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Praxistagung Roboter in der Verpackungsindustrie

3 Fragen an… Olaf Gehrels, Der Deutsche Robotik Verband

Olaf Gehrels, 1. Stellvertreter und Sprecher, Der Deutsche Robotik Verband
Olaf Gehrels, 1. Stellvertreter und Sprecher, Der Deutsche Robotik Verband
(Bild: Der Deutsche Robotik Verband)

1.    Herr Gehrels, starten wir vielleicht einmal mit einer Bestandsaufnahme: Wie verbreitet sind Roboter eigentlich bereits in Verpackungsprozessen? Und gibt es hier wahrnehmbare Unterschiede zwischen Branchen wie Pharma und beispielsweise Unternehmen im Bereich E-Commerce?

•    Weltweit boomt der Robotermarkt. Bis 2050 sollen mehr als 50 Millionen Roboter installiert sein. Befeuert wird der Boom durch die Nachfrage kleiner und mittlerer Endkunden (KMU), die auch kosteneffiziente Automatisierung mittels Roboter nutzen müssen, um trotz Fachkräftemangel ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Zudem rechnet die International Federation of Robotics (ifr) mit einem Boom von Autonomen Mobilen Robotern (AMR). Hier rechnet man in der Logistik mit einem jährlichen Plus von über 30%.
•    Die Herstellung von ‚high runners‘ ist in der Pharmaindustrie seit Jahren hochautomatisiert. Die Unternehmen suchen nun vermehrt nach einfachen Automatisierungslösungen für die ‚Exoten‘, also von Bauteilen mit häufiger Varianz und kleinen Losgrößen.
•    Die Intralogistik bietet in der Breite ein enormes Automatisierungspotenzial. Wo in der Logistik noch die Sackkarre dominiert, ist es noch ein weiter Weg zur Robotik – auch wenn die Technik eigentlich vorhanden ist. Gefragt sind derzeit Leichtbauroboter, in Verbindung mit mobilen Plattformen.

2.    Die Integration von Robotern in neue Verpackungslinien ist die eine Sache, doch Deutschland besteht ja vor allem aus Brownfield-Objekten: Welche Möglichkeiten haben Anwender, Roboter in bestehende Produktionsumgebungen zu integrieren?

•    Pauschal gesagt: Die Integration scheitert weniger am Platz als vielmehr an der komplexen Programmierung heutiger Industrieroboter. Gebraucht wird eine einfach zu bedienende Software (Stichwort no-code Programmierung), welches ein schnelles (< 10 Minuten) Umrüsten auf wechselnde Bauteilchargen erlaubt. Hier sind es die Newcomer aus Deutschland - wie Artiminds, Dragnbot, micropsi, Robocloud, Robominds und Wandelbots – die mit ihren kreativen Lösungen die Bedienung von Robotern ohne Expertenwissen möglich machen.
•    Der DRV ist von den Technologien der Newcomer überzeugt. Einen Roboter in weniger als einer Stunde in Betrieb zu nehmen, ist gerade in KMU ohne Roboter- und Programmierspezialisten unabdingbare Voraussetzung für die Akzeptanz der Robotertechnik – und der erforderlichen Wirtschaftlichkeit. Diesen Trend wollen wir als DRV unterstützen, und die Aufbruchstimmung weiter entfachen.
•    Manuelle Tätigkeiten lassen sich besser denn je automatisieren. Ein Beispiel von Robominds, einem der DRV Gründungsmitglieder, zeigt, was machbar ist: Dank KI und Bildverarbeitung lassen sich Bauteile unterschiedlicher Farb- und Formgebung aus Schüttgut vereinzeln und magazinieren. Ohne Anlernen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt micropsi aus Berlin. Unter Zuhilfenahme von KI kommt der Kunde bei der Teilevereinzelung (Griff in die Kiste oder Be- und Entladeprozesse von Maschinen) komplett ohne Roboterprogrammierung und ohne starre Einrichtungen aus. Das schafft ungeahnte Flexibilität, und ROIs von weit unter 12 Monaten. Das muss Schule machen.

3.    Im Moment wird die kollaborative Robotik / Cobots regelrecht gehypt. Werden solche Lösungen künftig eigentlich wirklich der Standard sein, oder die meisten Anwendungen weiterhin in gesonderten Arbeitsbereichen stattfinden?

•    Hinsichtlich Cobots gibt es viel Hype, den ich persönlich aber als sehr positiv erachte. Er verändert letztlich auch das Bewusstsein von Unternehmen, die Roboter nun auch vermehrt dort einsetzen, wo der einzelne Mitarbeiter entlastet werden kann.
•    Der Hype, wie Sie sagen, sensibilisiert im Umgang mit Robotern. Wir müssen nun dafür sorgen, dass solch eine Entlastung auch wirtschaftlich darstellbar wird. Ansätze sind im Markt bereits vorhanden, etwa das Thema Mieten bzw. Robot as a Service, kurz RaaS. Mit Hilfe solcher Puzzlestücke werden Roboter sukzessive bei kleinen und mittleren Unternehmen in Betracht gezogen.

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3. Praxistagung Roboter in der Verpackungsindustrie

Wenn Sie mehr darüber lernen möchten, wie Sie Ihre Prozesse mittels Robotik effizienter und hygienischer gestalten können, dann hätten wir einen Tipp für Sie: die 3. Praxistagung Roboter in der Verpackungsindustrie, der Kooperationsveranstaltung von neue verpackung und IEE.

Hier gehen wir am 7. Oktober 2021 unter anderem den folgenden Fragestellungen auf den Grund:

•    Welche Anforderungen stellt die Verpackungsindustrie an Robotik-Lösungen?
•    Welche Best practices können als Vorbild für ähnliche Applikationen dienen?
•    Und: Welche Neuheiten gibt es auf dem Markt – vor allem im Bereich Cobot?

Diese und weitere Fragestellungen beantworten und diskutieren unsere Referenten auf der 3. Praxistagung Roboter in der Verpackungsindustrie, eine Kooperationsveranstaltung der Fachmagazine neue verpackung und IEE.

Unter anderem mit dabei sind in diesem Jahr: Artiminds Robotics, Der Deutsche Robotik Verband, Packservice, Pilz, SEW, Stäubli und Schubert.

Alle Informationen zur Veranstaltung – und natürlich die Möglichkeit zur Anmeldung – finden Sie unter www.verpackungsroboter.com. Wer sich bis Ende August anmeldet, profitiert vom attraktiven Frühbucherpreis!

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