Barrierepapiere erobern den Markt für flexible Verpackungen

Sappi treibt Wandel zu Recycling-Verpackungen voran

Papierbasierte Barriereverpackungen entwickeln sich rasant weiter. Immer mehr Hersteller prüfen, wie sich moderne Materialien nahtlos in ihre Produktionslinien einfügen – und zugleich hohe Anforderungen an Schutz, Effizienz und Zukunftssicherheit erfüllen.

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Beim Einkauf orientiert sich eine wachsende Zahl von Menschen auch am Material der Verpackung.

Immer mehr Markenartikel-Hersteller überdenken ihre Produktverpackungen, um den steigenden Anforderungen an die Recyclingfähigkeit gerecht zu werden. Die Vorschriften werden auf nationaler und EU-Ebene verschärft. Einzelhändler wünschen sich Verpackungen, die sich problemlos in bestehende Recyclingsysteme integrieren lassen. Verbraucher erwarten Materialien, die sich einfach und verantwortungsvoll entsorgen lassen. Und Markenartikler suchen nach Lösungen, die Produktschutz und die Kosten in Einklang bringen.

Für Sappi kommt diese steigende Nachfrage nicht überraschend: Das Unternehmen entwickelt seit über einem Jahrzehnt Barrierepapiere. Diese Monomaterial-Lösungen bieten den nötigen Schutz für viele Produkte, lassen sich mit wenigen Anpassungen auf bestehenden Verpackungsmaschinen verarbeiten und sind im Altpapierkreislauf recycelfähig. „Das Interesse ist in den letzten Jahren rasant gestiegen“, sagt Gustavo Duarte, Head of Business Development bei Sappi Europe. „Markenartikel-Hersteller suchen nach Lösungen, die ihre Probleme tatsächlich lösen und nicht nur Ideen, die in der Theorie gut klingen. Sie wollen eine Alternative zu Kunststoff, die sich in ihre bestehende Produktionsumgebung integrieren lässt.“

Modernen Verpackungslinien gerecht werden

Verpackungen mit Barrierepapieren sind vielfältig einsetzbar.

Duarte erklärt, dass Entscheidungen über neue Verpackungsmaterialien auf drei wesentlichen Anforderungen basieren. Die erste Anforderung ist der Produktschutz. Jedes Produkt, ob etwa Tee, Müsli, Schokolade, Mehl, Trockenfrüchte und Nüsse, Instant-Suppen und Zucker, besitzt unterschiedliche Anforderungen an das Verpackungsmaterial. Manche Produkte benötigen einen Schutz vor Feuchtigkeit, andere eine Barriere gegen Sauerstoff oder Mineralöl und wieder andere eine hohe Fettbarriere. „Die Haltbarkeit darf unter keinen Umständen beeinträchtigt werden“, sagt er. „Wenn die Barriere versagt, ist das Produkt gefährdet. Deshalb testen wir alles sorgfältig und konsequent. Wir messen die Permeationsraten, prüfen die Feuchtigkeitsbeständigkeit und verifizieren die Siegelnahtfestigkeit bei Produkten, die heißgesiegelt werden.“

Die zweite Anforderung ist die Kompatibilität mit bestehenden Verpackungsmaschinen. Viele Verpackungslinien wurden ursprünglich für Kunststofffolien entwickelt und über die Jahre optimiert. Die verwendeten Folien sind robust, flexibel und reißfest. Papier verhält sich anders, selbst wenn es die gleichen Eigenschaften wie Kunststoff aufweist. „Kunststofffolien sind im Verpackungsprozess flexibler und verzeihen mehr Fehler“, sagt Alexander Schröder, Product Application Leader bei Sappi. „Papier erfordert eine andere Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Spannung, Hitze und Siegeldruck spielen dabei eine wesentliche Rolle. Das bedeutet aber nicht, dass Kunden eine neue Anlagen benötigen. Oftmals geht es nur um eine Feinabstimmungen. Wir arbeiten eng mit Maschinenherstellern zusammen, um Kunden zu helfen, die notwendigen Anpassungen vor einem finalen Umstieg zu ermöglichen.“

Recyclingfähigkeit eines der Hauptgründe

Der Verzicht auf Kunststoff ist für viele Konsumenten und Konsumentinnen ein wichtiges Kriterium.

