Feldmuehle in Uetersen

Papierhersteller Feldmuehle setzt künftig auf Dampf statt Gas. (Bild: Feldmuehle)

Nachdem die Gaslieferungen seitens Russlands in den vergangenen Wochen aus, wie es scheint, politisch motivierten Gründen gedrosselt wurden, bereiten sich Politik und Wirtschaft auf eine Mangelsituation in den kommenden Monaten ein.

Hierdurch ausgelöst wurden teils kontroverse Diskussionen über den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken und sogar die Reaktivierung stillgelegter Atommeiler. Darüber hinaus wurden Maßnahmen entwickelt, wie der Gasverbrauch beispielsweise durch niedrigere Raumtemperaturen im Winter reduziert werden könnte.

Betroffen ist hier neben Privathaushalten natürlich auch die Wirtschaft, beispielsweise die Prozessindustrie – oder die Papierindustrie. Sorgen bereits den Unternehmen dabei nicht nur die reine Versorgung mit Gas, sondern auch die explodierenden Kosten. So müsse der Staat nach Ansicht der deutschen Papierindustrie die für den Herbst 2022 geplante Gasumlage streichen und die Kosten vollständig übernehmen.

Es sei richtig und nachvollziehbar, dass der Staat den Gasimporteur Uniper vor dem Konkurs bewahrt habe. Die Kosten dafür dürfe er aber nicht auch noch auf Verbraucher und Industrie abwälzen, argumentiert der Verband Die Papierindustrie in einer vor wenigen Tagen veröffentlichte Pressemeldung.

Feldmuehle setzt künftig auf Dampf statt Gas

Der Papierhersteller Feldmuehle hat sich mittlerweile sogar dazu entschieden, die eigene Abhängigkeit von Gas zu beenden und stellt zum Q4 2022 auf leichtes Heizöl als alternativen Brennstoff um. Hierdurch will das Unternehmen den Weiterbetrieb der Produktion auch bei verschärftem Gasmangel sicherstellen und nicht zuletzt die eigene Wettbewerbsfähigkeit bei den zuletzt stark gestiegenen Gaspreisen bewahren.

Die hierfür nötige Investition in Höhe von 2,6 Mio. Euro finanziert ein außerordentlicher Gesellschafterbeitrag.

Mittel- bis langfristig will Feldmuehle den Produktionsstandort in Uetersen CO2-neutral aufstellen, hierzu will das Unternehmen vermehrt auf Wind- und Solarenergie sowie Geothermie setzen.

Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung
Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung (Bild: Hüthig)

Und was tun Sie?

Mit der Umstellung von Gas auf Dampf hat sich der Papierhersteller Feldmühle ein Stück Unabhängigkeit von eventuellen Engpässen bei der Gasversorgung ermöglicht.

 

Uns von der Redaktion neue verpackung interessiert nun natürlich: Wie reagiert der Rest der Verpackungsbranche auf die drohende Verknappung? Hat beispielsweise Ihr Unternehmen bereits Maßnahmen ergriffen und fühlt sich gewappnet auf den Fall, der uns hoffentlich erspart bleibt?

 

Wir sammeln aktuell spannende Best Practices, um unseren Lesern diese zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie mögen, dann schreiben Sie mir: philip.bittermann@huethig.de

Positionspapier „Reset in der Energiepolitik“

Am 28. September reagierte auch der Verband Die Papierindustrie mit dem Positionspapier „Reset in der Energiepolitik“ auf die durch die Gaskrise stark gestiegenen Energiepreise, in dem der Rahmen für eine künftige Energiepolitik skizziert wird.

„Wir sind als energieintensive Branche in hohem Maße von einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung abhängig. Deshalb haben wir jetzt ein Positionspapier erarbeitet, das als Denkanstoß an die Politik gegeben wird“, erklärt Winfried Schaur, Präsident des Verbandes.

