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Amerang im Chiemgau: Kulturliebhabern fällt da sofort das Schloss ein, das mit seinen Konzertveranstaltungen weit über die Region hinaus glänzt. Für die Konsumgüterindustrie in Europa und weltweit ist die Strahlkraft Amerangs durch einen Verpackungsmaschinenbauer besetzt: Seit über 40 Jahren steht das Unternehmen Somic, das 1974 von Manfred Bonetsmüller gegründet wurde, im Fokus. Erst recht seit sich Inhaber Manfred Bonetsmüller auf die Herstellung von Endverpackungsmaschinen spezialisiert hat.

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Wrap-Around-Packer werden aus dem durchgängigen mechatronischen Systembaukasten Somic 424, entsprechend den Verpackungsanforderungen des Kunden, generiert.
Der Wrap-Around-Packer kann für mehrere Produktabmessungen und Kartonmodelle mit individuellen Formatwerkzeugen ausgerüstet werden. Innerhalb des Formatbereiches erlauben diese eine unbegrenzte Flexibilität. Das macht jede Somic-424-Maschine so unverwechselbar. (Foto: Somic)

Wrap-Around-Packer werden aus dem durchgängigen mechatronischen Systembaukasten Somic 424, entsprechend den Verpackungsanforderungen des Kunden, generiert. Der Wrap-Around-Packer kann für mehrere Produktabmessungen und Kartonmodelle mit individuellen Formatwerkzeugen ausgerüstet werden. Innerhalb des Formatbereiches erlauben diese eine unbegrenzte Flexibilität. Das macht jede Somic-424-Maschine so unverwechselbar. (Foto: Somic)

Auf die Frage „Stellen Sie nur Maschinen her, die verpacken oder fertigen Sie auch Maschinen, die Verpackungen herstellen?“ antwortete Somic-Gründer und Geschäftsführer Manfred Bonetsmüller vor etwas mehr als zehn Jahren in der Stadtbroschüre Wasserburg: „Im Prinzip beides. Sie müssen sich das so vorstellen: Unsere Maschinen müssen zunächst das Produkt kontrolliert aufnehmen – teilweise manchmal mehrere hundert Stück pro Minute. Sie müssen dann gruppiert, gesammelt und danach mit ein- oder mehrteiligen Verpackungen umhüllt werden. Der Karton wird als flacher Zuschnitt geliefert, daraus wird dann eine komplette Packung gefertigt.“ Klingt banal, ist es aber nicht. Im Laufe  seines Unternehmerlebens hat Bonetsmüller aus seinen Lehren Konsequenzen gezogen. Heute bauen seine Mitarbeiter noch immer Sondermaschinen, die sich aber deutlich von jenen unterscheiden, die Somic in Zeiten nach der Unternehmensgründung baute. Inzwischen hat der Unternehmer längst entschieden, dass in der Spezialisierung auf Endverpackung und auf wenige Maschinentypen der Erfolg liegt. Damals in den Anfängerjahren war beinahe jede Maschine ein Unikat und Somic tummelte sich in vielen Bereichen des Marktes.

Doch spätestens an der Schwelle zum neuen Jahrtausend schärfte sich der Blick und der Grundstock für die Zukunft wurde gelegt. Seit 2007 geht Somic mit seinem Systems Engineering einen neuen Weg: Diese durchgängige Prozessmethodik zieht sich durch das ganze Unternehmen – angefangen beim Vertrieb über die Konstruktion bis zur Auslieferung. Alle Abteilungen sind interdisziplinär miteinander verwoben, um kundenindividuelle Anlagen nachhaltig zu entwickeln und zu realisieren, berichtet Josef Bliemel, Leiter konstruktive Projekterklärung.

Wiederholsicher systematisiert

Die Philosophie des Systems Engineering beruht darauf, dass eine Maschine sich modular in Funktionswelten kategorisieren lässt, die das Bauprinzip einer Endverpackungsmaschine wiederholsicher systematisiert. Der Strukturplan dokumentiert die erforderlichen Funktionen der Basismaschine, die mit dem Systembaukasten umgesetzt werden. Und was bedeutet das im Falle eines Projektes? „Zuhören und verstehen. Beraten und umsetzen“, erläutert Bliemel plakativ. Erst wenn alle Verpackungsanforderungen genaustens erfasst und verstanden worden sind, enstehen die Lösungsspezifikationen. Daraus konfiguriert das Team um den Leiter konstruktive Projekterklärung aus 76 Standardvariationen, einem Baukastensystem gleich, letztlich die individuelle Maschine für den Kunden. 70 bis 80 Prozent der Maschine bestehen dann aus Standards. Mit der Einführung des Maschinenmodells 424, das es jeweils für einteilige und mehrteilige Verpackungen gibt, hat Somic einen deutlichen Schub erhalten. Bonetsmüller nennt diesen Typ „universell und flexibel“.

