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Auf der Labelexpo in Brüssel wurde der aktuelle Stand in Sachen Etiketten ohne Trägerpapier (Linerless-Labels) gezeigt. Auf einem sogenannten Linerless Trail wurde dieses Thema fokussiert präsentiert. Die Aussteller sehen zwar eine stark wachsende Nachfrage, doch ist der Marktanteil von Etiketten ohne Trägerpapier immer noch sehr klein, wenn man den gesamten Etikettenmarkt betrachtet. Kooperationen und Innovationen sollen den Durchbruch bringen.

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Nur logisch, dass die ausstellenden Unternehmen auf dem Linerless Trail ausschließlich Vorteile von Etiketten ohne Trägerpapier im Vergleich zu herkömmlichen Selbstklebeetiketten sehen. Durch die Abwesenheit des Trägerpapiers gibt es deutlich weniger Produktionsabfälle, wodurch die Umwelt deutlich entlastet wird. Normalerweise muss ja das silikonhaltige Trägerpapier aus der Maschine entfernt und entsorgt werden. Weiterhin brauchen Etiketten-Verarbeiter in zumindest einigen europäischen Ländern aus diesen Grund auch keine Verpackungssteuern beim Einsatz von trägerlosen Etiketten zu entrichten, berichtet Jorrit Reedijk von Belona. Dieses Unternehmen produziert Linerless-Labels bereits seit 2014. Belona produziert sowohl bedrucktes als auch unbedrucktes Etikettenmaterial mit einer Klebstoff-Beschichtung, aber ohne Trägerpapier.

Evonik stellte mit Tego RC 1717 eine neue Beschichtung für thermische Linerless-Labels vor. (Foto: Kruisselbrink)
Evonik stellte mit Tego RC 1717 eine neue Beschichtung für thermische Linerless-Labels vor. (Foto: Kruisselbrink)

Belona ist zwar kein Aussteller aber Jorrit Reedijk besucht zusammen mit Vertriebsdirektor Robert Bongertman die Aussteller vom Linerless Trail. Wir treffen die beiden am Stand des Etikettenpapierproduzenten Ritrama, wo Paul Wiggers von Digi das Linerless-Prinzip auf Maschinen dieser Marke darstellt.

Uneingeschränkt schneiden

Neben dem Umweltvorteil sprechen auch logistische Vorteile für Linerless, betont Wiggers. Durch die Abwesenheit des Trägerpapiers können aus einer gleich groβen Rolle viel mehr Etiketten als bei herkömmlichen Selbstklebeetiketten produziert werden, da die Etiketten naturgemäß dünner sind. Durch die Abwesenheit des maßgeblichen Rückenpapiers ist der Verbraucher nicht an ein vorgegebenes Format gebunden. Auch das wirke sich positiv auf die Umwelt aus: „Einzelhändler müssen oft eine unterschiedliche Menge an Information auf das Etikett drucken. Wenn man da immer Etiketten derselben Größe hat, hat man mit weniger Zeilen relativ viel Leerraum. Das Problem gibt es bei Linerless nicht, da man das Etikett nach Maß schneiden kann.“

Nach Wiggers hängt der Durchbruch von Linerless-Labels davon ab, wann beispielsweise ein großes Unternehmen im Markt den ersten Schritt macht und andere dann nachziehen. Der Marktanteil von Linerless-Labels sei insgesamt aber noch sehr klein: „Wenn aber ein großer Supermarktkonzern umsteigt, folgt die Konkurrenz wahrscheinlich auch innerhalb von sechs Monaten. Konzerne müssen aber investieren wollen“, so meint Bongertmann anschließend. „Abgesehen vom Etikettenpapier braucht man auch andere Etikettenmaschinen. Alleine deshalb schon, weil das Silikon-Papier nicht mehr zurückgeführt werden muss.“

