Stiftungsprofessur für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme

„Ein besonderer Forschungsbedarf besteht bei funktionalen Barrierekonzepten“

Vor 21 Monaten haben der Verband Die Papierindustrie und die TU Dresden eine Stiftungsprofessur für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme eingerichtet. Seitdem ist es ruhig geworden um die Professur wie das angekündigte Kompetenzzentrum. Wir haben bei Dr. Thorsten Voß, Vorstand der Forschungsstiftung der Papierindustrie PTS und Vertragspartner der Universität, nachgefragt.

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Dr. Thorsten Voß ist Vorstand und Geschäftsführer der PTS – Institut für Fasern & Papier.

Am 13, Januar 2025 verkündete die TU Dresden und der Papierindustrieverband öffentlich, dass der Vertrag über eine Stiftungsprofessur für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme unterzeichnet worden sei. Damit, so in der Pressemitteilung zu lesen, werde Dresden zu einem zentralen Standort für innovative Forschung, Entwicklung und Lehre im Bereich kreislauffähiger Verpackungen. Die Papierbranche, hieß es weiter, werde die Professur mit 250.000 Euro jährlich fördern.

Ziel der Stiftungsprofessur sei es, innovative und nachhaltige Lösungen für die Verpackungsindustrie zu entwickeln. Sie konzentriere sich auf die Erforschung und Lehre von Materialien, Prozessen und Technologien, die funktionssicheres, effizientes und ressourcenschonendes Verpacken mit kreislauffähigen Systemlösungen ermöglichen.

Neben der Professur soll es künftig ein gemeinsames Kompetenzzentrum unter dem Dach der TU Dresden geben, das in Zusammenarbeit mit Partnern, wie dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) und der PTS realisiert wird. Diese einzigartige interdisziplinäre Struktur werde als zentrale Anlaufstelle für Forschung, Transfer und Ausbildung im Bereich nachhaltiger Verpackungssysteme dienen.

Redaktion: Herr Dr. Voß, wie ist der aktuelle Stand – konnte die Professur inzwischen besetzt werden?
Thorsten Voß: Das Berufungsverfahren für die Stiftungsprofessur für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme an der TU Dresden wurde gestartet und liegt in der Verantwortung der Universität. Daher bitten wir um Verständnis, dass wir zu laufenden Verfahrensschritten und Zeitplänen keine Details nennen können. Aus Sicht der beteiligten Partner besteht weiterhin ein großes Interesse daran, die Professur möglichst zeitnah zu besetzen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass das Verfahren mit der notwendigen Sorgfalt durchgeführt wird, um die wissenschaftliche Qualität und die langfristige Wirksamkeit der Professur sicherzustellen.

Die Professur ist ein zentraler Baustein der langfristigen Forschungsstrategie der beteiligten Partner. Unabhängig vom laufenden Berufungsverfahren arbeiten die Partner bereits heute im Rahmen des CPTS an gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten für zirkuläre Verpackungssysteme. Die Professur wird diese Aktivitäten künftig wissenschaftlich ergänzen und weiter stärken und damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen leisten.

Redaktion: Ursprünglich sollte die Professur neue Materialien, Prozesse und Technologien für kreislauffähige Verpackungssysteme erforschen. Welche konkreten Forschungsschwerpunkte und Projekte sollen als Erstes angegangen werden – und wo sehen Sie derzeit den größten Forschungsbedarf bei faserbasierten Verpackungen?
Voß:
Die grundlegenden Zielstellungen der Stiftungsprofessur haben sich durch die zwischenzeitlich konkretisierten regulatorischen Anforderungen eher bestätigt als verändert. Insbesondere die europäische Verpackungsverordnung PPWR verdeutlicht den Bedarf an neuen Verpackungslösungen, die Funktionalität, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit miteinander verbinden. Ein besonderer Forschungsbedarf besteht aus unserer Sicht bei funktionalen Barrierekonzepten für faserbasierte Verpackungen. Hier geht es darum, die erforderlichen Schutzfunktionen beispielsweise gegenüber Feuchtigkeit, Fett, Sauerstoff oder anderen produktspezifischen Einflüssen bereitzustellen und gleichzeitig eine möglichst hohe Recyclingfähigkeit sicherzustellen.

Darüber hinaus sehen wir erheblichen Forschungsbedarf bei der Entwicklung kreislauffähiger Verpackungssysteme, bei Fragen der Wiederverwendung und Wiederverwertbarkeit, bei der Bewertung neuer Materialkombinationen sowie bei der industriellen Verarbeitbarkeit und Skalierbarkeit innovativer Verpackungslösungen. Gleichzeitig wäre es aus unserer Sicht zu kurz gegriffen, die Herausforderung allein auf einzelne Materialien oder Beschichtungen zu reduzieren. Verpackungen müssen immer als Gesamtsystem betrachtet werden.

