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Industrieverpackung und Umweltschutz: geht das?

Nachhaltige Verpackungen im Automotive-Bereich

Auch industrielle Korrosionsschutz-Verpackungen sollen nachhaltig sein. Dabei darf es bei der Funktion aber zu keinen Kompromissen kommen.
Auch industrielle Korrosionsschutz-Verpackungen sollen nachhaltig sein. Dabei darf es bei der Funktion aber zu keinen Kompromissen kommen.
(Bild: Metpro)

Zu den Industrieunternehmen, die sich eine umweltgerechtere Ausrichtung ihrer Verpackungen auf die Fahne geschrieben haben, gehört auch ZF, einer der weltweit größten Zulieferer der Automobilindustrie. „Schonend mit natürlichen Ressourcen umzugehen, ist die Grundlage unserer weltweit geltenden Umweltpolitik. Dazu zählen auch Verpackungskonzepte, die wir stets auf Umweltfreundlichkeit prüfen. Dies erfolgt generell über unsere Divisionen nach einer internen Werksnorm“, erklärt Wolfgang Miller, zuständig für Sustainability Communications bei ZF.

Doch was bedeutet „umweltgerechtere Gestaltung einer Industrieverpackung“? Die Antwort suggeriert auf den ersten Blick eine einfache Lösung, aber sie impliziert bei der Umsetzung ein hohes Maß an Komplexität, da gleichzeitig die übrigen technischen Anforderungen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen. So sorgt weniger Material oft für geringere CO2-Emissionen, doch dürfen gleichzeitig die mechanischen Eigenschaften nicht beeinträchtigt werden. Richtig kompliziert wird es bei Korrosionsschutzverpackungen, wo neben mechanischen auch noch chemische Anforderungen hinzukommen.

Umweltgerechtere Verpackungskonzepte weisen typischerweise die folgenden Merkmale auf:

1. Es werden natürliche oder zumindest biologisch abbaubare Stoffe verwendet, die einen geringen energetischen Aufwand benötigen und gleichzeitig einen „sehr sanften ökologischen Fußabdruck“ aufweisen.

2. Wiederverwendbare Lösungen, die jedoch oft genug aufgrund der negativen Energiebilanz für die Rückhollogistik scheitern. In der betrieblichen Praxis stehen vor allem global agierende Konzerne vor dem Wunsch, eine interkontinentale Rückhollogistik für eine verbesserte Ökologie zu entwickeln. Das scheitert häufig an einer sehr negativen CO2-Bilanz und den erheblichen Mehrkosten. 

3. Wiederverwertbare Stoffe: Monomaterialien oder sogar rezyklierte Stoffe, die zumindest in regionalen Stoffkreisläufen wieder zugeführt werden können. Das sind häufig sehr gute Alternativen für eben jene global agierenden Unternehmen, da Monomaterialien einfach in den regionalen Kreislaufwirtschaften wieder zugeführt werden können. 

Während papierbasierte Stoffe häufig eine gewisse biologische Abbaubarkeit besitzen, stehen eine schwierige Energiebilanz aufgrund von hohen Flächengewichten sowie eine limitierte mechanische Festigkeit einem universellen Einsatz in der Industrieverpackung entgegen. Demgegenüber ist die Kunststoffverpackung nach wie vor ein geeignetes Material, um angewandten Umweltschutz in die Realität umzusetzen.

Bei ZF werden beispielsweise Kurbelwellen mit der VCI-Folie Biocor verpackt.
Bei ZF werden beispielsweise Kurbelwellen mit der VCI-Folie Biocor verpackt.
(Bild: Metpro)

Wo möglich natürliche Inhaltsstoffe 

Was für Konfuzius galt, gilt auch für die umweltgerechtere Industrieverpackung: …jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Metpro hatte diese Reise schon vor geraumer Zeit begonnen: Biocor ist der erste temporäre VCI-Korrosionsschutz, der auf herkömmliche VCI-Chemikalien komplett verzichtet und gänzlich auf der Basis von Naturextrakten entwickelt wurde. Hierdurch ist das Produkt frei von Nitriten, Aminen und Benzotriazolsäuren, sodass Biocor-Folie sogar für den Direktkontakt mit Lebensmitteln zugelassen ist. Menschen und Umwelt stehen so im Vordergrund, ohne dabei auf anspruchsvolle Schutzfunktionen für metallische Werkstoffe zu verzichten. 