Letztendlich gibt es noch einen Maschinenvorteil mit trägerlosen Etiketten, signalisiert Wiggers: „Die Maschine kann bis zu 30 Prozent mehr Drehstunden machen, weil der Druckkopf durch die Silikonenschicht auf dem Etikett geschont wird. Die einzige Beschränkung, die wir auch bei anderen Anbietern vornehmen, ist, dass man nur eckige Etiketten produzieren kann, weil sie in der Maschine geschnitten werden müssen. Runde oder sonstige Etikettenformen sind mit dieser Technik nicht möglich, weil sie gestanzt werden müssten.“

Mit Linerless-Labels kann einfach die Größe des Etiketts gewechselt werden. (Foto: Kruisselbrink)
In der Hybridmaschine von Maan kann die Hotmeltbeschichtungseinheit um 180 Grad gedreht werden. (Foto: Kruisselbrink)
Auf der Ravenwood-Maschine kann sowohl Papier, Karton als auch Folie verarbeitet werden. (Foto: Kruisselbrink)

Hybride Etikettenproduktion

Im Bereich der Etikettenproktion zeigt die niederländische Firma Maan Engineering eine Neuigkeit, die Hybrid Lamination Coating Line. Mit der neuen Hybrid-Technologie in der Beschichtungslinie können sowohl Etiketten-Laminate als auch Linerless-Etiketten hergestellt werden. Dabei bildet die Silikonbeschichtungsstation zusammen mit der Hotmeltbeschichtungsstation den Kern der Maschine.

Die neue Hybridtechnik bezieht sich übrigens nur auf die Hotmeltbeschichtungsstation. Die Hybridmaschine kann nämlich in einer Viertelstunde umgebaut werden auf die Produktion von Linerless-Labels oder umgekehrt auf selbstklebende Etiketten. Dafür braucht man die Hotmeltbeschichtungseinheit nur um 180 Grad zu drehen. Damit wird die Laufrichtung des Etikettenpapiers umgedreht. Im Falle eines selbstklebenden Etiketts wird die Hotmeltschicht nämlich auf derselben Seite aufgetragen als die Silikonschicht. Beim trägerlosen Etikett ist es genau auf der anderen Seite.

Keine Nische mehr

Vor zwei Jahren sorgte das britische Unternehmen Ravenwood unter der Leitung von Paul Beamisch für Aufsehen im Linerless Trail. Der eigenwillige Unternehmer war vorher beim britischen Supermarktkonzern Tesco tätig und wusste daher genau, welche Etiketten die Supermarktkonzerne benötigen, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Ravenwood produziert Maschinen für Wrap-Around-Etiketten für beispielsweise Tiefziehverpackungen für Fleisch oder Gemüse. Es können sowohl Papier, Karton wie auch Folie auf der Maschine verarbeitet werden. Die Etiketten werden nur an einigen Stellen mit Klebstoff versehen, wonach sie mit einem Ravenwood-Etikettierer auf einer großen Zahl von Packmitteln aufgebracht werden können. Ravenwood stellt ein enormes Wachstum bei Linerless-Labels fest. „Vor zwei Jahren war es noch ein Nischenprodukt, oder man sah es als eine britische Besonderheit an“, so ein Mitglied er Standbesatzung. „Aber das ist jetzt vorbei.“

