Papier statt Folie? Der Materialwechsel in der Verpackung ist komplexer als oft gedacht. Warum enge Kooperationen zwischen Materiallieferanten und Maschinenherstellern zunehmend zum Schlüssel für marktfähige Innovationen werden. Ein Praxisbeispiel.
Ingo KaiserIngoKaiserMarketing Communication Specialist
Sappi Europe
2 min
Die besondere Herausforderung: der Doppeldreheischlag.OpenAI
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Während die
Verpackungsindustrie ihre Suche nach nachhaltigeren Lösungen beschleunigt, wird
eine Erkenntnis immer deutlicher: Die Entwicklung eines neuen
Verpackungsmaterials ist nur ein Teil der Herausforderung.
Für viele Anwendungen
hängt der Erfolg ebenso stark davon ab, wie sich dieses Material auf
bestehenden Verpackungslinien verhält. Dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen
Materiallieferanten und Maschinenherstellern zu einem zunehmend wichtigen
Treiber für Verpackungsinnovationen.
Besonders deutlich zeigt
sich dieser Trend bei Verpackungen für Süßwaren, wo der Doppeldreheinschlag nach
wie vor zu den technisch anspruchsvollsten Anwendungen der Branche zählt. Das
Format erfordert ein präzises Materialverhalten beim Verdrehen, eine
zuverlässige Maschinenleistung bei hohen Geschwindigkeiten sowie die optische
Attraktivität der Verpackung, die Marken und Verbraucher erwarten.
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In der Vergangenheit
haben diese Anforderungen herkömmliche Verpackungsmaterialien begünstigt.
Wachsende Nachhaltigkeitsverpflichtungen, regulatorische Entwicklungen und
steigende Verbrauchererwartungen erhöhen jedoch das Interesse an
papierbasierten Alternativen. Die Herausforderung besteht darin, dass der
Austausch eines Materials gegen ein anderes nur selten einfach ist.
Papierbasierte Lösung
für den Doppeldreheinschlag
Ein Beispiel dafür ist
die Zusammenarbeit zwischen dem Papierhersteller Sappi und dem Verpackungsmaschinenspezialisten
ACMA. Die Unternehmen arbeiten gemeinsam daran, papierbasierte Lösungen für den
Doppeldreheinschlag von Süßwaren zu entwickeln und zu validieren. Dabei
verbinden sie Materialexpertise und Maschinenbau-Knowhow, um den praktischen
Anforderungen der industriellen Produktion gerecht zu werden.
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Gab's auf der Messe Interpack: Sappi-Bonbons.Sappi
Roberto Lattarulo,
Marketing Manager bei ACMA: „Um Kunden beim Materialwechsel zu unterstützen,
müssen Maschinenbauer und Materiallieferanten eng zusammenarbeiten. Mit Sappi
ist daraus eine echte Partnerschaft entstanden, in der ein kontinuierlicher
Austausch sicherstellt, dass Materialien und Maschinen optimal
zusammenspielen.“
Roberto Lattarulo ist Marketing Manager bei ACMA.ACMA
Anstatt Materialien und
Maschinen unabhängig voneinander zu entwickeln, haben sich die beiden
Unternehmen darauf konzentriert, Materialeigenschaften und
Maschinenanforderungen bereits in den frühesten Entwicklungsphasen aufeinander
abzustimmen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass papierbasierte
Verpackungslösungen die Maschinengängigkeit, Effizienz und
Produktschutzleistung bieten, die in kommerziellen Produktionsumgebungen
erforderlich sind.
Für Markenartikel-Hersteller
ist dies ein entscheidender Faktor. Nachhaltigkeitsvorteile allein reichen nur
selten aus, um einen Materialwechsel zu rechtfertigen. Neue Lösungen müssen
sich auch in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen, ohne
Produktivität, Produktqualität oder Verpackungsleistung zu beeinträchtigen.
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Guard Twist kombiniert Produktschutz, Maschinengängigkeit, optische Qualität und Prozessstabilität miteinander.
