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Nachhaltigkeit

Plastikmüll in den Weltmeeren: Stehen Kunststoffverpackungen zu Unrecht am Pranger?

Laut WWF stammt ein Großteil des Plastikmülls in den Meeren nicht von Verpackungen, sondern aus der Fischerei.
Laut WWF stammt ein Großteil des Plastikmülls in den Meeren nicht von Verpackungen, sondern aus der Fischerei.
(Bild: Fotohansel – Fotolia)

Die geringe Wahrnehmung dieses Problems hängt nach Ansicht von Experten nicht zuletzt damit zusammen, dass es meist nicht zu sehen ist: Die zurückgelassenen Fischereigeräte treiben nicht wie leere Plastikflaschen auf der Wasseroberfläche, sondern vagabundieren unter ihr durch die Weltmeere oder sinken auf deren Grund. Damit sind sie jedoch keinesfalls weniger gefährlich als anderer Müll im Meer – im Gegenteil. Denn die Schnüre und Netze sind Fallen, in denen sich Fische, Meeressäuger, Schildkröten und sogar Vögel verfangen können. Außerdem zersetzen sich die Fischereinetze nur äußerst langsam. Deshalb warnen Umwelt- und Tierschützer ganz besonders vor diesem Plastikabfall von Fischern, der verborgen vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu einem erheblichen Teil für das Plastikmüllproblem in den Meeren verantwortlich ist.

1.000 km Geisternetze jährlich

Und insbesondere auch wegen ihrer schieren Menge. So sollen nach Schätzung des WWF weltweit Jahr für Jahr etwa ein Drittel aller Leinen und Angelschnüre in der Fischerei verloren gehen. Allein in den europäischen Meeren verschwinden laut WWF jährlich mehr als 1.000 km Fischnetze im Wasser. Dies entspreche einer Strecke von der Ostsee bis zu den Alpen, verdeutlicht die Umweltorganisation. Die Welternährungsorganisation (FAO) wiederum geht allein für europäische Gewässer von 25.000 verloren gegangenen Netzen aus mit einer Gesamtlänge von 1.250 km.

Wobei auch „verloren gegangen“ eine irreführende Bezeichnung für Geisternetze sei. Denn diese Fischereiutensilien würden oft bewusst aufgegeben, wenn Boote bei illegaler Fischerei erwischt werden, oder einfach auch nur deshalb, weil die korrekte Entsorgung ausgedienter Netze mit so hohen Kosten verbunden ist, dass sie einigen Fischereien untragbar erscheinen. Schleppnetze können sich aber auch an Gegenständen auf dem Meeresgrund verfangen und abreißen.

Angesichts des Risikos, das herrenlose Netze im Meer für den Schutz von Gewässern, Umwelt und Tieren darstellen, hat der WWF nun in Mecklenburg-Vorpommern das bundesweit erste Pilot-Projekt zur Bergung von Geisternetzen gestartet. Im Rahmen dieses Vorhabens will der WWF zwei Jahre lang die Suche, Bergung und Entsorgung von Geisternetzen mit einer eigens zu diesem Zweck entwickelten Methode federführend durchführen und dabei mit Fischern sowie Behörden eng zusammenarbeiten. Wie die internationale Natur- und Umweltorganisation weiter erläutert, sollen für das Projekt erstmals auch Kapazitäten von Behörden genutzt werden, etwa indem ein landeseigenes Schiff zur Bergung eingesetzt wird. Das Pilotvorhaben wird mit Fischereigeldern finanziert, die von dem Küstenbundesland verwaltet werden. Zudem will das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) das WWF-Projekt zur Sonarsuche in Nord- und Ostsee im Rahmen der Verbändeförderung unterstützen.

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