Paper & Packaging Report 2026
Papier- und Verpackungsindustrie steuert Überkapazitäten, Kosten und Preise neu
Überkapazitäten, hohe Kosten, schwache Nachfrage: Der Paper & Packaging Report 2026 zeigt, warum nur 7 % der Unternehmen ihre Wachstumsziele erreichen – und wie KI, Instandhaltung und Commercial Excellence Profitabilität zurückbringen.
Wie können Unternehmen in der Papier- und Verpackungsbranche ihre Wachstumsziele erreichen? Mit dieser Frage hat sich die Unternehmensberatung Bain & Company beschäftigt.
OpenAI
Strukturelle Überkapazitäten, volatile Inputkosten und eine schwache Nachfrage in vielen Endmärkten belasten weltweit die Profitabilität der Papier- und Verpackungsindustrie. Zwar streben die meisten Unternehmen an, ihre Gewinne viermal so schnell wie der Markt zu steigern – doch lediglich 7 % erreichen dieses Ziel. Zu diesem Ergebnis kommt der „Paper & Packaging Report 2026“ der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company. Er analysiert die Lage der Branche und identifiziert zentrale Hebel für eine verbesserte Effizienz und Leistungsfähigkeit.
„Die Papier- und Verpackungsindustrie operiert in einem strukturell überversorgten Umfeld. Wer sich weiterhin allein auf überholte Nachfrageprognosen stützt, wird auch künftig unter Druck stehen“, erklärt Bain-Partner und Branchenexperte Florian Müller. „Erfolgreiche Unternehmen bewerten ihre Kostenposition, ihr Portfolio und ihre Kapazitätsentscheidungen deutlich rigoroser. So sichern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, der sich in absehbarer Zeit nicht neu ausbalancieren wird.“
Warum KI die Instandhaltung transformiert und Kosten senkt
Überkapazitäten in der Papier- und Verpackungsindustrie sind laut der Studie kein vorübergehendes Phänomen. Erfolgreiche Unternehmen richten ihre Produktion und Volumina daher konsequent auf die profitabelsten Kunden, Produkte und Regionen aus. Zudem prüfen sie gezielt M&A-Optionen, um ihre Netzwerkabdeckung zu erweitern und die Effizienz ihrer Anlagenbasis zu steigern. Auf Standortebene bewerten sie systematisch Handlungsoptionen und deren Auswirkungen auf das Gesamtsystem – etwa im Hinblick auf eventuelle Stilllegungen oder Umrüstungen.
Gleichzeitig entwickelt sich eine durch künstliche Intelligenz (KI) gestützte Instandhaltung in einem kapitalbeschränkten Umfeld zu einem zentralen operativen Hebel. Der Einsatz von KI macht die Instandhaltung prädiktiv und präskriptiv – was Ausfälle, Stillstandzeiten sowie Arbeitskosten reduziert. Im Bereich der Arbeitsproduktivität können Unternehmen durch einen stärkeren Fokus auf die Instandhaltung die durchschnittliche Reparaturdauer eines Systems um 5 bis 15 % reduzieren. Gleichzeitig steigt die effektive Einsatzzeit der Belegschaft („tool-in-hand time“) in der Regel um 15 Prozentpunkte, was insgesamt zu einer Senkung der Instandhaltungskosten pro produzierter Tonne um 17 bis 23 % führt.
Ersatzteilmanagement optimieren und Working Capital freisetzen
Die Studie identifiziert vor diesem Hintergrund drei Säulen einer intelligenten Instandhaltung – Anlagenstrategie, Arbeitsproduktivität und Ersatzteilmanagement – sowie einen vierstufigen Transformationspfad aus Diagnose, Entwicklung, Hochlauf und Skalierung. Bereits die Optimierung des Ersatzteilmanagements – etwa durch bedarfsgerechte Bestandssteuerung oder eine direkte Belieferung der Einsatzorte statt manueller Abholung – kann den Lagerbestand um rund 20 bis 40 % reduzieren und damit erhebliches Working Capital freisetzen. In kapitalintensiven Produktionsumfeldern wirken sich diese Effekte zudem unmittelbar auf die Kosten pro produzierter Tonne aus.
„Die Optimierung der Instandhaltung eröffnet erhebliches Wertpotenzial – sowohl durch höhere Durchsätze als auch durch die Reduzierung von Opex, Capex und Working Capital“, betont Bain-Partner und Branchenexperte Silvan Göldi. „Mit zunehmender Skalierung der Lösungen und sinkenden Kosten ist das Potenzial schon heute enorm. Damit wird intelligente Instandhaltung zu einer renditestarken Chance und zu einer Top-Priorität für viele Führungskräfte in der Papier- und Verpackungsindustrie.“
Warum eine detaillierte Profitabilitätsanalyse wichtig ist
Eine konsequente Preis- und Vertriebssteuerung gewinnt zunehmend an Bedeutung, um die Profitabilität nachhaltig zu sichern. Vielen Unternehmen fehlt jedoch weiterhin ein klares Bild darüber, welche Kunden, Stock Keeping Units (SKUs) oder Vertriebskanäle tatsächlich Wert schaffen. Eine detaillierte Profitabilitätsanalyse auf Einzelkunden- und Produktebene schafft Transparenz über Einbußen bei Preisen, Rabatten und Servicekosten.
„Unsere Analysen zeigen, dass Commercial Excellence ein zwei- bis dreifach höheres Wachstum ermöglichen kann“, erklärt Göldi. „Voraussetzung dafür ist, die Preisarchitektur neu auszurichten, ungerechtfertigte Rabatte konsequent abzubauen, Vertragsverlängerungen stringenter zu steuern und die Vertriebsaktivitäten gezielt auf die attraktivsten Profit Pools auszurichten.“
Wachstumspotenziale präzise identifizieren – und ausschöpfen
KI-gestützte Tools – darunter Web Scraping und geodatenbasierte Analysen – kommen zunehmend zum Einsatz, um neue Nachfragecluster und gezielte Wachstumspotenziale zu identifizieren. Diese hohe Präzision gewinnt insbesondere in Branchen an Bedeutung, in denen die zunehmende Konsolidierung auf Kundenseite den Wettbewerbsdruck weiter verschärft. Darüber hinaus nutzen führende Unternehmen KI zunehmend, um die Absatz- und Produktionsplanung in einen kontinuierlichen, szenariobasierten Steuerungsprozess zu überführen und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren.
„Erfolgreiche Unternehmen gehen konsequent ins Detail“, bilanziert Bain-Partner Florian Müller. „Sie wissen genau, wo und womit Umsätze erzielt werden – bis hinunter auf SKU-Ebene – und verfolgen einen datengetriebenen Ansatz, um profitable Vertriebschancen auf Kundenebene gezielt zu erschließen.“ Darauf aufbauend lassen sich Potenziale zur Verbesserung der Preisperformance realisieren und zusätzlicher Wert im Markt abschöpfen.