Barrierepapiere erobern den Markt für flexible Verpackungen
Sappi treibt Wandel zu Recycling-Verpackungen voran
Papierbasierte Barriereverpackungen entwickeln sich rasant weiter. Immer mehr Hersteller prüfen, wie sich moderne Materialien nahtlos in ihre Produktionslinien einfügen – und zugleich hohe Anforderungen an Schutz, Effizienz und Zukunftssicherheit erfüllen.
Gustavo DuarteGustavoDuarteGustavo DuarteHead of Business Development, Sappi Europe
4 min
Beim Einkauf orientiert sich eine wachsende Zahl von Menschen auch am Material der Verpackung.Sappi
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Immer mehr Markenartikel-Hersteller überdenken ihre
Produktverpackungen, um den steigenden Anforderungen an die Recyclingfähigkeit
gerecht zu werden. Die Vorschriften werden auf nationaler und EU-Ebene
verschärft. Einzelhändler wünschen sich Verpackungen, die sich problemlos in
bestehende Recyclingsysteme integrieren lassen. Verbraucher erwarten
Materialien, die sich einfach und verantwortungsvoll entsorgen lassen. Und
Markenartikler suchen nach Lösungen, die Produktschutz und die Kosten in
Einklang bringen.
Für Sappi kommt diese steigende Nachfrage nicht
überraschend: Das Unternehmen entwickelt seit über einem Jahrzehnt
Barrierepapiere. Diese Monomaterial-Lösungen bieten den nötigen Schutz für
viele Produkte, lassen sich mit wenigen Anpassungen auf bestehenden
Verpackungsmaschinen verarbeiten und sind im Altpapierkreislauf recycelfähig.
„Das Interesse ist in den letzten Jahren rasant gestiegen“, sagt Gustavo
Duarte, Head of Business Development bei Sappi Europe.
„Markenartikel-Hersteller suchen nach Lösungen, die ihre Probleme tatsächlich
lösen und nicht nur Ideen, die in der Theorie gut klingen. Sie wollen eine
Alternative zu Kunststoff, die sich in ihre bestehende Produktionsumgebung
integrieren lässt.“
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Modernen Verpackungslinien gerecht werden
Verpackungen mit Barrierepapieren sind vielfältig einsetzbar.Sappi
Duarte erklärt, dass Entscheidungen über neue
Verpackungsmaterialien auf drei wesentlichen Anforderungen basieren. Die erste
Anforderung ist der Produktschutz. Jedes Produkt, ob etwa Tee, Müsli,
Schokolade, Mehl, Trockenfrüchte und Nüsse, Instant-Suppen und Zucker, besitzt
unterschiedliche Anforderungen an das Verpackungsmaterial. Manche Produkte
benötigen einen Schutz vor Feuchtigkeit, andere eine Barriere gegen Sauerstoff
oder Mineralöl und wieder andere eine hohe Fettbarriere. „Die Haltbarkeit darf
unter keinen Umständen beeinträchtigt werden“, sagt er. „Wenn die Barriere
versagt, ist das Produkt gefährdet. Deshalb testen wir alles sorgfältig und
konsequent. Wir messen die Permeationsraten, prüfen die
Feuchtigkeitsbeständigkeit und verifizieren die Siegelnahtfestigkeit bei
Produkten, die heißgesiegelt werden.“
Die zweite Anforderung ist die Kompatibilität mit
bestehenden Verpackungsmaschinen. Viele Verpackungslinien wurden ursprünglich
für Kunststofffolien entwickelt und über die Jahre optimiert. Die verwendeten
Folien sind robust, flexibel und reißfest. Papier verhält sich anders, selbst
wenn es die gleichen Eigenschaften wie Kunststoff aufweist. „Kunststofffolien
sind im Verpackungsprozess flexibler und verzeihen mehr Fehler“, sagt Alexander
Schröder, Product Application Leader bei Sappi. „Papier erfordert eine andere
Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Spannung, Hitze und Siegeldruck spielen dabei eine
wesentliche Rolle. Das bedeutet aber nicht, dass Kunden eine neue Anlagen
benötigen. Oftmals geht es nur um eine Feinabstimmungen. Wir arbeiten eng mit
Maschinenherstellern zusammen, um Kunden zu helfen, die notwendigen Anpassungen
vor einem finalen Umstieg zu ermöglichen.“
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Recyclingfähigkeit eines der Hauptgründe
Der Verzicht auf Kunststoff ist für viele Konsumenten und Konsumentinnen ein wichtiges Kriterium.Sappi
Schröder erklärt, dass die meisten Kunden die Umstellung
selbst vornehmen. „Die Techniker kennen ihre Maschinen sehr gut. Sie wissen, wo
kleine Änderungen einen großen Unterschied ausmachen können. Wir unterstützen
