Umfrage bei Stakeholdern der Fleisch- und Wurstwarenbranche
Effizienz und recyclinggerechte Verpackungen
Kostendruck, Automatisierung und die Anforderungen der Kreislaufwirtschaft verändern die Fleisch- und Wurstwarenbranche. Eine Befragung von Südpack zeigt, welche Rolle Verpackung dabei spielt – und warum Monomaterialien, Haltbarkeit und Prozesssicherheit stärker zusammengedacht werden müssen.
Modified-Atmosphere-Packaging (MAP) und Vakuumverpackungen bleiben auch in Zukunft dominant.
Pexels / Matt Websters
Die deutsche Fleisch- und Wurstwarenindustrie steht unter erheblichem Veränderungsdruck. Kosten, Personalengpässe, regulatorische Anforderungen und veränderte Konsumgewohnheiten treffen auf hohe Ansprüche an Produktschutz und Haltbarkeit. Nach einer Stakeholderbefragung des Verpackungsherstellers Südpack reagiert die Branche darauf vor allem mit Investitionen in Effizienz, Automatisierung und neue Verpackungskonzepte. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sei die Grundstimmung weiterhin zuversichtlich.
Monomaterialien rücken in den Fokus
Nachhaltigkeit besitzt der Befragung zufolge einen hohen Stellenwert. Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugt die europäische Verpackungsverordnung PPWR, die sich unter anderem auf Materialien, Rezyklatquoten und Wiederverwendbarkeit auswirkt. Als wichtige Ansatzpunkte sieht Südpack Monomateriallösungen auf Basis von PP oder PET sowie eine weitere Verringerung der Materialstärken. Voraussetzung bleibt, dass Stabilität, Haltbarkeit und Optik der Verpackung nicht beeinträchtigt werden.
Damit verschiebt sich auch die Aufgabe der Verpackungsentwicklung: Gefragt sind Gesamtkonzepte, die Recyclingfähigkeit, Produktschutz, Maschinengängigkeit und Wirtschaftlichkeit verbinden und zugleich vom Lebensmittelhandel akzeptiert werden.
Digitalisierung soll Prozesse effizienter machen
Parallel investieren Fleisch- und Wurstwarenhersteller verstärkt in Digitalisierung und Automatisierung. Der Lebensmitteleinzelhandel gibt dabei wichtige Impulse bei Sortimenten, Verpackungsformaten, Transparenz und Nachhaltigkeitsnachweisen.
Digitale Anbindungen wie EDI sollen helfen, Prozesse stärker zu vernetzen, geforderte Nachweise bereitzustellen und den Handel effizienter zu bedienen. Besonders gefragt sind nach Angaben von Südpack Investitionen, deren Nutzen sich unmittelbar bei Produktivität, Prozessstabilität und Kosten zeigt. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Verpackungslieferanten: Neben Materialien erwarten Kunden zunehmend Anwendungstechnik, Daten und technische Beratung.
Convenience-Produkte gewinnen an Bedeutung
Für die kommenden 24 Monate rechnen die Befragten mit einer weiteren Konsolidierung der Fleisch- und Wurstwarenindustrie. Gleichzeitig gewinnen Convenience, verlässliche Verfügbarkeit und schnelle Reaktionsfähigkeit an Bedeutung. Portionierte Produkte und Snackformate werden wichtiger, während der Handel zunehmend deutsches Fleisch aus höheren Haltungsformen verlangt.
Bei Geflügel erwartet die Branche weiteres Nachfragewachstum. Auch bei Schweinefleisch sieht Südpack Anzeichen dafür, dass der bisherige Abwärtstrend gestoppt ist. Bei beiden Fleischarten nimmt der Anteil von Convenience-Produkten zu. Bei Rindfleisch liegt der Fokus dagegen stärker auf der Haltbarkeit. Insgesamt werde die Marktentwicklung künftig weniger von einzelnen Tierarten als von Preis, Verfügbarkeit, Convenience und Haltbarkeit bestimmt.
MAP und Vakuum bleiben dominant
Bei den Verpackungssystemen dominieren weiterhin Modified-Atmosphere-Packaging (MAP) und Vakuumverpackungen. Auch die klassische Fleischschale bleibt etabliert. Schlauchbeutellösungen werden laut Südpack trotz wirtschaftlicher und ökologischer Vorteile bislang nur zögerlich angenommen.
Deutlich dynamischer entwickeln sich dagegen Standbodenbeutel, vor allem für Snacks und Convenience-Produkte. Für viele Befragte spielt zudem die Nähe zum Lieferanten eine wichtige Rolle. Gefragt sind kurze Reaktionszeiten, Anwendungstechnik und eine direkte technische Beratung.
Südpack sieht insbesondere Monomaterialien auf Basis von PE und PP als wichtigen Hebel für eine stärkere Kreislaufführung. Gleichzeitig lassen sich bestehende Systeme etwa durch geringere Folienstärken oder optimierte Packungsformate verbessern. Entscheidend bleibt dabei das Zusammenspiel von Materialwahl, Siegelperformance, mechanischer Belastbarkeit und Maschinengängigkeit.