Schröder erklärt, dass die meisten Kunden die Umstellung selbst vornehmen. „Die Techniker kennen ihre Maschinen sehr gut. Sie wissen, wo kleine Änderungen einen großen Unterschied ausmachen können. Wir unterstützen sie bei Bedarf auch direkt vor Ort, aber viele schaffen die Umstellung schnell und problemlos.“

Die dritte Anforderung ist die Recyclingfähigkeit. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Markenartikel-Hersteller vermehrt auf Barrierepapier setzen. Viele Kunststoffverpackungen landen heute im Restmüll, da sie sich nicht einfach sortieren und recyceln lassen. „Wenn ein Material dem Papierrecyclingkreislauf zugeführt werden kann, verändert dies alles“, sagt Duarte. „Es erleichtert den Verbrauchern den Einkauf. Es hilft dem Einzelhandel. Und es bereitet Markenartikel-Hersteller auf zukünftige gesetzliche Vorgaben vor. Die Recyclingfähigkeit ist oft der entscheidende Faktor, der Unternehmen zum nächsten Schritt bewegt. Darüber hinaus wird Barrierepapier, wenn es in der blauen Tonne entsorgt wird, recycelt, was potenziell massive CO₂-Einsparungen ermöglicht.“

Die Lücke zwischen normalen Papier und Kunststoffen schließen

Kunststoffe dominieren seit Jahren den Markt für flexible Verpackungen, da sie Barrierewirkung mit einfacher Versiegelung verbinden. Normales Papier bietet nicht denselben Schutz. Pergaminpapier ist zwar teilweise fettbeständig und daher für manche Anwendungen interessant, bietet aber keine Feuchtigkeitsbarriere und lässt sich nicht versiegeln. „Barrierepapiere bieten die gleichen Ergebnisse aus Versiegelung und Produktschutz wie Kunststofffolien. Sie sind aber zusätzlich als Monomaterial im Altpapierkreislauf recycelfähig. Das ist der entscheidende Unterschied“, sagt Gustavo Duarte. „Darüber hinaus ist Papier aufgrund seiner höheren Steifigkeit im Vergleich zu Kunststoffen ideal für Anwendungen wie Standbodenbeutel und -tüten.“ Dies eröffnet neue Möglichkeiten für papierbasierte Lösungen in Segmenten, die lange Zeit als zu anspruchsvoll für Papier galten.

Innerhalb eines strengen regulatorischen Rahmens

Über Sappi

Sappi ist ein weltweit führender Anbieter von Alltagsmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen auf Holzfaserbasis. Als diversifizierter, innovativer und vertrauenswürdiger Marktführer, der sich auf nachhaltige Prozesse und Produkte konzentriert, baut Sappi eine Kreislaufwirtschaft auf, indem es das herstellt, was es soll, und nicht nur das, was es kann. Das Rohstoffangebot (einschließlich Viskosezellstoff, Zellstoff und Biomaterialien) und Endprodukte (Verpackungspapiere, Spezialpapiere, grafische Papiere, Gieß- und Trennpapiere, Forstprodukte) wird aus Holzfasern hergestellt, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Plantagen stammen. Viele der Produktionsstätten von Sappi nutzen selbst erzeugte Bioenergie, so dass viele der Betriebe energieautark sind. Sappi produziert 4,6 Mio. t Papier, 2,3 Mio. t Papierzellstoff und 1,5 Mio. t Viskosezellstoff pro Jahr. Weltweit beschäftigt das Unternehmen über 11.979 Mitarbeitende und verfügt über 401.000 ha eigene und gepachtete, nachhaltig bewirtschaftete Wälder in Südafrika. Sappi Limited (JSE) hat seinen Hauptsitz in Johannesburg, Südafrika, mit Produktionsstätten auf drei Kontinenten und verkauft seine Produkte in mehr als 150 Ländern. 