Alessio Broccanello, Product Development Engineer bei Sappi
Neues Material Guard
Twist entwickelt
Dies gilt insbesondere
für Anwendungen im Doppeldreheinschlag, bei denen Materialien während des
Verpackungsprozesses erheblichen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind. Papierbasierte
Alternativen müssen Flexibilität, Festigkeit, Druckqualität und Twist-Retention
miteinander vereinen und zugleich eine stabile Maschinenleistung gewährleisten.
Um diesen Anforderungen
gerecht zu werden, hat Sappi Guard Twist entwickelt, ein Barrierepapier, das
speziell für Twist-Wrapping-Anwendungen konzipiert wurde. Das Material
verbindet Maschinengängigkeit und Barrierefunktionalität mit hochwertiger
Druckleistung und verfügt über eine spezielle Beschichtung, die den Glanz
erhöht und gleichzeitig dazu beiträgt, Rissbildung beim Verdrehen zu vermeiden.
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„Guard Twist wurde
entwickelt, um die spezifischen Anforderungen des Doppeldreheinschlags zu
erfüllen, indem es Produktschutz, Maschinengängigkeit, optische Qualität und
Prozessstabilität miteinander kombiniert“, sagt Alessio Broccanello, Product
Development Engineer bei Sappi. „Die enge Zusammenarbeit mit ACMA war
entscheidend, um eine zuverlässige Leistung auf der Maschine sicherzustellen.“
Die Partnerschaft
verdeutlicht zugleich einen umfassenderen Wandel in der Art und Weise, wie
Verpackungsinnovationen entwickelt und validiert werden. Durch gemeinsame
Testprogramme können Materialien direkt auf kommerziellen Verpackungsmaschinen
bewertet werden. Dadurch können Entwicklungsteams die Leistung unter realen
Produktionsbedingungen schnell beurteilen.
Trend entlang der
Wertschöpfungskette
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Dieser Ansatz hilft,
Unsicherheiten für Verarbeiter und Markeninhaber zu reduzieren und zugleich den
Entwicklungszyklus zu beschleunigen. Mehrere Versuche können an einem einzigen
Tag durchgeführt werden, sodass sowohl Material- als auch Maschinenparameter
gleichzeitig optimiert werden können.
Doppeldrehwickler für flache und runde Schokoladenartikel, Bonbons und Geleewaren.ACMA
Gleichzeitig
konzentrieren sich Maschinenhersteller zunehmend auf Lösungen, die eine
schrittweise Einführung unterstützen. Während neue Maschinenplattformen bereits
mit Blick auf papierbasierte Materialien entwickelt werden, spielen auch
Technologien eine wichtige Rolle, die es ermöglichen, alternative Materialien
auf bestehenden Anlagen zu verarbeiten. So können Hersteller neue
Verpackungsformate erproben, ohne ihre installierte Maschinenbasis vollständig
ersetzen zu müssen.
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Die Zusammenarbeit
zwischen Sappi und ACMA steht beispielhaft für einen breiteren Trend entlang
der gesamten Verpackungswertschöpfungskette. Je anspruchsvoller die
Nachhaltigkeitsanforderungen werden, desto stärker verlagert sich Innovation
weg von einzelnen Produkten und Technologien hin zu integrierten Lösungen, die
bereichsübergreifend und auf Basis unterschiedlicher Fachkompetenzen entwickelt
werden.
Partnerschaften werden perspektivisch immer wichtiger
Fazit: Für die
Verpackungsindustrie ist die Schlussfolgerung klar: Der Erfolg künftiger
Materialien wird nicht allein von ihren ökologischen Eigenschaften abhängen,
sondern ebenso von ihrer Fähigkeit, im industriellen Maßstab zuverlässig zu
funktionieren Und: Partnerschaften zwischen Materiallieferanten und
Maschinenherstellern dürften perspektivisch eine immer wichtigere Rolle dabei
spielen, Innovationen in marktfähige Lösungen zu überführen.