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Packmittel

Metallisierendes Ergebnis

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Interview mit Pierre Segerath und Jochen Beik von Glatfelter

neue verpackung: Herr Beik, können Sie uns kurz umreißen, welche Märkte von ihren drei Business Units beliefert werden ?
Jochen Beik: Alle drei Business Units von Glatfelter bedienen Nischenmärkte mit Produkten hoher Komplexität und speziellen Eigenschaften. Die Specialty Papers Business Unit (SPBU) konzentriert sich ausschließlich auf den Nordamerikanischen Markt, die Advanced Airlaid Materials Business Unit (AMBU) und Composite Fibers Business Unit (CFBU) hingegen sind weltweit tätig und mit globalen Präsenzen gut aufgestellt. Ins Besondere kann die CFBU durch strategisch gut positionierte eigene Verkaufsbüros und Lager sehr flexibel auf lokale Kundenbedürfnisse und Bedarfsveränderungen reagieren. Außerdem arbeiten wir weltweit mit Handelsvertretern zusammen, die die jeweiligen Landessprachen beherrschen und lokale Märkte am besten kennen.

neue verpackung: Wie sieht Ihr Produktportfolio aus und wo liegen Ihre Stärken ?
Pierre Segerath: Bis vor Kurzem hatten wir drei Kernkompetenzen: Nassklebeetiketten, Selbstklebeetiketten sowie Zigaretten-Innerliner. Seit über 30 Jahren bieten wir unter dem Markennamen Gepalux metallisierte, nassfeste Papiere für Nassklebeetiketten an. Diese Produktlinie ist gleichzeitig auch die umsatzstärkste im Bereich Metallized Products. Unsere Gepalux-Papiere unterstützen - zumeist - Premium-Marken dabei, sprichwörtlich gut auszusehen und sich von anderen Marken im Super- beziehungsweise Getränkemarkt abzuheben. Ein Marketingvorteil, der zum Kaufanreiz führen soll: Der Konsument beziehungsweise die Konsumentin belohnt sich mit einem Premiumgetränk, das auch nach Premium aussieht. Unsere Kunden, die Druckereien, und weitere Teilnehmer aus der Wertschöpfungskette, legen das Hauptaugenmerk auf die technischen Merkmale: unsere Papiere bieten eine gute Planlage, ein ausgezeichnetes Druckbild, und die Ablösezeiten der Etiketten beim Waschen der Flaschen ist auf konstant hohem Niveau. Durch den Zukauf des Werkes in Caerphilly, Wales, wurde die Marktposition für metallisierte Papiere für Nassklebeetiketten gestärkt und neue Märkte erschlossen. Beispielsweise die relativ „junge" Produktlinie metallisierter Papiere für Selbstklebeetiketten, die unter Gepatac verkauft werden. Wir sind davon überzeugt, dass metallisierte Papiere in diesem Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnen werden und vor allem hinsichtlich der Weiterverarbeitung und der Optik eine überzeugende Alternative zu traditionellen Substraten sind.
Beik: Traditionelle Substrate ist ein gelungenes Stichwort, wenn wir über ein weiteres und gleichzeitig unser neuestes Standbein sprechen: metallisierte Papiere für Verpackungsanwendungen. Wir sind davon überzeugt, dass derzeit vielfach eingesetzte Verbundmaterialien ‚Papier-Folie‘ oder ‚Pappe-Folie‘ mit metallisiertem Finish auf den Prüfstand gestellt werden. Mögliche Gründe gibt es einige: verstärkter Wunsch nach Monomaterialien mit metallisiertem Finish wie beispielsweise ‚Pappe-metallisiertes Papier‘, ein verbessertes Druckbild durch die Verwendung von metallisierten Papieren im Vergleich zu anderen Substraten, und die Möglichkeiten, konventionelle anstatt UV-Farben einzusetzen. Wir sind uns sicher, dass metallisierte Papiere und die Verpackungsbranche, unabhängig ob flexible oder starre Verpackungen, zusammenpassen. Wir sind auf einem guten Weg, das Potenzial von metallisiertem Papier gemeinsam weiter auszubauen.

