Die in Papier verpackte limitierte Edition „Schoko & Gras“ von Ritter Sport wurde im Rahmen einer einmaligen Aktion bereits in einem Testmarkt eingeführt.

Die in Papier verpackte limitierte Edition „Schoko & Gras“ von Ritter Sport wurde im Rahmen einer einmaligen Aktion bereits in einem Testmarkt eingeführt. (Bild: Ritter Sport)

Nachhaltigkeit gehört seit Jahren fest zum Leitbild von Ritter Sport. Bereits im Jahr 1991 verpflichtete sich das Unternehmen, sämtliche Produktionsprozesse nachhaltig zu gestalten. Seit 2018 ist Ritter Sport der laut eigenen Angaben erste große Hersteller von Schokoladentafeln, der für seine Produkte ausschließlich zertifiziert nachhaltigen Kakao bezieht. Den Rohstoff liefern Bauern und Kooperativen aus Nicaragua, Peru, Ghana, Nigeria und von der Elfenbeinküste. Parallel dazu begann das Unternehmen, papierbasierte Verpackungsalternativen für seine charakteristischen quadratischen Schokoladentafeln zu entwickeln. Mit den Experten von Syntegon, ehemals Bosch Packaging Technology, hat Ritter Sport unlängst neue Ansätze für die Ritter-Sport-Mini-Editionen erprobt.

Ziel: Entsorgung über den Papierrecyclingstrom

„Wir wollten ein Material aus nachwachsenden Rohstoffen verwenden, das sich über den Papierrecyclingstrom entsorgen lässt. Das bedeutete auch, eine passende Verpackungsmaschine zu finden, die Papier und verschiedene Verpackungsformate schonend, flexibel, zuverlässig und bei hoher Geschwindigkeit verarbeitet“, erklärt Ivo Buncuga, technischer Leiter bei Ritter Sport. Anstelle der bisher üblichen, mit Kunststofffolie umwickelten Papiertrays entschied sich Ritter Sport für eine neue papierbasierte Verpackung. Papier lässt sich, gerade global betrachtet, in vielen Ländern besonders gut in Wertströmen recyceln, denn die Abläufe sind gelernt. Außerdem bietet das Material besondere haptische Eigenschaften, die einen aufmerksamkeitsstarken Auftritt am Point of Sale unterstützen.

Grundsätzlich muss Papier schonender behandelt werden als Kunststofffolie. Da es steifer und weniger robust ist, kann es während des Verpackungsprozesses beim Formen und Füllen mit Produkten knittern oder sogar reißen. Es benötigt entsprechend viel Fachwissen, um das Material auf Hochgeschwindigkeits-Verpackungsmaschinen einwandfrei zu verarbeiten. Das Zusammenspiel zwischen Bediener, Maschine, Produkt und Papiermaterial hatte deshalb höchste Priorität bei den Analysen von Syntegon und Ritter Sport: „Wir untersuchten verschiedene Verpackungsarten und Papiermaterialien, bevor wir uns auf die passende Lösung für das Produkt festlegten“, erinnert sich Buncuga. Zunächst führten beide Unternehmen Papiertests auf einer vertikalen Verpackungsmaschine SVE 2520 durch, um zu sehen, wie sich die verschiedenen Papiermaterialien auf der Maschine verhalten. Anschließend optimierten sie die technischen und materiellen Anforderungen, um einen stabilen und zuverlässigen Prozess mit dem ausgewählten Papiermaterial zu ermöglichen.

Hochwertige und nachhaltige Verpackungs­lösung

Nach Auswertung der Testergebnisse setzte sich ein Standbeutel aus Papier für verschiedene primärverpackte Schokoladentafeln wie die „Ritter Sport Minis“ oder „Schokowürfel“ durch. Die hochwertige und nachhaltige Verpackungslösung erweist sich als echter Blickfang im Regal: Die Haptik der recycelbaren Lösung unterstreicht den positiven ersten Eindruck des Produkts. Für die stabilen, glatten sowie biege- und reißfesten Papierbeutel rüstete Syntegon die bestehende vertikale Verpackungsmaschine SVE 3220 um.

