Fraunhofer IML und Igepa kooperieren bei Kartonsetoptimierung
Software CASTN soll Versandprozesse optimieren
Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und die Igepa Group unterstützen Unternehmen bei der Optimierung ihrer Versandverpackungen. Im Zentrum der Partnerschaft steht die KI-gestützte Software CASTN (Carton Set Optimization). Sie wird von der Igepa Group künftig als erster Drittanbieter in Deutschland und Europa als Service angeboten.
Zu groß, zu ineffizient und zu teuer: überdimensionierte Kartongrößen.
Sebastian Beierle
Der Versandhandel steht unter zunehmendem Druck,
Verpackungsprozesse effizienter und nachhaltiger zu gestalten.
Überdimensionierte Kartons, hoher Füllmaterialeinsatz und steigende
Transportkosten verursachen nicht nur zusätzliche Ausgaben, sondern belasten
auch die Umwelt. Gleichzeitig verschärfen regulatorische Anforderungen den
Handlungsbedarf: Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sieht ab 2030 eine
maximale Leerraumquote von 50 % in Versandkartons vor.
Hier setzt CASTN an. Die vom Fraunhofer IML entwickelte
Software analysiert Versanddaten und ermittelt ein optimales Standardkartonset.
Ziel ist es, mit möglichst wenigen Kartongrößen eine hohe Volumenauslastung zu
erzielen. Dadurch sollen Materialverbrauch, Überverpackung und Versandkosten
reduziert sowie die Einhaltung regulatorischer Vorgaben erleichtert werden.
Vier Jahre Entwicklungszeit
„Mit CASTN stellen wir unseren Kunden erstmals eine
intelligente Lösung zur Verfügung, mit der sie ihre Verpackungsstrategie
gezielt auf Effizienz und Nachhaltigkeit ausrichten können“, erklärt Bernd
Loschelder, Geschäftsbereichsleiter Packaging bei der Igepa Group. Das Fraunhofer IML entwickelte die Software über einen
Zeitraum von vier Jahren mit dem Ziel, den Einsatz überdimensionierter Kartons
zu reduzieren und nachhaltigere Versandprozesse zu fördern. „Mit der Igepa Ggroup
gewinnen wir einen starken Partner mit umfassender Marktkenntnis und direktem
Zugang zu Unternehmen“, sagt Lukas Lehmann, Projektleiter am Fraunhofer
IML. Die Kooperation sei ein wichtiger Schritt, um CASTN einer breiteren
Anwendergruppe zugänglich zu machen.
Die Igepa Group integriert die Software in ihr
Leistungsportfolio und begleitet Kunden von der Analyse bestehender
Versandstrukturen bis hin zur Bereitstellung passender Verpackungslösungen.
Nach Angaben der Partner sollen Versandprozesse damit stärker datenbasiert
geplant werden. Statt Kartongrößen nach Erfahrungswerten auszuwählen, können
Unternehmen ihren tatsächlichen Bedarf analysieren und ihre
Verpackungsstrategie gezielt darauf ausrichten.
Seit dem Produkt-Launch im Februar 2026 stößt CASTN laut den
Kooperationspartnern auf Interesse bei Logistikdienstleistern, Onlinehändlern
sowie Anbietern von Förder-, Lager- und Verpackungstechnik. Durch die
frühzeitige Analyse des Bedarfs an Kartongrößen sollen Unternehmen zudem
Förderanlagen und Verpackungsmaschinen besser auf ihr optimales Kartonset
abstimmen und Investitionen gezielter planen können.