Vergleich Odol-Flaschen

Die klassische Seitenhalsflasche hat sich über die vielen Jahrzehnte nur wenig verändert. (Bild: GlaxoSmithKline Consumer Healthcare / Haleon)

Erfinder des medizinischen Mundwassers, dem ätherische Öle und ein Antiseptikum beigemischt wurden, war Prof. Richard Seifert (1861 bis 1919). Karl August Lingner nun brachte Odol Mundwasser 1893 in Dresden auf den Markt. Der Name Odol entstand dabei aus dem griechischen Odous = Zahn und dem lateinischen Oleum = Öl. Eine auch aus heutiger Sicht geniale Wortschöpfung: kurz, prägnant und einprägsam und dabei in nahezu allen Sprachen leicht auszusprechen

Robert Koch und Louis Pasteur hatten gerade die Bakterien als Krankheitserreger entdeckt. Mit der wissenschaftlich begründeten Rezeptur aus wertvollen ätherischen Ölen und einem mild antibakteriell wirkenden Stoff entsprach das damalige Odol also den Ansprüchen der Zeit. Was damals noch niemand ahnen konnte: Odol wurde zum Wegbereiter der allgemeinen Mundhygiene und hat in Deutschland auch die Markenartikel-Bewegung maßgeblich angestoßen und beeinflusst.

Die Seitenhalsflasche – ein Verpackungsklassiker

Die unverwechselbare Seitenhalsflasche wurde um 1900 patentiert und ist heute einer der Verpackungsklassiker schlechthin. Frühe Zeitungswerbung und zahlreiche Slogans wie „Atem ist Leben“ (1963), „Odol, absolut bestes Mundwasser der Welt“ (1893) oder „Zeige mir deine Zähne, und ich will dir sagen, wer du bist“ (1929) begleiteten den stetigen Aufstieg des Markenproduktes.

Während die Form der Seitenhalsflasche im Laufe der Jahre nur minimal verändert wurde, entsprachen das Etikettendesign und der Verschluss dem jeweiligen Stand der Technik (Metall, Bakelit oder Polymerkunststoffe).

In der Gestalt kaum verändert, ist die Odol Flasche ein Symbol für erfolgreiche Markentechnik geworden. Gekonnt inszenierte Werbekampagnen waren zudem richtungsweisend für die Werbung. Viele der damaligen Anzeigen wurden von prominenten zeitgenössischen Künstlern, wie Franz von Stuck gestaltet. Giacomo Puccini schrieb sogar eine Ode an Odol. Die Motive änderten sich im Laufe der Zeit, und über den deutschen Städten kreiste der Odol Zeppelin. Die Künstler wiederum entdeckten das markante Profil der Marke auch für sich: 1923 etwa malte der Amerikaner Stuart Davis das berühmte Odol Bild. Als Vorläufer der Pop-Art ist ihm ein ständiger Platz im Museum of Modern Art in New York reserviert!

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Dresdner Lingner Werke völlig zerstört, der verbliebene Rest enteignet und auch die Auslandsunternehmen gingen verloren. Der Firmensitz wurde nach Düsseldorf verlegt. 1950 wurde in Düsseldorf-Oberbilk unter Prof. Ernst Schneider in einer Notunterkunft wieder mit der Produktion von Odol begonnen. Bereits 1957 wurde in Düsseldorf-Holthausen ein neues Werk bezogen und ein paar Jahre später war Odol in der damaligen BRD mit drei Millionen Flaschen Marktführer mit über 50 % Marktanteil. 1974 übernahm die englische Beecham Gruppe die Lingner Werke und führte sie mit der im badischen Bühl ansässigen Firma Fischer + Fischer GmbH zur Firma Lingner + Fischer zusammen.

Heute gehört Odol nach diversen Fusionen zum Portfolio des Pharmariesen Glaxo Smith Kline Consumer Healthcare und fungiert als Dachmarke für zahlreiche Zahnpflegeprodukte rund um die 1989 eingeführte Marke Odol-med3.

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