Interview mit Tobias Helm über Duo Earth Yellow Back
“Wir wollen die Grenzen dessen verschieben, was mit Recyclingmaterial technisch möglich ist”
Mit der Duo Earth Yellow Back bringt Duo Plast erstmals Stretchfolie mit PCR-Anteilen aus dem Gelben Sack in eine Hochleistungsanwendung – dafür gab es den Deutschen Verpackungspreis 2026. Tobias Helm erklärt, welche Hürden zu meistern waren und warum dies ein wichtiger Schritt für die Kreislaufwirtschaft ist.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
5 min
Bild aus der Folienproduktion von Duo Earth Yellow Back.Duo Plast
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Redaktion: Stretchfolien für die Ladungssicherung müssen hohe Anforderungen an Stabilität und Verarbeitung erfüllen. Was war die größte Herausforderung bei der Integration von Post-Consumer-Rezyklat aus der Gelben Tonne in ein solches Hochleistungsprodukt?
Tobias Helm, Vertriebsleiter Duo PlastDuo Plast
Tobias Helm: Die größte Herausforderung war sicherlich, einen vergleichsweise heterogenen Rohstoffstrom in eine Anwendung zu integrieren, die nur sehr geringe Schwankungen verzeiht. Eine Stretchfolie muss sich stark dehnen lassen, ausreichend Haltekräfte aufbauen, die Palette zuverlässig stabilisieren und gleichzeitig prozesssicher auf der Verpackungsanlage laufen.
Rezyklat aus der haushaltsnahen Sammlung, also aus Gelber Tonne beziehungsweise Gelbem Sack, bringt aufgrund seiner Herkunft andere Voraussetzungen mit als Neuware oder sehr homogene Recyclingströme. Die Aufgabe bestand deshalb nicht einfach darin Rezyklat beizumischen. Materialqualität, Rezeptur, Folienaufbau und Produktionsparameter mussten so aufeinander abgestimmt werden, dass am Ende reproduzierbare technische Eigenschaften entstehen.
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Genau dabei war auch die enge Zusammenarbeit mit dem Grünen Punkt entscheidend. Wir konnten das Know-how aus Sortierung und Rezyklatherstellung mit unserer Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung leistungsfähiger Blasstretchfolien zusammenbringen.
Redaktion: Die Jury hebt hervor, dass Ihre Folie bei einem PCR-Anteil von insgesamt 35 % bis zu 10 % Rezyklat aus dem Gelben Sack enthält. Warum ist dieser Schritt für die Kreislaufwirtschaft und die künftigen Anforderungen der PPWR besonders relevant?
Helm: Für uns ist genau das der spannende Punkt an dieser Entwicklung: Kunststoff aus dem Gelben Sack wieder zu einem neuen Produkt zu verarbeiten, ist grundsätzlich nichts Neues. Solche Rezyklate finden beispielsweise bereits in verschiedenen Alltagsprodukten oder weniger anspruchsvollen Kunststoffanwendungen Verwendung.
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Bei einer Stretchfolie sind die Anforderungen aufgrund der extremen Dehnfähigkeit deutlich höher. Wenn man sich beispielsweise vor Augen führt, dass mit rund 200 g Stretchfolie eine Palette mit bis zu 800 kg Ladung sicher stabilisiert werden kann, wird schnell klar, wie leistungsfähig das Material sein muss. Gerade deshalb war Rezyklat aus der haushaltsnahen Sammlung aufgrund seiner schwankenden Zusammensetzung bislang für Stretchfolien besonders schwierig einzusetzen.
Mit der Duo Earth Yellow Back zeigen wir nun, dass auch Rezyklat aus dem Gelben Sack in einer solchen Stretchfolie eingesetzt werden kann. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um weitere Stoffströme in hochwertige Anwendungen zurückzuführen: Aus einer gebrauchten Verpackung wird nicht einfach irgendein neues Kunststoffprodukt, sondern das Material findet seinen Weg zurück in eine anspruchsvolle Verpackungsanwendung.
Und genau an diesem Punkt arbeiten wir bei Duo Plast seit vielen Jahren. Unser Ziel war nie, einfach möglichst viel Rezyklat in eine Folie zu geben. Wir wollen die Grenzen dessen verschieben, was mit Recyclingmaterial technisch möglich ist – ohne die Funktion der Verpackung aus den Augen zu verlieren.
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Wenn die PPWR den Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten künftig stärker einfordert (35 % PCR ab 2030 und 65 % ab 2040), sehen wir darin deshalb nicht nur eine regulatorische Aufgabe. Es bestätigt vielmehr den Weg, den wir bereits seit Jahren verfolgen: Rezyklate Schritt für Schritt auch für Anwendungen nutzbar zu machen, bei denen man ihren Einsatz lange für kaum möglich gehalten hat.
Gerade bei der Duo Earth Yellow Back, bei der 10 % des insgesamt 35-prozentigen PCR-Anteils aus der Gelben Tonne stammen, geht es dabei nicht darum, von heute auf morgen die Leistungsfähigkeit einer reinen Virgin-Folie vollständig abzubilden. Entscheidend ist vielmehr, die technischen Möglichkeiten mit diesem anspruchsvollen Rezyklat Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und dabei immer mehr anspruchsvolle Anwendungen zu erschließen.
Dass wir bereits heute Stretchfolien mit bis zu 65 % PCR in unserem Portfolio haben und nun erstmals eine Variante mit 35 % PCR und davon 10 % Material aus dem Gelben Sack anbieten können, macht uns deshalb auch ein Stück weit stolz. Aus unserer Sicht geht es darum, immer mehr recycelte Stoffströme wieder für hochwertige und technisch anspruchsvolle Anwendungen nutzbar zu machen.
