Einkaufswagen mit Lebensmitteln, im Hintergrund verschwommene Supermarktregale

Kaum jemand schafft es, seinen Einkaufswagen im Supermarkt mit ausschließlich unverpackten Lebensmitteln zu füllen. (Bild: p!xel 66 - Fotolia)

Es gibt nicht die eine nachhaltige Verpackung und somit auch nicht „die Eine“ für Lebensmittel. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es dafür mittlerweile viele Optionen gibt. Deshalb hat dieser Artikel aber auch nicht den Anspruch vollumfänglich alle Optionen aufzulisten, sondern eher eine Übersicht zu schaffen, was mittlerweile möglich ist.

Für Hersteller von Lebensmitteln ist es aufgrund der Hygieneansprüche an die Verpackung etwas aufwändiger eine passende Lösung zu finden, als beispielsweise für Schrauben. Zudem sind viele Lebensmittel feucht – eine Eigenschaft, die ebenfalls mit dem Verpackungsmaterial ohne Qualitätsverluste vereinbar sein muss. Dazu kommt neben weiteren Faktoren auch die Verderblichkeit, der mithilfe einer Verpackung Einhalt geboten werden soll. Denn all das Einsparen von Ressourcen bei der Verpackung ist vergeblich, wenn das Produkt am Ende schlecht ist, bevor es verzehrt werden kann.

Blick in einen Kühlschrank mit Obst, Gemüse, Tupperware und Milchflaschen
Ganz ohne Verpackung geht es bei Lebensmitteln meistens nicht und das muss auch nicht das Ziel sein. (Bild: olesiabilkei - Fotolia)

Nachhaltige Verpackungen: der große Überblick

Grafik von Lebensmitteln im Supermarktregal
(Bild: sabelskaya - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema nachhaltige Verpackungen wissen? Klar ist, dass der Bedarf an nachhaltigen Verpackungen in den kommenden Jahren stark steigen wird. Aber das Thema ist komplex: Wann gilt denn überhaupt eine Verpackung als nachhaltig und welche Kriterien müssen dabei künftig erfüllt sein? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

 

Wege nach Rom gibt es bekanntlich viele, genauso steht es um Hebel, um eine Verpackung nachhaltiger zu gestalten. Dazu gehört, ihre Recyclingfähigkeit zu erhöhen, den Prozess zu verbessern und so Energie, Material, Abfall oder Wasser einzusparen sowie alternative Packmittel aus Maisstärke oder ähnlichem zu verwenden.

Recyclingfähigkeit erhöhen

An solchen Lösungen arbeiten sowohl alteingesessene Unternehmen der Verpackungsbranche als auch Start-ups. Sehen wir uns zunächst die Recyclingfähigkeit als Stellschraube für nachhaltige Lebensmittelverpackungen an: Coveris hat Anfang 2022 gleich zwei Verpackungslösungen aus Monomaterial auf den Markt gebracht. Die beiden Verpackungen, einmal für Reis und einmal für Reibekäse, ersetzen mehrschichtige Verbundstoffe, die ein Recycling nahezu unmöglich gemacht haben, da die dünnen Schichten in Abfall-Verwertungsanlagen kaum trennbar sind.

Neben schwer zu trennenden Materialmixen erschweren auch häufig dunkle Farben das Recycling. Da das Material in der Verwertungsanlage anhand der Lichtbrechung sortiert wird, die es verursacht, funktioniert diese Methode für schwarz eingefärbten Kunststoff nicht. Zu wenig Licht dringt – wenn überhaupt – durch das Material, es kann nicht sortiert werden und landet deshalb auf dem Restmüllberg.

Erdbeeren in Kunststoffschale auf Holztisch
Dunkel eingefärbter Kunststoff kann häufig nicht sortiert werden und landet beim Restmüll. (Bild: ElinaManninen - Fotolia)

Für diese Problematik haben der Verpackungshersteller Spies Packaging, das Technologieunternehmen Digimarc und der Oberflächenspezialist Reichle Technologiezentrum eine Lösung: digitale Wasserzeichen auf Verpackungen. Diese werden mit Lasern auf die Oberfläche der Kunststoffverpackung aufgebracht und von der Verwertungsanlage ausgelesen. Die Anlage erhält die Information um welchen Kunststoff es sich handelt und sortiert den Abfall in den entsprechenden Sammelbehälter. Tests haben gezeigt, dass Sortieranlagen die Wasserzeichen noch auslesen konnten, nachdem die Verpackung zerteilt wurde.

Einmal weniger von allem bitte!

Prozesse zu verbessern, kann auf unterschiedliche Arten und Weisen nachhaltig sein. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Weniger Ressourcenverbrauch ist meist besser – sowohl für die Umwelt, als auch für den Geldbeutel des Verpackungsherstellers. Das zeigt das Anwendungsbeispiel von Verpackungsmaschinen von Schubert bei dem Süßwarenhersteller Hosta, für das Verpacken von Nippon-Puffreiswaffeln.

Da die Pick-and-Place-Roboter exakt arbeiten, konnte der Hersteller die Trays für die Waffeln um 10 mm kürzen. Deshalb konnte er auch den Folienrapport der Schlauchbeutel noch einmal um 6 mm verringern – beides spart Kunststoff als Verpackungsmaterial ein. Auch die Kartons, in denen die fertig verpackten Süßigkeiten versendet werden, wurden optimiert. Dadurch hat sich deren Bodenfläche verringert, sodass jetzt neun anstatt acht Kartons auf eine Palette passen, wodurch weniger Lkw-Ladungen entstehen.

