Tastatur, Brille, Tasse, Pflanze auf Schreibtisch

Unter New Work verstehen viele Arbeitnehmer vor allem eine flexible Arbeitsgestaltung. (Bild: Hakinmhan – stock.adobe.com)

Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit vom Haushalt in die Fabrik. Die Arbeit wurde am Arbeitsort erbracht. Arbeit und Zeit waren gleichgesetzt. In Organisationen dominierte eine strikte Hierarchie, gekoppelt an ein Führungsverständnis, das geprägt war von kleinteiligen Aufgabenbefehlen. „Command and Control“ bewirkten eine Anpassung der Mitarbeiter an die Arbeitsbedingungen. Der Mensch war nicht Individuum, sondern ein disponierbarer Produktionsfaktor.

Arbeit strukturiert, schenkt uns soziale Kontakte und gesellschaftliche Anerkennung. Sie war jedoch schon immer mehr als nur Erwerbstätigkeit. Arbeit ist heute eine Selbstfindung von innen, indem man sich entfaltet und ausprobiert. Nur empfindet mancher eine starke Diskrepanz zwischen dem Idealbild „Arbeit“ und der Realität des täglichen Tuns.

New Work, ursprünglich ein Konzept des Philosophen Frithjof Bergmann, umfasst alle Maßnahmen, die uns die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit spüren lassen. Nur als selbstbestimmte Akteure fühlen wir Selbstwirksamkeit (neudeutsch Empowerment) am Arbeitsplatz. Dieses Empowerment wird durch unser Kompetenz-, Bedeutsamkeits-, Selbstbestimmungs- und Einflusserleben bestimmt. So gewinnen wir eine aktive Orientierung gegenüber unserem Beruf. New Work beschreibt aber auch den andauernden Wandel dieses Verständnisses von Arbeit und ihre Ausgestaltung mit den Dimensionen „people, place and tools“.

Gründe für die neue Welt des Arbeitens sind disruptive Veränderungsprozesse auf gesellschaftlicher Ebene (Makroebene) und Änderungen im Unternehmensumfeld (Mesoebene). Digitalisierung, Globalisierung und Wissenszuwachs führen zu größerer Marktdynamik. Dem gegenüber steht der Verlust von „Normalarbeitsverhältnissen“ bei stärker werdendem Fachkräftemangel. Wissensarbeitern der Generation Y, die schon früher auf Augenhöhe mit Eltern und Lehrern sprachen, erheben mit ihrem Mindset grundlegend andere Anforderungen zur Gestaltung ihrer Arbeit. In der Realität beobachtet diese Generation Y dann aber häufig, dass die eigenen Vorstellungen von Arbeit in sehr starkem Widerspruch zu noch gelebter „alter Arbeit“ stehen.

Gute Arbeit wirkt anziehend!

Unternehmen, die zukunftsfähig bleiben wollen, sollten sich jetzt mit dem Thema New Work beschäftigen. Jedes Unternehmen muss den Begriff dabei selbst mit Leben füllen und auf das eigene Unternehmen angepasst definieren. Es ist nicht mit Bällebad, neuen Büros und einem Obstkorb getan. Finden Unternehmen einen Weg, den Begriff New Work glaubwürdig und auf das eigene Unternehmen angepasst mit Leben zu versetzen, führt dies zu einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitgebermarke und Attraktivität für neue Mitarbeiter und Talente! Im „War for Talents“ ist das Angebot neuer Arbeitsbedingungen im Sinne von New Work wie beispielsweise mehr Freiheit, kreatives Arbeitsumfeld, bessere Work-Life-Balance ein ausschlaggebender Erfolgsfaktor. Warum? Menschen suchen heute genau nach diesem Arbeitsumfeld! Bieten Sie das als Arbeitgeber nicht, dann riskieren Sie steigende Fluktuation, schwieriges Recruiting und abnehmendes Engagement. „Neue Arbeit“ wird dabei geprägt durch folgende Treiber:


