Umfrage bei mehr als 1500 Führungskräften

Cyberrisiken treffen fast jedes zweite Unternehmen

Binnen eines Jahres waren 46 % der Industrieunternehmen von einem Cybervorfall betroffen. Trotzdem vertrauen 90 % auf ihre eigene Widerstandsfähigkeit. Eine Rockwell-Studie zeigt, wo die größten Risiken liegen.

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Auch die wachsende Vernetzung erhöht das Risiko.

Mit der stärkeren Vernetzung von Produktionsanlagen, IT-Systemen und Unternehmenssoftware gewinnt die Cybersicherheit auch für die Verpackungsindustrie weiter an Bedeutung. Maschinen, Linien und Produktionsstandorte tauschen zunehmend Daten aus, Unternehmen greifen aus der Ferne auf Anlagen zu und nutzen Cloud-Anwendungen oder KI-basierte Systeme. Damit wächst jedoch auch die Zahl potenzieller Angriffspunkte.

Wie Unternehmen mit dieser Entwicklung umgehen, hat Rockwell Automation in seinem Branchenbericht „Betriebliche Resilienz im Zeitalter der Konnektivität“ untersucht. Grundlage ist eine internationale Befragung von 1.560 Führungskräften und Entscheidungsträgern aus Industrieunternehmen in 17 Ländern.

Ein zentrales Ergebnis: Zwischen dem Vertrauen der Unternehmen in ihre Cybersicherheitsmaßnahmen und der tatsächlichen Zahl der Vorfälle besteht offenbar eine deutliche Dis46 % der befragten Unternehmen gaben an, innerhalb des vergangenen Jahres von einem Cybervorfall betroffen gewesen zu sein. Gleichzeitig sind 90 % überzeugt, einen solchen Vorfall verhindern oder eindämmen beziehungsweise den Betrieb anschließend wiederherstellen zu können.

Damit zeigt die Erhebung nach Einschätzung der Studienautoren, dass Investitionen in Sicherheitstechnologien allein noch keine ausreichende betriebliche Resilienz gewährleisten.

FAQ: Cybersecurity und betriebliche Resilienz

Was bedeutet betriebliche Resilienz?
Unternehmen können ihren Betrieb auch bei Störungen möglichst sicher aufrechterhalten und nach einem Vorfall schnell wieder hochfahren.

Warum ist die IT/OT-Konvergenz ein Cyberrisiko?
Mit der Vernetzung von Unternehmens-IT und Produktionssystemen entstehen zusätzliche Schnittstellen, über die sich Angriffe bis in die Produktion auswirken können.

Welche Rolle spielt KI?
KI kann Auffälligkeiten erkennen, Systeme überwachen und Risiken bewerten. Laut Rockwell-Studie planen 45 % der Unternehmen, KI oder maschinelles Lernen für Cybersecurity einzusetzen.

Mehr als ein Drittel der Befragten betrachtet Cyberrisiken inzwischen zudem als eines der wichtigsten externen Hindernisse für weiteres Unternehmenswachstum. Insbesondere die steigende Vernetzung von Produktions- und Unternehmenssystemen könne dazu führen, dass Störungen nicht mehr auf einzelne Systeme begrenzt bleiben.

Für Produktionsunternehmen ist dabei vor allem entscheidend, welche Auswirkungen ein Angriff auf Verfügbarkeit und Kontinuität der Fertigung haben kann. Neben Datenverlusten können Cybervorfälle beispielsweise Maschinenstillstände, Produktionsunterbrechungen oder Beeinträchtigungen von Qualitäts- und Lieferprozessen verursachen.

Unternehmen investieren verstärkt in Cybersecurity

Entsprechend hoch ist die Investitionsbereitschaft. 62 % der befragten Unternehmen haben nach Angaben von Rockwell Automation bereits in Cybersicherheitsplattformen investiert.

Unter den von den Unternehmen genannten Technologieinvestitionen mit wahrgenommenem wirtschaftlichem Nutzen liegt Cybersecurity laut Studie an zweiter Stelle. Die Unternehmen sehen Sicherheit damit zunehmend nicht ausschließlich als Kostenfaktor, sondern auch als Voraussetzung für Produktivität und Anlagenverfügbarkeit.

Rockwell Automation weist allerdings darauf hin, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Sicherheitsstrategien müssten vielmehr stärker mit Betriebsabläufen, Risikomanagement und Notfallplanung verbunden werden.