Neue Beschichtung

Evonik stellte mit Tego RC 1717 eine neue Beschichtung für thermische Linerless-Labels vor. Kostengünstig dabei ist, dass kein premium-beschichtetes Papier mehr für den Thermodruck von Etiketten notwendig ist, sondern eine einfache Papiersorte ausreicht. „Die oberste Schicht hat normalerweise eine Barrierefunktion, damit man eine gute Qualität des Druckbildes bekommt. Sie verhindert nämlich, dass zu viel Silikon vom Papier absorbiert wird. Das Silikon könnte sonst in die thermosensitive Schicht migrieren und die Farbentwicklung beim Drucken zerstören. Weiterhin ist die oberste Schicht dafür zuständig, dass keine Kleber- oder Druckfarbenkomponente in die thermosensitive Schicht migrieren“, so die Erklärung von Technical Manager Radiation Curing, Jürgen Pomorin. Thermische Etiketten haben nämlich eine thermosensitive Papier- oder Foliensorte als Basis, da das Etikett mithilfe von Hitze in der Thermodruckmaschine gedruckt wird. Ein regulär beschichtetes thermisches Linerless-Label ist zusammengesetzt aus einem Basispapier mit einem Vorstrich, einer thermosensitiven Schicht, einer oberen Beschichtung und einer Silikonschicht. Durch das neue Coating wird die obere Beschichtung überflüssig. Auf dem Basispapier kommt jetzt oben auf den Vorstrich eine thermosensitive Schicht und die Tego RC Schicht mit speziellen Barriereeigenschaften. Das besonders preiswerte Thermopapier bietet also neben ökologischen einen weiteren ökonomischen Vorteil für die RC-Technologie von Evonik. Aufgrund dieses Preisaspektes hat Evonik vor allem den Supermarktbereich im Visier, wo dieses Papier oft für Preisetiketten verwendet wird. Im logistischen Bereich spielt der Preis eine noch viel wichtigere Rolle, weil da die Gewinnspanne noch kleiner ist. Übrigens ist Evonik schon seit sieben Jahren im Linerless-Bereich tätig.

Integriertes Angebot

Kanzan Spezialpapiere aus Düren stellte zum ersten Mal auf dem Linerless Trail aus. Bernhard Tippmann ist Paper Engineer Regional Sales and Business Unit Manager. „Wir haben schon seit einiger Zeit zwei Linerless-Etikettenpapiersorten im Sortiment, aber kommen hier jetzt erst groß mit raus.“ Tippmann signalisiert auch ein enormes Wachstum im Bereich der Linerless-Etiketten in den letzten zwei Jahren. „Es gibt wohl schon viele Applikationen im pharmazeutischen und logistischen Bereich. Das Wachstum wird jetzt, so Tippmann, vor allem durch den kollektiven Fokus von Maschinen-, Papier-, Klebstoff- und Beschichtungsherstellern gefördert. Es ist noch nicht so lange her, dass individuelle Hersteller nur individuelle Lösungen in ihrem eigenen Bereich bieten konnten. Jetzt aber treten die Hersteller mehr als Kollektiv auf. Dabei gibt es, wenn es um eckige Etiketten geht, fast keine Grenzen für die Applikation.“

Die neuen Beschichtungen von Mitsubishi sind phenol- und damit geruchsfrei. (Foto: Kruisselbrink)

Die neuen Beschichtungen von Mitsubishi sind phenol- und damit geruchsfrei. (Foto: Kruisselbrink)

Geruchsfrei

Mitsubishi Papermill aus Bielefeld stellte ebenfalls zwei neue Linerless-Etikettenpapiere in Brüssel vor. Dabei wird die Silikonschicht von einem anderen Hersteller bezogen. Thermoscript LL 7077 und LL 8077 sind phenol- und damit geruchsfrei. Mitsubishi sieht daher mit dem neuen Etikettenpapier vor allem Möglichkeiten für mit Folie beschichtete Tiefziehverpackungen für Fleischwaren und Gemüse, da es in den Fällen besonders wichtig ist, dass der Kunde keine fremden Gerüche wahrnimmt.

Neue Hotmelt-Serie

Henkel entwickelte in Zusammenarbeit mit Novamelt eine spezielle Hotmelt-Serie für trägerlose Etiketten. Dabei hat man drei Varianten entwickelt. Technomelt PS 8707 en 8751 sind für „No-Label-Look“-Etiketten entwickelt. Weiter hat Henkel Novamelt PS 1007 für thermische Papieretiketten im Logistikbereich auf den Markt gebracht. Schließlich gibt es jetzt auch Technomelt PS 1209 mit denselben Applikationen wie PS 1007, sodass sie auch für Blutbeutel im Arzneibereich verwendet werden können.

Autor

Erik Kruisselbrink

Unternehmen

Tarsus Exhibitions Ltd.

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Vereinigtes Königreich

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