ACMA und Sappi packen gemeinsam Süßwaren ein

Innovation braucht Material und Maschine

Papier statt Folie? Der Materialwechsel in der Verpackung ist komplexer als oft gedacht. Warum enge Kooperationen zwischen Materiallieferanten und Maschinenherstellern zunehmend zum Schlüssel für marktfähige Innovationen werden. Ein Praxisbeispiel.

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Die besondere Herausforderung: der Doppeldreheischlag.

Während die Verpackungsindustrie ihre Suche nach nachhaltigeren Lösungen beschleunigt, wird eine Erkenntnis immer deutlicher: Die Entwicklung eines neuen Verpackungsmaterials ist nur ein Teil der Herausforderung.

Für viele Anwendungen hängt der Erfolg ebenso stark davon ab, wie sich dieses Material auf bestehenden Verpackungslinien verhält. Dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen Materiallieferanten und Maschinenherstellern zu einem zunehmend wichtigen Treiber für Verpackungsinnovationen.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei Verpackungen für Süßwaren, wo der Doppeldreheinschlag nach wie vor zu den technisch anspruchsvollsten Anwendungen der Branche zählt. Das Format erfordert ein präzises Materialverhalten beim Verdrehen, eine zuverlässige Maschinenleistung bei hohen Geschwindigkeiten sowie die optische Attraktivität der Verpackung, die Marken und Verbraucher erwarten.

In der Vergangenheit haben diese Anforderungen herkömmliche Verpackungsmaterialien begünstigt. Wachsende Nachhaltigkeitsverpflichtungen, regulatorische Entwicklungen und steigende Verbrauchererwartungen erhöhen jedoch das Interesse an papierbasierten Alternativen. Die Herausforderung besteht darin, dass der Austausch eines Materials gegen ein anderes nur selten einfach ist.

Papierbasierte Lösung für den Doppeldreheinschlag

Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit zwischen dem Papierhersteller Sappi und dem Verpackungsmaschinenspezialisten ACMA. Die Unternehmen arbeiten gemeinsam daran, papierbasierte Lösungen für den Doppeldreheinschlag von Süßwaren zu entwickeln und zu validieren. Dabei verbinden sie Materialexpertise und Maschinenbau-Knowhow, um den praktischen Anforderungen der industriellen Produktion gerecht zu werden.

Gab's auf der Messe Interpack: Sappi-Bonbons.

Roberto Lattarulo, Marketing Manager bei ACMA: „Um Kunden beim Materialwechsel zu unterstützen, müssen Maschinenbauer und Materiallieferanten eng zusammenarbeiten. Mit Sappi ist daraus eine echte Partnerschaft entstanden, in der ein kontinuierlicher Austausch sicherstellt, dass Materialien und Maschinen optimal zusammenspielen.“

Roberto Lattarulo ist Marketing Manager bei ACMA.

Anstatt Materialien und Maschinen unabhängig voneinander zu entwickeln, haben sich die beiden Unternehmen darauf konzentriert, Materialeigenschaften und Maschinenanforderungen bereits in den frühesten Entwicklungsphasen aufeinander abzustimmen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass papierbasierte Verpackungslösungen die Maschinengängigkeit, Effizienz und Produktschutzleistung bieten, die in kommerziellen Produktionsumgebungen erforderlich sind.

Für Markenartikel-Hersteller ist dies ein entscheidender Faktor. Nachhaltigkeitsvorteile allein reichen nur selten aus, um einen Materialwechsel zu rechtfertigen. Neue Lösungen müssen sich auch in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen, ohne Produktivität, Produktqualität oder Verpackungsleistung zu beeinträchtigen.

Guard Twist kombiniert Produktschutz, Maschinengängigkeit, optische Qualität und Prozessstabilität miteinander.

Alessio Broccanello, Product Development Engineer bei Sappi

Neues Material Guard Twist entwickelt

Dies gilt insbesondere für Anwendungen im Doppeldreheinschlag, bei denen Materialien während des Verpackungsprozesses erheblichen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind. Papierbasierte Alternativen müssen Flexibilität, Festigkeit, Druckqualität und Twist-Retention miteinander vereinen und zugleich eine stabile Maschinenleistung gewährleisten.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Sappi Guard Twist entwickelt, ein Barrierepapier, das speziell für Twist-Wrapping-Anwendungen konzipiert wurde. Das Material verbindet Maschinengängigkeit und Barrierefunktionalität mit hochwertiger Druckleistung und verfügt über eine spezielle Beschichtung, die den Glanz erhöht und gleichzeitig dazu beiträgt, Rissbildung beim Verdrehen zu vermeiden.

„Guard Twist wurde entwickelt, um die spezifischen Anforderungen des Doppeldreheinschlags zu erfüllen, indem es Produktschutz, Maschinengängigkeit, optische Qualität und Prozessstabilität miteinander kombiniert“, sagt Alessio Broccanello, Product Development Engineer bei Sappi. „Die enge Zusammenarbeit mit ACMA war entscheidend, um eine zuverlässige Leistung auf der Maschine sicherzustellen.“

Die Partnerschaft verdeutlicht zugleich einen umfassenderen Wandel in der Art und Weise, wie Verpackungsinnovationen entwickelt und validiert werden. Durch gemeinsame Testprogramme können Materialien direkt auf kommerziellen Verpackungsmaschinen bewertet werden. Dadurch können Entwicklungsteams die Leistung unter realen Produktionsbedingungen schnell beurteilen.

Trend entlang der Wertschöpfungskette

 

Dieser Ansatz hilft, Unsicherheiten für Verarbeiter und Markeninhaber zu reduzieren und zugleich den Entwicklungszyklus zu beschleunigen. Mehrere Versuche können an einem einzigen Tag durchgeführt werden, sodass sowohl Material- als auch Maschinenparameter gleichzeitig optimiert werden können.

Doppeldrehwickler für flache und runde Schokoladenartikel, Bonbons und Geleewaren.

Gleichzeitig konzentrieren sich Maschinenhersteller zunehmend auf Lösungen, die eine schrittweise Einführung unterstützen. Während neue Maschinenplattformen bereits mit Blick auf papierbasierte Materialien entwickelt werden, spielen auch Technologien eine wichtige Rolle, die es ermöglichen, alternative Materialien auf bestehenden Anlagen zu verarbeiten. So können Hersteller neue Verpackungsformate erproben, ohne ihre installierte Maschinenbasis vollständig ersetzen zu müssen.

Die Zusammenarbeit zwischen Sappi und ACMA steht beispielhaft für einen breiteren Trend entlang der gesamten Verpackungswertschöpfungskette. Je anspruchsvoller die Nachhaltigkeitsanforderungen werden, desto stärker verlagert sich Innovation weg von einzelnen Produkten und Technologien hin zu integrierten Lösungen, die bereichsübergreifend und auf Basis unterschiedlicher Fachkompetenzen entwickelt werden.

Partnerschaften werden perspektivisch immer wichtiger

Fazit: Für die Verpackungsindustrie ist die Schlussfolgerung klar: Der Erfolg künftiger Materialien wird nicht allein von ihren ökologischen Eigenschaften abhängen, sondern ebenso von ihrer Fähigkeit, im industriellen Maßstab zuverlässig zu funktionieren Und: Partnerschaften zwischen Materiallieferanten und Maschinenherstellern dürften perspektivisch eine immer wichtigere Rolle dabei spielen, Innovationen in marktfähige Lösungen zu überführen.