1. Maßnahmen der flexiblen Arbeitsgestaltung (Arbeitsort-/Arbeitszeitautonomie)
2. Neue Führungslogik in Form von New Leadership (Ergebnisorientierung anstatt Zeit- und Ortsorientierung)
3. Neue Formen der Zusammenarbeit in dynamischen Netzwerken mit flachen Hierarchien
4. Selbstgesteuertes Lernen als Teil der Arbeit, beispielsweise Web Based Trainings

Ich war noch niemals in New Work

Wenn Sie sich mit Ihrem Unternehmen auf den Weg nach „New Work“ machen wollen, haben wir zwei konkrete Ansatzpunkte, um sich auf die Reise zu machen: New Leadership und mobiles Arbeiten.

Das Top-Management lebt New Leadership vor und unterstützt diesen Ansatz auf der mittleren Führungsebene. Dabei brechen streng hierarchische Führungsstrukturen auf. Vertrauenskultur und Empathie ersetzt Kontrolle. Hauptaufgabe der neuen Führungskräfte ist es, die Mitarbeiter zur Eigenverantwortung zu befähigen und deren Stärken zu fördern. Es geht nicht ohne Vertrauen, denn die direkte Kontrolle wird merklich reduziert. Ist die Arbeit outputorientiert und messbar, ist direkte Kontrolle durch Führungskräfte kontraproduktiv.

Und die Rolle des Mitarbeiters? Selbstverantwortung übernehmen und eigene Ideen einbringen, ist nicht mehr nur erlaubt, sondern aktiv erwünscht. Zurückhaltung und eine „der Chef wird‘s schon richten“-Mentalität gehört zur alten Arbeitswelt. Führungskräfte, die dabei eine offene Fehlerkultur pflegen, leben eine moderne und agile Führungsform. Hierbei handelt es sich um eine tiefgreifende Veränderung und wir empfehlen daher, in einer Abteilung zu beginnen. Eine Abteilung, die sowohl von der personellen Zusammensetzung als auch von den Qualitäten der Führungskraft her das Zeug mitbringt, diese neue Form der Personalführung erfolgreich mit Leben zu füllen.

Homeoffice: kein „One-size-fits-all”-Ansatz

Durch Covid wurde die Entwicklung des Arbeitens im Homeoffice vom Ausnahme- zum Normalfall. Von einem „One-size-fits-all”-Ansatz raten wir jedoch ab. Homeoffice für einen produktionsnahen Prozessingenieur funktioniert nicht – Homeoffice für einen Regulatory-Spezialisten mit Präsenzphasen am Produktionsstandort hingegen schon. Aus unserer Sicht ist aber die Möglichkeit der flexiblen Gestaltung von Arbeitszeit und -ort entscheidend bei der Besetzung von Fach- und Führungspositionen.

Wenn Sie Individualisierung, Freiheitsgrade und Verantwortung in Ihrem Unternehmen bieten, dann sind das wichtige Faktoren, mit denen Sie Top-Talente überzeugen. Wir kennen das häufige Vorurteil, dass Mitarbeiter im Homeoffice nicht so produktiv wären. Unsere Erfahrung zeigt – ein eher leistungsschwacher Mitarbeiter wird im Homeoffice eher noch schwächer performen. Aber das ist kein Problem von Homeoffice oder nicht, sondern hier stellt sich dann eher die grundsätzliche Frage, ob Sie richtig führen und gegebenenfalls den richtigen Mitarbeiter haben. Die fleißigen, leistungsstarken Mitarbeiter werden die Freiheiten im Homeoffice begrüßen und durch noch bessere Leistungen auch honorieren.
Wer zukunftsfähig bleiben und erfolgreich wachsen will, sollte sich intensiv mit dem Thema New Work beschäftigen. Eines ist jedoch sicher: Welche Aspekte von New Work im Einzelnen eingeführt werden, muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden.

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