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Robotik

Interview mit Ralf Schubert, Geschäftsführender Gesellschafter, und Marcel Kiessling, Geschäftsführer der Gerhard Schubert GmbH

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Von der Digitalisierung über Robotik bis hin zur Nachhaltigkeit: Bei Schubert wurde über alles gesprochen, was die Verpackungsindustrie derzeit beschäftigt.
(Bild: Gerhard Schubert)

neue verpackung: Um mit der aktuellsten Meldung zu beginnen: 2018 konnten Sie ein starkes Wachstum verzeichnen: Die Gerhard Schubert GmbH meldet 7,3 Prozent, die Schubert-Gruppe sogar 16,4 Prozent Wachstum. Gab es bestimmte Bereiche, die hier einen besonders starken Anteil hatten?

Marcel Kiessling: 2018 lief wirklich sehr gut für unser Unternehmen, sowohl geografisch als auch für bestimmte Produkte beziehungsweise Technologien. Hervorzuheben ist hier vor allem das neue Produktprogramm Lightline.

Geografisch sind wir zweifellos am stärksten in Nordamerika gewachsen, hier konnten wir mit 77 Millionen US-Dollar Umsatz regelrecht ein neues Niveau erreichen. Bei Betrachtung des Maschinenbereichs haben wir unseren Umsatz knapp verdreifacht. Hier hat sich jetzt ausgezahlt, dass wir unsere Präsenz mit mittlerweile drei Standorten in Nordamerika verstärkt haben. Dazu zählen mehr Personal in Service und Vertrieb, aber auch ein höherer Aufwand im Marketing. Außerdem hatten wir auf dem Kontinent bereits Installationen bei großen Kunden – das spricht sich natürlich herum. 

Vor allem ein großer Kunde aus Kanada hatte mit seinem Auftrag im Gegenwert von knapp 16 Millionen US-Dollar, bei dem im Zentrum unser Flowmodul stand, einen erheblichen Beitrag. Das Spannende an diesem Projekt: Unser Team war von Anfang an dabei und konnte zusammen mit dem Kunden die komplette Produktionshalle planen. Damit konnten wir ein optimales Ergebnis erreichen, sodass der verantwortliche Techniker des Betreibers sagte, es sei die beste Schlauchbeutelmaschine, die er kenne – das hat uns natürlich riesig gefreut.

Bislang konnten wir bereits 70 Flowmodule verkaufen und spüren gerade noch einmal eine regelrechte Beschleunigung bei den Aufträgen.

Unser Kerngeschäft liegt aber weiterhin in Zentraleuropa. Hier ist mal in einem Jahr Frankreich besonders stark, mal Deutschland – aber generell liegt hier weiterhin unser Hauptmarkt. Beispielsweise haben wir zwar im vergangenen Jahr auch eine Niederlassung in China gegründet, diese hatte aber trotz erster Aufträge noch keinen Anteil am Wachstum in 2018.

Ebenfalls ist, als logische Konsequenz aus immer mehr Maschinen im Feld, auch der Service bei Schubert gewachsen. Denn wir wollen unsere Kunden auch nach dem Kauf dabei unterstützen, das Maximum aus ihren Maschinen zu holen. Dieser Bereich macht mittlerweile über 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Was die Mitarbeiter angeht, sind wir hier im vergangenen Jahr sogar um 30 Prozent gewachsen.

neue verpackung: Sie erwähnten gerade 70 verkaufte Flowmodule. Aus welchen Branchen kommen diese Aufträge?

Ralf Schubert: Hauptsächlich Süßwaren, Kekse... Pizza ist auch dabei. Überwiegend Lebensmittel also. Aber auf der Achema im vergangenen Jahr zeigten wir auch eine Pharmaanwendung. Für diesen Bereich ist unser Flowmodul interessant, weil wir bei langsamerer Fahrweise die Siegelzeiten verkürzen, aber auch erhöhen können. Denn gerade im Pharmabereich sind kon­stante Siegelzeiten entscheidend, außerdem kommen hier häufig auch dickere Folien zum Einsatz.

neue verpackung: Stichwort neues Verpackungsgesetz, das ja zu Beginn des Jahres in Kraft trat: Merken Sie das bei Ihren Kundenanfragen?

Ralf Schubert: Wir merken schon, dass beispielsweise Kunden, die bisher mit Plastiktrays gearbeitet haben, nun nach Alternativen wie einer Schachtellösung fragen. Dieser Trend kommt uns aber auch ein Stück weit entgegen, da wir von Haus aus stark papierlastig sind. Und ob unsere Maschinen nun mit Schachteln oder Trays verpacken sollen, macht für uns am Ende praktisch keinen Unterschied. Die Roboter sind in unseren Modulen ja bereits installiert, alles was wir dann noch tun müssen, ist, die Werkzeuge entsprechend anzupassen.

Marcel Kiessling: Man muss aber auch anmerken: Komplett vom Plastik werden wir nicht wegkommen. Wo bisher Schlauchbeutel zum Einsatz kommen, werden diese in aller Regel auch weiterhin zum Einsatz kommen. Was sich ändern wird, ist, dass Verbundwerkstoffe von Monowerkstoffen abgelöst werden, die die geforderte Recyclingfähigkeit haben. Betreiber, Folienhersteller und wir müssen für solche Lösungen verstärkt zusammenarbeiten. Hier konnten wir auch bereits erste Erfolge erzielen, beispielsweise beim Verarbeiten von Folien mit einer Dicke von nur 25 µm.

 

Das Maschinengateway GS.Gate ermöglicht höchste Sicherheit beim Datentransfer.
(Bild: Gerhard Schubert)

neue verpackung: Neben dem Thema Nachhaltigkeit spielt auch das Thema Robotik für viele Betreiber eine immer wichtigere Rolle. Aktuell produziert Schubert jährlich circa 1.200 Mehrachsroboter und 800 Transportroboter. Wie sind hier Ihre Erwartungen für die künftige Entwicklung?

Ralf Schubert: Wir bauen aktuell jedes Jahr rund 600 Teilmaschinen, ausgerüstet mit Robotern. Von diesen Zellen wollen wir künftig 1.000 pro Jahr bauen – entsprechend steigt hierdurch natürlich auch die Anzahl der benötigten Roboter. Vor allem beim Flowpacker haben wir – je nach Applikation – die Möglichkeit, eine sehr hohe Roboterdichte von bis zu acht Robotern auf zwei Metern Länge zu realisieren.

Über das Kundenportal lassen sich alle Produktionszahlen zur Anlagenproduktivität auf einen Blick einsehen.
(Bild: Gerhard Schubert)

neue verpackung: In diesem Kontext: Ist die Gründung von Schubert Robotics Shanghai in China als Produktionsverlagerung in Zielmärkte, oder als eine reine Kapazitätserweiterung zu verstehen?

Ralf Schubert: Weder noch. Unsere Tochtergesellschaft in Shanghai ist eine reine Vertriebsniederlassung, Pläne für eine Produktion außerhalb Deutschlands gibt es bei uns nicht. Das gilt natürlich ganz besonders für Kerntechnologien wie unsere Roboter, wo wir Know-how-Abfluss vermeiden möchten.

neue verpackung: Bei unserem Gespräch auf der Fachpack im vergangenen Jahr hatten Sie berichtet, gerade an Cobots für die Verpackungsindustrie zu arbeiten. Gibt es hier Neuigkeiten?

Ralf Schubert: Unser Team – wir haben sozusagen ein regelrechtes kleines Start-up hier im Gebäude mit eigenen Räumlichkeiten – konnte seit vergangenem Jahr tolle Fortschritte erzielen. Noch Ende dieses Jahres, voraussichtlich im Herbst, sollen die ersten Prototypen bei ausgesuchten Kunden laufen. Konkret arbeiten wir an vier unterschiedlichen Versionen, die unter den Namen Alpha, Beta, Gamma und Delta laufen. Der Typ Alpha stellt dabei die simpelste Variante dar, die aus fester Position ohne Tracking arbeitet. Eine vorstellbare Applikation wäre hier beispielsweise die Entnahme von Shampooflaschen aus einer Schachtel. Die nächste Version hätte dann ein eingebautes Tracking, und so steigert sich der Schwierigkeitsgrad mit jeder Version. Der breiten Öffentlichkeit wollen wir die Baureihen dann auf der Interpack 2020 präsentieren.

neue verpackung: Wo Sie gerade Shampoo erwähnen: Es gibt bei Ihnen ja eine eigene Abteilung namens Schubert-Cosmetics. Mit was beschäftigen Sie sich hier aktuell?

Ralf Schubert: Für den Bereich Kosmetik bauen wir aktuell eine Anlage, die wir als Zukunftsmaschinen bezeichnen. Diese vereint unterschiedliche Funktionen, wie die Vereinzelung, das Abfüllen, das Wiegen, das Etikettieren sowie die Verpackung inklusive der Palettierung in einer Maschinenlösung, die sich vor allem durch ihre Flexibilität auszeichnet: Statt der üblichen vier Stunden, benötigt ein Umrüstungsvorgang hier gerade einmal 20 Minuten. Dabei sind alle Formatteile 3-D-gedruckt – und wir geben unseren Kunden auf Wunsch sogar einen 3-D-Drucker mit auf den Weg, mit dem er seine Formatteile dann künftig selbst herstellen kann.

Weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Maschine – wie beim bereits erwähnten Flowmodul – nach einer Umstellung ab der ersten Flasche perfekt läuft. Es muss also kein Techniker danebenstehen und die erste Produktionsstunde feinjustieren. Das ist gerade im Bereich Kosmetik wichtig, da hier wie auch in anderen Branchen die einzelnen Chargen immer kleiner werden.

Nach dem Interview war noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Produktion: v. l. n. r. Anja Breuer, Anzeigenleiterin neue verpackung, Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung, Marcel Kiessling, Geschäftsführer und Ralf Schubert, Geschäftsführender Gesellschafter der Gerhard Schubert GmbH.
(Bild: Gerhard Schubert)

neue verpackung: Das letzte Thema, über das ich heute mit Ihnen reden möchte, ist zugleich das wahrscheinlich größte: Digitalisierung. Was bedeutet das eigentlich bei Schubert?

Marcel Kiessling: Mit unserer Digitalisierungsstrategie verbinden wir zwei Ziele: Zum einen wollen wir den OEE-Wert unserer Maschinen optimieren, zum anderen wollen wir erreichen, dass ungeplante Stillstände bald der Vergangenheit angehören. Hierdurch müssen wir unsere Maschinen natürlich konstant überwachen: Betriebsdaten, Prozessdaten, Leistungsdaten – das alles müssen wir einsammeln. Und zwar die richtigen Daten an der richtigen Stelle. Sonst ersticken wir schlussendlich an Daten, die uns keine Rückschlüsse ermöglichen. Denn Big Data, also das Erfassen von möglichst vielen Daten und deren anschließender Auswertung, ist im Grunde Unsinn. Ob als Betreiber oder Maschinenbauer: Ich muss wissen, welche Daten wirklich wichtig sind. Und diese dann entsprechend interpretieren können.

Ralf Schubert: Für unsere Kunden spielt hier natürlich das Thema Sicherheit eine große Rolle. Darum setzen wir mittlerweile auf eine eigene Cloud, die nach eineinhalb Jahren Arbeit nun auch nach ISO 27001 zertifiziert ist. Wichtig ist, dabei festzuhalten: Sicherheit hängt nicht nur mit der Internetanbindung zusammen, sondern auch das eigene Netzwerk des Kunden ist ein kritischer Teil. Und wenn auch auf globaler Ebene manchmal über die „German Angst“ gewitzelt wird: Man kann und darf das Thema Cyber-Security nicht kleinreden. Ich weiß von Unternehmen, bei denen die Linien nach einem schweren Cyber-Angriff drei Wochen stillstanden. Deshalb wird das Sicherheitsthema meines Erachtens eher oft unter- als überschätzt. Erstes Ziel unserer Lösung GS-Gate ist es daher, unsere Maschinen vor dem Kundennetzwerk zu schützen.

Marcel Kiessling: Ob das Thema Sicherheit nun vom Kunden als Problem gesehen wird, ist auch oft von der Betriebsgröße abhängig: Kleinere Unternehmen vertrauen darauf, dass wir ihnen eine sichere Lösung anbieten, wohingegen multinationale Konzerne häufig über eine recht unbewegliche IT-Abteilung verfügen.

Ralf Schubert: In ein paar Jahren, davon bin ich überzeugt, wird es auch dort diese Diskussionen nicht mehr geben. Dann werden Unternehmen auf bestimmte Dienstleistungen schlechthin nicht mehr verzichten wollen, weil sie begreifen, dass die möglichen Vorteile die Gefahren bei weitem übersteigen. Seit Januar haben wir bei ausgesuchten Pilotkunden drei Testmaschinen im Einsatz. Sobald diese zur allgemeinen Zufriedenheit laufen, wollen wir dann alle Maschinen mit der Technologie ausstatten.

 

Diese Spezialisten bei Schubert arbeiten an einem Cobot namens Tog.519: v. l. n. r. Daniel Greb, Volker Haaf, Achraf Ben Salem.
(Bild: Gerhard Schubert)

neue verpackung: Beim Thema Lösungen in der Cloud ist ja eine oft noch ungelöste Frage: Wem gehören eigentlich die Daten?

Marcel Kiessling: Wir haben mit unseren Kunden eine Nutzungsvereinbarung. Das heißt, die Daten gehören eindeutig dem Betreiber und wir dürfen im Rahmen eines Servicevertrags darauf zugreifen.

Ralf Schubert: Auch hier kommt wieder das GS-Gate zum Einsatz. Denn so erreichen wir absolute Transparenz darüber, wer auf welche Daten zugreifen kann. Denn manche Kunden wollen beispielweise nicht, dass wir einsehen können, mit welchem OEE oder welchen Formaten eine Anlage fährt, die Rückschlüsse auf die Produktion ermöglichen würden.

