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Packmittel

Wann ist eine Verpackung nachhaltig?

Welche Verpackung ist wirklich nachhaltig? Das ist nicht genau definiert, das Thema ist komplex.
Welche Verpackung ist wirklich nachhaltig? Das ist nicht genau definiert, das Thema ist komplex.
(Bild: AdobeStock_255095659 Von VectorMine)

Klar ist, dass der Bedarf an nachhaltigen Verpackungen in den kommenden Jahren stark steigen wird. Denn immer mehr Konsumenten lassen ihre Entscheidungen von ihrem Umweltbewusstsein leiten, dies hat der Statista Report „Nachhaltiger Konsum 2021“ herausgefunden. Als besonders wichtige Aspekte nachhaltigen Konsums schätzen die Deutschen Verpackungen  ein (56 %). Eine Verpackung ist für die Konsumenten vor allem dann nachhaltig, wenn sie biologisch abbaubar ist und aus recycelten oder recycelbaren Materialien besteht. Auf die Frage nach den nachhaltigsten Verpackungsmaterialien stechen vor allem Papier/Pappe (70 Prozent) sowie Glas (62 Prozent) heraus. Getränkekartons, Plastik und Dosen belegen dagegen nur die hinteren Plätze.

Wann eine Verpackung das Prädikat „nachhaltig“ verdient, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Auch gehen nicht alle Nachhaltigkeitsziele Hand in Hand, beispielsweise schonen Mehrwegflaschen Ressourcen, verursachen aber viele CO2-Emissionen, wenn sie über Hunderte Kilometer transportiert werden. Papier und Pappe bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und lassen sich gut recyceln. Werden Kartonagen allerdings beschichtet, etwa um eine Barrierewirkung zu erzielen, bleibt unter Umständen die nicht verwertbare Kunststoff-Folie übrig, oder der Verbund kann gar nicht wiederverwertet werden. Dementsprechend beklagt über die Hälfte der Teilnehmer einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Inverto GmbH (Nachhaltigkeit & Verpackung: Studie Nachhaltige Verpackung)  die hohe Komplexität des Themas.

Eine nachhaltige Verpackung schützt das Produkt

Die Verpackung muss das Produkt schützen. Verpackung ist nie Selbstzweck, sondern hat eine Funktion zu erfüllen. Der Klimafußabdruck des verpackten Lebensmittels ist im Schnitt 16 bis 30 Mal höher als der Fußabdruck der Verpackung.

In einer Untersuchung zur Bedeutung der Nachhaltigkeit von Verpackungen durch Smithers Pira stuften die befragten Markeninhaber und Händler den Produktschutz als wichtigste Aufgabe der Verpackung ein.

Und auch Christain Detrois, Corporate Packaging Manager bei Nestlé Deutschland, berichtete auf dem Packaging Summit der neuen verpackung: „Der Footprint von Verpackungen ist nicht das große Problem. Der größte Teil des Footprints wird von den Produkten selbst verursacht. Das gilt für Lebensmittel wie auch für andere Konsumgüter.“ Deshalb wiegen Produktverluste schwerer als der Footprint von Verpackungen. „Aus unserer Sicht ist es überhaupt keine Lösung, auf Verpackungen zu verzichten, insbesondere dann nicht, wenn wir Produktverluste in Kauf nehmen müssen“, so Christian Detrois.

So wenig Ressourcen wie möglich

Eine Verpackung muss ressourcenschonend sein, sowohl was den Einsatz von Materialien wie auch den Einsatz von Energie angeht. Durch Verwendung dünnerer Folie, sogenanntes Downgauging, und den Einsatz von leichtgewichtigem Karton kann der Ressourceneinsatz verringert werden. Die Devise ist, so wenig Material wie möglich einzusetzen, ohne auf die Funktionalität einer Verpackung zu verzichten. 

Mehrweg ist ein Weg, aber nicht immer der beste

Mehrwegverpackungen kennt der deutsche Endverbraucher insbesondere aus der Getränkeabteilung – Glas- und PET-Flaschen kommen dort mehrfach zur Verwendung und schonen damit Ressourcen. Allerdings muss eine Mehrwegverpackung nach Gebrauch gereinigt werden. Hier fallen Transportwege und der Einsatz von Energie, Wasser und gegebenenfalls Chemikalien an. Je nachdem, wie groß dieser Aufwand ist, rechnet sich eine Mehrwegvariante – oder eben auch nicht.

