Es wird wieder auf Alu umgestellt
Barriereproblem: Nespresso gibt Papierkapsel auf
Nach nur wenigen Jahren beendet Nespresso sein Angebot heimkompostierbarer Kaffeekapseln auf Papierbasis. Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem die begrenzte Haltbarkeit und Erfahrungen der Kunden mit dem Produkt. Künftig setzt die Nestlé-Tochter wieder vollständig auf Aluminiumkapseln und deren Recycling.
Markteinführung der papierbasierten Kapseln in Deutschland war Ende 2024.
Nespresso
Nespresso zieht einen Schlussstrich unter seine Kaffeekapseln auf Papierbasis. Die Nestlé-Tochter stellt die sogenannte Paper-Based Collection ein und will sich künftig wieder auf ihr Sortiment aus Aluminium konzentrieren. Das bestätigt das Unternehmen inzwischen auch in seinem Kundenservice-Bereich.
Die papierbasierten Kapseln waren nach rund drei Jahren Entwicklungsarbeit zunächst 2023 in der Schweiz und Frankreich auf den Markt gekommen. Später wurde das Angebot auf insgesamt 14 europäische Märkte ausgeweitet. In Deutschland startete Nespresso zunächst 2024 in ausgewählten Boutiquen, bevor die Kapseln Anfang 2025 breiter eingeführt wurden.
Haltbarkeit als Schwachpunkt
Nach Angaben des Unternehmens lieferten die Erfahrungen mit der neuen Verpackung wichtige Erkenntnisse insbesondere zur begrenzten Haltbarkeit und zum allgemeinen Produkterlebnis. Nespresso sieht Aluminium deshalb weiterhin als besser geeignet an, um Geschmack und Aroma des Kaffees zu schützen.
Ein wesentlicher Unterschied lag in der Barrierewirkung. Die Papierkapseln bestanden zu 82 % aus Papierzellstoff. Eine dünne biologisch abbaubare Beschichtung im Inneren sollte den Kaffee vor Sauerstoff schützen. Zusätzlich wurden die Kapseln in einem versiegelten Beutel verpackt, der den Inhalt vor Feuchtigkeit schützen sollte. Ungeöffnet gab Nespresso eine Haltbarkeit von sechs Monaten an. Nach dem Öffnen des Beutels sollten die Kapseln innerhalb von vier Wochen verbraucht werden.
Für Aluminiumkapseln nennt das Unternehmen demgegenüber einen Schutz des Kaffees vor Licht, Luft und Feuchtigkeit von bis zu einem Jahr.
Papier war nicht automatisch klimafreundlicher
Nespresso widerspricht zugleich der Einschätzung, die Rückkehr zum Aluminium bedeute zwangsläufig einen Rückschritt bei der Nachhaltigkeit. Bereits bei Einführung der Papierkapseln habe das Unternehmen darauf hingewiesen, dass beide Lösungen eine vergleichbare Umweltbilanz hätten.
Nach einer von Nespresso beauftragten Lebenszyklusanalyse, auf die SRF verweist, verursachte eine Tasse Espresso mit Papierkapsel demnach rund 79 g CO2-Äquivalente. Bei der Aluminiumkapsel waren es rund 81 g.
Nespresso will seine Nachhaltigkeitsaktivitäten deshalb stärker auf das Recycling der Aluminiumkapseln konzentrieren und die Entsorgung zunehmend in bestehende Sammelsysteme integrieren. In der Schweiz liegt die Recyclingquote für Kapseln im Haushaltsbereich nach Angaben des Unternehmens bei 73 %. In Frankreich könnten inzwischen rund 80 % der Bevölkerung gebrauchte Nespresso-Kapseln über reguläre Wertstoffsammlungen entsorgen.
Kompostierbare Alternativen bleiben am Markt
Das Ende der Nespresso-Lösung bedeutet allerdings nicht das Aus für kompostierbare Kaffeekapseln insgesamt. Andere Hersteller bieten weiterhin entsprechende Systeme für Nespresso-Original-Maschinen an. Der Anbieter Die Kaffeefreunde etwa vertreibt Kapseln aus pflanzlichen Materialien, die nach eigenen Angaben vollständig kompostierbar sind. Sie sind für Maschinen des Nespresso-Original-Systems vorgesehen, nicht jedoch für Vertuo-Geräte. Auch im Handel sind weitere kompostierbare Kapselsysteme erhältlich.
Restbestände der Nespresso-Papierkapseln werden noch abverkauft. Auf der deutschen Nespresso-Website wurde zuletzt zumindest eine Sorte der Paper-Based Collection mit dem Hinweis „Letzte Chance“ angeboten.