Verpackungsdaten, Nachweise und Konformitätserklärungen effizient verwalten
PPWR-Compliance digital umsetzen
Technische Dokumentation, Konformitätserklärungen und Verpackungsdaten effizient verwalten: Ein Webinar von Narravero zeigte, wie Unternehmen digitale Verpackungsakten aufbauen, Lieferantendaten strukturieren und damit PPWR-Anforderungen skalierbar erfüllen können.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
6 min
Digitale Verpackungsakten bündeln Materialdaten, Lieferantennachweise und Konformitätserklärungen an zentraler Stelle. So lassen sich die Anforderungen der EU-Verpackungsverordnung PPWR effizient erfüllen und Verpackungsinformationen mit dem Digitalen Produktpass verknüpfen.OpenAI
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Mit Inkrafttreten der europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) stehen Unternehmen vor neuen Herausforderungen. Insbesondere Erzeuger von Verpackungen beziehungsweise verpackten Produkten müssen künftig umfangreiche technische Dokumentationen vorhalten, Konformitätsbewertungen durchführen und entsprechende Konformitätserklärungen erstellen. Wie sich diese Anforderungen digital und skalierbar umsetzen lassen, zeigte Narravero in einem Webinar. Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Rolle Unternehmen unter der PPWR einnehmen, welche Daten von Verpackungslieferanten benötigt werden und wie sich daraus digitale Verpackungsakten aufbauen lassen.
PPWR bringt neue Pflichten für Unternehmen
Bereits seit dem 12. August gelten erste Anforderungen der PPWR. Dazu gehören insbesondere Vorgaben zur technischen Dokumentation, zur Konformitätsbewertung sowie zur Erstellung von EU-Konformitätserklärungen. Zwar werden Marktüberwachungsmaßnahmen derzeit noch nicht flächendeckend durchgeführt, Unternehmen sind jedoch bereits verpflichtet, die entsprechenden Anforderungen umzusetzen und bei Bedarf nachweisen zu können.
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Ein wichtiger Aspekt dabei: Die PPWR wird schrittweise eingeführt. Nicht alle Anforderungen greifen gleichzeitig; zahlreiche weitere Verpflichtungen – etwa zu Recyclingfähigkeit – Nachhaltigkeitskriterien oder harmonisierten Kennzeichnungsvorgaben, werden erst in den kommenden Jahren wirksam. Unternehmen müssen deshalb Strukturen schaffen, die zukünftige Anforderungen flexibel integrieren können.
Narravero betrachtet die PPWR dabei nicht isoliert, sondern als Teil einer umfassenderen regulatorischen Entwicklung in Europa. Neben der PPWR wurden im Webinar beispielsweise die ESPR, die Green-Claims-Regulierung, die Toy Safety Regulation sowie weitere europäische Vorgaben genannt. Hierdurch entsteht ein wachsender Bedarf an einer zentralen digitalen Produkt- und Verpackungsdateninfrastruktur.
Die Gretchenfrage: Bin ich Erzeuger?
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Ein zentrales Thema des Webinars war die Rollenverteilung innerhalb der Lieferkette. Die PPWR kennt verschiedene Marktakteure, darunter Erzeuger, Lieferanten, Händler und Importeure. Besonders relevant ist dabei die Rolle des Erzeugers, da mit ihr der umfangreichste Pflichtenkatalog verbunden ist.
Viele Unternehmen beschäftigen sich darum aktuell vor allem mit der Frage, ob sie nun für bestimmte Verpackungen als Erzeuger einzustufen sind oder nicht. Die Antwort hängt von der jeweiligen Lieferkette und vom konkreten Produktportfolio ab. Unternehmen müssen daher zunächst ihre Verpackungen und deren Einsatzbereiche analysieren und anschließend die jeweilige eigene Rolle bestimmen.
Denn während Händler und Lieferanten ebenfalls Pflichten haben, liegt die Hauptverantwortung für Konformitätsbewertung, technische Dokumentation und Nachweisführung beim Erzeuger. Genau auf diese Anforderungen konzentrierte sich das Webinar.
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Welche Informationen gehören in die technische Dokumentation?
Mit der Lösung von Narravero lässt sich die PPWR-Konformität in Form einer digitalen Verpackungsakte dokumentieren.Narravero
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, welche Daten und Nachweise Unternehmen künftig von ihren Verpackungslieferanten benötigen.
Laut den Ausführungen im Webinar kommt es dabei stark auf die Art der Verpackung an. Die PPWR enthält in den Artikeln 5 bis 12 zahlreiche Anforderungen, von Stoffgrenzwerten bis hin zu künftigen Nachhaltigkeits- und Recyclingvorgaben. Besonders wichtig sind aktuell die stoffrechtlichen Anforderungen, deren Nichteinhaltung sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.
