Abfülllinie von Vivi Kola

Im Keller der ehemaligen Mineralquellen Eglisau, direkt neben dem Bahnhof, hat Vivi Kola seine erste eigene Abfülllinie installiert. (Bild: Broesele)

Die Mineralquellen Eglisau, nördlich von Zürich, füllten nicht nur die Limonaden Eglisana und Orangina ab, sondern seit 1938 auch Vivi Kola. Die Direktoren der Mineralquelle entsandten ab Mitte der 1930er-Jahre ihre Angestellten ins ferne Kamerun, um dort die geheimnisvolle Kolanuss zu suchen und nach Eglisau zu bringen. Bald darauf tauchte die bittere, koffeinhaltige Nuss in der Schweiz auf, und Vivi Kola kam auf den Markt.

Nach ersten erfolgreichen Jahren am Markt wurde der Druck durch Coca-Cola und Pepsi-Cola allerdings ab den 1960er-Jahren immer größer, in Eglisau investierte man stark in Werbung. So entstand ein kultiger Werbespot mit dazugehörigem Song „One, two, three – Vivi for me“. Dennoch musste die Produktion im Jahr 1986 eingestellt werden.

Neustart der Marke im Jahr 2010

Der Eglisauer Grafiker Christian Forrer, der sich noch an Seifenkistenrennen mit Vivi Kola als Preis sowie gratis verteiltem Vivi Kola auf Schulreisen und an Festen erinnern konnte, erwarb im Jahr 2008 die Markenrechte und lancierte das Getränk 2010 mit dem Slogan „Vivi Kola – die Schweizer Kola seit 1938“ neu. Beim Eröffnungsfest wird Forrers Laden überrannt, 2.500 Flaschen gehen in zwei Stunden über die Theke. Seither wurde an der Geschichte und an Stories rund um die Nuss und das Schweizer Kultgetränk gebastelt, jedes Jahr mit enormen Zuwachsraten. „Im Jahr 2020 verkauften wir in der Schweiz sowie zahlreichen Auslandsmärkten, vor allem in der arabischen Welt, dem Mittleren Osten und China, zwei Millionen Flaschen. In diesem Jahr rechnen wir trotz eines gesättigten Süßgetränke-Marktes in der Schweiz mit 2,5 Millionen Flaschen – und so wird es wohl weitergehen, wenn wir Ende des Jahres auch erstmals in Dosen abfüllen“, erklärt Vivi-Kola-Geschäftsführer Camilo Antezana. Corona mit der geschlossenen Gastronomie sei für das junge Unternehmen allerdings sehr schwierig gewesen, „doch seit die Bars und Kneipen wieder geöffnet sind, kommen wir kaum nach mit der Produktion.“

Abfüllmaschine von Vivi Kola
Je nach Formation werden die Flaschen zen­triert, von Kameras der Barcode erkannt, die Flaschen entsprechend gedreht und der Kartonzuschnitt von oben übergelegt und am Boden verklebt. (Bild: Broesele)

Erste eigene Abfülllinie

Abgefüllt wurde bislang bei Partnerunternehmen, nun hat sich das Unternehmen im Keller des ehemaligen Mineralquellen Eglisau-Werks eine eigene Abfüllanlage installiert: für Glas- und PET-Flaschen mit 0,33 l Volumen, PET mit 1 l Volumen. Die Linie kann aber auch Dosen verarbeiten. Neben Vivi Kola – mit und ohne Zucker – werden jetzt auch Bio-Sodas in den Geschmacksrichtungen Apfelschorle, Zitrone & Ingwer sowie Blutorange & Ingwer abgefüllt und vertrieben.