Abseits der Aufmerksamkeit der Verbraucher macht auch die Logistikbranche große Fortschritte in diesem Bereich. In den Logistikprozessen von Handel und Industrie können Mehrwegtransportverpackungen (MTV) ihre Vorteile voll ausspielen, denn sie lassen sich in Kreislaufkonzepte einbinden. Die Paletten, Behälter oder Fässer sind stabil und verringern durch ihre lange Einsatzdauer den Verbrauch an Einweg-Transportverpackungen. 

Weiße Verpackungen aus Monomaterial mit entsprechend kleiner Etikettierung sind in hohem Maße recyclingfähig, da sie im Sortierprozess als PE oder PP erkannt werden.
Weiße Verpackungen aus Monomaterial mit entsprechend kleiner Etikettierung sind in hohem Maße recyclingfähig, da sie im Sortierprozess als PE oder PP erkannt werden.

(Bild: Buch&Bee – stock.adobe.com)

Wiederverwertbarkeit ist Grundlage für Kreislaufwirtschaft

Die Verpackungen müssen recycelbar sein damit sie wieder Rohstoff für den Materialkreislauf bilden.  Voraussetzung ist, dass eine Sortier- und Verwertungsinfrastruktur für ein werkstoffliches Recycling vorhanden ist. Das heißt auch, dass die Verpackungen gegebenenfalls in ihre Komponenten trennbar sein müssen(wenn die Trennung für ein hochwertiges werkstoffliches Recycling erforderlich ist).

Im Bereich Kunststoffe gelten grundsätzlich weiße, ungefärbte Verpackungen aus PP oder PE als Monomaterial und sind damit recyclingfähig. Die Zuordnung zu einem Verwertungspfad ist in der Sortierung möglich, weil weißes Material die Nahinfrarotstrahlen absorbiert und damit von anderen Verpackungen trennbar ist. Auch die Etikettierung muss entsprechend klein sein, damit die Verpackungen im Sortierprozess als PE oder PP erkannt werden. Wird die weiße Verpackung recycelt, kann aus ihr Granulat hergestellt werden, das bei der Wiederverwertung beliebig eingefärbt werden kann.  

Rezyklate: Woher nehmen und wo einsetzen?

Rezyklate aus Verpackungen sollten im Sinne eines optimal funktionierenden Materialkreislaufs am besten wieder für die Herstellung von Verpackungen eingesetzt werden.

Lebensmittel­verpackungen, die etwa 44 Prozent des Verpackungsmarkts ausmachen, aber auch Verpackungen im Bereich Körperpflege und Kosmetik oder andere sensible Anwendungen stellen jedoch besondere Anforderungen an die Qualität der Rohstoffe. Für diese Anwendungen stehen derzeit noch nicht die erforderlichen Mengen und Qualitäten von Rezyklaten am Markt zur Verfügung.  Mit Ausnahme von rPET, welches in Getränkeflaschen und Tiefziehfolien Anwendung findet, gibt es im Moment keine zugelassenen weiteren Kunststoffarten im Lebensmittelkontakt.

Auch eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der Klimaschutzoffensive des Handels kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland viel mehr recycelte Kunststoffe für Verpackungen genutzt werden könnten. Bedingung: mehr qualitativ hochwertige Rezyklate auf dem Markt und weniger gesetzliche Hürden für deren Verwendung. 

Nachwachsende Rohstoffe – und die Barriere?

Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen lassen sich gut recyceln. Werden Kartonagen oder Papier allerdings beschichtet, etwa um eine Barriere zu bilden oder wasserdicht zu sein, bleibt die nicht verwertbare Plastikfolie übrig oder der ganze Verbund kann nicht wiederverwertet werden. Gleichzeitig  herrscht ein großes Unwissen über Faserverpackungen und ihre Recyclingfähigkeit.. Es kommt immer auf die Art und Weise des Packungsaufbaus und die Materialauswahl an, genauso wie das verpackte Produkt. 

Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe

Biobasierte Kunststoffe sind teilweise aus Biomasse hergestellte Kunststoffe, also z. B. aus Mais und Zuckerrohr. Biologisch abbaubare Kunststoffe hingegen sind Kunststoffe, die sich unter bestimmten Bedingungen zersetzen und beim Abbau nichts als CO2 und Wasser hinterlassen.

