Von KI-gestützter Datenverarbeitung über Kreislaufsysteme bis hin zu Smart Packaging: RFID (Radio Frequency Identification) steht vor einem weiteren Entwicklungsschub. Folgende technologischen und regulatorischen Trends werden 2026 relevant und eröffnen neue Einsatzfelder.
Dominik SteickertDominikSteickertDominik SteickertEntwicklungsleiter beim RFID-Konsortium
3 min
RFID wandelt sich mehr und mehr zu einem zentralen Baustein vernetzter Wertschöpfung.Open AI
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RFID-Technologien stehen vor einer Phase vertiefter
Integration in digitale, nachhaltige und sicherheitskritische Prozesse.
Getrieben durch regulatorische Vorgaben, steigende Datenanforderungen und neue
Geschäftsmodelle entwickelt sich RFID von einer reinen
Identifikationstechnologie zu einem zentralen Baustein vernetzter
Wertschöpfung. Künstliche Intelligenz, Kreislaufwirtschaft, neue
Transponderkonzepte, erhöhte Sicherheitsanforderungen und Smart Packaging
erweitern die Einsatzmöglichkeiten deutlich. Die folgenden fünf Trends zeigen,
welche technologischen und strukturellen Entwicklungen den RFID-Einsatz ab 2026
prägen werden und welche Relevanz sie für Industrie, Logistik und Handel haben.
1. RFID und Künstliche Intelligenz (KI)
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Der Trend, RFID-Technologie mithilfe Künstlicher Intelligenz
noch leistungsfähiger zu machen und vor allem neue Anwendungsfelder zu erschließen,
setzt sich auch 2026 fort. RFID eignet sich ideal, um im Feld Big Data zu
generieren, die für das Training von Machine-Learning-Modellen benötigt werden.
Gleichzeitig ermöglicht RFID die Standardisierung von Datenflüssen und erreicht
in Kombination mit KI, insbesondere bei der Datenbereinigung durch selektives
Filtern, ein neues Qualitätsniveau. Unternehmen haben dadurch die Chance, ausschließlich
die tatsächlich benötigten Daten in ihre übergeordneten Systeme zu überführen. Diese
Form der intelligenten Datenweitergabe beschleunigt und automatisiert Prozesse,
ohne zusätzlichen Aufwand. Innovative RFID-Integrations- und Managementsysteme
mit KI-Unterstützung erfassen Daten an stationären Readern, RFID-Gates oder RFID-Tunneln
Daten, filtern diese passgenau für die angebundene IT-Systeme und geben exakt definierte
Datentelegramme an WMS oder andere Backendsysteme weiter. Im Shopfloor können
dabei mehrere Lesestationen durch Schwarmintelligenz miteinander interagieren. KI
verbessert permanent die Filter- und somit Ergebnisqualität. Dieser Trend
umfasst nicht nur die intelligente Datenerfassung, -weitergabe und -analyse,
sondern auch das Management der kompletten RFID-Hardware-Infrastruktur. Ziel
ist es, die Komplexität von RFID durch Künstliche Intelligenz so weit zu
reduzieren, dass Anwendungen in Logistik, Produktion und Handel deutlich einfacher
umgesetzt werden können – bei gleichzeitig stark verkürzten Projektlaufzeiten.
Der Einsatz von RFID-Technologie im Smart Packaging macht Verpackungen interaktiv und rückverfolgbar: ein Plus für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz.RFI-Konsortium
2. RFID in
Kreislaufsystemen (Shared Economy)
Das Konzept der Shared Economy zur nachhaltigen
Ressourcenwirtschaft ist mit einer Reihe von Maßnahmen im Koalitionsvertrag der
Bundesregierung verankert. Zudem soll der Digitale Produktpass als
EU-Verordnung zur ökologischen Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden. Ab 2026 ff.
werden mehr Rohstoffe verpflichtend in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft
zurückgeführt werden müssen – auch um Lieferketten unabhängiger und resilienter
aufzustellen. RFID wird dabei eine der führenden Technologien sein, um Produkte
in einem Kreislaufmodell digital abzubilden. Das Konzept „Reuse, Repair,
Recycle“ erfordert eine Auto-ID-Technologie, die Rohstoffe bereits vor dem
Herstellungsprozess eindeutig identifiziert, das Fertigprodukt entlang der
Lieferkette nachverfolgt und über den gesamten Produktlebenszyklus bis zum
End-of-Life und anschließendem Recyclingprozess, abbildet – ohne manuellen
Mehraufwand. Mit den regulatorischen Anforderungen steigt die Anzahl der
benötigten Datenpunkte, um Daten automatisiert entlang der Supply Chain zu erfassen
und weiterzugeben. Parallel dazu treibt der gesellschaftliche Trend zur Wiederverwendung
Geschäftsmodelle voran, die ihren Fokus zunehmend auf Verleih statt Verkauf
legen. Unternehmen, die Verleihartikel wie Büromöbel oder Eventequipment durch
alle Supply-Chain-Prozesse führen, gewinnen mit RFID lückenlose Transparenz – einschließlich
zu Status und Zustand jedes einzelnen Artikels. Der Trend zur
Kreislaufwirtschaft umfasst darüber hinaus den Nachweis fairer
Arbeitsbedingungen, nachhaltiger Rohstoffe und dokumentierter Transportwege. RFID
ermöglicht auf kleinster, der sogenannten Item-Ebene, die Serialisierung
einzelner Objekte und kann in Kombination mit verbraucherfreundlichen QR-Codes umfassende
Informationen über ein Produkt geben. Ein Trend, der sowohl gesetzlich als auch
gesellschaftlich getrieben ist.
