Packende Themen in München

Praxistagung "Roboter in der Verpackungsindustrie"

Stefan Kuppinger (rechts auf der Bühne), Chefredakteur IEE, und Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung, begrüßen die Teilnehmer.
(Bild: Bettina Theisinger)

Denn trotz spitz aufgestelltem Thema und konjunkturell angespannter Lage durften die Veranstalter rund 70 Teilnehmer sowie acht Unternehmen in der begleitenden Fachausstellung am 30. Oktober im Hochhaus des Süddeutschen Verlags begrüßen. Im Zentrum der Veranstaltung standen Themen wie die Umsetzung von Mensch-Roboter-Kollaborationen sowie die Rolle von Robotertechnologie bei der Produktion in Losgröße 1.

Richard Bormann, Fraunhofer IPA

(Bild: Bettina Theisinger)

Den Start in die Praxistagung „Roboter in der Verpackungsindustrie“ machte aber Richard Bormann, Leiter der Gruppe „Handhabung und Intralogistik“ am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik & Automatisierung IPA mit einem kleinen Überblick darüber, wo Roboter bereits heute erfolgreich zum Einsatz kommen – und wo die technischen Zukunftsfelder liegen.

Spannend war zu sehen, welche Bedeutung die Verpackungsindustrie bereits heute für Roboterhersteller hat. Denn nach Materialhandhabung sind Anwendungen rund um das Verpacken jedes Jahr aufs Neue das wichtigste Absatzfeld. Die meisten Neuinstallationen in Sachen Robotik sind dabei in Asien zu finden, doch auch Europa stellt einen der wichtigsten Absatzmärkte dar. Nach einer Übersicht zu den relevantesten Märkten und Anwendungen für Roboter, riss Bormann noch die wichtigsten Entwicklungen an –die gleichzeitig auch die Themen der folgenden Vorträge umrissen: Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK), Handhabung sowie intuitive Programmierung.

Volker Haaf, Gerhard Schubert GmbH

(Bild: Bettina Theisinger)

Cobots: Den Widerspruch auflösen

Weiter ging es dann mit einer Frage, auf die aktuell viele Hersteller die passende Antwort suchen: Wie sieht eigentlich ein Cobot für Verpackungsprozesse aus? Nun sind Cobots grundsätzlich nichts Neues und bereits in vielen Industrien im Einsatz. Nicht aber in Verpackungsprozessen. Denn hier geht es vor allem um eines: Geschwindigkeit. Dies mit der nötigen Sicherheit zu verbinden, die für die Arbeit in direkter Umgebung von Menschen ohne trennenden Käfig nötig ist, stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Dieser widmen sich Volker Haaf, Strategy & Marketing bei der Gerhard Schubert GmbH, und sein Team bereits seit einiger Zeit, und so entstand ein ganz besonderes Konzept: Der Schubert-Cobot-Baukasten. Hier stellt das Unternehmen gemäß dem Kundenwunsch Applikations-gerechte Lösungen aus Roboter, Werkzeugen, Safety-Komponenten sowie die zugehörige Software und Lizenzen zusammen – und übernimmt auf Wunsch auch gleich die Integration beim Kunden. Ein wichtiger Punkt, dessen Zeitaufwand viele Anwender unterschätzen.

Thomas Korb, Escha

(Bild: Bettina Theisinger)

Und ob nun Cobot oder „normaler“ Roboter: Am Ende geht es nicht zuletzt immer darum, Daten schnell und sicher von A nach B zu transportieren. Worauf hier zu achten ist, das war das Thema von Thomas Korb, Leitung Produktmanagement bei Escha GmbH & Co. KG, mit seinem Vortrag „Augen auf beim Leitungskauf: Connectivity für Roboterapplikationen“. Denn scheinbar kleine Unterschiede können im Alltag zu großen Problemen führen – vor allem in Zeiten, in denen immer größere Datenmengen anfallen, die eine prozesssichere Produktion in Zeiten von 4.0 ermöglichen.

Markus Sandhöfner, B&R Deutschland

(Bild: Bettina Theisinger)

Kurz vor der großen Mittagspause wurde es noch einmal visionär. Man stelle sich vor, ein Kunde liegt mit seinem Tablet daheim auf dem Sofa und löst über den Webshop seiner Wahl eine Bestellung aus. Sofort werden die Daten weitergeben bis hinunter in die Werkshalle des Herstellers, wo das gerade bestellte Produkt nun individuell produziert, verpackt und anschließend auf die Reise zum Kunden geschickt wird. Für solche Geschäftsmodelle ist Flexibilität natürlich Trumpf. Markus Sandhöfner, Geschäftsführer B & R Deutschland, zeigt in seinem Vortrag „Die adaptive Verpackungslinie – Roboter und Transportsysteme sorgen für Flexibilität“, wie sich häufig wechselnde Chargen wirtschaftlich umsetzen lassen. Und zwar am Beispiel des italienischen Maschinenbauers Ronchi. Hier ging es um die Entwicklung eines Unscramblers mit LLM Technologie, bei dem der Wechsel verschiedener Flaschenformen durch eine einfache Änderung des Rezeptes möglich sein sollte, ohne dass ein Wechsel mechanischer Teile nötig ist. Zusammen mit ABB entstand ein Pick-&-Place-Paket aus Robotern und dem Transportsystem Acopos Trak, mit dem die nötige Hochgeschwindigkeitssynchronisation möglich wurde.