 Lebensmittelverpackungen bringen hohe Anforderungen mit sich. Sappi arbeitet mit akkreditierten externen Laboren zusammen, um sicherzustellen, dass alle Materialien die Anforderungen für den Lebensmittelkontakt erfüllen. Jede Zutat, die in den Sappi Werken verarbeitet wird, muss für den direkten Lebensmittelkontakt zugelassen sein. „Diese Zertifikate sind unerlässlich“, so Duarte. „Unsere Kunden verlassen sich für ihre Dokumentation und Audits darauf. Wir sorgen dafür, dass die Nachweise stets verfügbar und aktuell sind.“ Anstehende Verordnungen, darunter die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), erhöhen zudem die Erwartungen an die Recyclingfähigkeit. Sappi testet Materialien intern auf dem Bewertungsschema der 4evergreen-Allianz, einem Verbund von Unternehmen der Wertschöpfungskette faserbasierter Verpackungen. Es basiert auf der Methode der CEPI (Confederation of European Paper Industries). Anschließend werden externe Zertifizierungen durchgeführt, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen. Da Sappi davon ausgeht, dass CEPI/4evergreen weitgehend mit der PPWR übereinstimmen wird, ist das Unternehmen bereits für die kommende europäische technische Spezifikation gerüstet. „Diese frühen Tests helfen uns, die Dokumente schnell zu optimieren“, sagt Duarte. „Und sie geben den Kunden die Gewissheit, dass das Material nicht nur die heutigen, sondern auch die zukünftigen Anforderungen erfüllen.“

Verantwortungsvolle Beschaffung als Grundlage

Rückverfolgbarkeit und verantwortungsvolle Forstwirtschaft spielen eine zentrale Rolle in den Geschäftstätigkeiten von Sappi. Das Unternehmen wendet entlang seiner globalen Lieferkette die Zertifizierungssysteme FSC, PEFC und SFI an. In Südafrika bewirtschaftet Sappi etwa 400.000 ha zertifizierter Plantagen. Diese Wälder beliefern ausschließlich den lokalen Markt. „Kein Holz wird von Südafrika nach Europa transportiert“, erklärt Duarte. „Unsere europäischen Sägewerke beziehen ihr Holz aus einem Umkreis von etwa 150 km um die jeweiligen Standorte. Das hält die Lieferketten kurz und transparent. Und wenn ein Kunde zertifiziertes Material wünscht, enthalten die Lieferdokumente stets den entsprechenden Nachweis.“ Dieser Ansatz gewinnt für Markenartikel-Hersteller zunehmend an Bedeutung, da viele von ihnen unter wachsendem Druck stehen, jeden einzelnen Schritt ihrer Lieferkette nachzuverfolgen.

Auf den ersten Blick erscheinen Barrierepapiere teurer als bestimmte Kunststoffe. Duarte weist jedoch darauf hin, dass ein direkter Vergleich selten möglich ist. Kunststoffanwendungen variieren von Mono-Materialien bis hin zu komplexen Laminaten mit stark unterschiedlichen Preisen. „Man muss die Gesamtkosten betrachten“, erklärt er. „Die Recyclinggebühren für Kunststofflaminate können höher sein. In manchen Ländern werden recycelfähige Materialien finanziell gefördert. Berechnet man alle Kosten, Materialkosten, Recyclinggebühren und etwaige Förderungen, können papierbasierte Lösungen günstiger ausfallen. Es kommt auf die Anwendung an, aber Unternehmen sind oft überrascht, wenn sie die Zahlen vergleichen.“

PPWR als Beschleuniger

Sappi entwickelt und produziert seit über zehn Jahren Barrierepapiere und hat seitdem ein breites Produktportfolio aufgebaut. Das Unternehmen nutzt dabei die Dispersionstechnologie, die ein Recycling der Papiere im Altpapierstrom ermöglicht. „Wir gehen nicht davon aus, dass ein einziges Produkt alle Anforderungen erfüllt. Statt Standardprodukte mit unnötig hoher Leistung und höheren Kosten entwickeln wir Papiere, die spezifische Barriereanforderungen erfüllen. Das beschleunigt die Entwicklung und liefert unseren Kunden genau die Verpackungslösung, die sie benötigen: technisch und wirtschaftlich optimal.“ Er ist überzeugt, dass sich der Trend zu flexiblen Papierverpackungen in den kommenden Jahren fortsetzen und verstärken wird, insbesondere mit Inkrafttreten der PPWR-Richtlinie. „Dieser Übergang vollzieht sich schrittweise“, fasst Duarte zusammen. „Die Richtung ist klar: die Verbraucher wünschen sich recyclingfähige Verpackungen, und die Unternehmen erwarten, dass die Verpackungsmaterialien ihre Produkte optimal schützen und effizient auf ihren Produktionslinien eingesetzt werden können – ohne große Investitionen. Barrierepapiere erfüllen all diese Anforderungen. Deshalb sehen wir jedes Jahr ein wachsendes Interesse und immer mehr Anwendungen im Markt.“