In der Praxis sieht das so aus: Um Zugriff auf eine Kundenmaschine zu erlangen, muss ich mich auf dessen Portal mit meiner E-Mail-Adresse anmelden. Der Kunde erhält dann die entsprechende Anfrage und entscheidet, ob er mir Zugriff gewährt oder nicht.

Hieraus leiten sich dann natürlich auch neue Geschäftsmöglichkeiten ab, von der proaktiven Wartung bis hin zu Pay-per-Unit-Modellen. Ideen haben wir bereits viele – nun schaffen wir aber mit Lösungen wie GS-Gate oder auch Grips-World erst einmal die technische Infrastruktur.

Die Fragen stellte Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung

Über das GS-Gate

Hochsichere Digitalisierung

Das Industrial Gateway GS-Gate ging aus einer Kooperation zwischen Schubert System Elek­tronik und Genua hervor. Es lässt sich hersteller­unabhängig an Maschinen anbinden und bietet auf kompakter Industrial Hardware zwei getrennte Bereiche: In einem können Maschinenhersteller oder -betreiber mittels Docker ihre individuelle Anwendung installieren. Die Anwendung ruft über die gängigen Schnittstellen LAN, IO-Link, Gbit-Ethernet oder Industrial Ethernet Zustands- und Leistungsdaten von der Maschine ab und führt die gewünschten Analysen durch. So werden bereits hier aus der gesamten Datenmenge die wichtigen Informationen herausgefiltert, die für eine umfassende Industrial Analytics nötig sind. Im zweiten Bereich befinden sich eine Firewall sowie die Remote-Access-Komponente für sichere Fernwartungszugriffe. Über die Firewall werden die gewonnenen Informationen hochsicher verschlüsselt via Internet zu Analytics-Systemen oder zur Cloud weitergeleitet. Dabei schützt die Firewall das Industrial Gateway und die damit vernetzte Maschine zuverlässig vor Cyber-Attacken.

Um an der kritischen Schnittstelle zwischen Maschine und externem Netz ein hohes Schutzniveau zu erreichen, ist das GS-Gate nach dem Security-by-Design-Prinzip konzipiert. So sind die Anwendungen zur Datenverarbeitung, die mit der Maschine sprechen, strikt getrennt von den Sicherheitssystemen, die die Kommunikation und Schnittstelle Richtung externes Netz schützen. Die separierten Bereiche verfügen über jeweils eigene Betriebssysteme sowie fest zugewiesene Hardware-Ressourcen – hier gibt es keine Überschneidungen. Möglich wird dies durch ein Microkernel-Betriebssystem, das als unterste Ebene auf dem GS-Gate läuft und strikt getrennte Bereiche erzeugt.

Der Vorteil: Nach außen Richtung Netzwerk sind nur die speziell gehärteten Sicherheitssysteme sichtbar. Diese werden durch regelmäßige Updates auf dem neuesten Stand gehalten und sind somit gegen alle aktuellen Bedrohungen gewappnet. Hinter diesem Schutzschirm lassen sich Datenverarbeitungs-Anwendungen ohne ständige Eingriffe durch Updates und Patches betreiben – das vermeidet Änderungen oder gar Störungen bei abgestimmten Abläufen.

Schubert auf der Praxistagung "Roboter in der Verpackungsindustrie"

Roboter kommen mittlerweile in faktisch jedem Bereich des Verpackungsprozesses zum Einsatz. Und das gilt schon lange nicht mehr nur für Hochlohnländer in Europa, die ihre Wettbewerbsfähigkeit durch erhöhte Automatisierung sichern wollen, sondern auch für Emerging Markets wie Indien und China, die aufgrund einer schwer planbarer Personalfluktuation auf Roboter in der Produktion angewiesen sind.

Zusammen mit den Kollegen des Automatisierungstitels IEE veranstaltet neue verpackung darum am 30. Oktober 2019 in München die Praxistagung „Roboter in der Verpackungsindustrie“. Die Veranstaltung gibt einen Überblick zum bereits technisch Möglichen in Form von Best-Practices sowie einen Ausblick in die (nicht allzu ferne) Zukunft. Begleitet beziehungsweise ergänzt wird die Veranstaltung durch eine kleine Fachausstellung. Mit dabei: Volker Haaf, Leiter Kobot bei Gerhard Schubert, mit seinem Vortrag "Blick in die Zukunft – Wie sieht eigentlich ein Cobot für Verpackungsprozesse aus?"

Weitere Informationen, natürlich inklusive der Möglichkeit zur Anmeldung, finden Sie unter www.verpackungsroboter.com

Über die Firma
Gerhard Schubert GmbH
Crailsheim
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