Wie Digitalisierung den Maschinenbau verändert
Hochschule Neubrandenburg erweitert Verpackungs- und Automatisierungslehre zum digitalen Zwilling
Die Hochschule Neubrandenburg bringt den digitalen Zwilling in die Lehre: Mit 3D Simulation, virtueller Inbetriebnahme und realer SPS koppelt sie Theorie und Praxis. So lernen Studierende, moderne Verpackungs- und Intralogistikprozesse realitätsnah zu gestalten.
Mithilfe von digitalen Zwillingen können Studierende reale Wertschöpfungsketten nachbilden und erproben, ohne den Risiken und begrenzenden Rahmenbedingungen einer physischen Produktionslinie ausgesetzt zu sein.
Hochschule Neubrandenburg
Die
Verpackungsindustrie steht für präzise Prozesse, automatisierte Materialflüsse
und immer digitaler werdende Steuerungstechnik. Um Studierende gezielt auf diese Anforderungen
vorzubereiten, hat die Hochschule Neubrandenburg nun ihr Lehrangebot erweitert:
Die virtuelle Inbetriebnahme einer Transportlinie mit Stationen.
Mit der
3D-Simulationsumgebung „Factory I/O“ werden intralogistische Planungen und
Verpackungsprozesse zunächst digital entworfen, KI-gestützt analysiert und
anschließend per SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) direkt in reale
Anlagen überführt. Ein neu angeschaffter 4-Achs-Roboter bildet dabei die
praxisnahe Brücke zwischen digitalem Zwilling und physischer Station.
So schafft es der digitale Zwilling von der Theorie
direkt in die Praxis
Im
Zentrum des Lehrkonzepts steht das Prinzip einer offenen, modularen
Automatisierung, wie es moderne Produktionsbetriebe prägt. Virtuelle Fabriken
und digitale Zwillinge senken Einstiegshürden, machen Prozesse anschaulich und
ermöglichen es, Fehlerbilder reproduzierbar zu untersuchen. Iterationen können
schnell, sicher und effizient durchgespielt werden, ohne dass reale Anlagen
stillgesetzt werden müssen. Das Gelernte ist direkt auf die Praxis übertragbar,
insbesondere in den Studienbereichen Lebensmitteltechnik und
Verpackungstechnologie. Auf diese Weise entsteht ein Lernraum, in dem
Studierende reale Wertschöpfungsketten nachbilden und erproben können, ohne den
Risiken und begrenzenden Rahmenbedingungen einer physischen Produktionslinie
ausgesetzt zu sein.
Die
Software dient dabei als zentrale Lernplattform für Intralogistik und
Verpackungstechnik. Sie stellt in einer virtuellen 3D-Umgebung die wesentlichen
Komponenten intralogistischer Systeme bereit, darunter Fördertechnik, Sensorik,
Pusher, Weichen sowie Emitter und Remover. Werkstücke können virtuell stauen,
kippen und kollidieren wie im realen Betrieb.
Der
Ansatz der Hochschule liegt in der nahtlosen Kopplung von virtueller Planung
und Übertragung in die reale Umgebung der Industrie- mittels SPS-Steuertechnik.
Signale werden durch präzises I/O-Tagging zugeordnet, sodass deren Auswirkungen
in Echtzeit beobachtet werden können.
Eine Szenario-
und Komponentenbibliotheken soll den Einstieg in die Arbeit mit der
Simulationsumgebung erleichtern und standardisierte Aufgabenstellungen
ermöglichen.
Die hochschuldidaktische
Implementierung der Software „Factory I/O“ mit der Möglichkeit von virtuellen Inbetriebnahmen von Produktionslinien
ist in zwei Digitalisierungsprojekte eingebettet, in das Projekt „Digitale
Transformation – Digitalisierung der Prozess- und Intralogistik-Ausbildung“
unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Volker Scheuerle sowie in das Projekt „Digitalisierte
Lehre in der Automatisierungstechnik durch Steuerungsprogrammierung in
emulierter Umgebung“ unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Heralt Schöne.
Unterstützung erhielt das Projektteam von SPS4You, und hier insbesondere von
Florian Stöger, der die Umsetzung bei Detailfragen eng begleitete.
Studierende gestalten digitale Lehrformate mit
Factory
I/O ist inzwischen fester Bestandteil von Lehreinheiten und Praktika, wobei das
kontinuierliche Feedback der Studierenden in die Weiterentwicklung weiterer
digitaler Lehrformate einfließt. Die positive Wirkung zeigt sich sowohl in der
Lehre als auch im Transfer: Studierende bauen funktionsfähige virtuelle
Anlagen, analysieren fundiert Fehlerbilder und überführen getestete Steuerungen
kontrolliert in reale Versuche. Das senkt Risiken bereits im Labor, verkürzt
Inbetriebnahmezeiten und stärkt genau jene Kompetenzen, die in modernen
Verpackungslinien und in der Intralogistik gefragt sind. Die Hochschule
Neubrandenburg etabliert damit eine Ausbildung, die den aktuellen Stand der Intralogistik
und Verpackungsautomatisierung realitätsnah abbildet. Die virtuelle Inbetriebnahme
wird so vom Schlagwort zum belastbaren Werkzeug im Studienalltag und zur Brücke
in die industrielle Produktion.