Transformation als Neuausrichtung in sich verändernden Märkten

Vom Schwarzwälder David zum Global Player

Faller Packaging ist einer der führenden deutschen Hersteller von Pharma-Verpackungen und doch ein David unter Goliaths, verglichen mit den multinationalen Konzernen, die in den Markt für pharmazeutische Sekundärverpackungen drängen. Dagmar Schmidt ist seit zwei Jahren CEO des badischen Unternehmens und steuert die Transformation zu einem resilienten paneuropäischen Pharmazulieferer.

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Seit den 1990er Jahren fokussiert sich Faller Packaging auf die Pharmabranche.
Seit den 1990er-Jahren fokussiert sich Faller Packaging auf die Pharmabranche.

Dagmar Schmidt erinnert sich: „Als ich auf die CEO-Position bei einem Schwarzwälder Familienunternehmen angesprochen wurde, war mir relativ klar, dass es um Faller geht.“ Nach Führungspositionen bei Flint und XSYS war es ihr ausdrücklicher Wunsch, die Nachfolge in einem Familienunternehmen anzutreten. Der Anruf eines Headhunters kam da genau zur richtigen Zeit und brachte sie ins Gespräch mit dem Management und den Gesellschaftern von Faller Packaging.

Wie Faller, so nutzte auch Schmidt die gemeinsamen Interviews, Standortbesuche in Waldkirch und Binzen sowie ein zweitägiges Schnupperarbeiten, um das jeweilige Gegenüber besser kennenzulernen und sich darin bestätigt zu sehen, dass das, was man sucht, genau das ist, was der jeweils andere bieten kann. „Bei Faller ist eine wahnsinnig gute Basis vorhanden, gerade auch im Wissen und in der Loyalität der Mitarbeitenden. Das Unternehmen hat einen exzellenten Ruf und bewegt sich in einem Markt, der stabil ist und immer noch wächst. Einem Markt, mit dem ich mich identifiziere, ebenso wie mit den Werten des Unternehmens.“

Neue Ausrichtung, neues Management

Dagmar Schmidt, CEO von Faller Packaging
Dagmar Schmidt, CEO von Faller Packaging

Gleichzeitig brachte die neue CEO Expertise und Begeisterung für das Thema Transformation mit, eine große Aufgabe, der sich das Familienunternehmen seit ihrem Eintritt stellt. „Faller muss man nicht beibringen, wie man Topline generiert, das ist die DNA von Faller“, so Schmidt. Dr. Michael Faller und Dr. Daniel Keesman waren über fast drei Jahrzehnte alleine und gemeinsam erfolgreich darin, die Marktposition des Unternehmens zu einem führenden Anbieter von Sekundärverpackungen für die Pharmaindustrie auszubauen. Seit der Fokussierung auf die Pharmabranche in den 1990er-Jahren verzeichnete man ein exorbitantes Wachstum, akquirierte Firmen in Deutschland, Dänemark, Polen und Ungarn, baute neue Standorte auf und erwirtschaftet mittlerweile mit rund 1.500 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von circa 200 Mio. Euro

„In dieser Phase war es unglaublich wichtig, die richtigen Unternehmertypen zu haben, die sagen, wir packen das jetzt an“, ist sich Schmidt sicher. „Jetzt ist es wichtig, auf die veränderten Rahmenbedingungen im Markt zu reagieren und sich strukturell darauf auszurichten.“ Für diese Unternehmensphase hat das Familienunternehmen Faller Packaging bewusst das Management in neue Hände gegeben und sich einen starken finanziellen Rückhalt gesichert.

„Wo eine derartige Positionierung der Marke, diese Markt- und Kundenakzeptanz schon gegeben ist, ist das, was zu tun ist und was ich als Know-how einbringe, eigentlich der einfachere Part“, ordnet Schmidt die Lage ein. Nach 20 bis 30 Jahren des Aufschwungs sieht die Topmanagerin ihre Aufgabe darin, ein neues, an die Zeiten angepasstes Fundament zu bauen, auf dem die nächste Wachstumsphase fußen kann. Dazu gehört es, Strukturen neu zu durchdenken, Prozesse zu formen, die ERP-Landschaft zu vereinheitlichen, kurz: Faller resilient zu machen für Marktphasen, die auch mal unsicherer sein können. „Für viele ist es neu, dass der Markt mal kein zweistelliges Wachstum zulässt. Dann muss man sich aber auch sagen dürfen, dass es okay ist, wenn es in solch einer Phase vorübergehend nicht top-top-top läuft,“ so Dagmar Schmidts klarer Blick auf die Herausforderungen der kommenden Zeit.

Operational Excellence und Unternehmenskultur

Die Transformation, die Faller angestoßen hat und die nach Einschätzung Schmidts noch zwei bis drei Jahre Arbeit erfordert, bezieht sich also nicht nur auf Operational Excellence, sondern auch auf die Unternehmenskultur und auf das Selbstverständnis des Unternehmens. „One Faller“ nennt sich die entsprechende Strategie, in der in regelmäßigen Diskussionsforen nicht nur die Führungskräfte eingebunden werden, sondern auch ein monatlicher Austausch in deutscher und englischer Sprache mit den Mitarbeitenden stattfindet, der rege in Anspruch genommen wird.