sie bei Bedarf auch direkt vor Ort, aber viele schaffen die Umstellung schnell
und problemlos.“
Die dritte Anforderung ist die Recyclingfähigkeit. Dies ist
einer der Hauptgründe, warum Markenartikel-Hersteller vermehrt auf
Barrierepapier setzen. Viele Kunststoffverpackungen landen heute im Restmüll,
da sie sich nicht einfach sortieren und recyceln lassen. „Wenn ein Material dem
Papierrecyclingkreislauf zugeführt werden kann, verändert dies alles“, sagt
Duarte. „Es erleichtert den Verbrauchern den Einkauf. Es hilft dem
Einzelhandel. Und es bereitet Markenartikel-Hersteller auf zukünftige
gesetzliche Vorgaben vor. Die Recyclingfähigkeit ist oft der entscheidende
Faktor, der Unternehmen zum nächsten Schritt bewegt. Darüber hinaus wird
Barrierepapier, wenn es in der blauen Tonne entsorgt wird, recycelt, was
potenziell massive CO₂-Einsparungen ermöglicht.“
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Die Lücke zwischen normalen Papier und Kunststoffen
schließen
Kunststoffe dominieren seit Jahren den Markt für flexible
Verpackungen, da sie Barrierewirkung mit einfacher Versiegelung verbinden.
Normales Papier bietet nicht denselben Schutz. Pergaminpapier ist zwar
teilweise fettbeständig und daher für manche Anwendungen interessant, bietet
aber keine Feuchtigkeitsbarriere und lässt sich nicht versiegeln.
„Barrierepapiere bieten die gleichen Ergebnisse aus Versiegelung und
Produktschutz wie Kunststofffolien. Sie sind aber zusätzlich als Monomaterial
im Altpapierkreislauf recycelfähig. Das ist der entscheidende Unterschied“,
sagt Gustavo Duarte. „Darüber hinaus ist Papier aufgrund seiner höheren
Steifigkeit im Vergleich zu Kunststoffen ideal für Anwendungen wie
Standbodenbeutel und -tüten.“ Dies eröffnet neue Möglichkeiten für
papierbasierte Lösungen in Segmenten, die lange Zeit als zu anspruchsvoll für
Papier galten.
Innerhalb eines strengen regulatorischen Rahmens
Über Sappi
Sappi ist ein weltweit führender Anbieter von Alltagsmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen auf Holzfaserbasis. Als diversifizierter, innovativer und vertrauenswürdiger Marktführer, der sich auf nachhaltige Prozesse und Produkte konzentriert, baut Sappi eine Kreislaufwirtschaft auf, indem es das herstellt, was es soll, und nicht nur das, was es kann. Das Rohstoffangebot (einschließlich Viskosezellstoff, Zellstoff und Biomaterialien) und Endprodukte (Verpackungspapiere, Spezialpapiere, grafische Papiere, Gieß- und Trennpapiere, Forstprodukte) wird aus Holzfasern hergestellt, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Plantagen stammen. Viele der Produktionsstätten von Sappi nutzen selbst erzeugte Bioenergie, so dass viele der Betriebe energieautark sind.
Sappi produziert 4,6 Mio. t Papier, 2,3 Mio. t Papierzellstoff und 1,5 Mio. t Viskosezellstoff pro Jahr. Weltweit beschäftigt das Unternehmen über 11.979 Mitarbeitende und verfügt über 401.000 ha eigene und gepachtete, nachhaltig bewirtschaftete Wälder in Südafrika. Sappi Limited (JSE) hat seinen Hauptsitz in Johannesburg, Südafrika, mit Produktionsstätten auf drei Kontinenten und verkauft seine Produkte in mehr als 150 Ländern.
Lebensmittelverpackungen bringen hohe Anforderungen mit
sich. Sappi arbeitet mit akkreditierten externen Laboren zusammen, um
sicherzustellen, dass alle Materialien die Anforderungen für den
Lebensmittelkontakt erfüllen. Jede Zutat, die in den Sappi Werken verarbeitet
wird, muss für den direkten Lebensmittelkontakt zugelassen sein. „Diese
Zertifikate sind unerlässlich“, so Duarte. „Unsere Kunden verlassen sich für
ihre Dokumentation und Audits darauf. Wir sorgen dafür, dass die Nachweise
stets verfügbar und aktuell sind.“ Anstehende Verordnungen, darunter die
Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), erhöhen zudem die
Erwartungen an die Recyclingfähigkeit. Sappi testet Materialien intern auf dem
Bewertungsschema der 4evergreen-Allianz, einem Verbund von Unternehmen der
Wertschöpfungskette faserbasierter Verpackungen. Es basiert auf der Methode der
CEPI (Confederation of European Paper Industries). Anschließend werden externe
Zertifizierungen durchgeführt, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen.