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Redaktion: Viele Anwender befürchten bei Recyclingkunststoffen Einbußen bei Qualität oder Performance. Wie stellen Sie sicher, dass die Palettenstabilität und Prozesssicherheit auch mit hohen Rezyklatanteilen gewährleistet bleiben?
Helm: Entscheidend ist für uns, dass wir eine Folie mit hohem Rezyklatanteil nicht allein anhand ihres PCR-Anteils bewerten. Am Ende muss sie beim Kunden genau das leisten, wofür eine Stretchfolie eingesetzt wird: die Ware zuverlässig sichern und im Verpackungsprozess stabil funktionieren.
Deshalb betrachten wir sowohl die Materialeigenschaften der Folie als auch die gesamte Anwendung. Dazu gehören beispielsweise Dehnverhalten, Haltekräfte und Reißfestigkeit, aber eben auch die tatsächliche Palettenstabilität und die Verarbeitung auf der jeweiligen Verpackungsanlage.
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In unserem Duo Lab, Testcenter für die Entwicklung und Optimierung von Transportverpackungen, können wir konkrete Verpackungs- und Transportsituationen unter realitätsnahen Bedingungen nachstellen und analysieren. Zudem begleiten wir die Anwendung direkt beim Kunden. So stellen wir sicher, dass nicht nur ein bestimmter Rezyklatanteil erreicht wird, sondern Folie, Maschine und Ladeeinheitensicherung in der Praxis miteinander funktionieren.
Denn letztendlich darf der Einsatz von Recyclingmaterial nicht dazu führen, dass an anderer Stelle mehr Material eingesetzt wird, Anlagenstillstände entstehen oder die Transportsicherheit leidet.
Redaktion: Der Einsatz von PCR-Materialien wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen: bei der Verfügbarkeit geeigneter Rezyklate, der Materialqualität oder der Akzeptanz im Markt?
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Helm: Ich würde Verfügbarkeit und Materialqualität heute nicht getrennt voneinander betrachten. Entscheidend ist nicht nur, dass ausreichend Rezyklat vorhanden ist, sondern dass geeignete Qualitäten in ausreichender Menge und möglichst konstant verfügbar sind.
Gerade bei technisch anspruchsvollen Folien benötigen wir Materialien mit definierten und reproduzierbaren Eigenschaften. Mit steigender Nachfrage nach PCR wird deshalb die Herausforderung darin bestehen, entsprechende Stoffströme weiterzuentwickeln und hochwertige Rezyklate langfristig verfügbar zu machen.
Dafür müssen wir Closed-Loop-Systeme gemeinsam mit der Industrie aufbauen und die Kreislaufwirtschaft aktiv vorantreiben.
Bei der Marktakzeptanz sehen wir gleichzeitig eine positive Entwicklung. Viele Kunden beschäftigen sich heute sehr intensiv mit Recyclingmaterialien und den kommenden regulatorischen Anforderungen. Die entscheidende Voraussetzung ist aber Vertrauen in die Performance. Wenn wir in der Anwendung zeigen können, dass Recyclingmaterial und hohe Prozess- und Transportsicherheit miteinander vereinbar sind, nimmt auch die Akzeptanz deutlich zu.
Deshalb werden Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette künftig noch wichtiger – vom Sammeln und Sortieren über die Rezyklatherstellung und Folienentwicklung bis hin zur konkreten Anwendung beim Kunden.
Redaktion: Welche Signalwirkung hat der Deutsche Verpackungspreis aus Ihrer Sicht für den Einsatz hochwertiger Post-Consumer-Rezyklate in technischen Verpackungsanwendungen?
Helm: Für uns ist die Auszeichnung vor allem ein wichtiges Signal an den Markt: Post-Consumer-Rezyklate müssen nicht auf einfache Anwendungen beschränkt bleiben.
Gerade Material aus der haushaltsnahen Sammlung wurde lange vor allem dort eingesetzt, wo die Anforderungen an das Material vergleichsweise gering sind. Mit der Duo Earth Yellow Back zeigen wir, dass sich solche Stoffströme durch konsequente Weiterentwicklung auch für Anwendungen erschließen lassen, bei denen Zuverlässigkeit und Performance eine entscheidende Rolle spielen.
Der Deutsche Verpackungspreis gibt dieser Entwicklung zusätzliche Sichtbarkeit und bestätigt aus unserer Sicht einen Weg, den wir bereits seit vielen Jahren verfolgen: Rezyklate nicht nur einzusetzen, weil es regulatorisch künftig stärker gefordert wird, sondern ihre Einsatzmöglichkeiten Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Wir hoffen, dass die Auszeichnung den Markt ermutigt, PCR-Stretchfolien einzusetzen und Recyclingmaterial in anspruchsvollen Verpackungsprozessen weiter voranzubringen.
Das Gemeinschaftsprojekt mit dem Grünen Punkt zeigt, wie durch eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette Konzepte der Kreislaufwirtschaft in praxisnahe und marktfähige Lösungen umgesetzt werden können.
Wenn eine solche Auszeichnung dazu beiträgt, Vertrauen in den Einsatz von PCR aufzubauen und weitere Unternehmen dazu ermutigt gemeinsam neue Anwendungen und Stoffkreisläufe zu erschließen, dann hat sie aus unserer Sicht eine Wirkung, die weit über das ausgezeichnete Produkt hinausgeht.