Stefan Hipp, Geschäftsführer Hipp.

Stefan Hipp, Geschäftsführer Hipp. (Bild: Hipp)

neue verpackung: In einer unlängst erschienen Pressemeldung war zu lesen, dass Hipp „technische Innovationen in den Prozessabläufen“ realisiert hat, um Emissionen einzusparen – was wurde hier genau umgesetzt?
Stefan Hipp: Im Rahmen der Optimierung unserer Logistikprozesse schöpfen wir unter anderem durch den Einsatz einer neuen Software Einsparpotenziale aus. Allein durch die Zentralisierung von Lagerkapazitäten in moderne Hochregallager sparen wir pro Jahr Treibhausgasemissionen in Höhe von 600 t. Darüber hinaus stehen für uns bei Investitionen in neue Anlagen deren niedriger Energieverbrauch und hohe Energieeffizienz im Fokus. An unserem Milch-Standort in Herford setzen wir beispielsweise auf eine Technologie, die im Vergleich zu den Anlagen der Vergleichsangebote in der Anschaffung zwar um ein Viertel kostenintensiver war, dafür um ein Viertel weniger Energie benötigt.

Zitat

Um Lebensmittel sicher und hygienisch verpackt anbieten zu können, gibt es derzeit außer der Glasverpackung noch keine zufriedenstellende Alternative zu Kunststoff.

Stefan Hipp, Geschäftsführer Hipp.

neue verpackung: Um den Effekt der bisher ergriffenen Maßnahmen einmal an einem konkreten Beispiel am Point of Sale zu beleuchten: Die wohl ikonischste Hipp-Verpackung ist das klassische Gläschen. Was konnten Sie hier in Sachen Emissionen erreichen?
Hipp: Schon 1995 haben wir als einer der ersten Lebensmittelhersteller überhaupt unseren Gläschen-Standort in Pfaffenhofen nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifizieren lassen und uns dadurch verpflichtet, die Umweltleistung des Unternehmens jährlich zu verbessern. In fast 30 Jahren ist es uns gelungen, den Wasserverbrauch um 60 %, den Energieverbrauch um 50 % und den Ausstoß klimaschädlicher Gase pro Produkttonne um 90 % zu reduzieren.
Seit den 1960er-Jahren optimieren wir auch die Verpackung unserer Gläschen. Würden wir heute noch in dem Glasbehälter abfüllen, den wir 1960 für das 190-g-Gläschen verwendet haben, würden allein in dieser Gläschen-Füllgröße jährlich 3.000 t mehr Glas verbraucht. Durch die Reduzierung des Verpackungsgewichts der 190-g-Gläschen sparen wir jährlich 1.500 t CO2 ein. Zudem haben wir den Vakuumverschluss der Gläschen hin zu einem schmaleren Rand und geringerer Blechstärke verändert. Durch die neue Form ergibt sich eine Ersparnis von rund 77 t Weißblech jährlich. Damit schonen wir auch in diesem Bereich wertvolle Ressourcen, verursachen weniger Müll und müssen weniger Material einkaufen.

Haferriegel von Hipp
Seit Februar 2022 hat Hipp zwei Haferriegel-Sorten in recyclingfähiger Verpackung im Angebot. Die Riegelfolie ist zu 84 % recycelbar, die Multipack-Faltschachtel aus FSC-zertifiziertem Karton zu 90 %. (Bild: Hipp)

neue verpackung: Die verbleibenden Emissionen werden durch Klimaschutzprojekte im Gegenwert von 350 g CO2 ja sogar über-kompensiert – Sie nennen das „klimapositiv“. Um welche Art von Projekte handelt es sich hier genau?
Hipp: In unserer Klimastrategie setzen wir vor allem auf Klimaschutzprojekte, die beispielsweise wie Kompostgewinnung einen landwirtschaftlichen Bezug aufweisen. Durch den Kompostierungsprozess bauen wir klimafreundlich organische Substanz ab. Dabei wird der Methanausstoß deutlich reduziert. Der hierdurch entstehende Kompost dient wiederum als hochwertiger organischer Dünger, der einen signifikanten Beitrag zum Bodenaufbau leistet. Wir engagieren uns weltweit für verschiedene Klimaschutzprojekte, zum Beispiel in Kapstadt, aber auch in Projekten innerhalb der eigenen Lieferkette. Auf meinem Bio-Betrieb in Polen haben wir ein großes Kompostprojekt, mit dem wir eine Art Blaupause für die Lieferkette geschaffen haben.