Da Sappi davon ausgeht, dass CEPI/4evergreen weitgehend mit der PPWR
übereinstimmen wird, ist das Unternehmen bereits für die kommende europäische
technische Spezifikation gerüstet. „Diese frühen Tests helfen uns, die
Dokumente schnell zu optimieren“, sagt Duarte. „Und sie geben den Kunden die
Gewissheit, dass das Material nicht nur die heutigen, sondern auch die
zukünftigen Anforderungen erfüllen.“
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Verantwortungsvolle Beschaffung als Grundlage
Rückverfolgbarkeit und verantwortungsvolle Forstwirtschaft
spielen eine zentrale Rolle in den Geschäftstätigkeiten von Sappi. Das
Unternehmen wendet entlang seiner globalen Lieferkette die
Zertifizierungssysteme FSC, PEFC und SFI an. In Südafrika bewirtschaftet Sappi
etwa 400.000 ha zertifizierter Plantagen. Diese Wälder beliefern ausschließlich
den lokalen Markt. „Kein Holz wird von Südafrika nach Europa transportiert“,
erklärt Duarte. „Unsere europäischen Sägewerke beziehen ihr Holz aus einem
Umkreis von etwa 150 km um die jeweiligen Standorte. Das hält die Lieferketten
kurz und transparent. Und wenn ein Kunde zertifiziertes Material wünscht,
enthalten die Lieferdokumente stets den entsprechenden Nachweis.“ Dieser Ansatz
gewinnt für Markenartikel-Hersteller zunehmend an Bedeutung, da viele von ihnen
unter wachsendem Druck stehen, jeden einzelnen Schritt ihrer Lieferkette
nachzuverfolgen.
Auf den ersten Blick erscheinen Barrierepapiere teurer als
bestimmte Kunststoffe. Duarte weist jedoch darauf hin, dass ein direkter
Vergleich selten möglich ist. Kunststoffanwendungen variieren von
Mono-Materialien bis hin zu komplexen Laminaten mit stark unterschiedlichen
Preisen. „Man muss die Gesamtkosten betrachten“, erklärt er. „Die
Recyclinggebühren für Kunststofflaminate können höher sein. In manchen Ländern
werden recycelfähige Materialien finanziell gefördert. Berechnet man alle
Kosten, Materialkosten, Recyclinggebühren und etwaige Förderungen, können
papierbasierte Lösungen günstiger ausfallen. Es kommt auf die Anwendung an,
aber Unternehmen sind oft überrascht, wenn sie die Zahlen vergleichen.“
Sappi entwickelt und produziert seit über zehn Jahren Barrierepapiere und hat seitdem ein breites Produktportfolio aufgebaut. Das Unternehmen nutzt dabei die Dispersionstechnologie, die ein Recycling der Papiere im Altpapierstrom ermöglicht. „Wir gehen nicht davon aus, dass ein einziges Produkt alle Anforderungen erfüllt. Statt Standardprodukte mit unnötig hoher Leistung und höheren Kosten entwickeln wir Papiere, die spezifische Barriereanforderungen erfüllen. Das beschleunigt die Entwicklung und liefert unseren Kunden genau die Verpackungslösung, die sie benötigen: technisch und wirtschaftlich optimal.“ Er ist überzeugt, dass sich der Trend zu flexiblen Papierverpackungen in den kommenden Jahren fortsetzen und verstärken wird, insbesondere mit Inkrafttreten der PPWR-Richtlinie. „Dieser Übergang vollzieht sich schrittweise“, fasst Duarte zusammen. „Die Richtung ist klar: die Verbraucher wünschen sich recyclingfähige Verpackungen, und die Unternehmen erwarten, dass die Verpackungsmaterialien ihre Produkte optimal schützen und effizient auf ihren Produktionslinien eingesetzt werden können – ohne große Investitionen. Barrierepapiere erfüllen all diese Anforderungen. Deshalb sehen wir jedes Jahr ein wachsendes Interesse und immer mehr Anwendungen im Markt.“