Die Glasflaschen werden zum Teil in 24er-Kunststoffkisten gepackt, für den Export jedoch ebenso wie die PET-Flaschen in Karton-Sixpacks oder voll geschlossene Kartons. Er habe sich lange nach den besten Lieferanten umgesehen, berichtet Antezana. Er wollte keine Schrumpffolie, sondern die nachhaltigeren Kartonverpackungen, sich dabei aber auf keinen Fall an einen Kartonhersteller binden. „Das Unternehmen Wilhelm Fischer fiel uns unter anderem auf der Brau Beviale auf und jeder, der eine WF-Maschine hat, berichtete uns nur das Beste. Zudem wollten wir keinen extremen Leistungsbereich, die Maschine sollte außerdem für Flaschen wie auch Dosen geeignet sowie schnell und rasch umzustellen sein.“

Nach Eglisau zu Vivi Kola wurde von WF eine Verpackungsmaschine vom Typ Multipack MCP30 Combi geliefert, die kleinste der MCP-Multipackmaschinen. Hierbei handelt es sich um voll ausgereifte Anlagen zur Verpackung von Flaschen (Glas und PET) sowie Dosen in Manschetten, Baskets und vollverschlossenen Schachteln in einem Leistungsbereich bis 480 Verpackungen in der Minute. Eine der Besonderheiten der Maschinenbaureihe ist, dass sie über die gesamte Lebensdauer für neue Anforderungen konfigurierbar sind. Zudem sind alle Maschinen von Wilhelm Fischer an keinen Packmittelhersteller gebunden – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Trotzdem sind alle am Markt üblichen Verpackungsarten mit einem System herstellbar.

Mit der Multipack MCP30 Combi gewann Wilhelm Fischer 2019 den Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Verpackungsmaschinen. Mittlerweile wurde sie bereits über zehn Mal erfolgreich am Markt platziert. Sie kann Flaschen oder Dosen in bis zu 30 Takten pro Minute in Baskets, Sixpacks, Manschetten oder vollverschlossenen Schachteln packen. Dabei können Formationen von 1 x 2 bis 2 x 4 hergestellt werden. Die vollautomatische Maschine mit geringem Platzbedarf ist geeignet für den Inline- wie auch Offline-Betrieb. Verschiedene Formationen und Gebindetypen können verarbeitet werden, die Umrüstzeiten von 0,33 auf 1 l oder auf Dosen sind laut Hersteller sehr kurz.

Kein Barcode darf nach außen zeigen

„Unsere Flaschen werden recht kalt abgefüllt. Damit das Etikett darauf besser hält, lassen wir sie langsam bei Raumtemperatur durch den Pasteur laufen, damit sie Zimmertemperatur haben“, erläutert Antezana. Vor der Verpackungsmaschine MCP 30 werden die Flaschen in zwei Reihen aufgereiht und fahren in die Maschine ein. Bei der Herstellung von Sixpacks werden jeweils sechs Flaschen zentriert. Bevor die Kartonzuschnitte von oben über die Flaschen gelegt werden, überprüfen Kameras von außen, wo sich der Barcode jeder Flasche befindet.

„Wir setzen unterschiedlichste EAN-Codes auf den Flaschen ein. Dieser sollte jedoch auf keinen Fall nach außen zeigen, damit beim Einscannen des Sixpacks an der Supermarktkasse nicht nur eine einzelne Flasche eingelesen wird“, erklärt Antezana. Also wurden Kameras installiert, die einen für den Endverbraucher unsichtbaren QR-Code erkennen. Kleine Motoren unter den Flaschen drehen diese nun so, dass der Barcode immer nach innen zeigt. Gleichzeitig „rastet“ dabei ein Standfuß von jeder Fasche in eine der sechs Kartonöffnungen ein. „Dies erhöht die Stabilität der Verpackung enorm.“ Nun wird der Kartonzuschnitt komplett um die sechs Flaschen gelegt, Heißleim aufgebracht, die Klebenaht kurz und kräftig angedrückt und so alles sauber verklebt. Die Sixpacks fahren aus der Maschine, werden zuvor noch mit MHD und Losnummer bedruckt – weiter geht’s zur Palettierung.

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