RFID (Radio-Frequency Identification) ist eine Technologie
zur drahtlosen Identifikation und Lokalisierung von Objekten. Sie nutzt
Funkwellen, um Daten zwischen einem RFID-Transponder (Tag) und einem Lesegerät
zu übertragen. Der Tag speichert Informationen, etwa eine Identifikationsnummer,
und kann ohne Sichtkontakt ausgelesen werden. Bei Verpackungen wird RFID vor
allem zur Identifikation, Rückverfolgbarkeit und Bestandsüberwachung
eingesetzt. Typische Anwendungen sind Transport- und Mehrwegverpackungen,
Paletten, Behälter und KLTs, um Warenströme entlang der Lieferkette automatisch
zu erfassen. Zudem unterstützt RFID-Inventuren, Fälschungsschutz und die
Prozesssteuerung in Logistik- und Produktionsumgebungen.
Auch im Bereich der Transponder-Materialien gewinnt das
Thema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung. Chiplose RFID-Technologien verzichten
auf den klassischen Mikrochip und nutzen stattdessen Antennenstrukturen, die
Funksignale empfangen und reflektieren. Sie sind recyclingfähig und biologisch
abbaubar. Gleichzeitig werden neue RFID-Transponder immer sensitiver. Darüber
hinaus lassen sie sich in neuen Umgebungen einsetzen, beispielsweise wenn sie
mikrowellengeeignet sind. Dadurch lassen sich neue Prozesse mit RFID erschließen.
Entsprechend vielfältig sind ihre Einsatzbereiche, etwa in Logistik, Verpackung
und Plagiatschutz.
4. Sicherheit und Datenschutz
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Mit der Zunahme von Cyberattacken und wirtschaftlicher Sabotagebedrohung
steigt die Notwendigkeit, RFID-Lösungen durch effiziente Datenverschlüsselung
und Zugriffskontrollen zu verbessern. Insbesondere im Automotive-Sektor ist die
Nachfrage nach verschlüsselten Transpondern im HF und UHF-Bereich stark gestiegen.
Eine Tendenz, die sich 2026 und darüber hinaus fortsetzen wird. Neue Standards
und Protokolle zielen darauf ab, Manipulationen und unbefugtes Auslesen von
RFID-Daten zu verhindern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die kryptografische
Challenge-Response-Authentifizierung gemäß ISO/IEC 29167. Bei diesem Verfahren sendet
der Reader eine zufällige „Challenge“, etwa eine Zufallszahl an den Transponder.
Mithilfe eines geheimen Schlüssels verarbeitet der Chip diese Information und
sendet das Ergebnis als „Response“ zurück. Der Reader führt dieselbe Berechnung
durch und vergleicht die Ergebnisse, um die Echtheit des Chips zu prüfen, ohne
das Geheimnis preiszugeben. Auf diese Weise lassen sich einfache Klon-Angriffe verhindern;
häufig werden zusätzlich Session-Keys zur Verschlüsselung der weiteren
Kommunikation erzeugt. Mit dem Einsatz hochsicherer RFID-Tags kommt auch eine
neue Generation von Readern auf den Markt.
Autor Dominik Steickert ist Entwicklungsleiter beim RFID-KonsortiumRalph Hoppe
5. RFID Smart Packaging
Der Einsatz von RFID-Technologie im Smart Packaging wird in 2026
und den Folgejahren weiter ausgebaut, um Verpackungen interaktiv und
rückverfolgbar zu gestalten – ein Plus für Nachhaltigkeit und
Verbraucherschutz. Laut einer Studie vom Marktforschungs- und
Beratungsunternehmen Fortune Business Insights wird für den Zeitraum von 2025
bis 2032 ein Marktvolumen von 26,06 Mrd. US-Dollar prognostiziert, was die
wachsende Relevanz dieser Technologie unterstreicht. Der Trend bietet drei zentrale
Vorteile: Erstens die Lieferkettenoptimierung: RFID ermöglicht die automatische
und kontaktlose Verfolgung von Produkten über die gesamte Supply Chain.
Zweitens die Echtzeit-Interaktion mit Endkunden: Durch die Integration von RFID
in die Verpackung können Marken während des Transportwegs mit Konsumenten interagieren
(Customer Engagement). Drittens erlaubt RFID Smart Packaging die Zustandsüberwachung,
etwa in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, indem Informationen zu Frische
und Temperatur erfasst werden.