Altpapierrecycling und Kreislaufwirtschaft

Verbände wollen Altpapier zum Produkt machen

Drei Branchenverbände fordern bundesweit einheitliche Kriterien, nach denen aufbereitetes Altpapier seinen Abfallstatus verlieren kann. Damit wollen sie die Rohstoffversorgung der Papierindustrie sichern. Eine neue Studie soll die Qualitätsprüfung vereinheitlichen.

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Ziel ist es, die Erfassung und Verwertung von Altpapier auszubauen.

Altpapier soll künftig unter klar definierten Voraussetzungen nicht mehr als Abfall, sondern als Produkt gelten können. Dafür setzen sich die Verbände Die Papierindustrie, BDE und bvse in einer gemeinsamen Initiative ein. Sie fordern die Bundesregierung auf, eine verbindliche und bundesweit einheitliche Regelung zum Ende der Abfalleigenschaft (End of Waste) gemäß Paragraf 5 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes einzuführen. Perspektivisch streben die Verbände eine entsprechende Regelung auf europäischer Ebene an.

Ziel ist es, die Erfassung und Verwertung von Altpapier auszubauen und die Versorgung der deutschen Papierindustrie mit Sekundärrohstoffen langfristig zu sichern. Davon könnte insbesondere auch die Herstellung recyclingfaserbasierter Verpackungspapiere und Kartonagen profitieren.

Klare Qualitätskriterien für Altpapier

Nach den Vorstellungen der Verbände soll Altpapier seinen Abfallstatus bereits nach der Aufbereitung durch einen zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb verlieren können. Dafür müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Das Material muss getrennt von anderen Stoffen gesammelt, fachgerecht sortiert oder behandelt und durch zertifizierte Prozesse qualitätsgesichert werden.

Entscheidend ist außerdem die Einhaltung überprüfbarer Qualitätsanforderungen. Als Grundlage sollen die Sortendefinitionen der DIN EN 643 für die Altpapiersorten der Gruppen 1 bis 4 dienen.

Erfüllt das aufbereitete Material diese Kriterien, könnte es bereits vor seinem Einsatz in der Papierfabrik als Produkt gehandelt werden. Die Verbände versprechen sich davon mehr Rechtssicherheit entlang der Wertschöpfungskette und bessere Rahmenbedingungen für die Nutzung von Altpapier als industriellen Rohstoff.

Forschungsprojekt untersucht Störstoffe

Um die vorgeschlagenen Kriterien in der Praxis überprüfen zu können, haben Verbände aus Deutschland und Österreich eine gemeinsame Studie an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) in Auftrag gegeben. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer einheitlichen Methode zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Störstoffen in Altpapiermischungen.

Dafür sollen zunächst bestehende Normen, Industriestandards und rechtliche Grundlagen untersucht werden. Darauf aufbauend wollen die Forschenden geeignete Verfahren zur Probenahme und Analyse entwickeln und in Modellbetrieben erproben.

Die Methodik soll sich an der DIN EN 643 orientieren und mit einfachen betrieblichen Mitteln umsetzbar sein. Damit wollen die beteiligten Verbände eine nachvollziehbare und praxistaugliche Grundlage für die Qualitätskontrolle schaffen.

An der Initiative beteiligen sich neben Die Papierindustrie, BDE und bvse auch die österreichischen Organisationen Austropapier und Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB).