Marktstudie 

Digitalisierung wird zum größten Handlungsfeld

Digitalisierung, Automatisierung und KI erzeugen derzeit den größten Handlungsdruck im Verpackungsmaschinenbau. Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb deutlich. Eine aktuelle Studie der Beratung Ensign Advisory und dem Cluster Packaging Valley zeigt, wo die Unternehmen ihre strategischen Prioritäten setzen.

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Der Verpackungsmaschinenbau erlebt extrem herausfordernde Zeiten.

Auf der Packaging Machinery Conference 2026 im Juni dieses Jahres stellten Packaging Valley und Ensign Advisory bereits erste Ergebnisse der Studie vor. Jetzt gehen beide damit an die breite Öffentlichkeit. Demnach sehen mehr als 92 % der befragten Unternehmen einen hohen bis sehr hohen Handlungsdruck, Digitalisierung und Automatisierung weiter voranzutreiben. Gleichzeitig sehen mehr als 73 % eine starke bis sehr starke Zunahme des internationalen Wettbewerbs.

Für die Untersuchung wurden unter anderem 27 Experteninterviews mit Unternehmen und Akteuren aus dem Umfeld des Packaging Valley geführt. Vertreten waren Verpackungsmaschinenbauer ebenso wie Unternehmen aus Automatisierungstechnik, Komponenten, Engineering und Lösungsentwicklung. Ergänzt wurden die Interviews durch strukturierte Recherchen und die Branchenanalyse von Ensign Advisory.

KI: Zwischen Pilotprojekten und industrieller Anwendung

Bei Digitalisierung, Automatisierung und KI sehen die Unternehmen laut Studie den größten unmittelbaren Hebel für Effizienz, Produktivität, Skalierung und Differenzierung. Allerdings klafft zwischen Anspruch und Umsetzung weiterhin eine erhebliche Lücke. Zahlreiche digitale und KI-basierte Projekte befänden sich noch im Pilotstadium oder würden als Einzelinitiativen betrieben. Eine breite industrielle Skalierung und Monetarisierung sei bislang nur begrenzt gelungen.

Nach Einschätzung der Studienautoren wird deshalb weniger der Einsatz einzelner KI-Anwendungen über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden als der Aufbau einer belastbaren digitalen Infrastruktur. Dazu zählen Datenqualität, Schnittstellen, Interoperabilität, Data Governance, Cybersecurity und softwarefähige Maschinenarchitekturen. Erst auf dieser Basis könnten beispielsweise digitale Services, Remote Support, Performance-Optimierung oder KI-gestützte Assistenzsysteme skaliert werden.

Cover der Studie.

Gerade mittelständischen Verpackungsmaschinenbauern empfiehlt die Studie einen pragmatischen Ansatz: Statt vieler paralleler Digitalisierungsprojekte sollten zunächst wenige Anwendungen mit klar erkennbarem wirtschaftlichem Nutzen etwa in Engineering, Service, Qualität oder Prozessstabilität umgesetzt werden.

Nachhaltigkeit muss dem Kunden messbaren Nutzen bringen

Auch Nachhaltigkeit bleibt ein wichtiges Transformationsthema. Mehr als 65 % der Befragten geben an, dass Nachhaltigkeit bereits integraler Bestandteil ihres Unternehmens oder breit umgesetzt ist. Die Priorisierung erfolgt allerdings zunehmend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Im Vordergrund stehen Energie- und Ressourceneffizienz, Materialflexibilität, Recyclingfähigkeit sowie die Fähigkeit, relevante Daten und Nachweise bereitzustellen.

Insbesondere regulatorische Anforderungen wie die PPWR erhöhen nach Einschätzung der Studie in Europa den Druck. Für Maschinenbauer entstehen daraus konkrete Anforderungen: Anlagen müssen beispielsweise Monomaterialien, Rezyklate oder dünnere Packstoffe zuverlässig verarbeiten können. Auch Retrofit- und Lifecycle-Angebote sowie Daten für Reporting, Traceability und Compliance gewinnen an Bedeutung. Nachhaltigkeit werde damit vor allem dann zum Wettbewerbsvorteil, wenn sie sich in einen nachweisbaren Kundennutzen übersetzen lässt.

China erhöht Preis- und Technologiedruck

Parallel dazu verschärft sich der internationale Wettbewerb. Nach Einschätzung der Befragten kommt der Druck längst nicht mehr ausschließlich über niedrigere Preise. Wettbewerber holen technologisch auf, Innovationszyklen werden kürzer und Kunden erwarten zunehmend eine lokale Service- und Reaktionsfähigkeit.

Besonders China erhöht laut Studie den Wettbewerbsdruck durch Preise, Skalierung und technologische Weiterentwicklung. In Nordamerika gewinnen dagegen lokale Präsenz und Servicefähigkeit an Bedeutung. Indien und Lateinamerika bieten Wachstumsmöglichkeiten, verlangen jedoch angepasste Vertriebs-, Markt- und Partnerstrategien.

Die traditionelle Premiumpositionierung deutscher beziehungsweise europäischer Verpackungsmaschinenbauer allein über Technologie und Qualität dürfte deshalb künftig nicht mehr ausreichen. Die Studienautoren nennen ergänzend wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, modulare Maschinenplattformen, klare Portfolio- und Preisstrategien sowie leistungsfähige Service- und Ersatzteilmodelle als entscheidende Faktoren.

Eine globale Strategie reicht nicht mehr

Aus den Ergebnissen leitet Ensign Advisory drei zentrale Handlungsfelder ab. Zunächst müssten Unternehmen die digitalen und operativen Grundlagen schaffen – von standardisierten Datenmodellen und Schnittstellen über Modularisierung bis zur Cybersecurity. Zweitens sollte das Leistungsangebot um materialflexible Maschinen, Retrofit- und Lifecycle-Services sowie digitale Funktionen erweitert werden. Drittens müssten Hersteller ihre internationale Marktpositionierung, Preisarchitektur, Servicepräsenz und Partnernetzwerke stärker auf die einzelnen Regionen zuschneiden.

Entscheidend sei dabei nicht die möglichst große Zahl an Transformationsprojekten. Ausschlaggebend seien vielmehr Reihenfolge, Anschlussfähigkeit und Skalierbarkeit der einzelnen Maßnahmen. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen sollten sich deshalb auf klar abgegrenzte Projekte mit belastbaren Business Cases konzentrieren.

Fazit: Technologische Stärke bleibt eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg im Verpackungsmaschinenbau – sie muss künftig jedoch stärker mit Datenkompetenz, Service, Kosteneffizienz und regionaler Marktnähe verbunden werden.

Hier können Sie die Studie downloaden.