Die deutsche Papierindustrie erkenne die Bemühungen der Bundesregierung an, heißt es in dem Papier. Sie warnt jedoch davor, in der aktuellen Notlage die mittelfristigen strukturellen Herausforderungen für den Industriestandort Deutschland aus den Augen zu verlieren. Eine konsistente Energiepolitik müsse neben der Versorgungssicherheit weiterhin wettbewerbsfähige Energiepreise im Blick haben. Im Einzelnen schlägt der Verband folgende Maßnahmen vor:

Kurzfristig:

  • Deutschland benötigt dringend mehr grundlastfähige Stromerzeugungskapazitäten am Strommarkt, die unabhängig von russischen Energieimporten sind. Dies bedeutet, dass insbesondere die stillgelegten Braun- und Steinkohle-Kraftwerke schnellstmöglich wieder ans Netz gehen müssen. Aber auch die Ende 2021 abgeschalteten Kernkraftwerke sowie die noch laufenden drei (insgesamt ca. 10 GW) müssen als Brückentechnologie weiter für die Stromerzeugung genutzt werden. Ihr Betrieb stützt die Grundlast, erhöht die Versorgungssicherheit und wirkt preisdämpfend.
  • Entscheidungen über eine Reduzierung der konventionellen Energieerzeugung müssen abhängig von der tatsächlichen zusätzlichen gesicherten und grundlastfähigen Leistung Erneuerbarer Energien in regelmäßigen Abständen überprüft werden.
  • Das Strommarktdesign muss auf den Prüfstand und die Preisbildung an einen veränderten Erzeugungsmix angepasst werden.
  • Der Spitzenausgleich für die energieintensive Industrie muss für mindestens zwei Jahre verlängert werden.
    Die Bundesnetzagentur muss den durch das Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz geschaffenen Spielraum bei der 7.000-h-Regel für 2022 vollständig und sofort nutzen.
  • Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft muss zeitnah ein Industriestrompreis eingeführt und ein Entlastungsmechanismus für die enorm hohe Gaspreise entwickelt werden.
  • Die Politik muss zügig neue Szenarien für eine gesicherte Stromproduktion erarbeiten und dabei auch Worst-case-Szenarien im europäischen Kontext berücksichtigen.

Mittelfristig:

  • Der Zubau Erneuerbarer Energien muss mit Nachdruck und starker Beschleunigung der Genehmigungsverfahren vorangetrieben werden. Dabei müssen die Kapazitätsziele realistisch bewertet werden.
  • Neue Formen zur Stabilisierung der Energieversorgung (Power-to-X) müssen realistisch miteinbezogen und Übergangsszenarien durchdacht werden.
  • Die verstärkte Gasförderung im Inland (Offshore, Schiefergas, u.a.) muss aktiv vorangetrieben werden.
  • Unternehmen müssen finanziell dabei unterstützt werden, ihre Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen im Prozessbetrieb (Dampf, Trocknung, etc.) weiter zu verringern und die Umstellung auf strombasierte Prozesse zu beschleunigen. Nur so kann die Transformationsgeschwindigkeit erhöht werden.

Angekündigte Gaspreisbremse schafft Unternehmen Perspektive

Mit dem Ende Oktober 2022 vorgelegten Abschlussbericht der Gaskommission sieht auch die Papierindustrie wieder ein Stück weit Licht am Ende des Tunnels: „Die Gaspreisbremse verschafft gerade energieintensiven Unternehmen in Deutschland wieder eine Perspektive“, erklärt Winfried Schaur, Präsident von Die Papierindustrie.

Als besonders wichtig hob der Verband hervor, dass auch für mit Gas betriebene KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung) eine Lösung gefunden wurde, da diese Technologie die Papierindustrie in die Lage versetzt, effizient Energie zu erzeugen.

In diesem Kontext mahnte der Verband an, ebenfalls zügig für eine Entlastung bei den Strompreisen über eine Strompreisbremse zu sorgen – und zwar unter Miteinbeziehung der erwähnten KWK-Anlagen, da es auf keinen Fall zu einer Benachteiligung gerade der effizientesten Form der Energieerzeugung komme.

Gleichzeitig betont Schaur die Wichtigkeit der Hilfen an Standort- und Transformationsvereinbarungen: „Gerade in der Papierindustrie sind viele Unternehmen schon seit Generationen fest am Standort verankert. Wir wollen unsere Produktion und unsere Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Die jetzt geplanten Hilfen sind dafür ein wichtiger Faktor. Daher ist die Politik gut beraten, den Bericht der Kommission auch genauso umzusetzen.“

Nachhaltige Verpackungen: der große Überblick

Grafik von Lebensmitteln im Supermarktregal
(Bild: sabelskaya - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema nachhaltige Verpackungen wissen? Klar ist, dass der Bedarf an nachhaltigen Verpackungen in den kommenden Jahren stark steigen wird. Aber das Thema ist komplex: Wann gilt denn überhaupt eine Verpackung als nachhaltig und welche Kriterien müssen dabei künftig erfüllt sein? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

 

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