Pralinen in geöffneter Schachtel auf rosa gemustertem Untergrund
Auch bei Süßigkeiten lässt sich auf die eine oder andere Art Verpackungsmaterial einsparen. (Bild: JJAVA - Fotolia)

Weniger Verpackungsabfall ist natürlich meistens besser, aber wie wäre es denn mit gar keinem? Wenn Verbraucherinnen ihre Verpackungen einfach aufessen könnten? Was im ersten Moment eher ungesund bis eklig klingt, hat sich ein bayerisches Start-up zur Aufgabe gemacht. Wisefood produziert essbares Geschirr – vom Strohhalm bis zum Kaffeebecher. Der Halm besteht aus einer Mischung aus Getreide und Apfelfasern. Sollte er nicht nach getaner Arbeit vom Trinkenden aufgegessen werden, ist er nach zwei Wochen in der Umwelt biologisch abgebaut.

Silphie, Mais und Gras

Dass fossile Rohstoffe zu nutzen, auf Dauer keine allzu umweltfreundliche Idee ist, ist mittlerweile den meisten Unternehmen und Verbrauchern klar. Also werden viele Produkte anstatt in Kunststoff in Papier oder Pappe verpackt, da diese Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Inzwischen versuchen viele Hersteller außerdem, Alternativen für Holz als Ausgangsmaterial zu finden. Denn Bäume wachsen zwar nach, aber doch eher langsam im Vergleich zu Silphie, Mais oder Gras. Deshalb würde genau genommen das Beispiel aus dem vorherigen Absatz über das essbare Geschirr ebenfalls in diese Kategorie passen.

Kartonkiste gefüllt mit Früchten
Faserverpackungen eignen sich beispielsweise für Obst. (Bild: dechevm - stock.adobe.com)

Aber es gibt natürlich noch mehr Möglichkeiten. Seit 2021 taucht häufig die Silphie in der Berichterstattung zu alternativen Packmitteln auf. Lidl und Kaufland haben angekündigt, vermehrt Verpackungen aus diesem zügig nachwachsenden Rohstoff in ihr Sortiment aufzunehmen.

Was ist Silphie?

Die Silphie ist eine Gattung von Pflanzen aus Nordamerika. Die Art aus der die Faserverpackungen hergestellt werden ist die Durchwachsene Silphie. Sie ist eine mehrjährige Pflanze, die nachdem sie ausgesät ist 15-20 Jahre genutzt werden kann. Aktuell wird die Silphie hauptsächlich als Energiepflanze angebaut und wird genutzt, um Biogas zu produzieren. Außerdem gilt sie als insektenfreundlich, speichert CO2 im Boden und schützt denselben durch ihre tiefen Wurzen vor Erosionen.

Schon etwas länger mit dabei sind Kunststoffe, die aus Maisstärke gewonnen werden. Dabei scheint der Formbarkeit keine Grenze gesetzt zu sein. Mondi benutzt ein auf Maisstärke basierendes Netz als Sichtfenster für Kartoffelbeutel. Maxwell House Kaffee, eine Sparte des Kraft Heinz Konzerns, stellt kompostierbare Kaffeekapseln mit einem Filter aus Maisstärke her und Netto hatte vorübergehend Smoothiebecher im Sortiment, die aus kompostierbarer Maisstärke) bestanden.

Ebenfalls eine Art Verpackungstrend ist Graspapier. Wie der Name vermuten lässt, besteht dieses zu einem gewissen Teil nicht nur aus Holz- sondern auch aus Grasfasern. Wenn Sie mehr zu Graspapier erfahren wollen, finden Sie hier einen ganzen Artikel darüber. Die Fast-Food-Kette McDonald’s verpackt mittlerweile ihre Burger darin. Mondi hat ein Verpackungsmaterial aus Graspapier entwickelt, welches ein Lebensmittel-Sicherheitszertifikat für trockene, nicht fetthaltige Nahrungsmittel erhalten hat. Damit eignet es sich beispielsweise, um Früchte zu verpacken. Das Plus an Nachhaltigkeit ist, dass das Gras von Wiesen stammt, die zwar gemäht werden müssen, aber von denen das gemähte Gras bisher als Abfallprodukt galt. In Form des Graspapiers wird also ein bisher als Abfall geltendes Material, dem Kreislauf wieder zugeführt.

Es gibt demnach viele Stellschrauben an denen Unternehmen drehen können, wenn sie ihre Verpackungen nachhaltiger gestalten wollen. Allerdings ist es auch wichtig, Verbraucherinnen und Verbrauchern möglichst klar zu kommunizieren, warum diese oder jene Verpackung nachhaltig ist. Zum Beispiel sollte der Aspekt der Kreislauffähigkeit vermehrt kommuniziert werden. Aktuell könnte nämlich der Eindruck gewonnen werden, dass alle Unternehmen, die eine Verpackung für ihre Lebensmittel benötigen, gar nicht schnell genug vom Kunststoff wegkommen können. Dabei kann Kunststoff eine gute Sache sein, wenn er im Kreislauf bleibt.

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