Laut Umweltbundesamt verbessern sich die Umweltauswirkungen nicht wesentlich, wenn die Rohstoffe biobasiert statt fossilbasiert sind. Die Auswirkungen verschieben sich eher: Während konventionelle fossilbasierte Kunststoffe mehr klimawirksames CO2 freisetzen, äußert sich der ökologische Fußabdruck biobasierter Kunststoffe in einem höheren Versauerungs- und Eutrophierungspotential sowie einem gewissen Flächenbedarf. Und auch beim Einsatz  von biologisch abbaubaren Verpackungen sieht das Umweltbundesamt keine Vorteile im Vergleich zu Verpackungen aus konventionellen oder biobasierten Kunststoffen. Stabiles und beständiges Material hat zumeist entscheidende Vorteile. Die mehrmalige Nutzung des Materials durch Recycling bietet signifikante ökologische Vorteile gegenüber einem eventuellen Materialverlust durch biologischen Abbau. Weder Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen noch biobasierte Verpackungen dürfen in der Bioabfallsammlung entsorgt werden.

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben im Rahmen einer Untersuchung der Forschungsgruppe PlastX zudem festgestellt, dass der Anteil an Produkten aus Biomaterialien, der schädliche Chemikalien enthält, genauso hoch wie bei Produkten aus erdölbasiertem Plastik ist. Unter den 43 untersuchten biobasierten und bioabbaubaren Produkten waren Einweggeschirr, Schokoladenverpackungen, Trinkflaschen, Weinkorken und Zigarettenfilter. Die Untersuchung der Chemikalienmischungen mittels chemischer Analytik zeigte, dass sich in 80 Prozent der Produkte mehr als tausend Substanzen befanden, in einzelnen Produkten sogar bis zu 20.000.

Keine Verpackung in Unverpackt-Läden

Wenn zu „Reduce, Reuse und Recycle“ auch noch „Refuse“ hinzugkommt, schlägt die Stunde der Unverpackt-Läden. Seit 2016 schwappt eine ganze Welle dieser Läden über Deutschland – verpackungsfrei einkaufen ist damit in fast jeder größeren Stadt inzwischen möglich. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Splendid Research sind 71 Prozent der Kunden begeistert vom Konzept des Unverpackt-Ladens. Gleichwohl haben nur 8 Prozent bereits in einem solchen Geschäft eingekauft. 58 Prozent derjenigen, die sich nicht vorstellen können, dort einzukaufen, nennen als Hauptgrund die vermeintlich mangelnde Hygiene. Was kaufen die Befragten am liebsten unverpackt? Obst, Gemüse und Nüsse teilen sich die ersten drei Plätze – kein Wunder, denn diese Lebensmittel lassen sich zum einen gut und sicher transportieren und werden zum Anderen bereits von den bekannten Ketten häufig unverpackt angeboten. Die Konsumenten sind es also schon gewohnt. Joghurt und Honig dagegen liegen mit jeweils 22 Prozent auf den letzten Rängen.  

Nachhaltige Verpackung, wer bezahlt den (Mehr)-Preis?

Nachhaltige Verpackungen sind oft teurer als herkömmliche – so kostet etwa Recyclingkunststoff mehr als Neuware. An der Frage, ob die Verbraucher bereit sind, diese Mehrkosten zu tragen, scheiden sich die Geister: 50 Prozent der befragten Experten aus den Unternehmen glauben das nicht, während 46 Prozent darauf vertrauen, dass sie zumindest einen Teil der Kosten weitergeben können, so das Ergebnis einer repräsentativen Kurzumfrage von Inverto. 

Die Verbraucher wurden im März 2021 von der  Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners zum Thema „Nachhaltige Produktverpackungen“ befragt. Knapp drei Viertel der Teilnehmer geben an, Wert auf eine nachhaltige Verpackung zu legen. Die Ergebnisse zeigen auch: 83 % sind bereit, dafür mehr zu zahlen, im Durchschnitt sogar einen Aufpreis von 6,5 %.

 

Über die Autorin
Autorenbild
Eva Middendorf

Redakteurin, neue verpackung

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