Hipp Nachhaltigkeitsbericht Grafik Gläschen
Durch die Anpassung des Gläschen-Formats bei gleichgebliebenem Füllgewicht von 190 g seit 1964 konnte Hipp sowohl in Sachen Glas-Verbrauch als auch beim Weißblech für die Deckel Rohstoffe einsparen. (Bild: Hipp)

Wir waren einer der ersten die sich das Ziel gesetzt haben, klimapositiv zu wirtschaften und dieses Engagement auf den Produkten und unserer Webseite zu erklären. Doch wir stellen auch fest, dass die Begrifflichkeit offenbar zu Irritationen führt, und dass mittlerweile auf europäischer Ebene übergreifende Systeme zu Nachhaltigkeits-Auslobungen entstehen, die es dem Verbraucher ähnlich wie beim Nutri-Score erlauben, schnell einzuschätzen, wie ein Produkt in Bezug auf Klimaschutz, Bodenschutz, Biodiversität oder auch Tierwohl einzuordnen ist. Ein unseres Erachtens besonders informatives und für den Verbraucher übersichtliches System ist der sogenannte Planet-Score, den wir in Frankreich bereits auf den ersten Hipp-Produkten umgesetzt haben, und der auch ein gutes Modell für weitere europäische Märkte werden könnte. Wir sind also gerade mit Nachdruck auf der Suche nach alternativen Lösungen, um unsere Verbraucher transparent und verständlich über unser Klimaschutzengagement zu informieren. Diese künftige Lösung soll selbstverständlich konform mit den angekündigten EU-Vorgaben für umweltbezogene Aussagen sein.

Babyshampoo von Hipp in der 200-ml-Flasche
Die Verpackung des Babyshampoos von Hipp in der 200-ml-Flasche kommt durch den Einsatz von Monomaterial (PP) für Flasche, Deckel sowie Etikett auf eine Recyclingfähigkeit von 99,6 %. (Bild: Hipp)

neue verpackung: Bei Schalen, Bechern und Quetschbeuteln soll bis 2025 eine Recyclingfähigkeit von mehr als 90 % erreicht werden. Wollen Sie dies durch die Optimierung bestehender Verpackungslösungen erreichen, oder könnten im Zweifel bestimmte Varianten sogar komplett abgelöst werden?
Hipp: Um Lebensmittel sicher und hygienisch verpackt anbieten zu können, gibt es derzeit außer der Glasverpackung noch keine zufriedenstellende Alternative zu Kunststoff. Schließlich haben wir auch die Pflicht, die Hipp-Produkte optimal zu schützen. Wo immer möglich, versuchen wir natürlich auf alternative Verpackungsformen wie Papier und andere nachwachsende Rohstoffe auszuweichen oder aber zumindest weniger Kunststoff einzusetzen. Primär arbeiten wir aktuell an Optimierungen der bestehenden Verpackungen. Bei den Quetschbeuteln stellen wir auf ein Monomaterial um und erreichen Gewichtseinsparungen bei Spout und Deckel. Die Becher stellen wir auf ein komplett neues, recycelbares Material um. Und bei den Schalen, die schon jetzt sehr gut wiederverwertbar sind, stellen wir die Siegelfolie auf ein recycelbares Material um, wodurch dann das gesamte Verpackungssystem „Schale – Siegelfolie – Karton-Manschette“ ebenfalls voll recycelbar ist. Das ist uns insofern wichtig, weil wir in unseren Überlegungen nicht nur die einzelne Verpackung betrachten, sondern immer auch das gesamte Verpackungssystem.

neue verpackung: Nachhaltigkeit technisch zu erreichen, ist die eine Sache. Sie muss von den Konsumentinnen und Konsumenten aber auch verstanden werden, also beispielsweise, dass es sich bei einer Kunststoffverpackung um eine sehr gut recycelbare Monomaterial-Lösung handelt. Wie sieht hier ihre Kommunikationsstrategie aus?
Hipp: Bei Hipp muss jede neue Verpackung ökologisch vorteilhafter sein als ihr Vorgänger. Mit unserer Mission, bis 2025 alle Hipp-Verpackungen so gut wiederverwertbar zu haben wie unsere Gläschen, möchten wir Kreislaufwirtschaft bestmöglich unterstützen. Das ist natürlich erklärungsbedürftig und wir versuchen, auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen transparent, einfach und regelmäßig zu informieren. Das tun wir auf unserer Webseite, über Broschüren, kurze Erklärfilme, Social Media, in Interviews oder auf Veranstaltungen. Und auch direkt auf dem Produktetikett haben wir Hinweise platziert, die den Namen „Sei Hipp – trenn mit“ tragen, und darüber aufklären, wie eine Verpackung bestmöglich entsorgt werden soll, damit aus gebrauchten Verpackungen wieder etwas Neues entstehen kann.

Die Fragen stellte Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung

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