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Die technische Dokumentation kann unter anderem enthalten:
allgemeine Produkt- und Verpackungsbeschreibungen
technische Zeichnungen
Bilder und Konstruktionsunterlagen
Materialdaten
Angaben zu Stoffen und Inhaltsstoffen
Zertifikate
Laborberichte
Testergebnisse
Produktionsstättennachweise
Konformitätsnachweise
EU-Konformitätserklärung
Die Anforderungen orientieren sich dabei insbesondere an Anhang 7 der PPWR, der die Inhalte der technischen Dokumentation näher beschreibt.
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Die EU-Konformitätserklärung als zentraler Nachweis
Ein wesentlicher Bestandteil der technischen Dokumentation ist die EU-Konformitätserklärung (Declaration of Conformity, DoC) mit der Unternehmen bestätigen, dass das Konformitätsbewertungsverfahren erfolgreich durchgeführt wurde. Die erforderlichen Inhalte ergeben sich aus Anhang 8 der PPWR. Hinsichtlich der konkreten Form macht die Verordnung jedoch kaum Vorgaben.
Nach aktuellem Stand muss die Erklärung zwar vorgehalten werden, sie muss jedoch nicht zwingend physisch oder digital jedem Produkt beigefügt werden. Dennoch wurde deutlich, dass papierbasierte Verfahren angesichts der zunehmenden Digitalisierung regulatorischer Anforderungen kaum noch zeitgemäß sind.
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Besonders verwiesen wurde auf Erwägungsgrund 70 der PPWR. Dieser sieht vor, dass bei Produkten mit Digitalem Produktpass auch Informationen zur Verpackung und zur Konformität in bestehende digitale Strukturen integriert werden können.
Praxisbeispiel: Kofferhersteller mit 733 Artikeln
Herzstück des Webinars war ein Praxisbeispiel eines realen Narravero-Kunden, B&W International, einem Hersteller von Koffern. Dabei wurde deutlich, welche Komplexität sich hinter dem Thema Verpackungsdaten verbirgt. B&W führt insgesamt 733 Artikel. Für diese Produkte werden zahlreiche unterschiedliche Verpackungen eingesetzt. Im konkreten Beispiel bestehen die Verpackungseinheiten aus:
Polybeuteln
Kartons
Stretchfolien
Paletten
Jede dieser Verpackungen wird von unterschiedlichen Lieferanten bezogen und bringt eigene technische Datensätze mit. Dazu zählen beispielsweise Materialzusammensetzungen, Gewichtsangaben, Herstellerinformationen, Stoffnachweise und Zertifikate.
Allein im gezeigten Projekt wurden
30 unterschiedliche Polybeutel
241 verschiedene Kartonagen
verwaltet. Insgesamt mussten somit 271 eigenständige Verpackungsdatensätze verarbeitet werden.
Wie aufwendig die Datensammlung in der Praxis ist, schilderte Geschäftsführer Dirk Uhlenbrock, der bei B&W International das Projekt federführend begleitet hat. Auslöser seien zahlreiche Kundenanfragen gewesen, die plötzlich Konformitätsnachweise für eingesetzte Verpackungen verlangten
„Dann mussten wir erstmal suchen: Was haben wir überhaupt? Und vor allem, was haben wir nicht?“, berichtet Uhlenbrock. Obwohl im Unternehmen bereits zahlreiche Daten vorhanden gewesen seien, habe zunächst die Zuordnung zwischen Produkten und den jeweils verwendeten Verpackungen gefehlt. Verschiedene Excel-Listen und ERP-Datenstände hätten zunächst zusammengeführt und abgeglichen werden müssen.
Besonders herausfordernd sei dabei die Vielzahl an Details gewesen, die künftig berücksichtigt werden müssen. „Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als es hieß, selbst die Farbe, mit der ein Karton bedruckt wird, muss geprüft werden“, so Uhlenbrock. Neben Kartonagen und Polybeuteln rückten dadurch auch Klebebänder, Aufkleber und weitere Verpackungskomponenten in den Fokus der Compliance-Prüfung.
Die Herausforderung: Daten kommen selten strukturiert
Ein großes Problem besteht darin, dass Lieferanten ihre Informationen häufig nicht in einheitlicher Form liefern. Teilweise kommen Verpackungsdaten strukturiert als Excel-Dateien oder CSV-Dateien; häufig liegen relevante Nachweise jedoch auch als PDFs, Bilder, Zertifikate oder sogar E-Mail-Anhänge vor. Gerade internationale Lieferanten stellen zusätzlich sprachliche Herausforderungen dar. Im Webinar wurden beispielsweise Produktionsnachweise aus China erwähnt, die zunächst übersetzt und in nutzbare Datensätze überführt werden müssen.
Deshalb besteht der erste Schritt jeder PPWR-Strategie darin, sämtliche Informationen in einem zentralen Datenraum zusammenzuführen und dort maschinenlesbar aufzubereiten.