neue verpackung: Die Verpackungsdrucker haben von Zeit zu Zeit mit Migrationsproblemen zu kämpfen. Wie sichert ihr Unternehmen die gleichbleibende - und vor allem lebensmittelkonforme - Qualität seiner Produkte?
Segerath: Wir befinden uns derzeit noch mit vielen Anwendungen in der Entwicklungsphase. Die Gepalux-Sorte, die im Lebensmittelbereich beispielsweise für Schokoladen-Umverpackungen eingesetzt wird, hat keinen direkten Kontakt mit dem Lebensmittel und ist dennoch lebensmittelkonform deklariert. Entscheidend sind die Rezeptur des Basispapieres und die Verträglichkeit der eingesetzten Lacke, welche gleichzeitig sicherstellen, dass die Druckfarben auch dort bleiben, wo sie hingehören: auf dem Papier und nicht auf den Nahrungsmitteln - selbst dann, wenn die Farben verträglich sind.
Beik: Unsere gesamte Palette an Gepalux-Papieren, also auch diejenigen eingeschlossen, die für den Verpackungsbereich in Frage kommen, basieren auf Frischfaserpapieren. Das heißt aber nicht, dass auch alle für den Lebensmittelbereich zertifiziert sind. Das liegt zum einen an der bisher nicht vorhandenen Notwendigkeit, sich ein entsprechendes Zertifikat ausstellen zu lassen, und zum anderen ist nicht jedes nassfestes Papier freigegeben. Um es abzukürzen: Wir haben lebensmittelkonforme Papiere, und setzen diese für Verpackungen ein, und die nicht-lebensmittelkonformen Papiere, setzen wir nicht für Lebensmittelverpackungen ein.

neue verpackung: Derzeit sind Sie besonders mit ihren metallisierten Papieren für Etiketten in der Getränkebranche ein gefragter Lieferant. Was kann Ihr Unternehmen der Getränkeindustrie alles anbieten?
Segerath
: Die Brau Beviale ist eine gute Plattform, sich außerhalb von „normalen" Büro- und Produktionshallen-Situationen mit Kunden zu treffen und gemeinsam auf der Messe Markttrends zu besprechen. Aufgrund der relativen zeitlichen Nähe zum Jahresende fällt auch die Brau Beviale zusammen mit unseren Überlegungen, gemeinsam mit den Kunden und Lieferanten das Folgejahr zu planen. Bezüglich der verfügbaren Kapazität sind wir gut aufgestellt. Mit zwei Standorten, die ein Jahresvolumen von bis zu 28.000 t stemmen, ist auch eine gewisse Versorgungssicherheit und Flexibilität geboten. Noch bedeutender ist eine konstante Produktqualität, die in unserer Branche sehr wichtig ist: Perfekter Lackauftrag sichert die Druckfarbenhaftung und das optisch bestechende Erscheinungsbild des Etiketts. Die Planlage des Papieres und weitere Eigenschaften sorgen dafür, dass sowohl Druckmaschinen als auch Abfüllanlagen optimal betrieben werden können.

neue verpackung: Alle reden von Nachhaltigkeit. Gleichzeitig sollen die Produkte auffallen und metallisierte Etiketten zum Kaufen Anreize setzen. Ist das ein Widerspruch - oder nicht ?
Beik: Überhaupt nicht. Was glänzt, kann durchaus nachhaltig sein. Beispiel Mehrwegflaschen: beim Abwaschen der Etiketten löst sich das Aluminium in Lauge auf, während die Druckfarben auf dem Etikett bleiben. Ab diesem Zeitpunkt ist der Unterschied von einem ‚vormals‘ metallisierten Etikett zu einem ‚schon immer‘ weißen nicht mehr groß. Darüber hinaus schauen wir uns genau an, mit welchen Zertifikaten beziehungsweise Expertenmeinungen wir sowohl nassfeste als auch nicht-nassfeste Papiere als besonders nachhaltig versehen lassen. Kompostierbarkeit ist ein großes Thema. Das war es auch schon Anfang der 90er Jahre, und damals wurden unsere Papiere entsprechend zertifiziert. Aber da sich in der Zwischenzeit sowohl auf der Papierseite als auch auf der Zertifizierungsseite viel getan hat, muss man definitiv neu anfragen. Außerhalb der Getränkebranche herrscht häufig die Meinung vor, metallisierte Papiere seien ein Verbund aus Papier und beispielsweise Alu-Folie. Ich bin in meiner Funktion immer wieder erstaunt, wie häufig mit diesem Vorurteil aufgeräumt werden muss. Deshalb sind wir dankbar an dieser Stelle sagen zu können: metallisierte Papiere sind und bleiben Papier. Mit allen Vorzügen. By the way: man kann unsere Arbeit messen beziehungsweise veranschaulichen: ein Basispapier mit der Grammatur x g/m² hat nach dem Verlassen unserer Werke rund 3 g/m² mehr. Davon sind fast 100 Prozent Lacke, die wir sowohl für die Metall- als auch Druckfarbenhaftung benötigen, und der geringste Anteil ist Aluminium. Lediglich 40 mg Aluminium pro m² - das ist ein Hauch von nichts. Ein gern genommener Vergleich: Stellen Sie sich bildhaft einen 1 kg schweren Block aus Aluminium vor. Dieser Block reicht aus, um drei Fußballfelder flächendeckend zu metallisieren.

