpunkt der Aufgabenstellung darin, eine Balance zu finden zwischen guter Haftung der Folie und gleichzeitig guter späterer Recyclingeigenschaften des Kartons. Da die Reclose-Folie punktuell höhere Abzugskräfte erzeugt, waren hierzu einige Versuche in Labor und Praxis sowie die Anpassung der der eingesetzten Stanztechnik notwendig. In umfangreichen Versuchen gelangten die Partner zu einer Lösung, die die konkurrierenden Ziele erfüllt und darüber hinaus einen Wiederverschluss der Oberfolie ermöglicht.

Stehend, hängend oder auch liegend präsentiert, ist die Verpackungslösung durch ihren Look und die komplette Sichtbarkeit des Produkts ein echter Eyecatcher am POS.
Stehend, hängend oder auch liegend präsentiert, ist die Verpackungslösung durch ihren Look und die komplette Sichtbarkeit des Produkts ein echter Eyecatcher am POS.
(Bild: Sealpac)

Prozesssichere Herstellung

Versiegelt werden die Flatmap-Verpackungen für die Aufschnittware von Bigler auf einem Sealpac Traysealer A7 in doppelbahniger Verpackungsauslegung. Insgesamt lässt sich die neuartige Verpackung prozesssicher auf sämtlichen Sealpac-Anlagen der Reihe A6 bis A10 herstellen, sofern die jeweilige Anlage für die Verarbeitung von Flatmap-Boards vorbereitet ist. Das bedeutet, sie muss über das von Sealpac für die Beförderung der extrem flachen Träger entwickelte, patentierte Transportsystem verfügen und auf einen veränderten Begasungs- und Versiegelungsablauf ausgerichtet sein. Durch den Einsatz von hochwertigen Servomotoren und dazugehöriger exzellenter Antriebsabstimmung arbeiten die Anlagen, wie auch die von Bigler eingesetzte Sealpac A7, energieeffizient und leisten damit einen weiteren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess.

Cite Mit diesen Eigenschaften erfüllt Flatmap schon heute die EU-Vorgaben für 2030

Funktional und recyclingfähig

Bei der Entwicklung von Flatmap war nicht nur eine hoch funktionelle und attraktive Verpackung das Ziel, am Ende sollte vor allem eine besonders nachhaltige Lösung stehen. Nach „Design-for-Packaging“-Aspekten entwickelt, überzeugt das Ergebnis dieses Gemeinschaftsprojekts: Bei der faserbasierten Verpackung konnte der Kunststoffanteil im Vergleich zu herkömmlichen MAP-Verpackungen um circa 70 % reduziert werden. Der Liner für den Kartonträger ist ein zertifiziertes Produkt auf Polyolefin-Basis und damit gut recycelbar. Er lässt sich nach Gebrauch leicht vom Kartonboard trennen. Alle Verpackungskomponenten werden dann separat in den entsprechenden Wertstoffsammlungen entsorgt. Die Verpackungsfolien lassen sich zur Wiederverwertung mit Nah-Infrarot-Technik im Recyclingprozess zuverlässig herausfiltern.

Mit diesen Eigenschaften erfüllt Flatmap schon heute die EU-Vorgaben bezüglich der Recyclingfähigkeit von Verpackungen für 2030. Im Hause Bigler ist man davon überzeugt, dass die verbesserten ökologischen Eigenschaften für Verbraucher, vor allem jüngere, umweltbewusste Zielgruppen, ein echtes Kaufargument ist. Diese hat sich der Fleischproduzent in einer professionellen Studie bestätigen lassen: Flatmap wurde in einer unabhängigen Analyse mit den besten am Schweizer Markt verfügbaren Mitbewerber-Produkten verglichen. Die Studie belegt, dass die neue Verpackung im Hinblick auf den CO2-Footprint signifikant besser abschneidet als die Referenzprodukte – obwohl die Untersuchung noch nicht einmal die Aspekte Recyclingfähigkeit und Foodwaste mit einbezieht. Denn der energieintensivste Part überhaupt ist die Produktherstellung selbst. Daher beginnt Nachhaltigkeit aus Sicht der Beteiligten mit einem umfassenden Produktschutz, der einen wichtigen Beitrag zu weniger Foodwaste leistet. Diesen erfüllt die MAP-Verpackung durch die guten Wiederverschlusseigenschaften, die den Verpackungsinhalt vor frühzeitigem Verderb schützen.

Aufmerksamkeitsstarkes Branding

Für einen Auftritt am POS, der die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf das Produkt und die ressourcenschonenderen Merkmale der Verpackung lenkt, sorgt Flatmap durch Eigenschaften, die das Branding unterstützen: Im Gegensatz zu herkömmlichen Tiefziehverpackungen ermöglicht die Verpackungslösung Markeninhabern wie Bigler Raum für Kommunikation und Markenbildung, denn das Kartonboard lässt sich beidseitig attraktiv bedrucken und für Informationen nutzen. Da die Verpackung extrem flach ist, lässt sie sich außerdem in höheren Stückzahlen im Kühlregal unterbringen – und ermöglicht damit eine effiziente Produktbeschickung am POS. Der Verbraucher hingegen profitiert von mehr Funktionalität und einem vereinfachten Handling: Die vom Kartonträger vor dem Verzehr komplett abgezogene Oberfolie lässt sich später für einen sicheren Wiederverschluss wieder auf die vollkommen flache Verpackung streichen, sodass das Umpacken des nicht verbrauchten Inhalts entfällt.

Bei Bigler ist man fest von der erfolgreichen Einführung der Flatmap-Verpackung im Frühling 2021 überzeugt und hat bereits einen zweiten Sealpac-Traysealer für die Flatmap-Anwendung bestellt.

Über die Autorin
Autorenbild
Claudia Diedrichsen

für Sealpac, Buergofol, Van Genechten Packaging und Bigler

Über die Firma
SEALPAC GmbH
Oldenburg
Newsletter

Das Neueste von
neue verpackung direkt in Ihren Posteingang!