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Mergers & Acquisitions

Investment in innovative Ideen für Verpackungen

Verpackungsinnovationen sollen durch das Accelerator-Programm von Aldi und Techfounders identifiziert, gefördert und zur Marktreife gebracht werden. Im Bild die Ideen mehrerer En­trepreneure, die in die engere Auswahl für die weitere Förderung kamen.
Verpackungsinnovationen sollen durch das Accelerator-Programm von Aldi und Techfounders identifiziert, gefördert und zur Marktreife gebracht werden. Im Bild die Ideen mehrerer En­trepreneure, die in die engere Auswahl für die weitere Förderung kamen.
(Bild: Aldi Nord)

Mit Aldi Nord und Aldi Süd haben zwei führende Lebensmitteleinzelhändler gemeinsam mit dem Inkubator Techfounders aus München ein Förderprogramm für junge, innovative Unternehmen begründet. Techfounders hat bereits mit Industriepartnern wie dem ADAC, Knorr-Bremse oder Miele eine Menge Erfahrung erworben, wie man potenzialstarke Jungunternehmen sucht, identifiziert und qualifiziert. Aldi wiederum kennt die Ansprüche des Marktes und Kundenbedürfnisse, wenn es um Fragen der Verpackung geht. So lauten die Themen, die das gemeinsame Förderprogramm auslobt: Logistik & Supply Chain, nachhaltige Verpackungen und nachhaltige Produkte. 

Für die erste Runde dieses Programmes haben sich 80 Jungunternehmer aus dem In- und Ausland beworben, von denen die beiden Discounter und Techfounders sieben im Sommer dieses Jahres in eine engere Auswahl genommen haben. Drei davon haben offensichtlich den Nerv der Juroren besonders gut getroffen: Cyclic Design aus Leipzig, Ogata aus Hamburg sowie Wisefood aus Garching bei München sind die Unternehmen, die nun ein 20-wöchiges Förderprogramm durchlaufen.

Aldi hat sich selbst auferlegt, das Gesamtgewicht sämtlicher Eigenmarken-Verpackungen deutlich zu reduzieren und alle verbleibenden bis 2022 vollständig recyclingfähig zu machen. Vergleichsweise kleine Schritte wie die Abschaffung der Plastikfolie um Salatgurken können dabei schon einen Einsparungseffekt von 120 t Plastik pro Jahr bringen. Um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, ist Aldi auch auf Ieen von außen angewiesen. Diese Innovationen sollen durch das Accelerator-Programm identifiziert, gefördert und zur Marktreife gebracht werden.

Wiederbefüllbare Kunststoffflasche

Ein Beispiel dafür ist das Jungunternehmen Cyclic Design. Es hat eine wiederbefüllbare Kunststoffflasche für Shampoos und Pflegeprodukte entworfen. Marilu Valente, die Entwicklerin dieser Flasche namens Nepenthes, hat sich bei der Namens- wie auch bei der Formgebung an der fleischfressenden Kannenpflanze orientiert. Durch die Integration des Verschlusses in den Flaschenkörper kann diese Verpackung aus einem Monomaterial hergestellt werden. Dadurch ist sie wesentlich leichter zu recyceln als eine klassische Shampoo-Verpackung, die in der Regel aus zwei Materialien besteht, einer HPDE-Flasche mit einer Verschlusskappe aus PP. Zudem ist Nepenthes als nachfüllbarer Behälter wiederverwendbar – und keine Einwegverpackung. Hierzu befindet sich an der Unterseite eine große wiederverschließbare Öffnung zum Nachfüllen. Bleibt natürlich die Frage, wie die Nachfüllportionen zu den Verbrauchern kommen. Laut Marilu Valente sprechen wir gegenwärtig noch über Nachfüllbeutel aus Kunststoff (Pouch Pack), wie wir sie zum Beispiel von Flüssigseifen kennen. Die Umstellung von Original-Produktverpackungen auf Nachfüllbeutel reduziert die Menge der eingesetzten Kunststoffe bereits um 60 Prozent. Und vielleicht lässt sich auch hier noch eine andere, effektivere Verpackungsform entwickeln. 

Allerdings ist es nur zu offensichtlich, dass solch ein Vorhaben für ein Jungunternehmen schwer zu meistern ist. Es geht darum, eine neue Verpackung zu entwickeln und herzustellen, im Markt zu etablieren und große Markenartikelhersteller von dem Konzept zu überzeugen, damit diese ihre Produkte in kompatiblen Nachfüllbeuteln liefern. Laut Marilu Valente zeigt die Reaktion des Marktes und auch das Interesse von Aldi jedoch, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um solche Lösungen umzusetzen. Die Investition in Innovation von Aldi und Techfounders unterstützt die Finalisten des Förderprogramms dabei sowohl mit einem kleinen finanziellen Budget als auch mit Know-how, Netzwerk, Marktexpertise und möglicherweise direktem Kundenzugang. 