Dabei gehört es für Schmidt auch zu einer Transformation, permanent die Dinge zu beleuchten, die man tut, und Produkte, Bereiche oder auch Arbeitsweisen in Frage zu stellen, die man liebgewonnen hat. Eine Aufgabe, die einem externen Management mit frischem Blick von außen vermeintlich leichter fällt als einem Familienunternehmer. „Zu Innovation gehört immer auch Exnovation“, ist eine Aussage Schmidts. So hat Faller sich Anfang des Jahres von Packex getrennt, einem Tochterunternehmen, das man 2019 als Spezialist für kleinauflagige Expressaufträge gegründet hat, das jedoch nicht mehr zur neuen Ausrichtung eines paneuropäischen Pharmazulieferers passt.

Für Faller Packaging, das aktuell 67 % seines Umsatzes im DACH-Raum erwirtschaftet, lautet das Ziel, bis 2030 in allen bedeutenden Pharmamärkten Europas mit den Kernprodukten Faltschachteln, Haftetiketten und Packungsbeilagen vertreten zu sein. Das Potenzial einer Umsatzverdoppelung sieht Schmidt auf diesem Weg als realistisch an, organisch wird dies in einem derart kurzen Zeitraum allerdings nicht zu erreichen sein.

Faller denkt an europaweite Akquisitionen und hat nicht zuletzt dafür einen Investor an Bord genommen, der die finanziellen Mittel bereitstellt, diese Schritte zu begleiten. In einem intensiven Investorenprozess hat Faller sich unter den Interessenten für das Family Office Imker Group entschieden. „Die Wahl fiel hauptsächlich wegen des langfristigen Anlagehorizonts auf Imker. Aber auch wegen der operativen Unterstützung in der Transformation weg von einem familiengeführten Unternehmen zu einer Unternehmensgruppe mit Netzwerkstruktur“, erläutert Schmidt. Im Gegensatz zu fondsbasierten Finanzinvestoren ist Imker ein Investor, der langfristig engagiert bleibt, die Geduld hat, Transformationsphasen zu flankieren und das Unternehmen gemeinsam mit dem Management und den Familiengesellschaftern auf das anvisierte neue Fundament zu heben.

Einblick in die Produktion von Sekundärpackmitteln für die pharmazeutische Industrie.
Einblick in die Produktion von Sekundärpackmitteln für die pharmazeutische Industrie

Und um diese Wachstumsschritte konsequent und strukturiert gehen zu können, ist wiederum die Transformation, die Standardisierung und die Philosophie von One Faller essenziell. Gewinnt man neue Unternehmen zur Faller-Gruppe hinzu, ermöglicht die Vorarbeit, die Schmidt und ihr Team gerade leisten, dass man ERP-Systeme nahtlos integrieren, Produktionsprozesse effizient übertragen und eine Liefer- und Leistungsfähigkeit „Trusted by Pharma“ am neuen Standort schnell und kosteneffizient etablieren kann, letztlich eine Art Plug-&-Play-Plattform für das europäische Faller. „Die einzelnen Produkte kann vielleicht jeder anbieten, aber nicht unbedingt unsere Lösungen. Was Faller ausmacht, ist eine totale Hingabe zum Service. Wir verkaufen nicht nur ein Produkt, wir verkaufen eine Funktionalität und unser Technischer Vertrieb berät den Kunden bis an die Abpackanlage“, unterstreicht Schmidt die Philosophie.

Neue Player am Pharmamarkt

Bei den hohen regulatorischen Anforderungen, die der Markt an Pharmazulieferer stellt, mag man sich über die Aussage wundern, dass jeder derartige Verpackungen anbieten könne, doch Schmidts Blick richtet sich nicht auf die Wettbewerber, mit denen man sich seit vielen Jahren den Markt für Sekundärverpackungen teilt, sondern auf kapitalstarke neue Player, die in dieses Segment drängen. Amcor, CCL und Westrock sind Milliardenkonzerne, neben denen sich Faller – ein Goliath im deutschen Pharmaverpackungsmarkt – noch als David sieht. Daher ist für Schmidt das angestrebte Wachstum und die europäische Aufstellung unumgänglich: „Das Ziel von Faller ist es, ein unabhängiger paneuropäischer Systemlieferant zu sein. Dabei kommt uns zugute, dass die Globalisierung heute nicht mehr so stark im Fokus steht und starke regionale Player an Bedeutung gewinnen.“

Gute Voraussetzungen somit für einen europäischen Verpackungshersteller, auch wenn sich Schmidt bewusst ist, dass das wirtschaftliche Umfeld sich heute schneller verändert als in den 140 Jahren, die das Schwarzwälder Traditionsunternehmen bereits erfolgreich gemeistert hat. „Die Konsolidierungswelle im Sekundärverpackungsbereich für Pharma hat noch nicht einmal angefangen“, konstatiert Schmidt.

Aber mit der angestoßenen Transformation und der absoluten Fokussierung auf den Produkt- und Markenkern ist sie sich sicher, dass Faller auch weiterhin langfristig eigenständig erfolgreich sein kann und wird. So wie es letztlich auch David war, mit Engagement und Mut und dem richtigen Rüstzeug.

Über Knox

Knox ist eine Unternehmens- und Personalberatungsgesellschaft, deren Engagement der Verpackungs- und Druckindustrie gilt, sei es in der Produktion, im Handel oder im Dienstleistungsbereich. Das Team von Knox berät seit nahezu 20 Jahren in Deutschland, Europa und darüber hinaus Unternehmen in diesem Branchenumfeld bei strategischen Herausforderungen, insbesondere auch durch die umfängliche Betreuung und den erfolgreichen Abschluss von Unternehmenstransaktionen.