„Industrieunternehmen wissen, dass Cybersicherheit direkte Auswirkungen auf Betriebszeit, Kontinuität, Produktivität und Wachstum hat“, erklärt Rick Kaun, Global Director Cybersecurity Services bei Rockwell Automation. Betriebliche Resilienz entstehe jedoch erst, wenn Cybersicherheit Teil der übergeordneten Unternehmensstrategie werde.

IT und OT wachsen weiter zusammen

Ein besonderes Augenmerk legt die Untersuchung auf die zunehmende Verbindung von Information Technology (IT) und Operational Technology (OT).

In modernen Produktionsumgebungen sind klassische Unternehmens-IT und Maschinen- beziehungsweise Anlagensteuerung immer stärker miteinander verknüpft. Produktionsdaten werden beispielsweise in MES- oder ERP-Systeme übertragen, Anlagen aus der Ferne gewartet oder Betriebsdaten für Analyse- und Optimierungsanwendungen genutzt.

Diese Integration eröffnet einerseits Möglichkeiten für effizientere Prozesse und bessere Datennutzung. Andererseits entstehen zusätzliche Schnittstellen, über die Angriffe aus IT-Systemen theoretisch bis in die Produktionsumgebung gelangen können.

Die Übergänge zwischen IT und OT werden in der Studie deshalb als die am zweithäufigsten von Cybervorfällen bedrohten Schwachstellen genannt.

Gleichzeitig sehen Unternehmen gerade hier auch wirtschaftliches Potenzial: 37 % der Befragten erwarten, dass eine sichere IT/OT-Architektur innerhalb der kommenden fünf Jahre positive Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung haben wird.

KI soll Angriffe schneller erkennen

Auch Künstliche Intelligenz gewinnt in den Sicherheitsstrategien der Industrie an Bedeutung. 45 % der befragten Unternehmen planen, innerhalb der kommenden zwölf Monate KI oder maschinelles Lernen im Bereich Cybersecurity einzusetzen.

Mögliche Anwendungen liegen unter anderem in der automatisierten Überwachung von Netzwerken und Produktionssystemen. Algorithmen können beispielsweise ungewöhnliche Kommunikationsmuster oder Abweichungen vom normalen Anlagenbetrieb erkennen und Sicherheitsteams auf potenzielle Angriffe hinweisen.

Auch für Risikobewertungen und die Priorisierung von Sicherheitsmaßnahmen sollen entsprechende Systeme verstärkt eingesetzt werden.

Der Einsatz von KI ist dabei Teil einer generellen Entwicklung: Produktionsunternehmen erfassen immer größere Mengen an Maschinen- und Betriebsdaten und machen diese über verschiedene Systeme hinweg verfügbar. Dadurch steigt allerdings gleichzeitig die Zahl der Verbindungen zwischen Anlagen, Netzwerken, Anwendern und externen Dienstleistern.

Produktionsausfälle rücken in den Mittelpunkt

Der Begriff der betrieblichen Resilienz geht deshalb über klassische IT-Sicherheit hinaus. Gemeint ist die Fähigkeit eines Unternehmens, einen sicheren und zuverlässigen Produktionsbetrieb auch bei Störungen aufrechtzuerhalten und nach einem Vorfall möglichst schnell wieder zum regulären Betrieb zurückzukehren.

Dazu gehören neben technischen Schutzmaßnahmen beispielsweise Segmentierungskonzepte für Netzwerke, Zugriffsmanagement, Datensicherung, Wiederanlaufpläne sowie klar definierte Zuständigkeiten für den Ernstfall.

Gerade in stark automatisierten Produktionsumgebungen können solche Konzepte an Bedeutung gewinnen. Je stärker Maschinen, Roboter, Steuerungen, Produktionssoftware und Unternehmens-IT miteinander kommunizieren, desto größer können die Auswirkungen einer Störung auf nachgelagerte Prozesse sein.

Das betrifft auch Verpackungsbetriebe und Maschinenbauer. Vernetzte Verpackungslinien, Fernwartung, digitale Services und cloudbasierte Anwendungen erhöhen die Möglichkeiten zur Optimierung von Anlagen. Gleichzeitig muss Cybersecurity bereits bei der Architektur entsprechender Systeme berücksichtigt werden.

Für den Bericht befragte das Marktforschungsunternehmen Sapio Research im Auftrag von Rockwell Automation insgesamt 1.560 Personen aus 17 Industrienationen. Die Teilnehmer arbeiten auf Management- bis Vorstandsebene.

Vertreten waren unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Lebensmittel und Getränke, Automobilindustrie, Halbleiter, Energie und Life Sciences. Die befragten Unternehmen erwirtschaften Umsätze zwischen 100 Mio. und mehr als 30 Mrd. US-Dollar.