neue verpackung: Welche Marketingvorteile haben metallisierte Produkte? In welchen Bereichen der Verpackung könnten metallisierte Papiere noch eingesetzt werden?
Segerath: Einige Marketingvorteile haben wir bereits genannt, beispielsweise die Eigenschaft, als Markenbotschafter für Premium-Getränke zu funktionieren, gleichzeitig ein im wahrsten Sinne des Wortes besseres Druckbild abzuliefern im Vergleich zu Substraten mit ebenfalls metallisiertem Finish aber gegebenenfalls auf nicht erneuerbaren Ressourcen basierend, und nicht zuletzt die eben angesprochene und angestrebte Verbriefung der Kompostierbarkeit. Wir stellen uns vor, dass wir im Bereich der Sekundärverpackungen, also dem Flexible Packaging, weiter wachsen können. Dies könnte dadurch passieren, dass bisher nicht-metallisierte Umverpackungen auf metallisierte Papiere umgestellt werden, und natürlich auch durch Weiterentwicklung von Produkten.
Beik: Wir legen auch ein starkes Augenmerk auf den Bereich Faltschachteln, also die mehr oder weniger „starren" Verpackungen - Englisch: Rigid Packaging. Wir sind zuversichtlich, dass sich in Kürze eine Nische entwickeln wird. Diese Nische wird von Marken beziehungsweise Produkten besetzt sein, die aus dem im Verlauf diesen Interviews genannten Gründen in Monoverpackungen präsentiert und verpackt werden. Unsere Aufgabe ist es, diesen Trend beziehungsweise diese Nische als verlässlicher Lieferant zu bedienen. Wir haben sowohl Kontakte zu Entscheidern auf Markenebene als auch Veredlern wie Druckern, Kaschierexperten, Faltschachtelherstellern et cetera. Der Prozess ist ein gemeinsamer und kann nur über eine Intensivierung der Kommunikation in der Wertschöpfungskette bewältigt werden. Zum Schluss: Es muss auch das Ziel der Industrie, und nicht zwingend nur von Glatfelter, sein, Papiere mit Barriere-Eigenschaften zu entwickeln. Sollte dieser Tag X irgendwann kommen, so werden Papiere sowohl in weißer als auch metallisierter Form noch wichtiger werden für die Verpackungsbranche.

Für Sie entscheidend
Das Unternehmen im Profil

Der Glatfelter Konzern mit Hauptsitz in York, Pennsylvania (USA) ist in drei Business Units aufgeteilt: Specialty Papers – SPBU, Composite Fibers – CFBU, und Advanced Airlaid Materials – AMBU. Die SPBU produziert hauptsächlich Spezialpapiere. Ausgesuchte Anwendungsbeispiele sind Buchdruckpapiere, Spielkarten, Fotopapiere, Briefmarken und -umschläge. Beispiele der AMBU sind Vliesstoffe für Reinigungstücher, Tischdecken oder Hygieneprodukte. Die CFBU besteht aus vier Segmenten: Das größte Segment stellt Filterpapiere für Tee und Kaffee auf Schrägsiebmaschinen her. Der zweitgrößte Bereich ist Metallized Products, in dem weiße Basispapiere durch Aluminiumbedampfung veredelt und als Etiketten oder Verpackungsmaterial eingesetzt werden. Die beiden übrigen Bereiche stellen hauptsächlich Produkte für die Möbelindustrie und technische Spezialpapiere für Nischenanwendungen her. In Gernsbach befindet sich auch das administrative Center der CFBU.

Über die Firma
Glatfelter Gernsbach GmbH & Co. KG Composite Fibers Business Unit
Gernsbach
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