Mit dem Kunden Bilanz ziehen

Gemeint ist die CO2-Bilanz: Mit dieser immer im Blick, ist die Ressourceneffizienz und Ausschussvermeidung im ganzen Prozess bei Metpro und den Partnerfirmen ein fester Bestandteil des Prozessdenkens. Aber Vorsicht: es gibt große Unterschiede bei den Rezyklaten und nur die Rezyklate sind CO2-neutral, die bereits innerhalb der Bilanzhülle vorhanden sind. So sind Post Consumer Rezyklate (PCR) oder Post Industrial Rezyklate (PIR) von ökologischem Wert.

Darüber hinaus müssen aber auch bei Korrosionsschutz-Verpackungen die übrigen Anforderungen eingehalten werden. Während die mechanischen Werte vergleichsweise einfach zu überprüfen sind, wird die chemische Prüfung der VCI-Wirkung deutlich anspruchsvoller, da nie genau bekannt ist, was sich alles im verwendeten Rezyklat befindet und ob es eine inhibierende Wirkung verursacht.

Montage von Acht-Gang-Hybridgetrieben für PKW am ZF-Standort Saarbrücken.
Montage von Acht-Gang-Hybridgetrieben für PKW am ZF-Standort Saarbrücken.
(Bild: ZF)

Der Weg vor uns: natürlich vielfältig

Ob kompostierbare Polymere wirklich die einzige Zukunft für die Industrieverpackung und insbesondere für die Korrosionsschutz-Verpackung sind, ist aus vielen Gründen noch nicht entschieden. Zu groß ist der Forschungsbedarf bei natürlichen Inhaltsstoffen und zu vielfältig sind die Lösungsansätze, um die Abbaubarkeit mit Korrosionsschutzwirkung und mechanischer Festigkeit für eine industrielle Anwendung zu kombinieren. Doch birgt diese Vorstellung viel ökologisches und wirtschaftliches Potenzial: ökologisches Gefährdungspotenzial könnte drastisch reduziert, logistische Ketten einer Kreislaufwirtschaft könnten eingespart und gleichzeitig könnten weiterhin die Vorzüge von Polymeren genutzt werden.

Kompostierbare VCI-Produkte befinden sich bei Metpro derzeit in der Testphase. Ziel ist es, möglichst zeitnah VCI-Verpackungsmaterialien auf den Markt bringen zu können, die den Normen des klassischen industriellen Kompostierzyklus entsprechen und so einen weiteren wichtigen Baustein darstellen, verantwortungsvoll zu handeln.

Korrosionsschutz-Verpackung mit Zukunft

Die Korrosionsschutz-Verpackung der Zukunft setzt somit auf ein umfassendes Konzept. Das Gleichgewicht wahren – bei jedem einzelnen Schritt von der Materialgewinnung bis zur Entsorgung – ist dabei maßgeblich. Material wird eingespart, indem immer weniger Verpackungsmaterial gebraucht wird, das dafür aber auch gleichzeitig eine längere Lebensdauer hat. Folien beispielsweise werden immer dünner und ermöglichen dennoch bessere Schutzwirkung. Durch den Einsatz von Rezyklat werden weniger neue Stoffe in Umlauf gebracht und somit neuer Müll vermieden. Die Entwicklung immer besserer Biopolymere ermöglicht ein umweltgerechtes Kreislaufsystem, und Giftstoffe aller Art gehören bald völlig der Vergangenheit an.

Über den Autor
Autorenbild
Dr. Tom Giessler

Geschäftsführer bei Metpro

Über die Firma
Metpro Verpackungsservice GmbH
Schwieberdingen
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