Mann auf Rakete

Die durch die Pandemie angekurbelte Impfstoffproduktion hat zum Rekordjahr für Fusionen und Übernahmen beigetragen. (Bild: Red Vector – stock.adobe.com)

An der Börse wird die Zukunft gehandelt, ist eine alte Aktionärsweisheit. Was gestern war, was heute ist, tritt in den Hintergrund – hinter die Zukunftserwartungen für ein Unternehmen und seine zu erwartende Wertentwicklung.

Nur so ist auch zu erklären, dass in der Welt von Fusionen und Übernahmen, auf Englisch kurz M & A, 2021 ein Rekordjahr war. Weltweit hat sowohl die Zahl der Transaktionen wie auch das Volumen an Unternehmenskäufen und -verkäufen die Coronakrise offensichtlich längst hinter sich gelassen und selbst die Werte der Vorjahre in den Schatten gestellt.

Mehr Transaktionen in DACH-Region

Was für das internationale Geschäft gilt, gilt ebenso für die DACH-Region und auch für die Verpackungsbranche. Statistiken zählen für das erste Halbjahr 2021 mehr als doppelt so viele Transaktionen im deutschsprachigen Raum wie im Vorjahr – zur Erinnerung, das erste Halbjahr 2020 umfasst drei Monate, in denen Corona in Deutschland noch gar nicht wirklich angekommen war. Und auch bei unserem Einblick in den Verpackungsmarkt zeigen sich mehr Unternehmenskäufe, -verkäufe und -beteiligungen als in 2020 und den Vorjahren.

Darunter findet sich natürlich die ein oder andere Unternehmensnachfolge. Wenn man allerdings den Blick über die Transaktionen des letzten Jahres streifen lässt, sind es vor allem namhafte Industrieunternehmen, im M&A-Jargon sogenannte „Strategen“, die die Entwicklung vorantreiben, durch Übernahmen wachsen und neue Märkte und Kundengruppen erschließen. Im Bereich Kunststoffverpackungen taucht Alpla wiederholt mit Investments auf: Beteiligung an Panara, Slowakei, Übernahme von Wolf Plastics, Österreich, sowie Plastisax, Spanien. Im Bereich flexibler Verpackungen ist es Schur Flexibles: Übernahme des dänischen Interket-Standorts, Akquisition von Sidac sowie Termoplast, beide Italien. Bei Etiketten ist es All 4 Labels: Zusammenschluss mit Etichettificio Dany, Italien, sowie Labelprint 24 und Packaging Warehouse.

Dabei zeigte sich Schur Flexibles nicht nur auf der kaufenden Seite. Der bisherige Private-Equity-Gesellschafter Lindsay Goldberg hat im Mai 2021 80 % seiner Anteile an Schur an die österreichische Industrieholding B & C verkauft. Lindsay Goldberg bleibt als Mitgesellschafter jedoch an Bord, was für eine Fortsetzung der aktiven Wachstumsstrategie sprechen sollte.

M&A-Jahr 2021 abgebildet in Tabelle
So sah das M&A-Jahr 2021 aus. (Bild: Knox)

Akteure von der anderen Seite des Atlantiks

So wie diese Gruppen innerhalb Europas – und auch darüber hinaus – wachsen, gibt es auch Akteure von der anderen Seite des Atlantiks, die sich vermehrt auf dem europäischen Kontinent positionieren. Berlin Packaging, der Name geht auf den Gründer, nicht auf die deutsche Hauptstadt zurück, steht sowohl für Hohlglas wie auch für Kunststoffverpackungen. Das Unternehmen ist allein für sechs Akquisitionen in 2021 verantwortlich, davon fünf in Westeuropa, während Proampac im letzten Jahr sieben Hersteller von flexiblen Verpackungen eingesammelt hat, davon fünf in England und Irland.

Die Finanzkraft für ein solches Wachstum kommt natürlich aus der operativen Ertragsstärke der jeweiligen Unternehmen. Bei vier der fünf genannten sind aber auch Finanzinvestoren an Bord, die die Fortentwicklung, die Diversifizierung und die Internationalisierung der Unternehmensgruppen aktiv unterstützen. Diese haben aller Voraussicht nach eine mehrjährige „Buy & Build-Strategie“ im Verpackungsmarkt auf ihrer Agenda.

