Expert CI von Bobst

Die Expert CI von Bobst, die mit wasserbasierten Druckfarben bis zu 600 m/min druckt. (Bild: Bobst)

Aus Sicht von Marco Carrara, Technology Sales Manager CI Flexo bei Bobst Bielefeld, macht es einen großen Unterschied, ob über den Flexodruck in Amerika oder in Europa gesprochen wird. In Amerika betreiben große Druckereien dutzende Maschinen und bedienen Unternehmen wie Pepsico, die ihre Entwicklung sowohl vorantreiben als auch unterstützen. In Europa – gerade auch in Italien – sind Flexodruckereien häufig Familienbetriebe, deren Spezialisten eher kleinere Stückzahlen flexibler Verpackungen produzieren.
„Italien ist hier nach den USA und gemeinsam mit Deutschland einer der großen globalen Treiber. Von uns entworfene und getestete Produkte entwickeln sich im Normalfall zum Mainstream“, meint Carrara.

Nachhaltigkeit kann nicht nur Diskurs sein

Sara Alexander, Marcom Managerin Flexible Packaging bei Bobst Italia, betont, dass es eine Vision und ein langfristiges Ziel braucht. Im Bereich der Nachhaltigkeit will Bobst beispielsweise „einen wirksamen Beitrag zur Entwicklung besserer Verpackungen für eine nachhaltigere Welt leisten, in der neue Kunststoffe ihre unersetzbare Funktion des Schutzes und der Konservierung von Lebensmitteln erfüllen können, ohne im Ökosystem Ungleichgewichte zu verursachen“.

Vor knapp zwei Jahren hat das Unternehmen seine neue Branchenvision vorgestellt, die auf die vier Säulen Nachhaltigkeit, Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung baut. Ein Konzept, das vielleicht noch bis vor Kurzem abstrakt und rhetorisch erschienen wäre. Aufgrund der Zusammenführung von Theorie und Praxis, die von einem Markt erzwungen wird, der – wie Alexander betont – konkrete Ergebnisse will, ist die weitreichende Bedeutung dieser Branchenvision inzwischen jedoch klarer geworden. Für Markenartikelhersteller kann Nachhaltigkeit nicht nur ein Diskurs sein. Vielmehr muss sie sich in Form von weniger Abfall, reduziertem Energieverbrauch und neuen, umweltverträglichen Kunststoff-Verbundstoffen niederschlagen.

Muster recycelbarer flexibler Verpackungen mit hoher Barrierewirkung.
Muster recycelbarer flexibler Verpackungen mit hoher Barrierewirkung. (Bild: Bobst)

Neue Maschinen für neue Materialien

Verpackungen sind „Ökosysteme“, in denen alle Elemente in Beziehung zueinander stehen: Wird ein Element verändert, müssen auch die anderen angepasst werden. Um nachhaltige Verpackungen zu schaffen, müssen also neue Bedruckstoffe gefunden werden, die entsorgt werden können, sowie neue Druckfarben, neue Klebstoffe und neue Barrierelösungen.

Der Test findet in Druckmaschinen statt, die entsprechend umgestaltet werden müssen. Hier gibt es viele Möglichkeiten, und Bobst erforscht mehr als eine, wie Alexander erklärt: „Gemeinsam mit Partnern haben wir vor Jahren damit begonnen, die Grenzen neuer Monomaterial-Verbundstoffe auf PP- oder PE-Basis zu erforschen, die es ermöglichen, hochleistungsfähige, vollständig recycelbare Barriere-Verpackungen herzustellen. Vor Kurzem haben wir als Ergebnis der zweiten Phase der Entwicklung eine Reihe von „Hero Products“ vorgestellt, die im Rahmen interessanter Tests dokumentiert wurden. Jetzt beginnen wir mit der Arbeit an papierbasierten Materialien und an biologisch abbaubaren und kompostierbaren Polymeren. Beide stellen für Maschinenhersteller große Herausforderungen dar.“

Carrara: „Unter anderem geht es um Geschwindigkeiten, Temperaturen und Farbgebung – viele Aspekte, die im Flexodruck leichter zu kontrollieren sind. Das macht diese Technik zum Vorreiter für neue Anwendungen. Denken wir nur an die Empfindlichkeit vieler neuer Polymere gegenüber hohen Temperaturen, die dank der kompakten Struktur von Zentralzylinder-Druckmaschinen minimiert werden kann. Ein Faktor, der das Farbregister und indirekt auch die Geschwindigkeit des Prozesses stark beeinflusst.“

Von lösungsmittel- zu wasserbasiert

Die von Bobst mit der Expert CI im Druck mit wasserbasierten Druckfarben auf Polymerfolien erzielten 600 m/min stellen ein wichtiges Ziel auf dem Weg zur Nachhaltigkeit dar. Einer Nachhaltigkeit, die mit den Bedürfnissen einer industriellen Wirtschaft vereinbar ist.

„Wir haben den Vorteil, dass wir jedes Element des Prozesses auf die Eigenschaften der neuen Bedruckstoffe ausrichten können. Am Übergang vom lösungsmittelbasierten Prozess – mit ihm werden heute noch 85 % der Flexodrucke hergestellt – zum nachhaltigeren wasserbasierten Prozess führt zweifelsfrei kein Weg vorbei. Welche Ergebnisse dabei hinsichtlich der optischen Qualität, der Haftung auf den Folien und der Abriebfestigkeit der neuen Farben erzielt werden, hängt vom Können der Hersteller ab“, erklärt Carrara.


Nachhaltig handeln bedeutet Umdenken

Bei der Umstellung auf umweltfreundlichere Verpackungen spielt die Technik eine entscheidende, aber nicht immer eine ausreichende Rolle. Schauen wir zum Beispiel auf den Druck mit festem Farbsatz: Seine aktuelle Verbreitung im Markt steht in keinem Verhältnis zu seinen ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen vom mangelnden Enthusiasmus der Druckfarbenhersteller (im Druck mit festem Farbsatz wird weniger Farbe verbraucht) bis hin zum Zögern der italienischen Verpackungshersteller. Sie lassen ihre Druckplatten extern herstellen und meinen, dass sie den Prozess und damit die Qualität seiner Ergebnisse nicht unmittelbar unter Kontrolle haben.

„In Amerika dagegen haben die Markenartikelhersteller die Macht, die für sie beste Wahl zu treffen. Hier ist der Druck mit festem Farbsatz erheblich stärker verbreitet. Außerdem sind die Verpackungshersteller groß genug, um einen Teil ihrer Maschinen auf den Druck mit festem Farbsatz ausrichten und einen anderen Teil für den Druck mit Sonderfarben einsetzen zu können, ohne radikale Entscheidungen treffen zu müssen”, erläutert Carrara.

Auch die Geschwindigkeit sei kein absoluter Wert. „Fischer & Krecke hatte bereits eine Maschine mit einer Geschwindigkeit von 1.000 m/min entwickelt. Angesichts der kontinuierlich schrumpfenden Druckauflagen sind heute aber selbst die 800 m/min unserer Master CI nur noch in einigen Nischenbereichen mit nach wie vor großen Druckauflagen von Nutzen. Nachhaltig zu sein bedeutet auch, unsere Denkweise zu ändern und den Grundsatz zu akzeptieren, dass ‚das Beste‘ nicht darin besteht, zu viel zu kaufen, wenn man weniger braucht: Auch Druckmaschinen müssen so dimensioniert sein, wie nötig. Ist das nicht der Fall, handelt es sich um Verschwendung.“

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