International Paper erwägt Verkauf des Europageschäfts
Nicht einmal zwei Jahre nach der Übernahme von DS Smith erwägt International Paper den Verkauf seines gesamten EMEA-Verpackungsgeschäfts. Damit könnte einer der größten Anbieter faserbasierter Verpackungen in Europa den Eigentümer wechseln. Der US-Konzern bestätigt erste Gespräche mit potenziellen Käufern.
International Paper ist einer der weltweit führenden Hersteller faserbasierter Verpackungen mit Hauptsitz in Memphis, Tennessee (USA).
M.O. Stevens
Der US-amerikanische Papier- und Verpackungskonzern International Paper prüft einen Verkauf seines Geschäftsbereichs Packaging Solutions EMEA. Wie das Unternehmen mitteilte, sind unaufgefordert Kaufanfragen eingegangen. International Paper führt bereits Gespräche mit potenziellen Bietern. Diese befinden sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Ob tatsächlich eine Vereinbarung zustande kommt, ist offen.
Die Erklärung erfolgte nach Medienberichten über einen möglichen Verkauf und auffälligen Kursbewegungen der International-Paper-Aktie. Nach Informationen der „Financial Times“, die auch „Reuters“ aufgriff, interessieren sich die Finanzinvestoren Lone Star und Atlas Holdings für das Geschäft. Die möglichen Gebote könnten den Geschäftsbereich mit weniger als 6 Mrd. US-Dollar bewerten. International Paper selbst hat weder die Namen der Interessenten noch eine mögliche Bewertung bestätigt.
Börsengang unter dem Namen DS Smith geplant
Bislang verfolgt International Paper den Plan, seine Aktivitäten in Nordamerika und EMEA in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen aufzuteilen. Die entsprechende Entscheidung hatte der Konzern am 29. Januar 2026 bekannt gegeben.
Während das nordamerikanische Geschäft unter dem Namen International Paper fortgeführt werden soll, ist für die EMEA-Aktivitäten eine eigenständige Gesellschaft unter dem Namen DS Smith plc vorgesehen. Geplant sind eine Notierung an der London Stock Exchange und ein Level-II-ADR-Programm an der New York Stock Exchange.
Das neue Unternehmen soll sowohl die ursprünglichen europäischen Aktivitäten von International Paper als auch die übernommenen DS-Smith-Standorte umfassen. Es handelt sich damit nicht ausschließlich um das frühere DS-Smith-Geschäft.
Strategiewechsel nach milliardenschwerer Übernahme
Der mögliche Verkauf würde eine erhebliche strategische Kehrtwende bedeuten. Erst am 31. Januar 2025 hatte International Paper die Übernahme des britischen Verpackungsherstellers DS Smith abgeschlossen. Damit wollte der Konzern seine Position als international führender Anbieter faserbasierter Verpackungen stärken und insbesondere in Europa und Nordamerika Synergien erschließen.
Die ursprünglich angekündigte Transaktion wurde mit rund 7,2 Mrd. US-Dollar bewertet. Aufgrund der Entwicklung des International-Paper-Aktienkurses belief sich die zum Abschlusszeitpunkt bilanzierte Gegenleistung nach Konzernangaben auf rund 9,9 Mrd. US-Dollar.
Bereits ein Jahr später kündigte International Paper die regionale Aufspaltung an. Der Konzern begründete sie damit, dass sich beide Geschäfte mit eigenständigem Management, angepassten Investitionsstrategien und unabhängiger Kapitalallokation besser entwickeln könnten. Insbesondere die unterschiedlichen Marktbedingungen in Nordamerika und Europa sprechen nach Unternehmensangaben für eine getrennte Führung.
Europageschäft unter wirtschaftlichem Druck
Ein wesentlicher Hintergrund der Neuordnung ist die wirtschaftliche Situation des europäischen Verpackungsmarktes. Schwache Nachfrage, Preisdruck und hohe Kosten belasten die Hersteller von Wellpappe und anderen faserbasierten Verpackungen.
Das zur Abspaltung vorgesehene EMEA-Geschäft erzielte 2025 pro forma einen Umsatz von rund 8,5 Mrd. US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von etwa 800 Mio. US-Dollar. International Paper arbeitet bereits an der Optimierung des Produktionsnetzwerks und an strukturellen Kostensenkungen.
Wie erheblich der wirtschaftliche Anpassungsbedarf ist, zeigt eine Wertberichtigung im Konzernabschluss 2025. International Paper verbuchte zum Jahresende eine Goodwill-Wertminderung von rund 2,47 Mrd. US-Dollar auf das EMEA-Geschäft. Hintergrund war, dass dessen geschätzter beizulegender Zeitwert unter dem bilanziellen Buchwert lag.
Verkauf als Alternative zur Abspaltung
Das Interesse von Finanzinvestoren könnte International Paper nun ermöglichen, sich unmittelbar von seinem EMEA-Geschäft zu trennen, statt es zunächst als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen. Damit würde sich der US-Konzern stärker auf den nordamerikanischen Verpackungsmarkt konzentrieren.
Ein Verkauf könnte dem Unternehmen zudem finanzielle Mittel für Investitionen oder den Schuldenabbau verschaffen. Welche Verwendung möglicher Verkaufserlöse vorgesehen ist, hat International Paper bislang allerdings nicht mitgeteilt.
Für die europäische Verpackungsindustrie wäre ein Eigentümerwechsel von erheblicher Bedeutung. Das EMEA-Geschäft zählt zu den großen Anbietern von Wellpappenverpackungen und faserbasierten Verpackungslösungen. Ob ein neuer Eigentümer die bisherige Strategie fortsetzen oder weitere Veränderungen am Produktionsnetzwerk vornehmen würde, ist noch nicht absehbar.
Weitere Informationen zur geplanten Eigenständigkeit des EMEA-Geschäfts werden für den 3. November 2026 erwartet. Dann wollen der vorgesehene CEO Tim Nicholls und CFO Vincent Bonnot auf einem Kapitalmarkttag in London die Strategie und wirtschaftlichen Perspektiven von DS Smith plc vorstellen.