Was sich daraus zweifellos ablesen lässt ist, wie spannend die Verpackungsbranche ist. Ein Großteil der Branche ist sehr gut durch die bisherige Coronapandemie gekommen. Zahlreiche Unternehmen schreiben die besten Zahlen der Unternehmensgeschichte. Impfstoffe werden in Milliardenchargen produziert, in Hohlglas abgefüllt, etikettiert, mit Beipackzetteln versehen, sekundär und tertiär verpackt und weltweit verteilt. Desinfektionsmittel füllen die Regale und die Büros, immer mehr Produkte werden verschickt statt stationär gekauft, eingeschränkte Restaurantbesuche steigern den Konsum abgepackter Lebensmittel.

Die Liste ließe sich fast endlos fortsetzen. Aber es gibt natürlich auch gegenläufige Entwicklungen, wie den rückläufigen Absatz einiger Kosmetika oder zurückhaltende Investitionsentscheidungen für neue Verpackungsmaschinen.

Einiges davon wird sich normalisieren, einiges wird uns wahrscheinlich über lange Zeit begleiten. Die während der Coronakrise zweitrangig erscheinenden umwelttechnischen Herausforderungen der Verpackungsbranche werden sich unweigerlich – und berechtigterweise – wieder in den Vordergrund drängen.

Ein weiteres Rekordjahr?

Ist also alles wieder normal? Sicherlich nicht. Doch wenn man sich die sogenannten Ertrags-Multiples anschaut, so hat der durchschnittliche EBIT-Multiple für Small Caps (Mittelwert, branchenübergreifend, für Unternehmen mit weniger als 50 Mio. Euro Jahresumsatz) wieder einen Wert von 7,6 erreicht. Die Ertrags-Multiples sind ein wichtiger Parameter für Unternehmensbewertungen, die die Zeitschrift Finance regelmäßig ermittelt. Vereinfacht gesagt, wird damit ein Unternehmensverkauf in Deutschland heute ebenso gut bezahlt wie im Januar 2020 – vor dem Corona-Ausbruch!

Wie sich die Coronapandemie und Unternehmensbewertungen weiter entwickeln, ist schwer abzuschätzen. Aber sollte es uns hoffentlich bald gelingen, dem Virus Herr zu werden, könnte dies unter Umständen nochmal eine kleine Euphorie-Welle bei den Unternehmensbewertungen auslösen.

Was dagegen sicher sein dürfte ist, dass die Anzahl der Unternehmenstransaktionen auf absehbare Zeit weiter steigen wird. Einerseits sind durch die Corona-Situation in den letzten beiden Jahren Nachfolgethemen geschoben worden, andererseits haben die Herausforderungen der Pandemie einigen Unternehmern gezeigt, wie gut eine starke Unternehmensgruppe ihnen tun würde.

Internationalisierung, ökologisch erforderlicher Technologiewandel, Konsolidierung von Märkten, Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder, zunehmender Investitionsbedarf. Es gibt zahllose Themen, die Veränderungsprozesse mit sich bringen. Und nicht zuletzt sind unverändert sehr große Kapitalbeträge für Unternehmensinvestitionen vorhanden, Finanzierungsmittel günstig zu bekommen und hohe Einlagenbestände finanzstarker Investoren inzwischen flächendeckend bei Banken ein Anlass von „Strafzinsen“.
Der Kauf und Verkauf von Unternehmen hat 2021 ein Rekordjahr erlebt – und es scheint durchaus wahrscheinlich, dass diesem ein weiteres folgen wird – auch in der Verpackungsbranche.

Knox - über Knox, Unternehmensberatung

Knox ist eine Unternehmens- und Personalberatungs-Gesellschaft, deren Engagement der Verpackungs- und Druckindustrie gilt, sei es in der Produktion, im Handel oder im Dienstleistungsbereich. Das Team von Knox berät seit mehr als zehn Jahren in Deutschland, Europa und darüber hinaus Unternehmen in diesem Branchenumfeld bei strategischen Herausforderungen, insbesondere auch durch die umfängliche Betreuung und den erfolgreichen Abschluss von Unternehmenstransaktionen.

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