Helmut Schmid, Universal Robots

(Bild: Redaktion)

Hand in Greifer geht´s effizienter

„Die neuen Kollegen sind da“, heißt es in letzter Zeit in nicht wenigen Werkshallen hierzulande. Wie sich MRK-Roboter erfolgreich in Brownfield-Anlagen integrieren lassen, darüber sprach Helmut Schmid, Geschäftsführer + General Manager Western Europe bei Universal Robots. Weltweit sind in verschiedenen Industrien mittlerweile mehr als 37.000 Cobots im Einsatz, entsprechend gibt es bereits konkrete Erfahrungswerte, wie sich den Herausforderungen wie Individualisierung, dem allgemeinen Fachkräftemangel sowie Nachhaltigkeit mit Roboter-Lösungen begegnen lässt. Doch scheuen laut Schmid noch immer gerade KMUs den Einsatz dieser Technologie. Aufgrund komplexer Programmierung, hohem Platzbedarf – und nicht zuletzt aus Budgetgründen.

Doch sind gerade dies Punkte, bei denen Cobots ihre Stärken ausspielen. Denn diese lassen sich auch ohne digitale Infrastruktur in Betrieb nehmen – aber später in eine solche perfekt integrieren. „Und außerdem handelt es sich hier um Investitionen, die sofort Früchte tragen“, kommentiert Schmid. Gestützt wird diese Aussage auch vom renommierten MIT: Forschungsergebnisse besagen, dass eine Mensch-Roboter-Kollaboration 85 Prozent produktiver sei als eine Produktion, in der Mensch und Roboter jeweils alleine arbeiten.

Roland Wagner, Codesys

(Bild: Redaktion)

Den Ball namens „komplexe Programmierung“ fing Folgereferent Roland Wagner, Head of Product Marketing bei Codesys, mehr oder minder im Fluge auf. Denn nur weil Roboter Hightech sind, heißt das noch lange nicht, dass die Technik für Betreiber unbeherrschbar komplex sein muss. Wie sich Roboter anwenderfreundlich immer neu anpassen lassen, darüber ging es in seinem Vortrag „Programmieraufwand runter, Effizienz rauf“. Theoretisch – und ganz praktisch. Denn Wagner ließ es sich nicht nehmen, seinen Vortrag mit einer Live-Programmierung zu ergänzen. So konnten sich die Teilnehmer gleich in München ein Bild von Programmierumgebung und Ablauf machen.

Michael Ruf, Transnova-Ruf

(Bild: Redaktion)

Die Kausalkette umkehren

Treibt man häufige Chargenwechsel auf die Spitze, landet man bei der schon fast sagenumwobenen Losgröße 1 – das ultimative Ziel in Konsumentenmärkten mit Bedarf nach Individualisierung. Womit häufig auch, oder sogar ausschließlich, die Verpackung gemeint ist. Hier konnte der Maschinenbauer Transnova-Ruf bereits einige Erfahrungen sammeln, über die Michael Ruf, Geschäftsführer der Transnova-Ruf GmbH, auf der Praxistagung in seinem Vortrag „Roboter als Enabler für die Automatisierung der Verpackung in Zeiten von Losgröße 1“ sprach.

Einer der größten Vorteile von Robotertechnologie laut Ruf: Mit ihr lässt sich die Kausalkette umkehren: Im konventionellen Fall entwickelten Unternehmen Maschinen, die dann (hoffentlich) auf ein bestehendes Kundenproblem passten. Anders mit Robotern. Ihre Flexibilität ermöglicht es Maschinenbauern, auf für Anwender wirtschaftliche Art und Weise Sonderlösungen zu erstellen.

Sebastian Liebetrau, Piab

(Bild: Redaktion)

Zum Abschluss der Praxistagung wurde es dann noch einmal richtig packend: Sebastian Liebetrau, Teamleader Area Sales Vacuum Automation & Robotic Gripping Division bei Piab Vakuum, erklärte „Wie vakuumbasierte Handlingtechnologien die Prozesse in der Verpackungsindustrie in Schwung halten“. Denn eine flexible Produktion mit häufig wechselnden Chargen braucht nicht zuletzt flexible Greifer. Soll heißen: Der Anwender muss mit möglichst wenigen Greifern möglichst viel handhaben können. Im Idealfall hieße das: Ein Greifer für alles. Und um hier vielleicht vorzugreifen: einen solchen Greifer gibt es (noch) nicht.

Was bereits aber heute möglich ist, sind auf die jeweilige Applikation parametrisierte Greifer. So haben Anwender die Möglichkeit, auf der Homepage des Unternehmens auf ein Onlinetool zuzugreifen, mit dem sich Greifer mit individueller Konfiguration inklusive Einstellung der Neigung oder auch der Anzahl der Saugnäpfe einstellen lässt.  Mit KCS hat das Unternehmen außerdem eine Lösung mit Wechselsystem im Angebot, das faktisch keine Umrüstzeiten bei Produktwechseln verursacht.

Über die Firma
Hüthig GmbH
Heidelberg
Newsletter

Das Neueste von
neue verpackung direkt in Ihren Posteingang!