Patrick Großkopf von Smurfit Kappa erklärt, wie man bei der Konstruktionsänderung einer Joghurtsteige sieben Prozent Material einsparen kann.

Patrick Großkopf von Smurfit Kappa erklärt, wie man bei der Konstruktionsänderung einer Joghurtsteige sieben Prozent Material einsparen kann. (Bild: Smurfit Kappa)

Bei einer herkömmlichen Joghurtsteige, die 20 Becher fasst, konnten Smurfit-Kappa-Konstrukteure sieben Prozent Material einsparen. Wie ist das möglich? „Wir haben uns gefragt, was passiert, wenn wir eine Seite der Steige kürzen“, erklärte Patrick Großkopf, Technical Account Manager bei Smurfit Kappa. 47 mm ließen sie bei der Konstruktion einer Joghurtsteige einfach weg. Durch einen geschickten Zuschnitt fällt dies aber gar nicht auf: Noch immer passen 20 Becher in die optimierte Steige hinein. Spielraum, den auch andere Verpackungslösungen in sich tragen: Andrea Wildies, SK National Sales Director bei Smurfit Kappa, bestätigte, dass über 50 Prozent aller heutigen Verpackungen über Optimierungspotenzial verfügen.

Dabei muss sich die Verpackung nicht immer seinem Produkt anpassen. Es geht auch umgekehrt. Nico Heitmann, National Sales Manager bei Smurfit Kappa, zeigte, dass anstelle von 36 Trays pro Palette auch 45 Trays pro Palette möglich sind – wenn man die Verpackungsform ändert. Als Beispiel nannte Heitmann Flaschen mit Speiseöl. Im Supermarkt begegnet der Verbraucher häufig runden Flaschen. Auf Vorschlag von Smurfit Kappa änderte ein Kunde die Flaschenform. Aus rund wurde eckig. Die eingesetzten Trays mit jeweils zwölf Flaschen konnten durch die veränderte Flaschenform mit kleinerer Grundfläche konstruiert werden. Dies schaffte Luft: Mit 45 Trays passen pro Palette nun neun Trays mehr darauf. Die Smurfit-Kappa-Konstrukteure sparten dabei jeweils 15 Prozent Material ein. Mit weitreichenden Folgen: Bei gleicher Flaschenmenge sind anstelle von 14.000 Paletten nur noch 11.100 Paletten nötig. Was zuvor in 205 Lkw geladen wurde, passt nun in 164 Lkw. Nicht nur die Platzersparnis bringt einen positiven Effekt. Neben weniger verwendeter Ressourcen fällt die Flasche am Point of Sale zusätzlich auf, weil sie sich von ihren runden Kollegen unterscheidet.

Sogar 17 Prozent weniger Material konnten die Smurfit-Kappa-Konstrukteure bei einem Tray für Konservendosen realisieren. Ausgangspunkt war ein Tray mit vier Seiten, bei dem die Seitenhöhe nicht verringert werden konnte. Diese gestalteten die Konstrukteure wellenförmig, was Material einsparte. Weiterhin kappten die Konstrukteure die Frontseite komplett. Stattdessen setzten sie laut Großkopf ein „Magic Triangle“ ein – eine Nase, die vorne am Tray angebracht ist, um das Herausrutschen der Dosen zu verhindern.

 Verpackungslösungen im Regal schneller finden

„50 Prozent aller heutigen Verpackungen haben 
Optimierungspotenzial.“
Andrea Wildies, 
SK National Sales Director, Smurfit Kappa
„50 Prozent aller heutigen Verpackungen haben Optimierungspotenzial.“ Andrea Wildies, SK National Sales Director, Smurfit Kappa (Bild: Smurfit Kappa)

Dass Querdenken bei der Konstruktion kreativer Verpackungen hilft, erklärte Heitmann anhand von Senftuben. Stichwort: Cross Category. Bei dem Gedanken an Senf und Zahnpasta entstehen bei einigen Menschen Geschmacksvorstellungen, die im ersten Moment nicht recht zusammenpassen wollen. Weil aber beide Produkte eine ähnliche Konsistenz haben, lassen sie sich auch in ähnlichen Verpackungen unterbringen. Die Smurfit-Kappa-Konstrukteure kamen auf die Idee, Senf in einem Dispenser-System zu verpacken – wie man es von Zahnpasta her kennt. Konsumenten fiel die neue Verpackungsform am Point of Sale sofort ins Auge.

Mittels Eye-Tracking lässt sich genau feststellen, wo sich das Optimierungspotenzial einer Verpackung versteckt. Smurfit Kappa entwickelte dazu in Zusammenarbeit mit dem Online-Eye-Tracking-Unternehmen Eyesee ein spezielles Online-Tool. Damit lassen sich Verpackungen auf einem virtuellen Supermarktregal abbilden. Mit einer Webcam können die Reaktionen potenzieller Kunden über Eye-Tracking und einer Heatmap erfasst werden. Ein Testlauf bei Smurfit Kappa mit einer fiktiven Schokolade ergab: Entfernt man von dem Tray, in dem die Schokolade im Regal steht, einen Teil der Front, erhalten die Shopper einen besseren Blick auf die Schokolade und finden somit schneller, was sie suchen.

„Mit Eyesee können wir sehen, ob das Design einer Verpackung auf dem richtigen Weg ist“, sagte Andrea Wildies. Bereits vor der Umsetzung einer Verpackung lässt sich damit feststellen, ob Design und Form den Shopper beeinflussen. Wildies verwies darauf, dass ein durchschnittlicher Einkauf 17 Minuten dauert. Etwa 15 Produkte landen dabei im Einkaufswagen. Das heißt, dass ein Artikel zwölf Sekunden Zeit hat, um aufzufallen. Bei dem optimierten Schokoladen-Tray brauchten die Shopper in dem Smurfit-Kappa-Test nur fünf Sekunden, bis sie die Sorte Kirsch im Regal erspähten – für ein Produkt entscheidende Sekunden, sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen.

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