„Weil Syntegon als erstes Unternehmen auf dem Markt vertikale Papierbeutel verarbeitete, war die Expertise entsprechend groß – und von großem Nutzen für das Projekt“, erläutert Buncuga. „Syntegon hat uns während des gesamten Prozesses mit wertvollen Verbesserungsvorschlägen unterstützt. Gemeinsam haben wir zahlreiche Herausforderungen gemeistert – von den ersten Testläufen am Syntegon-Standort in Weert bis hin zum Launch des fertigen Produktes im Frühjahr 2021.“

Flexibilität beim verarbeiteten Verpackungsmaterial

Eine weitere wichtige Projektanforderung: Flexibilität. Da Ritter Sport seine „Minis“ nicht von Anfang an überall in Papierbeuteln vermarktet, musste die Lösung für unterschiedliche Verpackungsmaterialien und -stile anpassbar sein. Die SVE zum vertikalen Befüllen von Beuteln verarbeitet sowohl Papier als auch Kunststofffolie. Bei der Doy-Beutelverpackung produziert die Maschine bis zu 60 Papier- oder 80 Kunststoffbeutel pro Minute. Format- und Materialwechsel lassen sich schnell und einfach durchführen, um Stillstandzeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Mit der Maschine kann Ritter Sport auch Kissenbeutel in beiden Materialien mit einer Leistung bis 100 Stück pro Minute verpacken. Der Vorteil für den Kunden: Er profitiert von einem Höchstmaß an Flexibilität in der Produktion.

Die neue Papierverpackungslösung markiert für Ritter Sport einen Meilenstein in Sachen Nachhaltigkeit. Abgehakt ist das Thema beim deutschen Schokoladenhersteller damit aber noch lange nicht. „Wir haben spannende Projekte in der Pipeline. Mit Syntegon suchen wir aktuell nach Ansätzen, um Papier als Primärverpackung für unsere bekannten quadratischen Schokoladentafeln zu nutzen“, kommentiert Buncuga.

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Die Papierbeutel sind nicht nur eine umweltfreundliche Verpackungsoption, sondern auch aufmerksamkeitsstark am POS. (Bild: Ritter Sport)

Papierverpackung mit Barrierewirkung

Ein empfindliches Produkt wie Schokolade stellt Papier vor ganz besondere Herausforderungen. Als Primärverpackung muss das Material mit ausreichend Barrierewirkung einen optimalen Produktschutz ermöglichen – und je nach Geschmacksprofil und Inhaltsstoffen auch weitere Anforderungen erfüllen. Mehr Nüsse, Nougat oder fruchtige Füllungen bedeuten einen höheren Fettanteil, der wiederum stärkere Barriereeigenschaften erfordert. Das Gleiche gilt, wenn Alkohol oder verschiedene Aromen in der Schokolade einen komplexen Geschmack erzeugen. In diesen Fällen ist voll recycelbares Polypropylen aktuell immer noch das nachhaltigste Verpackungsmaterial.

Für den Beginn der Entwicklungsphase eignen sich Schokoladentafeln mit einem hohen Kakaoanteil für eine Primärverpackung aus Papier besser. In einem Pilotprojekt entwickelten Ritter Sport und Syntegon eine papierbasierte Verpackungslösung für erste Produkte. Die größte Herausforderung bestand darin, die Zwickelnaht so zu erzeugen, dass die fertige Verpackung robust bleibt und die typische „Knick-Pack“-Funktion beibehält. Mit Unterstützung des Kompetenzzentrums in Beringen wurden erste Testläufe mit 100 g Schokolade auf bestehenden horizontalen Schlauchbeutelmaschinen der Pack-Serie von Syntegon durchgeführt. Die Maschinen arbeiteten mit der Formschulter des Nachrüstsets „Paper-on-form“, die speziell für kaltgesiegeltes Papier ausgelegt ist. Bei der Formung belastet sie das Papier weniger, da Formeinheit und Siegelbacken auf die gewünschte Packungsgröße und die Materialeigenschaften vorkonfiguriert sind.

Arbeiten an zukunftssicheren Verpackungen

Im Herbst 2020 testete Ritter Sport eine kleine Menge der in Papier verpackten „Schoko & Gras“-Tafeln in einem ausgewählten Testmarkt. Schritt für Schritt will Ritter Sport weitere Primär- und Sekundärverpackungen auf Papier umstellen. Für das Unternehmen schließt sich damit der Kreis zur Partnerschaft mit Syntegon: Vor mehr als 45 Jahren erfand der Schokoladenhersteller gemeinsam mit den Syntegon-Experten am ehemaligen Tevopharm-Standort im niederländischen Schiedam das charakteristische Knick-Pack-Format. „Bis heute stehen wir in engem Kontakt und arbeiten gemeinsam an neuen Verpackungslösungen. Auch diesmal konzentrieren wir uns auf nachhaltige Versionen unserer Verpackungen, die trotzdem das charakteristische Design haben“, schließt Buncuga.

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