Neben dem Material spielen unter anderem die maschinelle Verarbeitbarkeit, die Sortier- und Recyclingfähigkeit sowie die Anforderungen des jeweiligen Verpackungsgutes eine entscheidende Rolle. Die Partner bearbeiten bereits heute gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu Barrierebeschichtungen, Recyclingfähigkeit, Kreislaufsystemen, Mehrweglösungen und regulatorischen Fragestellungen. Die Stiftungsprofessur wird auf diesen Aktivitäten aufbauen und neue wissenschaftliche Impulse setzen. Dabei wird es nicht die eine universelle Lösung für alle Verpackungsanforderungen geben. Vielmehr werden je nach Produkt, Anwendung und regulatorischem Rahmen unterschiedliche technische Ansätze erforderlich sein.

Redaktion: Parallel zur Professur war ein Kompetenzzentrum mit Partnern wie Fraunhofer IVV und PTS angekündigt. Wie weit sind diese Pläne gediehen, und welche Rolle soll dieses Zentrum künftig für den Wissenstransfer zwischen Forschung, Papierindustrie, Verpackungsherstellern und Maschinenbau spielen?
Voß:
Das Kooperationsnetzwerk von TU Dresden, Fraunhofer IVV und PTS bearbeitet heute schon gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte entlang der gesamten Verpackungswertschöpfungskette. In den vergangenen Monaten wurde die Zusammenarbeit zudem strategisch und organisatorisch weiterentwickelt. Aktuell wird an der TU Dresden die Einrichtung des Impuls Labs „Circular Packaging Technologies and Systems (CPTS)“ vorbereitet. Ziel ist es, die bereits bestehende Kooperation noch weiter zu verzahnen, indem die jeweiligen Ressourcen der Partner effektiv und synergetisch genutzt werden, und so die Zusammenarbeit in Forschung, Transfer und Nachwuchsförderung langfristig zu verstetigen. Das Besondere am CPTS ist sein systemischer Ansatz. Verpackungen werden nicht isoliert als Materialfrage betrachtet, sondern entlang ihres gesamten Lebenszyklus: von der Material- und Verpackungsentwicklung über Verarbeitung und Anwendung bis hin zur Erfassung, Sortierung und Kreislaufführung.

Die Partner bündeln dabei Kompetenzen aus den Bereichen Papier, Verpackung, Verfahrenstechnik, Maschinenbau und Recycling. Die Stiftungsprofessur ist ein wichtiger Baustein, aber nicht der Ausgangspunkt des CPTS. Vielmehr ist sie der nächste Entwicklungsschritt einer bereits etablierten Forschungspartnerschaft. Wir als CPTS bieten Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine zentrale Plattform, um gemeinsam praxisrelevante Lösungen für die Anforderungen einer zirkulären Verpackungswirtschaft zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um Forschung im klassischen Sinne, sondern insbesondere um den Transfer von Wissen und Technologien zwischen Wissenschaft, Papierindustrie, Verpackungsherstellern, Markenartiklern und Maschinenbau. Unser Hauptanliegen besteht darin, die richtigen Fragen aus der industriellen Praxis aufzugreifen und daraus wissenschaftlich fundierte und wirtschaftlich tragfähige Lösungen abzuleiten.

Redaktion: Seit der Ankündigung haben sich mit der Anwendung der PPWR die regulatorischen Rahmenbedingungen für Verpackungen deutlich konkretisiert. Hat das die Zielsetzung der Professur verändert – und welche Antworten soll die Forschung insbesondere auf die Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Materialeffizienz und funktionale Barrieren liefern?
Voß:
Die Zielsetzung der Stiftungsprofessur hat sich durch die weitere Konkretisierung der regulatorischen Rahmenbedingungen nicht grundlegend verändert. Vielmehr hat sich die Relevanz der ursprünglich adressierten Fragestellungen noch einmal deutlich bestätigt. Die europäische Verpackungsverordnung PPWR macht deutlich, dass Verpackungen künftig stärker als bisher unter den Gesichtspunkten der Kreislauffähigkeit, Ressourceneffizienz, Rezyklateinsatz und Wiederverwendbarkeit entwickelt werden müssen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Funktionalität, Produktschutz und industrielle Umsetzbarkeit.

Genau an dieser Schnittstelle setzt die Stiftungsprofessur an. Ziel ist es, die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen zu schaffen und Lösungen zu entwickeln, die ökologische Anforderungen, industrielle Umsetzbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden. Dabei geht es nicht darum, einzelne Materialien oder Technologien isoliert zu betrachten. Die Herausforderungen unterscheiden sich je nach Produkt, Anwendungsgebiet und Lieferkette erheblich. Die Forschung muss deshalb systemische Lösungen entwickeln, die den gesamten Lebenszyklus einer Verpackung berücksichtigen und gleichzeitig den praktischen Anforderungen von Industrie und Markt gerecht werden.

Genau deshalb verfolgt das CPTS einen ganzheitlichen Ansatz und betrachtet Material, Verpackung, Verpackungsprozess, Nutzung und Kreislaufführung gemeinsam. Wir entwickeln wissenschaftlich fundierte Lösungen für konkrete industrielle Fragestellungen und unterstützen dadurch die Transformation hin zu einer zirkulären Verpackungswirtschaft.