Hinzu kommt, dass die erforderlichen Informationen häufig noch nicht vorliegen, sondern erst bei den Verpackungslieferanten angefragt werden müssen. Laut Uhlenbrock erwies sich dies als einer der zeitaufwendigsten Arbeitsschritte. Viele Lieferanten übermittelten zunächst allgemeine Dokumente, die nicht den konkret eingesetzten Verpackungen zugeordnet werden konnten. Andere Unterlagen seien unvollständig gewesen oder es hätten notwendige Unterschriften gefehlt. „Du musst alle Lieferanten anschreiben, die schicken dann irgendwas zurück, von dem sie erstmal meinen, das passt. Leider steht dann zumindest im ersten Anlauf häufig die Erkenntnis: Passt nicht“, beschreibt er den Prozess.
Gleichzeitig wird daraus hier laut Uhlenbrock auch künftig ein Wettbewerbsvorteil für Lieferanten, die Verpackungsdaten schnell und strukturiert bereitstellen können. „Wir werden mit keinem neuen Anbieter mehr zusammenarbeiten, der die Daten nicht zur Verfügung stellt.“
Die digitale Verpackungsakte als zentraler Baustein
Auch die Unterschrift der Konformitätserklärung lässt sich digital ablegen.Narravero
Narravero hat zur Umsetzung eine digitale Verpackungsakte entwickelt. Die Idee dahinter: Sämtliche relevanten Daten, Nachweise, Zertifikate und Konformitätsbewertungen werden an einer zentralen Stelle zusammengeführt. Verpackungen werden dadurch als eigenständige digitale Datensätze verwaltet und können mit verschiedenen Produkten verknüpft werden.
Der Vorteil für Unternehmen: Dadurch müssen identische Verpackungen nicht für jedes einzelne Produkt erneut dokumentiert werden. Stattdessen wird der jeweilige Verpackungsdatensatz mehrfach verwendet und den betreffenden Produkten zugeordnet. Dies reduziert den Aufwand erheblich und macht die Verwaltung großer Produktportfolios überhaupt erst beherrschbar.
Aus Sicht von B&W International liegt der Nutzen jedoch nicht nur in der Dokumentation selbst. Die digitale Verpackungsakte schafft zugleich die Grundlage, um Kundenanfragen deutlich effizienter zu beantworten. Während zuvor Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammengesucht werden mussten, können Mitarbeiter heute direkt auf die hinterlegten Verpackungsakten zugreifen. „Jetzt kann der Innendienst bei einer Kundenanfrage die Artikelnummer eingeben, und die Links zu den jeweiligen Konformitätsbescheinigungen werden direkt mitgeschickt“, erläutert Uhlenbrock. Dadurch lasse sich die steigende Zahl von Anfragen deutlich leichter bewältigen.
So funktioniert die Umsetzung auf der Narravero-Plattform
Die Plattform von Narravero arbeitet mit Vorlagen beziehungsweise Templates. Diese fungieren gewissermaßen als digitale Lückentexte. Die relevanten Datenfelder werden einmal definiert und anschließend automatisch mit den Informationen aus Excel-Dateien, CSV-Dateien oder – im Idealfall – angebundenen Systemen befüllt.
Die Vorteile:
wiederverwendbare Datenstrukturen
automatische Erstellung vieler Verpackungsakten
digitale Konformitätsbewertungen
digitale Unterschrift der Konformitätserklärung
zentrale Ablage aller Nachweise
• Exportmöglichkeiten für Audits und Behörden
Schnittstellen zu PIM- und Drittsystemen
hohe Skalierbarkeit bei großen Produktmengen
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass regulatorische Änderungen sehr schnell umgesetzt werden können. Neue Pflichtfelder oder zusätzliche Nachweise lassen sich einmalig ergänzen und werden anschließend automatisch in allen betroffenen Verpackungsakten berücksichtigt.
Verbindung zum Digitalen Produktpass
Besonderes Potenzial sieht Narravero in der Verknüpfung von Verpackungsakte und Digitalem Produktpass: Die Verpackungsakte kann über einen Link oder einen entsprechenden Verweis direkt an den Digitalen Produktpass eines Produkts angehängt werden. Dadurch werden Verpackungsinformationen, technische Dokumentation und Konformitätsnachweise unmittelbar am Produkt verfügbar.
Für B&W International ist die digitale Verpackungsakte Teil einer umfassenderen Digitalisierungsstrategie rund um den Digitalen Produktpass und so nutzt das Unternehmen die Plattform bereits heute für deutlich mehr als regulatorische Nachweise. Hinterlegte Informationen reichen von Bedienungsanleitungen und Produktvideos über Transportdokumente bis hin zu Qualitätsprüfungen in der Produktion. Sobald ein Produktpass aktiviert wird, können beispielsweise Prüfschritte direkt auf Tablets in der Fertigung dokumentiert werden. „Für mich war gar nicht zuerst das EU-Gesetz spannend, sondern der 24/7-Touchpoint zum Kunden“, kommentiert Uhlenbrock. Der Digitale Produktpass entwickle sich damit von einem Compliance-Instrument zu einer zentralen Informations- und Serviceplattform entlang des gesamten Produktlebenszyklus.