Verpackungsmaschinenbau: Die Stimmung hellt sich auf
Nach rückläufigen Auftragseingängen hellt sich die Stimmung im deutschen Verpackungsmaschinenbau leicht auf. Der VDMA sieht Chancen durch Automatisierung, neue Verpackungsvorgaben und einzelne Exportmärkte. Ein breiter Aufschwung ist allerdings noch nicht in Sicht.
Keine Trendwende, aber immerhin etwas mehr Optimismus bei den Verpackungsmaschinenbauern.
OpenAI
Die Stimmung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau hat sich im dritten Quartal 2026 verbessert. Nach der aktuellen Konjunkturerhebung des VDMA bewerten 34 % der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut. Im Juli waren es erst 28 %. Gleichzeitig rechnen 33 % in den kommenden sechs Monaten mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, gegenüber 25 % in der vorherigen Befragung. Nur noch 10 % erwarten eine Verschlechterung.
Auch im Verpackungsmaschinenbau zeichnet sich eine leichte Stimmungsaufhellung ab, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Nach Angaben von Judith Binzer, Referentin in der VDMA-Fachabteilung Verpackungsmaschinen, beurteilen 15 % der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut oder sehr gut, 59 % als befriedigend und 26 % als schlecht. Gegenüber der Konjunkturumfrage im zweiten Quartal entspricht dies einer leichten Verbesserung. Die Mehrheit der Unternehmen erwartet für die kommenden sechs Monate jedoch eine weitgehend unveränderte Geschäftsentwicklung.
Auftragseingänge deutlich unter Vorjahresniveau
Die vorsichtig optimistischere Stimmung trifft auf eine weiterhin schwierige Auftragslage. Nach einem starken Jahr 2025, in dem die Produktion deutscher Verpackungsmaschinen um 8,8 % auf knapp 9 Mrd. Euro gestiegen war, hat die Nachfrage spürbar nachgelassen.
Von Januar bis August 2026 lagen die Auftragseingänge um 7 % unter dem Vorjahresniveau. Besonders schwach entwickelte sich das Auslandsgeschäft mit einem Rückgang von 15 %.
Die Ausfuhren selbst zeigten sich dagegen bislang stabil. Im ersten Halbjahr 2026 exportierten deutsche Verpackungsmaschinenhersteller Maschinen im Wert von rund 3,5 Mrd. Euro. Das entspricht einem leichten Plus von 0,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allerdings verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Zuwächsen in der Europäischen Union, im übrigen Europa sowie in Zentral- und Südasien standen Rückgänge unter anderem in Nordamerika, China, Südostasien und Lateinamerika gegenüber.
Chinesische Hersteller erhöhen den Wettbewerbsdruck
Neben der schwachen Nachfrage sieht der VDMA den zunehmenden internationalen Wettbewerb als zentrale Herausforderung. Insbesondere chinesische Maschinenbauer hätten technologisch aufgeholt, entwickelten ihre Produkte schneller und könnten auf vielen Märkten mit attraktiven Preisen konkurrieren.
Nach Einschätzung von Binzer können deutsche Hersteller diesen Wettbewerb nicht allein über den Preis gewinnen. Ihre Stärken lägen vielmehr in technologisch anspruchsvollen, flexiblen und effizienten Anlagen, hoher Qualität und Zuverlässigkeit sowie im weltweiten Service.
Um diese Position zu behaupten, müssten die Unternehmen Innovationen schneller zur Marktreife bringen und gleichzeitig ihre Kosten senken. Auch die Standortnachteile Europas müssten begrenzt werden. Trotz ihrer weiterhin starken internationalen Stellung könnten sich die deutschen Verpackungsmaschinenbauer nicht auf ihrer bisherigen Wettbewerbsposition ausruhen.
Automatisierung und PPWR eröffnen neue Geschäftschancen
Wachstumspotenzial erkennt der VDMA insbesondere bei Automatisierung und Digitalisierung sowie bei Maschinen, die eine effizientere und flexiblere Produktion ermöglichen.
Zusätzliche Impulse könnten aus den Anforderungen an nachhaltigere Verpackungen entstehen. Die europäische Verpackungsverordnung PPWR erhöht den Anpassungsdruck auf Verpackungshersteller und ihre Maschinenlieferanten. Gefragt sind unter anderem ressourcenschonende Prozesse und Anlagen, die unterschiedliche Verpackungsmaterialien und neue Verpackungskonzepte verarbeiten können.
Verpackungsmaschinenbau: Wichtige Kennzahlen
Kennzahl Wert / Entwicklung
Geschäftslage gut/sehr gut (Q3/2026) 15 %
Geschäftslage befriedigend 59 %
Geschäftslage schlecht 26 %
Auftragseingang Jan.–Aug. 2026 -7 %
Auslandsauftragseingang Jan.–Aug. 2026 -15 %
Exporte H1/2026 3,5 Mrd. Euro (+0,3 %)
Produktion 2025 knapp 9 Mrd. Euro (+8,8 %)
Quelle: VDMA, Konjunkturumfrage Q3/2026; Angaben von Judith Binzer im Interview mit Fachpack vom 17. Oktober 2026. Veränderungen jeweils gegenüber dem Vorjahreszeitraum, sofern nicht anders angegeben.
Binzer sieht in der Entwicklung entsprechender Verpackungslösungen neben der Automatisierung und Digitalisierung ausdrücklich neue Geschäftsmöglichkeiten für den Maschinenbau. Gleichzeitig zählen regulatorische Unsicherheiten und hohe Standortkosten zu den wesentlichen Risiken, die Unternehmen in der VDMA-Konjunkturumfrage nennen.
Positive Signale aus Europa und Asien
Eine flächendeckende Erholung der internationalen Nachfrage erwartet der Verband vorerst nicht. Positive Signale kommen nach Bizers Einschätzung insbesondere aus Europa sowie aus Zentral- und Südasien. Auch Südamerika könnte in den kommenden zwölf bis 18 Monaten neue Impulse liefern.
Darüber hinaus sieht der VDMA grundsätzlich Wachstumspotenzial in Nordamerika, Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten, wo weiterhin in moderne Produktions- und Verpackungskapazitäten investiert wird.
Allerdings bleiben viele Kunden bei Investitionsentscheidungen zurückhaltend. Wesentliche Gründe sind die schwache Konjunktur, geopolitische Konflikte, Handelsunsicherheiten und eingeschränkte Planbarkeit. Nach Einschätzung von Binzer besteht in zahlreichen Kundenbranchen durchaus Investitionsbedarf, entsprechende Projekte würden aber wegen der unsicheren Rahmenbedingungen verschoben.
Für 2027 nur schrittweise Stabilisierung erwartet
Für das verbleibende Jahr 2026 und das kommende Jahr erwartet der VDMA deshalb keinen schnellen Aufschwung. Stattdessen rechnet Binzer mit einer schrittweisen Stabilisierung des Verpackungsmaschinenbaus.
Entscheidend werde sein, ob sich geopolitische Risiken verringern, Finanzierungsmöglichkeiten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verlässlicher werden und Kunden ihre aufgeschobenen Investitionen wieder aufnehmen.
Damit bleibt die Lage zweigeteilt: Die Stimmung der Verpackungsmaschinenhersteller verbessert sich zwar leicht, eine nachhaltige Erholung der Nachfrage lässt sich daraus bislang aber noch nicht ableiten. Insbesondere das schwache Neugeschäft und der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck sprechen dafür, dass die Branche auch 2027 vor erheblichen Herausforderungen steht.