Basis sind die einheitlichen Funktionsgruppen

Alle kompakten Endverpackungsmaschinen sind funktional strukturiert und basieren einheitlich auf Funktionsgruppen, Funktionseinheiten und Funktionsbausteinen. Daraus entsteht eine im Design einheitliche Basismaschine, die abschließend mittels  kundenspezifischen Funktionen, Programmen und Werkzeugen individualisiert und komplettiert wird. Dabei ist der Funktionsbaustein die kleinste mechatronische Teilstruktur, immer mit gleichem mechanischen Aufbau. Direkt zugeordnet ist ein eigener, parametrierbarer Software-Baustein, beispielsweise ein Portalantrieb. Die Funktionseinheit hingegen ist eine autonome mechatronische Einheit, aufgebaut aus Mechanik, Elektrik und Software. An einer Steuerung angeschlossen kann die FE autark für Testzwecke funktionell ausgetestet werden, beispielsweise die Funktionseinheit  Produkte Sammeln. Die Funktionsgruppe steht für einen in sich abgeschlossenen, verpackungstechnischen Vorgang. Eine Funktionsgruppe ist die Summe mehrerer Funktionseinheiten, beispielsweise einer Sammelgruppe zum Sammeln und Gruppieren der vorverpackten Produkte. Zur Individualisierung der Basismaschine werden mit dem Quick-Change-System passgenau kundenspezifische Formatwerkzeuge und Ausstattungen fixiert, einheitlich für alle Somic-Maschinen. Dieses Befestigungssystem nutzt ausschließlich Klemmtechnik zur Befestigung. Damit ist sichergestellt, dass die Produktion nach einer Formatumstellung ohne Nachjustierung und sonstigen Aufwendungen fehlerfrei anläuft.

Dem Trend nach immer kleineren Packungen und Verkaufseinheiten folgt Somic mit der Neuentwicklung 232 FS, eine hochflexible Endverpackungsmaschine, die den Wunsch nach kleineren Trays, Faltschachteln und auch Tray-Deckel-Packungen (vom flachen Kartonzuschnitt gefertigt) abdeckt und sich in jede Produktionslinie für Lebensmittel, Backwaren, Petfood und Health-Care-Produkten einfügen lässt. Dabei werden kleinformatige Beutel, Faltschachteln, Dosen oder Tiefziehpackungen in Trays oder Faltschachteln verpackt, Somic-üblich vom flachen Zuschnitt aus Voll- oder Wellpappe. Für Süßwaren, Genussmittel, Lebensmittel und Health-Care-Produkte sind auch zweiteilige Verpackungen aus Tray mit Deckel im Einsatz, die mit der 232 FS sicher verarbeitet werden. Bis zu 100 Faltschachteln pro Minute sind im Doppeltakt herzustellen, welche eine über 50 Prozent höhere Packleistung als bisherige Anlagen erreichen. Kompakte Maße und kurze Arbeitswege sind Bausteine der Effizienz, aber auch die kleineren Antriebe und die Steuerungsgeneration ILM Pac Drive 3 tragen ihren Teil zu diesem Leistungssprung bei.

„Das Verpackungssystem 424 hat uns einen enormen Erfolgsschub gegeben.  Allein 20 Maschinen dieses Typs stehen bei Nestlé.“ Manfred Bonetsmüller, 
Somic-Geschäftsführer und -Gründer (Foto: Somic)

„Das Verpackungssystem 424 hat uns einen enormen Erfolgsschub gegeben. Allein 20 Maschinen dieses Typs stehen bei Nestlé.“ Manfred Bonetsmüller, Somic-Geschäftsführer und -Gründer (Foto: Somic)

Neubau mit 7.000 Quadratmeter Fläche entsteht

Aber auch im Umfeld der Verpackungsanlagen hat Somic Lösungen zu bieten. Die Tochtergesellschaft Somi Con stellt sich komplexen Transportproblemen rund ums Verpacken und wird von Patrick Bonetsmüller geführt. Er weiß zu berichten, wie wichtig eine effiziente Zuführung für hohe Wirkungsgrade einer Verpackungsanlage sind. Somic wächst derzeit rasant. Die annähernd 270 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangegen Jahr rund 40 Millionen Euro Umsatz. Geht es nach dem Unternehmensgründer, so wächst das Unternehmen in den kommenden Jahren jährlich in einem Bereich zwischen zehn bis 20 Prozent. Im Neubau, der derzeit in Amerang entsteht und 7.000 Quadratmeter umfasst, dürfte es demnach bald wieder eng werden.

Autor

Matthias Mahr

Unternehmen

Somic Verpackungsmaschinen GmbH & Co. KG

Am Kroit 7
83123 Amerang
Deutschland

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