Die finanziellen Fördermittel investiert Cyclic Design vor allem in die Zusammenarbeit mit ihrem technischen Partner, der Technischen Universität Chemnitz. Das Ziel ist unter anderem, das ideale Fertigungsmaterial für diese wiederverwendbare, einfach zu recycelnde Verpackung zu erarbeiten. Es soll sowohl die Anforderungen an die Dichtigkeit wie auch an die Flexibilität erfüllen – idealerweise natürlich auf Basis eines Recyclingmaterials.

Förderprogramm als Startplattform – und Innovationslieferant

Das Know-how-Investment wiederum hilft den Jungunternehmern bei betriebswirtschaftlichen und juristischen Fragestellungen, bei der Ausgestaltung und Abrundung des Geschäftsmodells, und es trainiert die Entrepreneure für Gespräche mit potenziellen Investoren (Pitches). Nach Einschätzung von Marilu Valente ist das Förderprogramm eine ideale Startplattform für die wiederverwendbare Kunststoffflasche. Das Programm hat aus einer fernen Vision ein greifbares Ziel gemacht. Für eine dauerhafte Etablierung im Markt werden jedoch weitere Investoren erforderlich sein. Doch auch für den Industriepartner bietet die Zusammenarbeit attraktive Möglichkeiten. Aldi will nicht nur innovative Verpackungslösungen fördern, sondern gerade solche identifizieren, die zum Lebensmitteleinzelhandel passen und sich in den Filialen bei Aldi Nord und Aldi Süd testen und umsetzen lassen. 

Auch auf die beiden weiteren Finalisten des Förderprogramms „Summer Batch 2019“ trifft dies zu: Ogata hat mit Paperjohn einen tragbaren Papierrucksack als Ersatz für die Einkaufstüte entwickelt. Wisefood kann einen essbaren Strohhalm aus Getreide, Apfelfasern und dem Süßungsmittel Stevia vorzeigen. 

Doch bei diesen drei Unternehmen soll es nicht bleiben. Mittlerweile ist die nächste Runde des Förderprogramms angelaufen, und bis zum Jahreswechsel sollten die Winter-Finalisten feststehen. Wir sind gespannt darauf, die Produkte von Cyclic Design, Ogata und Wisefood bald im Handel anzutreffen und welche Innovationen die neuen Finalisten für uns bereithalten. Bleibt zu hoffen, dass Aldi und andere Marktteilnehmer auch zukünftig in Innovationen im Verpackungssegment investieren und dabei helfen, die Branche mit frischen Ideen für die Zukunft zu rüsten.

Was die Vision von Marilu Valente angeht, so haben bereits verschiedene Naturkosmetikhersteller Interesse an Nepenthes als Originalverpackung für ihre Produkte bekundet. Als kleines und junges Unternehmen kann sich Cyclic Design aber nicht allen möglichen Marktzugängen gleichzeitig widmen. Deshalb liegt der Fokus derzeit darauf, die Flasche mit den gegenwärtigen Investoren als wiederbefüllbaren Behälter in den Markt zu bringen. Dabei will Cyclic Design nicht zum Verpackungshersteller werden, sondern sieht sich auch künftig als Designagentur, von der man weitere spannende Verpackungsinnovationen erhoffen darf. „Mein Sketchbook ist voll“, lacht Marilu Valente, „ich warte nur auf die Gelegenheit, dass wir die jeweilige Entwicklung finanzieren können.“

Über Knox

Knox ist eine Unternehmens- und Personalberatung mit Fokus auf die Verpackungs- und Druckbranche – Industrie, Handel und Dienstleistungsbereich. Das Team der Hamburger Beratungsgesellschaft berät und unterstützt Unternehmen dieser Branchen seit mehr als zehn Jahren in Deutschland, Europa und weltweit bei Unternehmenstransaktionen (Mergers & Akquisitions) sowie Strategiefindung und Market Research. Die Abteilung Personalberatung unterstützt bei der Personalsuche, dem Interims-Management sowie Coaching & Teamentwicklung.

Über den Autor
Autorenbild
Jens Freyler

Geschäftsführer M & A, Knox – Experts in Print & Packaging

Über die Firma
Knox GmbH Experts in Print & Packaging
Hamburg
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